89. Deutscher Röntgenkongress

von links: Prof. Dr. D. Vorwerk, Prof. Dr. M. Laniado, Prof. Dr. E. Sorantin, Prof. Dr. R. Fotter
von links: Prof. Dr. D. Vorwerk, Prof. Dr. M. Laniado, Prof. Dr. E. Sorantin, Prof. Dr. R. Fotter

Berlin, 29. April 2008. Ob beim Erkennen angeborener Herzfehler oder der Diagnose altersbe-dingter Demenz – Radiologen sind in der Medizin unverzichtbar. Mit noch schnelleren und präziseren Verfahren erkennen sie frühzeitig schwere Erkrankungen und leiten unmittelbar lebensrettende Maßnahmen ein. Die Radiologie entwickelt sich jedoch auch mehr und mehr zu einer therapeutischen Disziplin: So führen Interventionelle Radiologen schonende, minimal-invasive Eingriffe am Patienten durch. Die Bildgebung in Echtzeit spielt dabei eine zentrale Rolle. Über 7.000 Radiologie-Experten diskutieren vom 30. April bis zum 3. Mai 2008 auf dem 89. Deutschen Röntgenkongress in Berlin die aktuellen Entwicklungen in ihrem Fachgebiet. Schwerpunkte sind neben der Interventionellen Radiologie die Kinderradiologie, der radiologische Notfall sowie das Zukunftsthema molekulare Bildgebung. Der 89. Deutsche Röntgenkongress ist zugleich der 5. Kongress, den die Deutsche Röntgengesellschaft (DRG) gemeinsam mit ihren österreichischen Kolleginnen und Kollegen veranstaltet.

Von Kinderkrankheiten bis zur Demenz

Der rasante technologische Fortschritt in der medizinischen Bildgebung ermöglicht heute eine noch schnellere und exaktere Diagnostik und erhöht so stetig die Chancen auf ein längeres Leben. „Mit den neuesten technischen Errungenschaften können wir Radiologen bereits bei Kleinkindern schwerwiegende Krankheiten, wie Herzfehler oder Krebs, erkennen und gezielter behandeln“, erläutert der diesjährige österreichische Kongresspräsident Prof. Dr. Richard Fotter von der Universitätsklinik für Radiologie in Graz.

Zu den aktuellen technischen Innovationen der Radiologie zählen vorrangig Hybrid-Techniken, die zwei Bildgebungsmethoden miteinander verbinden – die Positronen-Emissionen-Tomografie (PET), die mittels radioaktiver Substanzen biochemische Vorgänge im Körper abbildet, und die Computerto-mografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT).

Daneben werden die nach Berlin gereisten Radiologen das Potenzial der Molekularen Bildgebung diskutieren. Diese Bildgebungsverfahren helfen, Funktionsstörungen und Krankheitsprozesse bereits auf der Ebene zellulärer und molekularer Strukturen zu erkennen und als Vorboten einer ausbrechenden Krankheit zu identifizieren – zum Beispiel bei Demenz.

Radiologen erobern aber auch zunehmend klassische Therapiegebiete. So sind ihre Methoden der Bildgebung in Echtzeit gefragter denn je. „Vor allem in der Behandlung von Krebserkrankungen ergänzen minimal- invasive Verfahren die herkömmlichen Methoden – zum Beispiel beim Verschließen von Blutgefäßen, die einen Tumor versorgen (Embolisation) oder der Zerstörung von Tumoren durch Hitze (Radiofrequenzablation, Laser), Kälte oder Strahlung. Somit werden dem Patienten immer häufiger komplexe und belastende chirurgische Eingriffe erspart“, bestätigt Prof. Dr. Dierk Vorwerk vom Klinikum Ingolstadt, deutscher Kongresspräsident und Experte für Interventionelle Radiologie.

von links: Prof. Dr. D. Vorwerk, Prof. Dr. M. Laniado, Prof. Dr. E. Sorantin, Prof. Dr. R. Fotter
von links: Prof. Dr. D. Vorwerk, Prof. Dr. M. Laniado, Prof. Dr. E. Sorantin, Prof. Dr. R. Fotter

Einmal im Jahr treffen sich Radiologen, Medizinisch-technische Radiologieassistenten und andere Experten auf dem Deutschen Röntgenkongress zum fachlichen Austausch. Mit über 100 Lehrveranstaltungen, 64 wissenschaftlichen Sitzungen und 144 Posterbeiträgen ist der Kongress Deutschlands bedeutendste Fort- und Weiterbildungsforum in der Radiologie. 125 Fachaussteller geben in diesem Jahr auf mehr als 5.000 m2 einen Einblick in die technischen Innovationen moderner Bildgebung.

Schonend gegen den Krebs

Die Interventionelle Tumortherapie konzentriert ihre Wirkung auf den Tumor selbst

Berlin, 29. April 2008. Die Behandlung von Krebs erfordert ein entschiedenes Vorgehen und ist häufig mit Folgeschäden verbunden.

Daher sind die Mediziner stets auf der Suche nach effektiven, aber dennoch schonenden Techniken. Dazu zählt die „minimal-invasive“, die Interventionelle Therapie, die eine offene Operation oder eine Chemo-therapie ersetzen oder ergänzen kann. Ein sehr kleiner Schnitt reicht bereits aus, um den Katheter in den Körper einzuführen. An der Spitze des Endoskops oder der Sonde befindet sich ein medizinisches Werkzeug, das mit Kälte, Hitze, Mikrowellen oder Laser den Krebs auf kleinstem Raum bekämpft. So wird die Belastung des Körpers so gering wie möglich gehalten. Die meisten dieser Verfahren gelten als einfach durchführbar und für den Patienten wenig belastend. Sie sind aber noch in der Testphase.

Prof. Dr. Dierk Vorwerk vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Klinikum Ingolstadt wendet die Technik erfolgreich an: „Wir wissen von vielen Patienten, dass es funktioniert. Aber für einen Vergleich mit anderen Verfahren fehlen uns noch größere Studien mit höheren Fallzahlen.“ Zahlreiche Verfahren für verschiedene Krankheitsbilder werden zur Zeit klinisch erprobt.

Noch kommt die Interventionelle Tumortherapie vorwiegend als „kleinere“ Alternative zu einer Operation zum Einsatz, zum Beispiel, wenn ein Patient den Belastungen eines großen Eingriffs nicht gewachsen wäre, oder wenn andere Behandlungsmethoden nicht die gewünschte Wirkung gezeigt haben.

Bereits etabliert ist die Interventionelle Tumortherapie bei der Bekämpfung von Metastasen in der Leber. Wenn eine Operation hier nicht möglich ist, kann der Radiologe über die Arterie radioaktive Partikel oder kleine, mit Medikamenten gefüllte Kugeln wie kleine U-Boote in die Leber führen oder die Metastasen mit Radiowellen, Röntgenstrahlung, Laser, Kälte oder Medi-kamenten zerstören.

Auch die Vorbereitung von Leberoperationen ist ein Kerngebiet der Interventionellen Radiologie: Hat der Patient einen Tumor in einem der beiden Leberlappen, so ist bisher die erfolgreichste Methode, diesen Teil durch eine Operation zu entfernen. Damit aber ausreichend gesunde Lebermasse bestehen bleibt, bringt der Radiologe zunächst den befallenen Leberlappen durch Unterbrechung der versorgenden Pfortader zum Schrumpfen und zwingt so den gesunden Teil zum Wachsen. Bei dieser „Pfortader-Embolisation“ verschließt der Arzt die zum Tumor führenden Blutgefäße beispielsweise mit Gel oder Kügelchen. Sobald der gesunde Teil groß genug geworden ist, kann der Patient operiert werden.

Die Anwendungszahlen der Interventionellen Tumortherapie steigen in jüngerer Zeit stark an, vor allen Dingen, weil die Patienten immer älter werden und dann nicht mehr so leicht zu operieren sind.

Prof. Vorwerk: „Obwohl minimalinvasive Techniken erst am Anfang der Ent-wicklung stehen, zeigen sie schon heute ein hohes Maß an Effektivität direkt am Krankheitsherd und ersparen manchen Krebspatienten eine Operation oder die Beeinträchtigung des gesamten Körpers durch eine Chemotherapie.“

Prof. Vorwerk, der in diesem Jahr Deutscher Kongresspräsident des 89. Deutschen Röntgen-kongresses ist, sieht für die Technologie eine große Zukunft: „Wir ahnen, dass wir hier höchste Effektivität vor Ort bei starker Reduktion der Nebenwirkungen erreichen können. Aber wir stehen bei der Tumorbekämpfung erst am Anfang.“

Demenz: Früh erkennbar und oft vermeidbar

Bluthochdruck eines der Hauptrisiken – Neues Bildgebungsverfahren ermöglicht frühe Alzheimer-Diagnose

Berlin, 29. April 2008. Demenz entwickelt sich aufgrund der demografischen Entwicklung zu einer Volkskrankheit. Radiologen diskutieren daher auf ihrem 89. Deutschen Röntgenkongress über dementielle Erkrankungen und ihre frühzeitige Diagnose.

„Demenz wird häufig mit dem heute noch unheilbaren Morbus Alzheimer gleichgesetzt. Doch viele dementielle Erkrankungen sind kein Schicksal, sondern vermeidbar“, betont Prof. Dr. Mi-chael Forsting, Direktor des Radiologischen Instituts am Universitätsklinikum Essen.

Hierzu zählen laut Forsting die gefäßbedingten Demenzen, die in aller Regel durch einen zu hohen Bluthochdruck ausgelöst würden. Sie machen ein Viertel aller Demenzerkrankungen aus. „In der MRT- oder CT- Aufnahme des Gehirns sehen wir kleine Einschüsse oder Narben im Hirngewebe. Das sind Mikro-Angiopathien, also sehr kleine Verletzungen der Gefäße. Diese Ver-letzungen können zu Demenz führen“, erläutert Prof. Forsting weiter.

„Radiologen hätten daher eine besondere Verantwortung für die Aufklärung der Patienten“, so der Essener Mediziner. „Bluthochdruck ist ein Compliance-Problem. Viele Patienten sind eigentlich optimal mit blutdrucksenkenden Arzneien versorgt. Aber sie nehmen ihre Mittel nicht, weil es ihnen mit einem hohen Blutdruck subjektiv besser geht und Bluthochdruck keine Schmerzen verursacht. Diesen Patienten können wir auf dem MR-Bild zeigen, dass ihre Hirn-leistung abnehmen wird, wenn sich ihr nicht Blutdruck senkt“, so Prof. Forsting.

Morbus Alzheimer, die mit 60 Prozent häufigste Ursache der Demenz, kann inzwischen in ei-nem frühen Stadium nachgewiesen werden. Das gelingt mit der sogenannten Amyloid-Plaque-Bildgebung. Amyloid-Plaques sind Ablagerungen des Beta-Amyloids im Gehirn. Das Beta-Amyloid ist ein Peptid, welches ursächlich mit der Entwicklung der Alzheimer Demenz in Verbindung gebracht wird. Das durch enzymatische Prozesse abgebaute Eiweiß-Bruchstück verklumpt, lagert sich in Form der Amyloid-Plaques im Gehirn ab und beeinträchtigt die Gehirnfunktion.

Ein neues bildgebendes Verfahren ermöglicht es nun, diese Ablagerungen, die Radio-logen bis dato nur in der post-mortem- Untersuchung nachweisen konnte, beim lebenden Patienten im Gehirn zu visualisieren. Für diese Bildgebung kommt ein bestimmter Tracer zum Einsatz, das 11C-markierte Pittsburgh Compound B (PIB). Diese Substanz überwindet die Blut-Hirn-Schranke und bindet im Gehirn an die Beta- Amyloid Plaques, die dann mittels der Positronen-Emissions- Tomographie (PET) sichtbar gemacht werden können.

„Damit sind wir Radiologen in der In-vivo-Diagnostik, also der Diagnose von Morbus Alzheimer beim lebenden Patienten, eigentlich schon weiter als in der Therapie“, erklärt PD Dr. Alexander Drzezga, Nuklearmediziner am Klinikum der TU München. Viele der durchaus vorhandenen modernen Therapieansätze richten sich gegen die Amyloid- Ablagerung, sind aber laut Drzezga erst in der Testphase. Zum Beispiel gibt es Ansätze, bestimmte Enzyme zu blocken und so die Bildung des Beta-Amyloids zu verhindern. Auch die Forschung um einen Impfstoff gegen Morbus Alzheimer schreitet voran. „Hier laufen die ersten klinischen Studien zur Entwicklung eines Impfstoffes gegen die Bildung von Beta-Amyloid-Ablagerungen“. „Die Therapie von Alzheimer müsste im Grunde schon Jahre oder gar Jahrzehnte vor der manifesten klinischen Symptomatik beginnen. Daher ist es wichtig Patienten zu identifizieren, die tatsächlich Amyloid Ablage-rungen im Gehirn haben“, erläutert der Münchner Nuklearmediziner. Für diesen Zweck und natürlich auch für die Therapiekontrolle könnte das neue bildgebende Verfahren hervorragend geeignet sein. Erste Arbeiten implizieren, dass bereits im so genannten MCI-Stadium (Mild Cognitive Impairment), wenn beim Patienten erst leichte Gedächtnisstörungen vorhanden sind, mit der Amyloid-Plaque Bildgebung Patienten identifiziert werden können, die später zu einer Demenz fortschreiten.

Kinderkrankheiten werden erwachsen

Berlin, 29. April 2008. Angeborene Krankheiten: Früher erreichten viele der kleinen Patienten nicht das Erwachsenenalter – heute können sie über 40 Jahre alt werden. Kinderradiologen plädieren für engere Kooperation bei der Behandlung dieser Patientengruppe.

Kinderkrankheiten – das sind nicht nur Masern oder Windpocken. Es gibt auch andere „Kinderkrankheiten“: angeborene Herzfehler, Mukoviszidose oder schwere Fehlbildungen der Wirbel-säule. Diese werden von Medizinern deshalb so genannt, weil die kleinen Patienten früher das Erwachsenenalter in der Regel gar nicht erst erreichten. Jeder Einzelfall ist ein schweres Schicksal. Doch dank besserer Behandlungsstrategien und des Fortschritts in Diagnose und Therapie erlangen immer mehr junge Menschen, die von diesen schweren Krankheiten betroffen sind, ein mittleres Alter. Aber damit gibt sich die Medizin noch nicht zufrieden.

„Viele frühkindlich angelegte Krankheiten treten sehr selten auf. Die Ärzte, die die Menschen dann als Erwachsene behandeln, kennen sie darum kaum“, stellt Prof. Dr. Richard Fotter, Leiter der klinischen Abteilung für Kinderradiologie an der Medizinischen Universität Graz, fest. In der Kindermedizin hätten sich Spezialisten herausgebildet, zum Beispiel Kinderonkologen für junge Krebspatienten, Kinderkardiologen für angeborene Herzfehler oder Kinderradiologen für die strahlenmedizinische Diagnose und Therapie von Kindern. „Jedoch stellen die herangewachsenen Körper andere Ansprüche an Diagnostik und Therapie, auf die viele Kinderspezialisten wiederum nicht eingestellt sind“, erklärt der Grazer Radiologe.

Fast jedes hundertste neugeborene Baby leidet unter einer der zahlreichen Formen angeborener Herzfehler. Eine dieser Formen ist zum Beispiel die Fallot’sche Tetralogie. Hier treffen vier verschiedene Fehlbildungen des Herzens und der Aorta zusammen: Dies kommt etwa bei jedem tausendsten aller Neugeborenen vor. Die Prognose nach einem chirurgischem Eingriff ist günstig. Die Betroffenen werden heute älter und brauchen immer längere Betreuung – bis weit ins Erwachsenenalter hinein. Inzwischen sind 80 Prozent der Patienten über 20 Jahre alt.

Diese Tendenz gilt auch für andere Krankheitsbilder. Die Radiologen suchen stetig nach neuen Lösungen, um die kleine Gruppe von Patienten, die einer großen Aufmerksamkeit bedarf, angemessen betreuen zu können.

Prof. Dr. Erich Sorantin, stellvertretender Leiter der klinischen Abteilung für Kinderradiologie an der Medizinischen Universität Graz, wird im Jahr mit durchschnittlich fünf Herzinfarkten bei Kindern konfrontiert, die auf angeborene Fehlbildungen zurückgehen: „So komplexe Fragestellungen bearbeite ich nur im Team mit den Kinderkardiologen!“, stellt er klar. Die strikte Trennung zwischen Kindern und anderen Fachrichtungen ist für diese Patientengruppen nicht mehr sinnvoll – so Sorantins Erfahrung. „Wir sollten die Patienten altersunabhängig als Menschen mit angeborenen bzw. erworbenen Herzerkrankungen behandeln.“

Dem Thema Kinderradiologie wird auf dem diesjährigen Deutschen Röntgenkongress große Aufmerksamkeit geschenkt. Neben der optimalen Therapie bei angeborenen Herzfehlern diskutieren die nach Berlin gereisten Radiologen unter anderem die Möglichkeiten der systematischen Nachsorge von Patienten, die im Kinder- und Jugendalter eine Krebserkrankung hatten.

Radiologen sind der Legasthenie auf der Spur

Bildgebendes Verfahren gibt Hinweis auf strukturelle Veränderungen bei Lese-Rechtschreib-Schwäche

Berlin, 29. April 2008. Kinderradiologen an der Universität Jena haben Veränderungen der Hirnstruktur bei Kindern mit Legasthenie festgestellt. Das Team um PD Dr. Hans-Joachim Mentzel führte eine Studie mit 28 von der Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) betroffenen und 21 gesunden Kindern durch. Mit der bildgebenden Methode des Diffusi-on Tensor Imaging (DTI) machten die Ärzte bei lese-rechtschreibschwachen Kindern strukturelle Unterschiede verschiedener Gehirnregionen gegenüber denen gesunder Kinder sichtbar. Diese und andere wissenschaftliche Erkenntnisse der Radiologie disku-tieren Experten vom 30. April bis zum 3. Mai 2008 auf dem 89. Deutschen Röntgenkongress in Berlin.

Im Rahmen ihrer Studie untersuchten die Jenaer Kinderradiologen gemeinsam mit Kinderpsychiatern Schüler im Alter von acht bis 14 Jahren. Diese hatten einen Intelligenzquotienten von mindestens 85.

„Wir stellten in verschiedenen Hirnregionen der Kinder, bei denen eine Legasthenie diagnostiziert wurde, abweichende Strukturen im Vergleich zu normal lesenden Kindern fest“, erläutert Dr. Mentzel. Diese strukturellen Abweichungen könnten ein Indikator für eine Lese- Rechtschreib-Schwäche sein.

Der Einsatz des bildgebenden Verfahrens Diffusion Tensor Imaging, mit dem Aussagen zu Struktur und Organisation im menschlichen Hirn getroffen werden können, brachte das Forschungsteam um Dr. Mentzel einen großen Schritt weiter. Diese innovative Methode ist eine besondere Art der Magnetresonanztomographie und bildet die Diffusionsbewegung der Wassermoleküle in den untersuchten Hirnregionen ab. Die Diffusion lässt Rückschlüsse auf die Mikrostruktur des Gewebes ziehen. Mittels des so genannten Diffusionskoeffizienten ADC und des Faktors der Gerichtetheit der Diffusion (FA) konnten die Radiologen Strukturunterschiede zwischen Kindern mit und ohne Lese- und Rechtschreib-Störung aufzeigen.

Laut Dr. Mentzel verändert sich die Struktur des Gehirns im Laufe des Heranwachsens, wobei insbesondere Effekte des Trainings von Hirnregionen im Rahmen von Längsschnittstudien bei Kindern mit Leistungsstörungen untersucht werden müssen. Deshalb forscht das Jenaer Ärzteteam konsequent auf dem Gebiet der Legasthenie weiter.

Denn momentan lassen sich die Abweichungen der Gehirnstruktur lediglich mit den bildgebenden Methoden der Radiologie erkennen.

Legasthenie ist eine folgenreiche und langwierige Störung des Erwerbs der Schriftsprache. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von der genetischen Dispositionen bis hin zu Problemen der auditiven und visuellen Wahrnehmungsverarbeitung. In Deutschland sind laut Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. allein vier Prozent aller Schüler davon betroffen.

Radiologie bleibt attraktiver Facharztberuf für medizinischen Nachwuchs

DRG stellt Umfrage-Ergebnisse unter ihren Mitgliedern vor

Berlin, 29. April 2008. Anlässlich des 89. Deutschen Röntgenkongresses in Berlin stellte die Deutsche Röntgengesellschaft (DRG) die Ergebnisse jüngster Umfragen unter ihren Mitgliedern vor. Das Ergebnis: Die Radiologie ist ein attraktiver Facharztberuf, der besonders Frauen die Option von Familie und Beruf eröffnet.

Ärztemangel, wie er sich in anderen Facharztrichtungen bedingt durch Nachwuchsprobleme und ungünstige Altersstrukturen abzeichnet, scheint in der Radiologie kein Problem darzustellen.

Rund 750 Radiologen mit der Befugnis, junge Mediziner zu Fachärzten in der Radiologie weiterzubilden, nahmen an der Befragung teil. Demnach gibt es in Deutschland rund 7.000 praktizierende Radiologen. Etwa 1.400 Radiologen werden aus Altersgründen in den kommenden zehn Jahren aus dem Dienst ausscheiden. Dem stehen circa 1.600 Nachwuchsradiologen gegenüber, die voraussichtlich in den nächsten sechs Jahren ihre Facharztprüfung ablegen wer-den.

Was bewegt eine junge Ärztin oder einen jungen Arzt zu einer Facharztausbildung in der Radiologie?

Nach einer Umfrage unter Weiterbildungsassistenten heben viele junge Ärzte die Bandbreite des Faches hervor und betonen die Schlüsselstellung der Radiologie innerhalb des Klinikbetriebes. Darüber hinaus spielt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine wichtige Rolle für die angehenden Fachärztinnen und Fachärzte – vor allem bedingt durch geregelte Arbeitskonditionen in den radiologischen Abteilungen. Die Mehrzahl der Befragten kann sich nach Abschluss der Facharztausbildung eine Tätigkeit in der Praxis vorstellen.

„Die Umfragen liefern uns insgesamt ein positives Bild von der personellen Zukunft unseres Faches“, bestätigt Prof. Dr. Michael Laniado, Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft. „Besonders freut uns der hohe Anteil an Frauen unter den angehenden Fachärzten, der seit Jahren einen Anstieg erlebt und in einigen Weiterbildungsjahrgängen bereits bei knapp 50 Prozent liegt“, so Prof. Laniado weiter. „Dennoch können wir uns auf diesen Zahlen nicht ausruhen. Auch in unserem Fach sehen wir uns mit einem West-Ost- Gefälle konfrontiert. Die Nachwuchssituation ist in den alten Bundesländern durchschnittlich besser als in den Neuen. Wir werden uns – wie andere Fachrichtungen auch – bemühen müssen, gute Ärztinnen und Ärzte für die Arbeit in den neuen Bundesländern zu begeistern.“

Wenn Sie Fragen haben oder zusätzliche Informationen benötigen, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Deutsche Röntgengesellschaft e.V.
Florian Schneider, Pressesprecher
Strasse des 17. Juni 114
10623 Berlin

Tel.: 030/916070-19
Mobil: 0171 / 44 58 201
Fax: 030/916070-22

Pressemitteilung Deutsche Röntgengesellschaft e.V., Pressesprecher Florian Schneider


Krebszeitung

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