Viszeralmedizin 2009: Individuelle Therapien bei Krebs im Bauchraum

Immunzellen (T-Zellen) im Bauchspeicheldrüsenkrebs, die ihre Entzündungsstoffe (Zytokine) über den alternativen p38-Signalweg bilden und dadurch das Tumorwachstum fördern. Pathologisches Institut, Universitätsklinikum HeidelbergImmunzellen (T-Zellen) im Bauchspeicheldrüsenkrebs, die ihre Entzündungsstoffe (Zytokine) über den alternativen p38-Signalweg bilden und dadurch das Tumorwachstum fördern.Pathologisches Institut, Universitätsklinikum Heidelberg

Hamburg – Bei einer Krebsoperation entnehmen Chirurgen möglichst den gesamten Tumor, um sicherzugehen, dass sich der Krebs nicht erneut ausbreitet. Dazu gehören auch Teile von befallenen Organen, umliegendes Fettgewebe und befallene oder naheliegende Lymphknoten. Ob die Entfernung von Lymphknoten, die sogenannte Lymphadenektomie, vorteilhaft für Patienten ist, ist zurzeit in der wissenschaftlichen Diskussion.

Welche Operationsmethoden das Überleben von Patienten mit Krebserkrankungen im Bauchraum und Verdauungstrakt verlängern, ist ein Thema der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Visceralchirurgie (DGAV) auf der Fachtagung Viszeralmedizin 2009.

Diese findet vom 30. September bis 3. Oktober 2009 im CCH Hamburg statt.

Das Lymphsystem und seine Funktionen sollen Krebspatienten erhalten bleiben. Chirurgen versuchen deshalb, es bei der Entfernung von Tumoren so wenig wie möglich zu beschädigen und auch umliegendes, gesundes Körpergewebe zu erhalten. Wichtig sei es, dabei sämtliche Tumorteile zu entfernen. „Unzählige Studien der Vergangenheit haben gezeigt, dass Patienten mit Krebserkrankungen im Bauchraum und Verdauungstrakt dann eine höhere Überlebensrate haben, wenn eine umfassende Entfernung des Primärtumors und der regionalen Lymphknoten gelingt“, betont Professor Dr. med. Joachim Jähne, Hannover.

Beispielsweise empfiehlt die DGAV seit einigen Jahren, bei Tumoren im Enddarm das umliegende gesunde Fettgewebe mit zu entfernen. Dadurch wurde das Rückfallrisiko für Patienten von 30 auf fünf Prozent gesenkt. Lymphknoten entfernen Chirurgen bei vielen Operationen ebenfalls. Denn die systematische Entfernung und Untersuchung von befallenen und nicht befallenen Lymphknoten liefert wichtige Hinweise auf das Erkrankungsstadium. Insbesondere die Lymphknoten in der Nähe des Tumors spielen dabei eine Rolle. Die Vermutung ist, dass über das Lymphsystem aus diesen Lymphknoten auch Metastasen vom Tumor in andere Bereiche des Körpers gelangen.

Epidemiologische Daten stellen diesen chirurgischen Standard jedoch in Frage: Das Team um Professor Dr. rer. hum Dieter Hölzel vom Tumorregister München (TRM) des Klinikums Großhadern wertete internationale Studien von bis zu 30 Jahren sowie Daten des TRM aus.

Sie kommen zu dem Ergebnis, dass Krebszellen in Lymphknoten keine weiteren Metastasen verursachen. Ihre Entfernung und insbesondere die Entfernung umliegender, nicht befallener Lymphknoten sei nicht nur überflüssig: Sie kann auch Nebenwirkungen haben. Je nachdem wie umfassend der Eingriff in das Lymphsystem ist, können Betroffene unter Taubheitsgefühlen, Bewegungseinschränkungen oder Nervenschäden leiden.

Die Daten zeigen auch: Werden nicht befallene, umliegende Lymphknoten in einer Operation systematisch entfernt, sinkt die Überlebensrate der Patienten.

„Wir prüfen derzeit, ob diese Daten zutreffend sind und – wenn ja – wo und wie diese Erkenntnisse unsere Behandlungsmethoden und Leitlinien ergänzen und verbessern können“, betont Professor Jähne. Welche Operationsmethoden das Überleben verlängern, ist wichtiger und fortlaufender Bestandteil der onkologischen Chirurgie. Beispielsweise sei es bei Magenkrebs bereits bekannt, dass nicht alle Patienten von einer Lymphadenektomie profitieren. Eine Diagnose vor der Operation, welche Patienten Vorteile haben und welche nicht, ist bisher nicht möglich. Daher muss es das primäre Ziel sein, möglichst viele Lymphknoten zu resezieren, um zu einer wirklich relevanten Diagnose zu gelangen, da sich dann prognostische Vorteile ergeben können.

„Unser langfristiges Ziel in der Behandlung von Patienten mit Tumorerkrankungen im Bauchraum besteht darin, die Patienten zu identifizieren, die von der Lymphadenektomie profitieren“, meint Jähne. Die neuen epidemiologischen Daten seien weitere Anhaltspunkte, wie wichtig die Weiterentwicklung individualisierter Therapiestrategien ist. Es sei jedoch allein aufgrund der Münchener Ergebnisse völlig verfrüht, die Lymphadenektormie an sich in Frage zu stellen. Im Übrigen stellt die Lymphadenektomie und damit die Zahl möglicher befallener Lymphknoten die Grundlage für zusätzliche chemotherapeutische Maßnahmen dar, die gerade beim Krebs des Dickdarmes ein unverzichtbarer Bestandteil einer modernen und wissenschaftlich fundierten Behandlung sind. Nur durch die Entfernung der Lymphknoten können diese Behandlungskonzepte realisiert werden.

Die neuesten Behandlungsmethoden zu Tumorerkrankungen im Bauchraum ist Thema mehrerer wissenschaftlicher Vorträge der Fachtagung Viszeralmedizin 2009 vom 30. September bis 3. Oktober in Hamburg. Das Programm gestalten Viszeralchirurgen, Gastroenterologen und Endoskopen gemeinsam.

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Pressemitteilung Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, Medizin – Kommunikation


Krebszeitung

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