Hilfe für Kinder krebskranker Eltern

Patientin - pixabay

Ein Kind, dessen Vater oder Mutter an Krebs erkrankt ist, erlebt eine bedrohliche Situation, die es zumeist nicht versteht. Es hat Fragen, fühlt sich vielleicht sogar schuldig, traut sich aber oft nicht, darüber zu sprechen. Und auch viele Eltern haben Angst davor, ihr Kind mit der Realität einer ernsten Krankheit zu konfrontieren – eine Situation, die bei den betroffenen Kindern zu psychischen Auffälligkeiten führen kann. Um diesen Kindern zu helfen, hat die Deutsche Krebshilfe das Förderschwerpunktprogramm „Psychosoziale Hilfen für Kinder krebskranker Eltern“ eingerichtet.

Deutsche Krebshilfe fördert Verbundprojekt mit 2,8 Millionen Euro

Gefördert wird in einer ersten Stufe ein Forschungsverbund von Partnerzentren an fünf Standorten in Deutschland. Die Federführung für das Projekt hat eine Arbeitsgruppe am Universitätsklinikum Hamburg- Eppendorf (UKE). Die Deutsche Krebshilfe stellt für das Projekt rund 2,8 Millionen Euro bereit.

Allein in Deutschland erleben jährlich bis zu 200.000 Kinder unter 18 Jahren, dass ein Elternteil an Krebs erkrankt. „Diese Kinder ziehen sich oft aus ihrem sozialen Umfeld zurück. Sie müssen vermehrt Verantwortung im Haushalt übernehmen, sich vielleicht um jüngere Geschwister kümmern und haben wenig Zeit für Hobbys oder zum Spielen.

Ein Drittel der betroffenen Kinder wird im Verlauf psychisch auffällig“, erklärte die Präsidentin der Deutschen Krebshilfe, Professor Dr. Dagmar Schipanski. Der Deutschen Krebshilfe ist es seit ihrer Gründung ein zentrales Anliegen, die Situation krebskranker Menschen und ihrer Familienangehörigen zu verbessern. Dazu gehört auch die Versorgung der Kinder von Krebskranken.

Experten sind sich heute einig: Ungewissheit ist für Kinder viel belastender als die Wahrheit. „Viele psychische Störungen könnten verhindert werden, wenn die Eltern frühzeitig mit ihren Kindern offen über die Erkrankung sprechen. Vater und Mutter sollten altersgerecht erklären, wie Krebs entsteht, dass die Krankheit nicht ansteckend ist und dass immer mehr Krebs-Patienten geheilt werden können“, erläuterte Privatdozent Dr. Georg Romer, kommissarischer Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Leiter der Beratungsstelle „Kinder körperlich kranker Eltern“ am UKE und Leiter des Verbundprojektes.

„Darüber hinaus kann es dem Kind helfen, wenn die Klassenlehrerin oder die Erzieherin im Kindergarten über die Erkrankung informiert sind. Denn so bekommt es Rücksicht, Verständnis und Trost, wenn es sich anders verhält als normalerweise“, so Romer.

An dem wissenschaftlichen Verbundprojekt der Deutschen Krebshilfe sind fünf Standorte in Deutschland beteiligt: das UKE, die Universität Leipzig, die Charité Universitätsmedizin Berlin, das Universitätsklinikum Heidelberg und die Universität Magdeburg. „Wir freuen uns natürlich sehr darüber, dass die Deutsche Krebshilfe den Forschungsschwerpunkt ‚Psychosoziale Hilfen für Kinder krebskranker Eltern‘ eingerichtet hat. Die Entscheidung, die Federführung des Verbundprojektes in Hamburg anzusiedeln zeigt, dass der Forschungsstandort Hamburg-Eppendorf durch die Bündelung verschiedener Forschungsvorhaben zu größeren Verbundprojekten immer mehr an Schlagkraft gewinnt“, sagte Professor Dr. Uwe Koch-Gromus, Dekan der Medizinischen Fakultät des UKE.

Bislang fehlen in Deutschland flächendeckende Angebote für die Betreuung von Familien mit einem krebskranken Elternteil. „Ziel der Deutschen Krebshilfe ist es, für das Thema verstärktes öffentliches Interesse zu wecken. Bestehende Angebote müssen evaluiert und vernetzt werden. Die Betreuung von Kindern soll langfristig ein integraler Bestandteil der Versorgung krebskranker Eltern werden“, so Schipanski.

Am Ende der zunächst auf drei Jahre angelegten ersten Projektphase sollen Praxisleitlinien für eine qualitätsgesicherte psychosoziale Versorgung von Kindern krebskranker Eltern erarbeitet sein. Die am Projekt beteiligten Forscher sollen diagnostische Methoden entwickeln, die zeigen, welche Kinder und welche Familien eine intensive Unterstützung brauchen. Denn nicht jedes Kind benötigt eine psychosoziale Betreuung, um die Erkrankung eines Elternteils zu verarbeiten. Langfristig sollen auch Fort- und Weiterbildungsangebote für Berater und Therapeuten entwickelt werden, damit Versorgungsangebote in ganz Deutschland vorgehalten werden können.

„Durch die Förderung der Deutschen Krebshilfe wird es erstmals möglich sein, den Versorgungsbedarf der betroffenen Familien differenziert zu bestimmen, d.h. die Besonderheiten von Kindern in verschiedenen Altersstufen im Beratungsangebot zu berücksichtigen“, so Prof. Dr. Ulrike Lehmkuhl, Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Charité – Universitätsmedizin in Berlin.

Zudem soll das an der seit 10 Jahren bestehenden Beratungsstelle „Kinder  körperlich kranker Eltern“ des UKE entwickelte präventive Beratungskonzept (Hamburger COSIP-Konzept) parallel an vier anderen Universitätskliniken implementiert, weiterentwickelt und evaluiert werden. Durch den wissenschaftlichen Nachweis der präventiven Wirksamkeit dieses weiter entwickelten Beratungsangebotes soll die Grundlage dafür geschaffen werden, dass qualitätsgesicherte psychosoziale Hilfen für Kinder als Angehörige krebskranker Eltern künftig in die Leitlinienstandards einer familienorientierten psychosozialen Patientenversorgung aufgenommen werden. Das Projekt knüpft wissenschaftlich an die Ergebnisse einer ebenfalls am UKE koordinierten von der EU geförderten multizentrischen Verbund-Studie (COSIP) an, an der sich in den Jahren 2002-2005 Partnerzentren aus acht europäischen Ländern beteiligten.

Die Deutsche Krebshilfe e.V. setzt sich seit fast 35 Jahren für die Belange krebskranker Menschen ein. Jedes Jahr erkranken in Deutschland über 436.000 Menschen, davon 1.800 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren, neu an Krebs. Den Betroffenen und ihren Angehörigen zu helfen, ist das wichtigste Anliegen der gemeinnützigen Organisation.

Die Deutsche Krebshilfe hat die Broschüre „Hilfe für Angehörige“ herausgegeben. Hier geht sie auch auf die speziellen Bedürfnisse von Kindern krebskranker Eltern ein und nennt Adressen von Kontakt- und Beratungsstellen. Der „blaue Ratgeber“ kann kostenlos bestellt werden bei:

Deutsche Krebshilfe
Postfach 1467
53004 Bonn

oder im Internet unter www.krebshilfe.de heruntergeladen werden.

Pressemitteilung Deutsche Krebshilfe e. V.


Krebszeitung

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