Strategieplan Krebs

Prof. Dr. Dr. hc Werner Hohenberger - Quelle: Deutsche KrebsgesellschaftProf. Dr. Dr. hc Werner Hohenberger - Quelle: Deutsche Krebsgesellschaft
Prof. Dr. Dr. hc Werner Hohenberger - Quelle: Deutsche Krebsgesellschaft

Prof. Dr. Dr. hc Werner Hohenberger – Quelle: Deutsche Krebsgesellschaft

Strategieplan Krebs

Die Deutsche Krebsgesellschaft hat vor Kurzem einen „Strategieplan Krebs“ erarbeitet, in dem Vorschläge für eine wirkungsvollere Vorbeugung und Behandlung von Krebs zusammengetragen wurden. Im Rahmen der Nationalen Krebskonferenz wird dieser Strategieplan nun auch einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Neben dem großen Handlungsbedarf bei der Sammlung von Patientendaten aus allen Behandlungsphasen, die der Forschung nur weiterhelfen können, wenn sie in ein klinisches Krebsregister einfließen, erläutert der Plan ebenfalls die Notwendigkeit der Behandlung möglichst aller Krebspatienten in größeren Zentren, in denen Fachleute verschiedener Disziplinen zusammenwirken.

Derzeit leben in Deutschland rund 5 Millionen Menschen, die an Krebs erkrankt sind oder waren. Jedes Jahr bekommen 435.000 weitere Menschen die Diagnose Krebs gestellt. Schon im Jahr 2010 erwartet die WHO, dass Krebs die Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Todesursache Nummer eins abgelöst haben wird. Krebs ist eine Volkskrankheit und unsere Gesellschaft ist derzeit nicht adäquat auf die Herausforderungen, die mit der weiteren Alters bedingten Zunahme an Krebserkrankungen verbunden sind, vorbereitet.

Die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. möchte Krebs deshalb jetzt zum zentralen Thema in unserer Gesellschaft machen. Krebsbekämpfung ist zweifelsfrei eine gewaltige Aufgabe: Dabei geht es sowohl um die Intensivierung von Präventionsmaßnahmen zur Vermeidung von Neuerkrankungen als auch um strukturelle Verbesserungen der Versorgung, damit im Erkrankungsfall jedem Menschen unabhängig von Wohnort und persönlichen Möglichkeiten aktuell erwiesenermaßen als optimal geltende Behandlungsmöglichkeiten angeboten werden.

Optimierung der Krebstherapie heißt, Spitzenleistungen der onkologischen Behandlung dringend Bedürftigen zur Verfügung zu stellen und diese so intelligent abzustufen, damit Krebsbekämpfung über die gesamte Fläche des Landes hinweg effizient wirken kann. Dies setzt eine flächendeckend bessere Struktur voraus, aber eben auch den zielgerechteren Einsatz von Ergebnissen aus der Grundlagenforschung. Vor allem bei der Verzahnung des stationären mit dem ambulanten Sektor haben wir in Deutschland noch Nachholbedarf.

Unser Ziel ist eine flächendeckende, qualitätsgesicherte Versorgung und die Sicherstellung von Innovation und Finanzierung in der modernen Krebsmedizin. Wichtige Säulen sind dabei Organtumorzentren und die Onkologischen Zentren, die die beteiligten Fachdisziplinen zu einer engen Kooperation verpflichten. Der Operateur, die Experten für Strahlen- und medikamentöse Therapie diskutieren tagtäglich in regelmäßigen Konferenzen die Krankheitsverläufe und die erhobenen Befunde mit den Pathologen und Radiologen.

Sie ringen dabei um die bestmögliche Therapie für die Patienten, um ihnen optimale Heilungschancen zu eröffnen, aber auch um Ihnen eine zusätzlich belastende Therapie mit deutlicher Minderung der Lebensqualität zu ersparen, wenn das Tumorstadium bereits weit fortgeschritten ist. Die Deutsche Krebsgesellschaft als unabhängige und größte onkologische Fachgesellschaft hat es sich mit ihren mehr als 6000 Mitgliedern zur Aufgabe gemacht, durch Zertifizierung vor Ort die Qualität zu überprüfen, damit die Betroffenen sicher sein können, dass drinnen die Qualität vorgehalten wird, die draußen auf dem Türschild versprochen wird.

Inzwischen gibt es 104 Darmkrebszentren in Deutschland, 30 Prostatakrebszentren, 12 Gynäkologische Krebszentren und 3 Hautkrebszentren denen zukünftig auch Zentren für Lungenkrebs mit entsprechendem Gütesiegel folgen werden. Diese organbezogenen Tumorzentren bilden die Säulen für die Etablierung onkologischer Zentren als gemeinsames Dach, welches weitere wichtige Aufgabenbereiche wie z.B. die Etablierung von Tumorregistern, den Aufbau von Gewebebanken, die Fort- und Weiterbildung ebenso enthält wie eine fachübergreifende psychoonkologische Organisationsstruktur, Palliativstationen und enge Verbindungen zu Rehabilitationskliniken.

Die übergreifende Organisation der einzelnen Bereiche führt aber auch zu organisatorischen und ökonomischen Synergieeffekten bei der Betreuung der Tumorpatienten, die angesichts der begrenzten finanziellen Mittel im deutschen Gesundheitswesen dringend geboten sind. Seit Oktober 2008 werden Onkologische Zentren durch die Krebsgesellschaft zertifiziert und somit eine neue Stufe bei der Verbesserung der Krebsversorgung in Deutschland erreicht. Hier profitieren nun alle Krebspatienten – auch die seltener Entitäten – von der Expertise der Fachdisziplinen.

Beide Versorgungsstufen sollen als regionale Anlaufstellen für die Betroffenen dienen, die in diesen Zentren qualitätsgesichert beraten und behandelt werden, selbst wenn sie dafür eine längere Anfahrt in Kauf nehmen müssen. Mit der zunehmenden Anzahl der anerkannten Onkologischen Zentren gelingt es, die dafür erforderlichen Standards weiter zu verbreiten, somit Forschung und Therapie bundesweit auf hohem Niveau zu versammeln und vergleichbar zu machen. Auf diese Weise entstehen Vertrauen und Kooperation ebenso wie Bündelungen und Synergien.

Nicht zuletzt erzielen wir damit auch einen enormen Gewinn bei der Auswertung von Daten für weitere Forschungen und gesundheitspolitische Maßnahmen. Durch den Willen zur Harmonisierung der Behandlungsdaten sind wir nun erstmals in der Lage in Deutschland ein funktionierendes klinisches Krebsregister aufzubauen, um unser Wissen über Krebserkrankungen zu vertiefen und die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.

Die Deutsche Krebsgesellschaft wird von nun an in Form eines Strategieplanes regelmäßig Vorschläge erarbeiten, um Krebs in Deutschland wirkungsvoll zu bekämpfen und vor allem Krebspatienten langfristig optimal zu versorgen. Wir leisten damit unseren Beitrag als Mediziner und Experten zur gesamtgesellschaftlichen Herausforderung Krebs.

Pressemitteilung der Deutschen Krebsgesellschaft e.V.


Krebszeitung

--Download Strategieplan Krebs als PDF-Datei --