3-D-Präzisionsbestrahlung von allen Seiten

ische Untersuchungssituation im PET-Zentrum Rossendorf

Befundbesprechung eines Patienten durch Prof. Mohnike (rechts) und Dr. Lampe (links) - Foto: alesco.concepts Berlin, den 06.06.2012 Das Diagnostisch Therapeutische Zentrum (DTZ) ist bereits seit vielen Jahren eines der führenden niedergelassenen Krebsdiagnostikzentren mit PET/CT in Deutschland. Heute wird die neue Strahlentherapie eingeweiht, die gleich mit mehreren Hochpräzisionsgeräten aufwartet: die innovative TomoTherapy HD und der Hochpräzisionsbeschleuniger Elekta Agility 160. Ob nun kleine oder große Tumorstrukturen: Die beiden Geräte können jede Krebsart behandeln. Dies ist sogar möglich, wenn sich Krebszellen verteilt im Körper befinden: Mehrere Tumoren können mit der TomoTherapy HD in einem Durchgang behandelt werden.

Erste ambulante TomoTherapy HD Deutschlands kann gleich mehreren Tumoren auf einmal zuleibe rücken

TomoTherapy HD Offene 360°-Gantry mit automatischem Vorschub der Patientenliege - Bild: alesco.conceptsDie neue ambulante Strahlentherapieeinrichtung des Medizinischen Versorgungszentrums DTZ ist ein wichtiger Schritt in Richtung individualisierte und ganzheitliche Patientenversorgung. Leistungsfähige Krebsdiagnostik und -therapie gehen im DTZ zukünftig Hand in Hand. In der Ganzkörper-PET/CT bzw. -PET-MR werden Tumoren in nur einer Untersuchung präzise lokalisiert. Diese Daten können anschließend mithilfe einer speziellen Technik, dem sog. syngo-via, 1:1 für die Strahlentherapieplanung genutzt werden, womit dem Patienten eine zusätzliche Planungs-CT erspart bleibt. Mit den beiden neuen Geräten, dem Hochpräzisionsbeschleuniger Elekta Agility 160 und der TomoTherapy HD, ist das DTZ in der Lage, alle Krebsarten effektiv zu behandeln.

Neben der Krebsart spielt auch die Ausbreitung der Erkrankung im Körper eine große Rolle. Im ungünstigsten Fall liegen die Krebszellen sehr weit auseinander. Dank des neuartigen Bestrahlerkopfs, der um den Patienten in einem 360°-Winkel rotiert, können mit der TomoTherapy HD auch weit auseinander liegende Tumoren in einem Durchgang gezielt behandelt werden – sogar mehrfach. Denn während bisher weitere notwendige Strahlenbehandlungen nicht durchgeführt werden konnten, um Risikoorgane wie Rückenmark, Herz oder Hirnstamm zu schonen, werden durch die 3-D-Bestrahlung genau diese geschickt ausgespart. Aufgrund der sanften Funktionsweise der beiden Geräte ist es auch möglich, gutartige Erkrankungen wie Fersensporne oder Arthritis gezielt zu behandeln. Die neuartige Technik in den Beschleunigern erlaubt dabei eine kürzere Untersuchungszeit als bislang, da der Bestrahlerkopf flexibel auf Strahlenfeldänderungen reagieren kann.

Video aus dem Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Mohnike:

Während dieses gesamten Prozesses – von der Diagnostik bis zur Therapie und auch in der Nachsorge – steht der Patient stets im Mittelpunkt und hat einen Ansprechpartner an seiner Seite. Prof. Dr. med. Wolfgang Mohnike, Ärztlicher Leiter des MVZ, sieht in der engen Verzahnung und stärkeren Einbindung des Patienten das Konzept der Zukunft. Um den Patienten auch in punkto Kostenerstattung zu entlasten, hat das DTZ spezielle Versorgungsverträge zu Brust-, Lymphdrüsen-, Prostata-, Darm- und Lungenkrebs mit verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen abgeschlossen, die die Kosten für eine PET/CT-Untersuchung übernehmen. Die Behandlung mit dem Hochpräzisionsbeschleuniger Elekta Agility 160 und der TomoTherapy HD sind sogar generell Kassenleistung.

Red.: Videos  zur Pressemitteilung sind jetzt  vorhanden, Detlef Höwing

TomoTherapy HD und Hochpräzisionsbeschleuniger Elekta Agility 160

3-D-Präzisionsbestrahlung von allen Seiten:Behandlungsablauf Die TomoTherapy HD und der Hochpräzisionsbeschleuniger Elekta Agility 160 sind bildgeführte Strahlentherapiegeräte, mit denen sowohl die Behandlung kleinster Tumorvolumina mittels Stereotaxie möglich ist als auch die größerer Tumorvolumina. Vor der Bestrahlung wird eine PET/CT oder Planungs-CT durchgeführt, mit deren Hilfe der Arzt das Zielvolumen einzeichnet. Anschließend erstellen der Arzt und Physiker einen Bestrahlungsplan. Mithilfe einer speziellen Software, dem sog. syngo.via, sind die diagnostischen Modalitäten wie das derzeit modernste ambulante PET/CT-Gerät (PET/CT high definition) und die innovativen Beschleuniger miteinander verbunden und bilden damit ein einzigartiges medizinisches Kompetenzzentrum.

Unmittelbar vor der Behandlung wird eine in dem jeweiligen Gerät integrierte Low-dose-CT durchgeführt, um die Lagerung des Patienten zu überprüfen und ggf. zu korrigieren (3-D-Lokalisation). Zur Behandlung kann sich der Bestrahlerkopf in einem 360°-Winkel um den Patienten drehen, um von jeder Seite den Tumor anzugreifen (3-DBestrahlung). Zeitgleich werden technische Stellgrößen, wie z. B. die Rotationsgeschwindigkeit, die Feldgröße und -form sowie die Dosisleistung, fortlaufend an die Spezifika des Tumors angepasst. Mit den in dem jeweiligen Gerät integrierten beweglichen Lamellen, die kontinuierlich dem Tumor angepasst werden, ist es möglich, diesen nachzubilden und hochpräzise zu bestrahlen.

 Video zum Vortrag von Dr. Matthias Lampe

Vergleich der stereotaktischen Verfahren – ein aktueller Aufriss

Gammaknife
(Prototyp 1968
Cyberknife
(Erstzulassung 1999)
TomoTherapy HD
(2003, HD seit 2011)
BildgebungRöntgenRöntgenLow-dose-CT
 Behandlungszeit 180 min 25–120 min 5–15 min
 Indikationen Kopf/Hirn

 Kopf/Hirn, Lunge, Leber,

 Prostata

 Ganzkörper
(alle Indikationen)
 Marker Semi-invasiv Invasiv Nichtinvasiv
 360°-Rotation – – + (zzgl. Tischvorschub)
 Mögliche, zu
bestrahlende Organe
 1 1 Bis zu 3
 Kassenärztliche
Abrechung
 Keine Kassenleistung,
Einzelfallantrag
 Keine Kassenleistung,
Einzelfallantrag
 Kassenleistung,
Überweisungsschein

Besondere Funktionalitäten der TomoTherapy HD & des Hochpräzisionsbeschleunigers Elekta Agility 160

1. Low-dose-CT

  • Mithilfe der Low-dose-CT kann sogar noch unmittelbar vor der Behandlung auf aktuelle Änderungen der Tumorgröße reagiert werden. Damit wird die Therapie jederzeit individuell angepasst und bei einer Verkleinerung des Zielvolumens auch die Nebenwirkungen reduziert.
  • Die Low-dose-CT kann das Zielvolumen sicher lokalisieren – ohne operativ eingesetzte Marker und Clips. Nebenwirkungen durch Fremdkörper werden ausgeschlossen.
  • Metallene Schienen oder Prothesen verursachen in der Bildgebung starke Artefakte, was bislang eine sichere Bestrahlungsplanung erschwerte, wie z. B. Hüftprothesen beim Prostatakarzinom. In der integrierten Low-dose-CT der TomoTherapy HD treten diese Störungen nicht auf.

2. 3-D-Bestrahlung

  • Mit der 360°-Rotation mit kontinuierlich angepasster Geschwindigkeit, Dosis, Feldgröße und -form kann der Tumor 3-dimensional bestrahlt werden bei gleichzeitiger Berücksichtigung des umliegenden gesunden Gewebes.
  • Durch die sichere Abgrenzung werden Risikoorgane wie Hirnstamm, Rückenmark oder Herz optimal geschont, wodurch sogar eine Re-Bestrahlung möglich wird.
  • Mit der HD-Technik (= helikal und direkt) im TomoTherapy-Gerät und dem automatischen Vorschub der Patientenliege kann die Behandlung aller Krebsarten bei zugleich kurzen Behandlungszeiten abgedeckt werden, d. h. von kleinsten Strukturen wie Hirnmetastasen bis hin zu großen Zielvolumina. Auch die Bestrahlung mehrerer Organe in einem Behandlungsdurchgang ist so möglich.
  • Die V.M.A.T. (= volumenmodulierte Radiotherapie) im Elekta-Beschleuniger ist eine Weiterentwicklung der intensitätsmodulierten Bestrahlung (IMRT). Während die Präzision der Dosisverteilung vergleichbar ist mit der IMRT, verkürzt sich die Behandlungszeit erheblich (z. B. Kopf-Hals-Tumor 2 min statt wie bisher bei IMRT 15–20 min). Selbst hochkomplexe Tumorstrukturen können so schnell und schonend behandelt werden.

3. Stereotaxie

  • Mit der Stereotaxie ist eine punktgenaue bildgeführte Strahlentherapie mit chirurgischer Präzision möglich (Radiochirurgie). Sie ist insbesondere bei kleinen und auch inoperablen Tumoren eine ideale Alternative zur OP mit kurzen Behandlungszeiten.
  • Wichtige Indikationen der Stereotaxie mit TomoTherapy HD sind Hirntumoren, Akustikusneurinome (Vestibularisschwannome), Meningeome und Wirbelsäulentumoren.
  • Wichtige Indikationen der Stereotaxie mit dem Hochpräzisionsbeschleuniger Elekta Agility 160 sind Lungentumoren und -metastasen sowie Leberkrebs.

4. Kosten

  • Die Behandlung mit der TomoTherapy HD und dem Hochpräzisionsbeschleuniger Elekta Agility 160 wird für alle Patienten von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen bezahlt. Der Patient benötigt lediglich einen regulären Überweisungsschein.

Zum Video:
Barbara Baysal der Selbsthilfe Lungenkrebs schildert, wie es den Patienten ergeht, wenn sie zu einer Radiotherapie kommen und warum sie vor den monströsen Geräten Angst bekommen könnten. – Dr. Jens-Uwe Kukla, Vorsitzender der Selbsthilfe der Kehlkopfoperierten Berlin und Umland, Landesverband Berlin e.V., sowie Patientenvertreter im Gemeinsamen Bundesausschuss.


Krebszeitung

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