Paradigmenwechsel in der Krebsheilkunde

Prof. Dr. Caus Claussen und Frau Dr. Wesselmann während der PressekonferenzProf. Dr. Caus Claussen und Frau Dr. Wesselmann während der Pressekonferenz
Prof. Dr. Caus Claussen und Frau Dr. Wesselmann während der Pressekonferenz

Prof. Dr. Caus Claussen und Frau Dr. Wesselmann während der Pressekonferenz

„Radiologen begleiten Krebspatienten oftmals über Jahre hinweg und liefern fortwährend wichtige Informatinen für den Behandlungsprozess“, sagte Prof. Dr. Claus Claussen, Professor des Universitätsklinikum Tübingen und Präsident des 90. Deutschen Röntgenkongresses. Ersmals in der Geschichte des traditionsreichen Kongresses wird das Programm in Kooperation mit der Deutschen Krebsgesellschaft gestaltet. Prof. Claussen erläuterte auf der heutigen Auftaktpressekonferenz, warum die Radiologie für die Onkologie so wichtig ist – und was er unter dem Paradigmenwechsel in der Krebsheilkunde versteht.

90. Röntgenkongress: Die Rolle der Radiologie für die Onkologie

Berlin, Mai 2009 – Krebs ist nach wie vor eine grosse Herausforderung für die Medizin. Mit steigender Lebenserwartung sowie kritischen Veränderungen sozialer und umweltökologischen Lebensbedingungen steigt auch die Häufigkeit von Krebserkrankungen. Den medizinischen Problemen gesellt sich ein ökonomisches hinzu. Einerseits müssen innovative Behandlungskonzepte einer breiten Bevölkerungsschicht verfügbar gemacht werden, andererseits aber auch die steigenden Kosten für die medizinische Behandlung aufgebracht werden. Sowohl aus medizinischer als auch aus ökonomischer Perspektive essenziell ist hierbei die interdisziplinäre Vernetzung der Fachkompetenzen.

Tumorboards

Nur die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit der Onkologen aller chirurgischer und konservativer Disziplinen, der Radioonkologen, der Radiologen und Nuklearmediziner ermöglicht ein optimales Behandlungskonzept, das von der Erstdiagnose über die Therapieplanung bis zur Therapiekontrolle reicht. Tumorboards, also regelmäßige Konferenzen verschiedener Fachkollegen, sind ein hervorragendes Instrument, individuelle Behandlungskonzepte mit den Richtlinien der Fachgesellschaften zu verbinden und die richtige Therapie für den Patienten festzulegen.

Individualisierte Medizin – individualisierte Bildgebung

Krebserkrankungen sind komplex. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit eines individuellen Vorgehens beim einzelnen Patienten. Die Bildgebung spielt bei dieser „individualisierten Medizin“ eine wesentliche Rolle. Denn der Radiologe begleitet onkologische Patienten oftmals über viele Jahre hinweg und liefert fortlaufend therapeutisch wichtige Informationen über das individuelle Ausbreitungsmuster der Erkrankung und die Veränderung unter der Therapie.

Krankheits-, nicht organbezogen

Maligne Erkrankungen sind – von einigen Tumorarten abgesehen – potenziell systemisch, können also alle Körperregionen betreffen. Daher werden Informationen über das individuelle Ausbreitungsmuster der Erkrankung im gesamten Körper benötigt. Der Radiologe kommt hier eine Schlüsselstellung zu. Denn die Fortschritte der Schnittbildvervahren Computertomographie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT), Positonen-Emissionstomografie (PET) und der Hybridgeräte (PET/CT), ermöglichen einen raschen Überblick über Tumorausbreitung im erkrankten Körper. Das ist ein großer Fortschritt und ein Paradigmenwechsel in der Medizin: Wir arbeiten nicht mehr rein organbezogen, sondern krankheitsbezogen.

Molekulare Bildgebung

Die onkologische Forschung legt heute einen Schwerpunkt auf die Entwicklung von Methoden zur simultanen Erfassung morphologischer, biologischer und funktioneller Gewebeeigenschaften. Der Begriff der „Molekularen Bildgebung“ umfasst dabei all diejenigen bildgebenden Verfahren, mit denen sich molekulare Strukturen oder biologische Prozesse mit Hilfe geeigneter Marker nachweisen und auch quantitativ beurteilen lassen. Ziel ist es, Informationen über einen Tumor zu gewinnen, zum Beispiel über tumorbiologische Funktionen wie der Zellteilung oder die Ausbildung von Blutgefäßen, die den Tumor versorgen. Die gerätetechnische Integration von PET und CT (PET/CT) hat sich bereits kurz nach ihrer Einführung im Jahr 2001 als klinisch bedeutsam für die Onkologie erwiesen, da tumorspezifische funktionelle Veränderungen (PET) anatomischen Strukturen (CT) zugeordnet werden können.

Fortschritt MRT

Die Entwicklung der hochauflösenden Ganzkörper-MRT hat einen weiteren, wichtigen Fortschritt für die onkodiagnostische Radiologie gebracht. Vergleichsstudien von Ganzkörper-MRT und Genzkörper-CT und -PET/CT zeigen, dass die MRT besser geeignet ist zur Detektion von Fernmetastasen im zerebralen Bereich, der Leber und der Knochen. Mit Spannung verfolgen und gestalten Radiologen darüber hinaus die Entwicklung von MR/PET.

Interventionelle Radiologie

Schließlich kann der Radiologe mehr als „nur“ diagnostizieren. Mit der interventionellen Radiologie, einem jungen Zweig der bildgebenden Wissenschaft, bringt er sich aktiv in den therapeutischen Prozess ein. Bildgesteuerte minimalinvasive Eingriffe, wie Gewebeentnahmen und lokale Therapieverfahren wie etwa das Verkochen von Tumorgewebe (Radiofrequenzablation) oder das Verschließen der Blutzufuhr von Tumoren (Embolisation) sind schonende und wirksame Verfahren der radiologisch geprägten Krebstherapie.

Fazit

Die Radiologie ist nun gefordert, methodische und klinische Studien zu kombinieren, um die diagnostische Effizienz und therapeutische Relevanz der modernen bildgebenden Verfahren zu untersuchen. Gleichzeitig gilt es, die Herausforderungen durch die großen Bilddaten mengen, den zunehmenden Zeitdruck und die Leistungsverdichtung durch effizientere Untersuchungsabläufe und gesteigerte Kompetenz zu meistern Das wichtigste aber ist der fachliche und persönliche Austausch der Radiologen mit ihren klinischen Kollegen. Der Röntgenkongress bietet hierfür ervorragende Gelegenheit.

Detlef Höwing


Krebszeitung

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