Krebsbehandlung: Versorgungsgrenzen lösen sich auf

Krebssymbol - pixabay
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Frankfurt am Main – Im Kampf gegen Krebs geht Deutschland neue Wege: In onkologischen Zentren werden Forschung und Patientenversorgung enger miteinander verzahnt, während immer mehr allgemeine Kliniken die Onkologie als Geschäftsfeld entdecken. Die EUROFORUM-Konferenz „Onkologie“ (6. bis 7. August 2008 in Frankfurt) beleuchtet die neuen Versorgungsstrukturen, die Qualität sowie die Finanzierbarkeit neuer Behandlungen aus der Perspektive aller Beteiligten. Ärzte und Kliniken kommen ebenso zu Wort wie Krankenkassen, Forschungseinrichtungen und Patientenvertreter.

Qualität der Patientenversorgung bei Krebs

Onkologie in Deutschland: Budgetdruck contra Patientenheil

„Manche onkologische Behandlung eines Patienten verliefe anders, wenn nicht jeder auf das Budget achten müsste“, sagte Wilfried Jacobs, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland-Hamburg, auf einer vergangenen EUROFORUM-Konferenz zum Thema Onkologie. Dr. Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), bestätigte gegenüber EUROFORUM: „Leider gibt es immer mehr Beispiele, die zeigen, dass Kosten höher bewertet werden als die medizinischen Inhalte der Versorgung. Sie weisen den Weg zur Rationierung.“ Als Vorsitzender der diesjährigen Onkologie-Konferenz beschreibt er in seinem Vortrag die Rahmenbedingungen der onkologischen Versorgung, die Studienfinanzierung durch die GKV und die Auswirkungen der Kosten-Nutzen-Bewertung.

Krebsbehandlung – ambulant oder stationär?

„Früher erforderten Therapien meist stationäre Aufenthalte“, erinnert sich der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie, Dr. Friedrich Overkamp, im Gespräch mit EUROFORUM. „Patienten wurden aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen und hatten eine geringere Chance, krankheits- und therapiebedingte Härten zu überwinden.“ Heute könnten jedoch bis zu 90 Prozent aller gängigen Therapien ambulant durchgeführt werden. Overkamp, selbst Onkologe und Hämatologe, behandelt in seiner Praxis in Recklinghausen pro Quartal 1 300 Krebspatienten. Und beobachtet einen Trend: „500 000 Patienten werden derzeit in Deutschland von 500 Praxen betreut, und die Tendenz steigt.“ Grenzen der ambulanten Krebsversorgung sieht der Arzt nur bei Krankheitsfällen, in denen der Allgemeinzustand oder Begleiterscheinungen der Therapie einen stationären Aufenthalt oder eine Operation erfordern.

Auf der EUROFORUM-Konferenz erläutert er seine Visionen für die Onkologie der nächsten Dekade. Die Perspektiven der ambulanten onkologischen Versorgung und die Möglichkeiten einer sinnvollen Aufteilung zwischen niedergelassenen Ärzten und stationärem Sektor nimmt Prof. Dr. Wolfgang Knauf (BNHO – Berufsverband der niedergelassenen Hämatologen und Onkologen e.V.) unter die Lupe. Nach Paragraph 116b SGB V dürfen nun auch Kliniken spezialisierte Leistungen ambulant erbringen. Wie sich die Kliniköffnung auf die Onkologie auswirkt, erörtert Dr. Detlef Schmidt (Spitzenverband Bund der Krankenkassen).

Qualität der Patientenversorgung

Für eine bessere Zusammenarbeit zwischen allen Disziplinen hat sich der DKG-Präsident Michael Bamberg auf dem diesjährigen Krebskongress in Berlin ausgesprochen: „Es wird zu viel therapiert, ohne andere Fachdisziplinen einzubeziehen.“ Qualitätsdefizite seien die Folge. Abhilfe solle ein Dreistufenmodell schaffen, an dessen Spitze so genannte Comprehensive Cancer Center stehen. Während Organkrebszentren und klinische Zentren die Behandlung, Koordination, psychosoziale Versorgung und Reha übernehmen, sollen onkologische Zentren für den Wissenstransfer aus der Forschung in den Behandlungsalltag sorgen. (Ärzte Zeitung, 26.2.2008)

Prof. Dr. Jürgen Wolf, Leiter des Centrums für Integrierte Onkologie (CIO) in Köln, schildert auf der EUROFORUM-Konferenz die Vorteile der Zentrenbildung und berichtet, wie in seinem Haus Grundlagenforschung und medizinische Praxis verknüpft werden. Im Tumorzentrum Ludwig Heilmeyer Freiburg sollen Forschungsprogramme, die Gruppen aus der medizinischen und biologischen Fakultät sowie des Max-Planck-Instituts für Immunbiologie einschließen, „den Weg neuer Erkenntnisse vom Labor zum Krankenbett verkürzen“, wie der Direktor des Zentrums, Prof. Dr. Oliver G. Opitz, betont.

Die Qualität der Behandlung werde durch Dokumentation und Langzeitbeobachtung kontrolliert und in ein Klinisches Krebsregister eingebunden. (Quelle: www.tumorzentrum-freiburg.de) In einer Expertenrunde wird Opitz gemeinsam mit Dr. Friedrich Overkamp, Prof. Dr. Ferdinand Hofstädter (Kooperationsverbund Qualitätssicherung durch Klinische Krebsregister KoQK) und Steffen Theobald (Wissenschaftliche Gesellschaft für Förderung der Patientenkompetenz) über die Qualität der Krebsversorgung in Deutschland diskutieren.

Versorgungssicherung durch Forschung

Den Forschungsstandort Deutschland beleuchtet Prof. Dr. Guido Adler, Ärztlicher Direktor am Universitätsklinikum Ulm. Als Mitglied im Gesundheitsforschungsrat des Bundesministeriums für Forschung und Bildung erarbeitete er eine Roadmap, die der Behörde Empfehlungen für die Zukunft der Gesundheitsforschung gibt. Die Möglichkeiten zur Verbesserung der Prognose von Krebspatienten seien noch nicht ausgeschöpft, heißt es darin. Zwar hätten sich für einige Krebserkrankungen die Chancen der Patienten auf eine dauerhafte Heilung in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren deutlich verbessert. Auch habe die Fünfjahresüberlebensrate bei Brust- und Darmkrebs dank einer optimierten Diagnostik und neuer Behandlungsansätze auf über 50 Prozent gesteigert werden können. Doch seien nun weitere wissenschaftliche Anstrengungen notwendig: Die Erkenntnisse aus der biomedizinischen Grundlagenforschung müssten in die klinische Anwendung umgesetzt werden. Außerdem sei es notwendig, die interdisziplinäre Zusammenarbeit durch die Bildung von Tumorzentren zu verbessern.

Der Leiter des Geschäftsbereichs Onkologie bei Bayer Vital, Dr. Erich Enghofer, wird sich zum Wettbewerb im Markt der innovativen Krebstherapeutika äußern. In einem weiteren Expertenpanel wird die Frage erörtert, welche Therapien künftig noch finanziert werden. Neben Dr. Erich Enghofer und CIO-Leiter Prof. Dr. Jürgen Wolf wird Dr. Frank Heimig (InEK) daran teilnehmen. Prof. Dr. Herbert Rebscher, Vorstandsvorsitzender der DAK, erläutert die künftige Ausrichtung der onkologischen Versorgung und des Zytostatika-Vertriebs aus Sicht der Krankenkassen.

Kontakt

Romy König
EUROFORUM Deutschland GmbH
Westhafen Tower
Westhafenplatz 1
60327 Frankfurt a.M.
Tel.:++49 (0)69 / 244 327 – 3391
Fax: ++ 49 (0)69 / 244 327 – 4391
E-Mail: romy.koenig@informa.com
www.euroforum.com/adhoc-onkologie08

Pressemitteilung: EUROFORUM


Krebszeitung

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  • Blasenspiegelung (Zystoskopie) beim Mann mit einem flexiblen Zystoskop - Bild: Detlef Höwing
    Harnblasenkrebs

    Im letzten Artikel haben wir über die Risiken, die zu Harnblasenkrebs führen können, aufgeklärt und über mögliche Vorsorge- und Früherkennung berichtet, der ein Mittel darstellt, frühzeitig Blasenkrebs zu erkennen. In diesem Artikel beschäftigen wir uns nun mit den diagnostischen Möglichkeiten, Harnblasenkrebs (auch Blasenkrebs oder medizinisch Urothelkarzinom genannt) zu erkennen.

    Symptome

    Harnblasenkrebs wird oftmals zu spät erkannt, da Symptome der Erkrankung oft sehr spät auftreten und von Arzt wie Patient falsch gedeutet werden können, da gleiche Symptome auch auf weniger gefährliche Erkrankungen hinweisen können. Gerade der Anteil der zu spät diagnostizierten Frauen ist sehr hoch, da bestimmte Frauenleiden die gleiche Symptomatik haben können.

    Die Symptome im Einzelnen:

    • Häufig auftretende Infekte oder Entzündungen der Harnblase
    • Schmerzen beim Wasserlassen
    • Häufiger Harndrang
    • Harninkontinenz
    • Harnverhalt
    • Sichtbare oder nicht sichtbare Blutbeimengungen im Urin (Makro- oder Mikrohämaturie)
    • Zellklumpen im Urin

    Wenn diese Symptome auftreten, ist unbedingt der Arztbesuch bei einem Urologen zu empfehlen, der den Ursachen auf den Grund gehen wird. Bei Blutbeimengungen im Urin ist auf jeden Fall ein Harnblasenkrebs auszuschließen, so die Empfehlung der internationalen Leitlinien zum Harnblasenkrebs

    Schmerzen entstehen oft erst sehr spät in weit fortgeschrittenen Stadien oder wenn ein Harnleiter (von der Niere zur Harnblase) oder die Harnröhre durch einen Tumor verlegt ist. In diesem Fall können die Schmerzen auch in den Flanken oder im Rücken sein, wegen der Stauung oder Entzündung der betroffenen Niere.

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  • Dr. Jörg Walther (l.) bei der Bronchoskopie mit dem neuen Navigationssystem
    Lungenkrebs

    Lungenkrebs schonender zu diagnostizieren soll eine neue Navigationsmethode helfen, die jetzt am RUB-Klinikum Bergmannsheil als erster Universitätsklinik in Deutschland erprobt wird. Das neuartige, in Israel entwickelte Gerät erzeugt aus den Daten einer Computertomographie eine 3D-Darstellung der Lunge, in der sich der untersuchende Arzt während einer Bronchoskopie sicher orientieren kann. So lassen sich auch verdächtige Herde, die noch klein oder ungünstig gelegen sind, zielsicher für eine Gewebsentnahme ansteuern. Bisher gelingt das nur bei ca. der Hälfte der Herde ohne einen größeren operativen Eingriff. Eine prospektive Studie mit der neuen Navigationsmethode startet jetzt mit zunächst 50 Patienten.

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