Kehlkopferhalt auch bei fortgeschrittenen Kehlkopf-Karzinomen möglich

Prof. Andreas Dietz (re.) erwartet 90 HNO-Experten aus ganz Europa zum 7. Leipziger OP-Kurs am Uniklinikum Leipzig. Foto: UKLProf. Andreas Dietz (re.) erwartet 90 HNO-Experten aus ganz Europa zum 7. Leipziger OP-Kurs am Uniklinikum Leipzig. Foto: UKL

Innerhalb der Krebserkrankungen des Hals-, Nasen- und Ohren-Bereiches ist der Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom) einer der häufigsten Tumore. Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 3.000 Menschen an dieser Krebsart. Frauen sind erheblich seltener, in den letzen Jahren allerdings immer häufiger davon betroffen. Ein hohes Erkrankungsrisiko haben vor allem Menschen, die viel Rauchen und übermäßig viel Alkohol trinken oder beruflich Krebs erregenden Stoffen ausgesetzt sind. Trat die Krankheit bis vor zehn Jahren noch überwiegend zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr auf, erkranken heute auch zunehmend jüngere Menschen daran.

Internationales Symposium der Frankfurter HNO-Klinik

Viele Tumore werden erst in einem sehr weit fortgeschrittenen Stadium entdeckt, weil die Patienten meist nur über unspezifische Beschwerden wie Heiserkeit oder Schluckstörungen klagen“, sagt Professor Dr. Wolfgang Gstöttner, Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- Ohrenheilkunde an der Universitätsklinik Frankfurt am Main.

Bis vor wenigen Jahren hatte die Tumorbehandlung im Kehlkopf-Rachenbereich häufig eine vollständige Entfernung des Kehlkopfes zur Folge. Dies ist mit einem dauerhaften Verlust der Stimme verbunden. Außerdem fehlt nach einer Laryngektomie die Verbindung zwischen Speise- und Luftröhre. Die Patienten erhalten daher eine künstlich angelegte Atemöffnung (Tracheostoma). Dabei wird die Luftröhre über dem Brustbein durch ein Ventil in der Haut nach außen geleitet. Die Patienten atmen dann nicht mehr durch die Nase, sondern direkt durch das Tracheostoma, wodurch ihr Geruchs- und Geschmackssinn oft eingeschränkt ist.

Mit entsprechenden Hilfsmitteln ist ein Leben auch ohne Kehlkopf möglich. So können die Patienten lernen, entweder über die Speiseröhre zu sprechen oder sich mit Hilfe eines Sprechventils, das zwischen Luft- und Speiseröhre eingesetzt wird, zu verständigen.

„Da aber der Verlust des Organs insgesamt zu schwerwiegenden Einschränkungen in der Lebensqualität des Patienten führt, versuchen Ärzte heutzutage immer häufiger, den Kehlkopf zu erhalten“, betont Professor Gstöttner, dessen Klinik zu einem der drei Referenzzentren für den Larynxerhalt in Deutschland gehört.

Grundsätzlich unterscheiden die Ärzte zwischen zwei Tumor-Stadien: dem frühzeitigen und dem fortgeschrittenen. Ist der Tumor noch relativ klein, etwa kirschgroß, und hat noch keine Metastasen gebildet, kann er relativ leicht operativ entfernt werden.

„Doch hat der Tumor eine gewisse Größe erreicht und hat schon deutlich in den Hals metastasiert, setzt man multimodale Therapiestrategien zum Organerhalt ein“, erklärt der leitende Oberarzt Professor Dr. Rainald Knecht. „Einerseits bieten sich hier hochspezialisierte chirurgische Verfahren an, andererseits die kombinierte Radiochemotherapie als Alternative, da hier zunächst versucht wird, den Tumor zu verkleinern.“

Bei den primär chirurgischen Verfahren kann durch die Anwendung des Lasers der Tumor von der Mundhöhle aus unter Erhaltung des Kehlkopfes schonend aus dem umliegenden Gewebe herausgeschnitten werden.

„Dieses operative Verfahren zum Erhalt des Kehlkopfes bei fortgeschrittenen Kehlkopftumoren sollten jedoch nur an wenigen spezialisierten Zentren, wie hier in Frankfurt, mit hohen Patientenzahlen, durchgeführt werden“, empfiehlt Professor Gstöttner.

Bei der Radiochemotherapie wird entweder eine Induktionschemotherapie mit Cisplatin, 5-Fluorouracil und Taxanen, gefolgt von einer Radiotherapie empfohlen oder einer gleichzeitigen Radiochemotherapie mit platinhaltigen Chemotherapeutika. Auf diese Therapie-Standards haben sich erst kürzlich die Teilnehmer eines internationalen Fachsymposiums zum Kehlkopferhalt („Statements o­n head and neck cancer-Larynx preservation“, 24. Januar 2004, Frankfurt am Main) verständigt, welches von Professor Gstöttner und Professor Knecht ausgerichtet wurde.

In 60 Prozent der Fälle gelingt es mit diesen Methoden, den Kehlkopf bei fortgeschrittenen Stadien zu erhalten. Trotz ständig weiterentwickelter Behandlungsmethoden und dem prinzipiellen Versuch einer organerhaltenden Therapie ist eine vollständige Entfernung des Kehlkopfes jedoch nicht immer zu vermeiden
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Weitere Informationen finden Sie unter:
www.kgu.de/hno/index2.html

Pressemitteilung Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M.


Krebszeitung

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