HPV-Impfung – Was hat sie gebracht?

Impfen gegen Gebärmutterhalskrebs - Quelle: 16.05.13_foto sanofi pasteur msd

Seit mehr als sechs Jahren gibt es in Deutschland die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs. Sie war die erste Impfung gegen Krebs und wurde weltweit als Durchbruch in der Krebsprävention gefeiert. Prof. Harald zur Hausen, der den zugrunde liegenden Zusammenhang zwischen einer Virusinfektion und der Entstehung von Krebs nachweisen konnte, bekam für diese Entdeckung den Nobelpreis für Medizin.

Die Impfung bietet erstmals die Chance, Infektionen mit Humanen Papillomviren (HPV) vom Typ 16 und 18 zu verhindern, die für etwa 70% aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind. Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 1.600 Frauen an dieser Erkrankung. Derzeit gibt es zwei Impfstoffe. Beide richten sich gegen die HPV-Typen 16 und 18 (bivalent – zweifach), einer zusätzlich gegen HPV 6 und 11 (tetravalent – vierfach). HPV 6 und 11 können andere genitale Erkrankungen, wie z.B. Genitalwarzen, auslösen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die HPV-Impfung seit Marz 2007 für alle Mädchen vom 12. bis zum 17. Lebensjahr. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Kurz nach Einführung der Impfung kam eine heftige Diskussion auf, die für medizinische Laien schwer nachzuvollziehen war und der anfänglichen Euphorie einen Dämpfer zu geben schien. Wie ging die Entwicklung weiter? Wir werfen einen Blick in die Praxis und gehen unter anderem folgenden Fragen nach: Wie wird die Impfung angenommen? Lässt sich schon ein Nutzen erkennen? Wie lange hält der Impfschutz an? Sollen auch Jungen geimpft werden?

Wie wird die Impfung angenommen?

Mit geschätzten 35-40% ist die Impfrate in Deutschland relativ niedrig. Das trifft jedoch auch auf viele andere Länder zu. Europaweit erreichten nur Portugal und Großbritannien eine Impfquote von über 80%. Zudem lässt sich in Deutschland ein Rückgang der Impfung beobachten: Während etwa 40% aller Mädchen des Geburtsjahrganges 1991 einen HPV-Impfschutz haben, sind es im 1995er Jahrgang noch 22% und im 1996er Jahrgang nur noch 12%. Auffallend ist auch, dass die meisten Mädchen in Deutschland relativ spät gegen HPV geimpft werden, nämlich erst im Alter zwischen 15 und 17 Jahren. Bei den 12- bis 13-Jahrigen – der Hauptzielgruppe – ist nur jedes 12. Mädchen geimpft. „Besser wäre mehr“, meint Prof. Matthias W. Beckmann von der Frauenklinik der Universität Erlangen im Interview. Angesichts des großen Potenzials der Impfung sei die Impfmüdigkeit in Deutschland bedauerlich, so der Experte.

Lässt sich schon ein Nutzen der Impfung erkennen?

Ein Impfschutzprogramm ist langfristig angelegt. Um den Erfolg beurteilen zu können, muss man die Entwicklung über einen langen Zeitraum betrachten. Aber schon jetzt zeigt sich eine klare Tendenz: Nicht nur in Studien, sondern auch im Alltag ist die Impfung sehr wirksam. So ergab eine Auswertung der Daten von fast 45.000 geimpften Mädchen bzw. jungen Frauen, dass der Impfstoff durch HPV bedingte Infektionen und bösartige Erkrankungen des Gebärmutterhalses effektiv verhindert.
Dabei hängt der Erfolg direkt mit der Impfrate zusammen, wie sich in Australien zeigt: Hier werden inzwischen etwa 70% der jungen Mädchen im Rahmen eines Schulimpfprogramms immunisiert. Innerhalb von drei Jahren nach Einführung der Impfung ließen sich dort bei jungen Frauen unter 18 Jahren fast 40% weniger Neuerkrankungen an Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs beobachten.

Zudem gibt es Hinweise, dass die Impfung auch gegen weitere HPV-Typen schützt, die beispielsweise die Entstehung von Genitalwarzen begünstigen. Aktuelle Zahlen aus Deutschland bestätigen diese Vermutung. So sank die Zahl der Neuerkrankungen an Genitalwarzen bei den 15- bis 19-jährigen Mädchen und jungen Frauen zwischen 2007 und 2008 hierzulande um 23%. Diese Entwicklung wird auf die Einführung der HPV-Impfung 2007 zurückgeführt.

Wie sieht es mit den Nebenwirkungen aus?

Über die Sicherheit der HPV-Impfung wurde kurz nach der Zulassung kontrovers und zum Teil heftig diskutiert. Inzwischen konnten die Bedenken ausgeräumt werden. In einer großen Untersuchung bei mehr als 12.000 gegen HPV geimpften Frauen in den USA wurde festgestellt, dass die Impfung nicht besser oder schlechter verträglich ist als andere Impfungen. Allerdings werden etwas häufiger Ohnmachtsanfälle und Blutgerinnsel beobachtet. Todesfälle, die in zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung standen, konnten nicht ursächlich darauf zurückgeführt werden. Das für die Sicherheit von Impfstoffen zuständige Paul-Ehrlich-Institut ging auch drei Fällen nach, in denen nach der HPV-Impfung eine multiple Sklerose gemeldet wurde. Auch hier ergab sich kein Hinweis darauf, dass die Erkrankung durch die Impfung hervorgerufen wurde.

Wie lange hält der Schutz an?

Neuesten Daten zufolge hält der Impfschutz etwas mehr als sieben Jahre an. Ob eine Auffrischung sinnvoll ist, lässt sich derzeit noch nicht sagen.

Ist die HPV-Impfung auch für bereits infizierte Frauen sinnvoll?

Wahrscheinlich ja. Darauf deuten Studien hin, in denen Frauen untersucht wurden, die in der Vergangenheit schon einmal wegen einer durch HPV ausgelösten Erkrankung behandelt wurden Durch die HPV-Impfung wurde das Risiko, erneut eine HPV-bedingte Erkrankung zu bekommen, fast halbiert. Dies sind jedoch vorläufige Ergebnisse, die in weiteren Studien geprüft werden müssen. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat sich bereits für die Anwendung auch bei Frauen zwischen 26 und 45 Jahren ausgesprochen. In Deutschland gibt es hierzu keine einheitliche Empfehlung. Jedoch hat die Impfkommission des Landes Sachsen (SIKO) ihre Empfehlung für die HPV-Impfung auf Frauen bis zum 26. Lebensjahr erweitert.

Sollten auch Jungen geimpft werden?

Sachsen ist auch Vorreiter bei der HPV-Impfung für Jungen und Männer. Seit Beginn dieses Jahres wurden die Impf-Empfehlungen des Freistaats dahingehend ergänzt, dass „die Impfung von Jungen und Männern mit dem tetravalenten Impfstoff entsprechend der europäischen Zulassung möglich“ ist. Dies scheint naheliegend, da die Papillomaviren durch Geschlechtsverkehr übertragen werden und somit ein besserer Schutz für Mädchen erreicht werden könnte. Aber Jungen bzw. Männer sind auch selbst gefährdet, durch HPV verursachte Krankheiten zu bekommen (siehe nächster Abschnitt). Schätzungen zufolge sind etwa 45% von Ihnen mit HPV infiziert. Aus diesem Grund plädiert der Frauenarzt Prof. Matthias W. Beckmann ganz klar für eine Impfung von Jungen.

Kann die Impfung auch vor anderen Krebsarten schützen?

Möglicherweise bietet die Impfung noch einen viel weitreichenderen Schutz als bisher bekannt. Denn Papillomaviren stehen auch im Verdacht, an der Entstehung von Anal-, Mandel-, Zungen-, Penis- und Kehlkopfkrebs beteiligt zu sein. In vielen Ländern rückt eine HPV-Impfung für homosexuelle Männer immer stärker in den Fokus, da sie ein besonders hohes Risiko für Analkrebs haben. Offenbar spielen HP-Viren auch eine Rolle bei der Entstehung von hellem Hautkrebs.

(as)

Weitere Informationen zu diesem Thema:


Quellen:
ECDC guidance on HPV vaccination. Update 2012 .
Wild F. Durchimpfungsrate der HPV-Impfung in Deutschland –
Eine Untersuchung anhand Arzneiverordnungsdaten von Privatversicherten. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie 2012; Abstr. V151
Slade B et al. Postlicensure Safety Surveillance for Quadrivalent Human Papillomavirus Recombinant Vaccine. JAMA 2009; 302(7):750-757
Brotherton J et al. Early effect of the HPV vaccination programme on cervical abnormalities in Victoria, Australia: an ecological study. Lancet 2011; 377(9738): 2085-2092

Bulletin zur Arzneimittelsicherheit des BfArM und des PEI 3/2012
Joura EA et al. Effect of the human papillomavirus (HPV) quadrivalent vaccine in a subgroup of women with cervical and vulvar disease: retrospective pooled analysis of trial data. BMJ 2012; 344: e1401
Mikolajczyk R. Auswirkungen der HPV-Impfung auf die Inzidenz von anogenitalen
Warzen – eine Auswertung von Abrechnungsdaten einer Krankenkasse. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie 2012; Abstr. V136

EMA Pressemitteilung vom 25.6.2010
Empfehlungen der Sächsischen Impfkommission zur Durchführung von Schutzimpfungen im Freistaat Sachsen. Stand: 01.01.2013

Weitere Artikel zum Thema von der Deutschen Krebsgesellschaft:
http://www.krebsgesellschaft.de/ip_pat_tdm_201304_hpv,229355.html

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