100 Jahre DGU – Urologenkongress in Berlin eröffnet

Professor Dr. Claus Fischer, der Vorsitzende des DGU-Arbeitskreises Prävention, Umwelt- und Komplementärmedizin. - Quelle: UrologenportalProfessor Dr. Claus Fischer, der Vorsitzende des DGU-Arbeitskreises Prävention, Umwelt- und Komplementärmedizin. - Quelle: Urologenportal

Heute wurde der jährlich stattfindende Deutsche Urologenkongress als einer der weltweit größten Kongresse der Urologen eröffnet. Dort werden dieses Jahr auch wieder etwa 7000 Fachbesucher auf dem 59. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) in der Bundeshauptstadt erwartet. Mit dabei sind dieses Jahr auch die Österreichische Gesellschaft für Urologie . Internationale Experten diskutieren im Internationalen Congress Centrum noch bis zum 29. September aktuelle Erkenntnisse ausForschung, Diagnostik und Therapie der Urologie. In der begleitenden Industrieausstellung präsentieren mehr als 160 Firmen Neuheiten aus Pharmakologie und Medizintechnik.

Hauptthemen des Urologenkongress 2007

Genau ein Jahrhundert nach dem ersten Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. 1907 in Wien veranstaltet die medizinische Fachgesellschaft ihre Jubiläums-Tagung in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie (ÖGU). Die Tagungs-Präsidenten Professor Dr. Lothar Hertle (DGU) und Professor Dr. Walter Stackl (ÖGU) würdigten auf der Eröffnungs- Pressekonferenz die großen Fortschritte in der Diagnostik und Therapie urologischer Erkrankungen in der Vergangenheit.

„Mit der Entwicklung der Endoskopie legte die Urologie einen wesentlichen Meilenstein der modernen Medizin“, so Prof. Hertle. Trotz des historischen Datums stehen in bewährter Weise der aktuelle Wissenschaftsaustausch, medizinische Innovationen und Nachwuchsförderung im Mittelpunkt des 59. Urologen-Kongresses. „Wie immer deckt unser Kongress das gesamte Gebiet der Urologie in aller Breite ab“, sagt Prof. Hertle. Die Lebend-Nierenspende, Chemotherapie beim Prostatakarzinom, die moderne Behandlung von Störungen beim Wasserlassen sowie aktuelle Möglichkeiten der Andrologie bei der Therapie männlicher Unfruchtbarkeit und Impotenz und beim Hormonersatz für den alternden Mann waren die Themen der heutigen Pressekonferenz. Novum im 100sten Kongress-Jahr: Erstmals gibt es unter dem Dach der Jahrestagung der Urologen einen eigenständigen Pflegekongress für die urologischen Assistenz- und Pflegeberufe. Morgen haben Patienten und Interessierte die Möglichkeit, im Rahmen der Fach-Tagung kostenlos und ohne Voranmeldung eine öffentliche Informationsveranstaltung zu besuchen.

„Prostatakrebs – Was gibt es Neues“ lautet der Titel des Patientenforums am Donnerstag, den 27.September 2007, 19.30 bis 21.30 Uhr in Saal 6 des Internationalen Congress Centrums Berlin.

Eröffnung der Pressekonferenz:

Wissenschaftliche Themen:

Nierentransplantation -Widerspruchslösung und Subsidiarität der Lebendspende auf dem Prüfstand
Prof. Dr. Paolo Fornara

Im vergangenen Jahr 2006 konnten in Deutschland erstmals über 4.000 postmortal gespendete Organe transplantiert werden. Dies war nur möglich, weil insgesamt 1.259 Menschen bundesweit nach dem Tod ihre Organe gespendet haben, das sind 3,2 % mehr als im Jahr zuvor. Damit stieg die Zahl der Organspender pro Millionen Einwohner in Deutschland zum ersten Mal über 15. Die Bereitschaft anderen Menschen zu helfen, ist in Deutschland sehr groß, aber bei weitem noch nicht aus­reichend. Immer noch stehen mehr als 12.000 Patientinnen und Patienten auf der Warteliste für eine Transplantation, allein 8.473 Menschen warten derzeit auf eine Niere. Jeden Tag sterben 3 Patienten, die auf der Warteliste stehen, Medizinisch hat die Organtransplantation einen sehr hohen Standard erreicht, 85 % der transplantierten Nieren bei postmortalen Spenden bzw. 93 % der transplantierten Organe nach Lebendspende sind nach einem Jahr funk­tionstüchtig, nach 5 Jahren funktionieren immerhin noch 68 % bzw. 82 % aller Spendernieren.

Bei Herz-, Leber-, Lunge- und Bauchspeicheldrüsentransplantationen liegen die Erfolgsraten nur geringfügig darunter. Trotz intensivster Bemühungen auf individueller und institutioneller Ebene ist es bisher allerdings nicht gelungen, die Lücke zwischen verfügbaren und tatsächlich benötigten Organen zu schließen. In den letzten 10 Jahren konnte die Anzahl von Nierentransplantationen gerade mal von 2.249 auf 2,776 erhöht werden. Der Anteil an Lebendspenden beträgt ca. 19 %, im vergangenen Jahr waren es 522. Damit ist Deutschland im internationalen Vergleich Schluss­licht, macht doch der Anteil an Lebendnierenspenden in den USA 54 % und in europäischen Staaten wie Griechenland, Norwegen und Spanien mehr als 50 % aller Nierentrans­plantationen aus. In den Niederlanden und der Schweiz stammt jede dritte Niere von einer Lebendspende. Das Ziel der Transplantationsmedizin, so auch der Nieren­transplantation, möglichst viele Patientinnen und Patienten auf der Warteliste mit lebenswichtigen Organen zu ver­sorgen, kann nur erreicht werden, wenn neben den medizinischen Fortschritten auch und insbesondere alle Möglichkeiten zur Organspende umgesetzt werden.

10 Jahre nach Inkrafttreten des Transplantationsgesetzes (TPG) muss heute festgestellt werden, dass das TPG zwar zu mehr Rechtssicherheit, aber nicht zu mehr Organen geführt hat. Es ist also an der Zeit zu überlegen, ob – wie auch vom Ethikrat neulich angeregt – weitreichende gesetzliche Veränderungen diskutiert werden müssen. Zentrale Themen sind dabei die Einführung der Wider­spruchlösung, statt der in Deutschland praktizierten Zustimmungslösung und die Abschaffung der Subsidiarität der Lebendspende. Vergleicht man die internationalen Organspendezahlen steht fest, dass in Ländern mit der Widerspruchslösung die Zahlen der Organspende fast doppelt so hoch liegen wie in Deutschland. So zählen z. B. Österreich 25 und Spanien 34 Organspender pro Million Einwohner. Die Funktionsraten (CTS-Studie Deutschland 1995-2004) nach Lebendspende liegen zwischen 10 % und 15 % besser als nach Transplantation eines postmortal gespendeten Organs.

Empfänger eines Lebendspenderorgans leben statistisch länger (USRDS-Daten 1995-2001). In Kenntnis, dass die Lebendspende definitiv die bessere Therapieform für einen Patienten darstellt, da sie eine bessere Funktionsrate und ein längeres Leben ermöglicht, erhebt sich die Frage, ob aus medizinischer Sicht die gesetzliche verankerte Nachrangigkeit der Lebendspende medizin-ethisch heute überhaupt noch vertretbar ist.

Chemotherapie beim Prostatakarzinom
Prof. Dr. Peter Albers Direktor der Klinik

Das Prostatakarzinom ist mit inzwischen 50.000 Neu­erkrankungen pro Jahr der häufigste Tumor beim Mann, Zurzeit beträgt der Anteil der metastasierten Patienten daran etwa 10 % und die Krebssterblichkeit insgesamt beläuft sich auf ca. 20 %.

Im Stadium der metastasierten Erkrankung ist der Tumor nicht mehr heilbar. Unter der seit mehreren Jahrzehnten üblichen antihormonellen Therapie des metastasierten Prostatakarzinoms sind 5 Jahres­überlebensraten von 35 % zu erwarten. Sobald der Tumor hormonunempfindlich wird, und damit auf diese Form der Therapie nicht mehr reagiert, ist ein medianes Überleben von 12 Monaten zu erwarten. Seit 2 Jahren konnte eine Verbesserung des Gesamtüberlebens für hormonresistente metastasierte Prostatakarzinompatienten durch die Einführung einer Docetaxel-basierten Chemotherapie erreicht werden. Wenn ein Patient auf die Chemotherapie anspricht, dann kann dies eine Lebensverlängerung um mehrere Jahre bedeuten. Die Nebenwirkungen der Docetaxel-Chemo-therapie sind tolerabel, so dass diese Therapie in den aller­meisten Fällen ambulant durchgeführt werden kann. Die Chemotherapie des metastasierten Prostatakarzinoms ist nur ein Baustein der Gesamtherapie des Patienten, der häufig auch parallel symptomatisch therapiert werden muss (z.B. Schmerztherapie bei Wirbelkörpermetastasen),

Die Chemotherapie hat jedoch auch schmerzlindernde Wirkung, so dass das Ziel der Therapie nicht die Heilung des Patien­ten, sondern die Verlängerung des Überlebens bei guter Lebensqualität sein muss. Um diese Zielsetzung weiter zu verbessern, sind zurzeit Kombinationstherapien mit Docetaxel und neuen Krebsmedikamenten (z.B. Angiogenese-hemmer, Caicitriol) in klinischer Prüfung.
Gleichzeitig haben Kombinationstherapien bisher schon zeigen können, dass die Nebenwirkungsrate der Docetaxeltherapie verringert und damit die Dauer der Therapie verlängert werden kann, Die Herausforderung für die nächsten Jahre ist die Identifikation der Patienten, die mit ihrem Tumor gut auf Chemotherapie ansprechen und die Verfeinerung der Applikationsform der Therapie (z. B. intermittierende Applikation, Dosis-Wirkungskalkulation). Zusammenfassend steht seit nunmehr 2 Jahren eine erstmals in Bezug auf die Überlebensverlängerung wirksame Chemotherapie des metastasierten hormonresistenten Prostatakarzinoms zur Verfügung, deren Effektivität und Verträglichkeit zurzeit durch laufende klinische Studien verbessert wird,

Prostata – oder was? Beschwerden des Unteren Harntrakts
Prof. Dr. Peter Alken

Der 6-jährige Junge, der beim Spiel vergisst, pinkeln zu gehen und dann, vom plötzlichen Harndrang überrascht, in die Hose macht, denkt nicht über das Leben und seine Prostata nach und nicht an den Urologen sondern nur an seine Mutter, die wegen der verschmutzten Hose schimpfen wird. Aber da wird unter Umständen schon etwas gebahnt. Der 60-Jährige wird allein durch Nachträufeln von ein paar Tropfen Urin nach dem Wasserlassen an das Alter erinnert, denkt, dass der Urologe ihn bald kastrieren wird und geht deshalb erst mal nicht zum Arzt. Es gibt keine Körperregion über die so viele Missverständ­nisse existieren, wie über den „Unteren Harntrakt“ beim Mann. Standardvorstellung war: Eine sich langsam zunehmend vergrößernde Prostata ist die einzige Ursache einer Reihe unterschiedlicher Beschwerden beim Wasser­lassen. Die nicht immer befriedigende Therapie war die Abhobelung der kleinen Prostata durch die Harnröhre oder die offene Operation bei sehr großer Prostata. Benigne Prostatahyperplasie, kurz BPH (die histologische Diagnose der Veränderungen der Prostata) oder Benignes Prostata-syndrom, kurz BPS (Beschwerden, die auftreten können, aber nicht müssen! wenn die Prostata vergrößert ist) sind die gängigen Bezeichnungen.

Heute weiß man (der Urologe), dass es verschiedene Gründe für die unterschiedlichen Beschwerden beim Wasserlassen gibt. Die Prostata ist in nur der Hälfte der Fälle das Problem. Vielmehr können Blase – Schließmuskeln – Prostata – Harnröhre einzeln, unabhängig voneinander falsch funktionieren, aber auch mit identischen Beschwerden zusammen erkran­ken. Psychogene Komponenten und Verhaltensstörungen spielen eine wichtige Rolle; dementsprechend groß ist der Placeboeffekt therapeutischer Maßnahmen. Aufgrund dieser Erkenntnisse können und müssen die unterschiedlichen Ursachen heute verschieden behandelt werden.

Auch die Terminologie hat sich erweitert: Untere Harntrakt­symptome wie häufiges Urinieren, unwillkürlicher Urinverlust oder Startschwierigkeiten beim Urinieren, werden als LUTS (Lower urinary tract Syndrom) bezeichnet.

Kurz:
Die verschiedenen Ursachen unterschiedlicher Beschwerden des Unteren Harntraktes des Mannes lassen sich dank differenziertem Verständnis heute sicher diagnos­tisch erfassen und die Behandlung kann maßgeschneidert angepasst werden. Das Spektrum der Behandlungsmethoden reicht von-Medikamenten über minimal invasive Eingriffe bis zu klassischen Operation. Der Patient bekommt, was er wirklich braucht und wenn zwischen Alternativen gewählt werden kann, was er will, wenn es sinnvoll ist.

Was sind die Probleme des unteren Harntraktes im Einzelnen?
Oft und viel Urin: Kein urologisches Problem, denn normal ist: Wer viel Urin produziert, muss oft urinieren.

Beispiele:
Gegen 3 Bier oder die Hochdrucktabletten am Abend hilft keine Prostataoperation. Oft und wenig Urin: Urologisches Problem, denn wer dem ersten Harndrang bei etwa 100 bis 150 ml Blasenfüllung gehorchen muss, mit dem geht die Blase auf die Toilette wann sie will und nicht wann Mann will.

Männersache – Infertilität, Impotenz und Co, Die Andrologie ist gefragt
Prof. Dr. Sabine Kliesch

Die Entscheidung für ein Kind fällt deutschen Paaren zunehmend schwerer. Der Geburtenrückgang hat hierzulande inzwischen gesellschaftspolitisch relevante Ausmaße angenommen. Umgekehrt aber bleibt immer mehr Paaren der Wunsch nach einem Kind versagt. Heute ist etwa jedes sechste Paar ungewollt kinderlos. Hier kommt nun der Urologe ins Spiel, denn die Ursachen unerfüllten Kinder­wunsches liegen jeweils zu einem Drittel bei der Frau oder beim Mann, bei einem Drittel der Paare finden sich Ursachen auf beiden Seiten. Ursachen auf Seiten des Mannes sind ein Fall für die Andrologie, ein Spezialgebiet der Urologie, das sich mit der Männerheilkunde befasst. Genauer gesagt, mit den spezifischen männlichen Problemen der unterschied­lichen Lebensabschnitte. Darunter natürlich auch die Infertilität. Dank sehr detaillierter Abklärung von Störungen der Zeugungsfähigkeit und der korrekten Wahl des geeig­neten Behandlungsverfahrens – das sind sowohl Verfahren der künstlichen Befruchtung als auch operative Verfahren -ist es heutzutage in enger Zusammenarbeit mit den Frauenärzten in vielen Fällen möglich, dem kinderlosen Paar zum erhofften Nachwuchs zu verhelfen.

An dieser Stelle ist angesichts der genannten Ursachen­verteilung der Appell angebracht, im Rahmen der inter­disziplinären Behandlung des unerfüllten Kinderwunsches zeitnah immer auch die Rolle des Mannes zu berück­sichtigen. Noch immer suchen viele Paare die Ursache erstrangig bei der Frau. Mindestens sieben Prozent aller Männer werden im Laufe ihres reproduktiven Lebens mit Problemen der Zeugungsfähigkeit konfrontiert. Die Ursachen der Infertilität sind meistens vielschichtig. Die Störungen können in den übergeordneten Zentren der Hormonsteuerung (Hypothalamus und Hypophyse), den Hoden (Testes) selbst, den begleitenden Geschlechtsdrüsen (Samenblasen und Prostata), in der Potenz im weitesten Sinne und den Wirkorganen des Testosterons, des männlichen Sexual­hormones, liegen. Konkret heißt das, dass entweder nicht ausreichend genug Spermien gebildet werden, ihre Beweglichkeit oder ihre normale Struktur verändert sind. Auch die Erkenntnis über genetisch verankerte Störungen – wie z.B. das Klinefelter-Syndrom oder Defekte des Y-Chromosoms – , die ursächlich für die Infertilität sind, hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung insbesondere auch in der Beratung der betroffenen Paarae gewonnen.

Zu den operativen Verfahren bei der Behandlung der schwersten Form der männlichen Infertilität, der Azoospermie (= Fehlen von Spermien im Ejakulat) gehören die Spermien-gewinnung aus dem Hoden (TESE = testikuläre Spermien-extraktion) oder Nebenhoden (MESA = mikrochirurgische epididymale Spermienaspiration), die immer mit der Kryokonservierung (Einfrieren) der gewonnenen Spermien kombiniert wird. Sowohl die Techniken der Kryokonservie­rung als auch die operativen Entnahmetechniken unterliegen einer kontinuierlichen Weiterentwicklung. Die Spermien können dann mittels Verfahren der künstlichen Befruchtung (ICSI-Therapie, intrazytoplasmatische Spermieninjektions-therapie) erfolgreich zur Behandlung der Kinderlosigkeit verwendet werden.
Darüberhinaus kann die Technik der Kryokonservierung von Samenzellen präventiv bei Patienten zum Einsatz kommen, die aufgrund einer bösartigen Erkrankung in jungen Jahren eine potentiell fertilitätsschädigende Therapie erhalten müssen. Nach überstandener Erkrankung mit möglicherweise Schädigung der Fertilität als Langzeitfolge können die angelegten Kryodepots diesen Patienten dann bei der normalen Lebens- und Familienplanung im Rahmen einer künstlichen Befruchtung zur Erfüllung des Kinderwunsches helfen.

Darüberhinaus besteht bei Männern nach Vasektomie (Sterilisation) und erneutem Kinderwunsch die Möglichkeit, durch rekonstruktive Verfahren unter Einsatz des Operationsmikroskopes die beiden Samenleiterenden oder den Samenleiter mit dem Nebenhoden wieder neu miteinan­der zu verbinden (mikrochirurgische Vasovasostomie oder Vasotubulostomie). Die erreichbaren Durchgängigkeitsraten liegen bei 85 – 90 Prozent, die Schwangerschaftsraten zwischen 30 und 50 Prozent. Die Kosten der Operation haben die Männer selber zu tragen. In späteren Lebensabschnitten stellen sich andere spezifisch männliche Probleme: Insbesondere die Weiterentwicklung der medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten der Testosterontherapie ermöglicht Betroffenen mit einem Hormonmangel inzwischen eine deutliche Besserung des Befindens und nicht zuletzt der Lebensqualität. Besteht eine verminderte Bildung des wichtigsten männlichen Sexual­hormons, TESTOSTERON, so liegt ein HYPOGONADISMUS vor. Störungen der Testosteronbildung können durch einen einfachen Bluttest nachgewiesen werden und führen zu deutlichen Beschwerden, wie vermehrte Müdigkeit, Nachlassen der Libido, Antriebsarmut, Hitzewallungen, Brustdrüsenveränderungen bis hin zum Knochenschwund (Osteoporose), die die Notwendigkeit einer Ersatzbehandlung

anzeigen. Die moderne Testosteronbehandlung kann heut­zutage mit Gel-Präparaten, die täglich auf die Haut aufge­tragen werden, mit neu entwickelten Tabletten, die an der Mundschleimhaut aufgetragen werden, oder durch die aktuelle Entwicklung langwirksamer Präparate, die ca. alle 3 Monate intramuskulär (in die Muskulatur) gespritzt werden, durchgeführt werden. Hier haben sich in den letzten Jahren durch Einführung neuer Präparate in die Therapie eine deutliche Verbesserung in der Effektivität bei gleichzeitige Minimierung unerwünschter Nebenwirkungen der Behandlung erreichen lassen. Störungen der Erektionsfähigkeit, die Erektile Dysfunktion (Impotenz), berühren ebenfalls einen sehr intimen Bereich, der die Betroffenen in schwere Krisen stürzen kann. Störungen des Herzkreislauf-Systems, Bluthochdruck, Zuckererkrankungen und Krebserkrankungen führen zur Beeinträchtigung der Potenz. Allerdings kann auch das Auf­treten einer Impotenz ein erster Hinweis auf das Vorliegen von Herz-Kreislauferkrankungen sein, so dass diese Beschwerden ernst genommen werden und fachkundig durch Urologen / Andrologen abgeklärt werden müssen.

Wenn gleich heute vielen Patienten mithilfe der aktuell verfügbaren Medikamente in Form von Tabletten (PDE-5-lnhibitoren = Phosphodiesterase-Hemmer) oder Spritzen in den Penis (Prostaglandin E1 – Präparate) wirksam geholfen werden kann, gibt es Erkrankungsformen, die einer operativen Therapie bedürfen. Bestehen ange­borene oder erworbene Verkrümmungen des Penis (Penis-deviationen), z.B. bedingt durch eine sog. Induratio penis plastica, so kann durch eine Korrekturoperation eine Begradigung herbeigeführt werden. Ist eine medikamentöse Behandlung der Impotenz, eine ausreichende Begradigung des Penis und Wiederherstellung der Erektionsfähigkeit nicht erfolgreich, so besteht die Möglichkeit der Einpflanzung einer sog. Hydraulischen Penisprothese (Schwellkörper- prothesenimplantation). Die Weiterentwicklung dieser Implantate hilft, die postoperativen Ergebnisse dieser sehr aufwendigen Operationen weiter zu verbessern und Kompli­kationen, wie z.B. Infektionen oder mechanische Defekte, zu minimieren. Mit der steigenden Lebenserwartung des Menschen steigt auch die Erwartung an die Lebensqualität im Alter.

Die Datenlage zur Erforschung der besonderen Erfordernisse des Alterns des Mannes (SENESZENZ) ist sehr begrenzt, was Raum für unkontrollierte Marketing-Kampagnen (Anti-Aging-Medizin) schafft. Aufgabe des Urologen /Andro-logen ist es, hier durch Kompetenz und auf Erkenntnis aus­gerichtete Medizin (evidenzbasierte Medizin) den alternden Mann zu betreuen. Die Symptomatik ist vielfältig, die Zunahme der erektilen Dysfunktion, Störungen des Wasser­lassens durch Erkrankungen der Prostata, die Osteoporose mit erhöhter Knochenbrüchigkeit sowie begleitende innere Erkrankungen erfordern eine gute Zusammenarbeit des Urologen / Andrologen mit Hausärzten und Internisten. Für die Hormonersatztherapie im Alter bestehen aktuell entwickelte internationale Richtlinien, an denen auch die Deutsche Urologen beteiligt sind. Darüber hinaus erhält die Vorsorge (Prävention) einen immer höheren Stellenwert und geht – bei sachgerechtem Einsatz – mit einer sinnvollen Früherkennung altersbedingter Erkrankungen und ihrer schonenden Therapie einher. Insbesondere durch die Ausbildung speziell weitergebildeter Andrologen wird man auch zukünftig eine weitere Verbesse­rung der Betreuung von Männern mit Störungen der reproduktiven Gesundheit in ihren unterschiedlichen Lebens­abschnitten erreichen können.

Pressemitteilung Detlef Höwing – Pressezentrum der DGU, Bettina Wahlers


Krebszeitung

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