Angriffspunkt gegen Metastasenbildung bei Speiseröhrenkrebs

Legende: Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme einer Lungenmetastase: Tumorzellen (grün) formen solide Tumorknoten, die in engem Kontakt mit umgebenden Kapillaren (rot) stehen. Die wechselseitige Kommunikation zwischen Tumorzellen und Endothelzellen ermöglicht das Wachstum von Metastasen. Endothelzellen können das Tumorwachstum dabei aktiv fördern. - Quelle: Oliver Meckes (Eye of Science) / H. Augustin (DKFZ)
Legende: Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme einer Lungenmetastase: Tumorzellen (grün) formen solide Tumorknoten, die in engem Kontakt mit umgebenden Kapillaren (rot) stehen. Die wechselseitige Kommunikation zwischen Tumorzellen und Endothelzellen ermöglicht das Wachstum von Metastasen. Endothelzellen können das Tumorwachstum dabei aktiv fördern. - Quelle: Oliver Meckes (Eye of Science) / H. Augustin (DKFZ)

Die meisten krebsbedingten Todesfälle sind auf Metastasen zurückzuführen, selbst nach zunächst erfolgreicher Entfernung des so genannten Primärtumors. Die Vorhersage des weiteren Verlaufs der Erkrankung und die Entscheidung über die medikamentöse Therapie richten sich gegenwärtig nach der anatomischen Ausbreitung des Primärtumors und im Zeitalter molekularerer Therapien zunehmend auch nach dessen genetischer Beschaffenheit. Eine neue Studie von Wissenschaftlern der Universitätsklinika Regensburg, Düsseldorf, Hamburg-Eppendorf und dem Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried legt nun nahe, dass dies möglicherweise nicht ausreicht. Bessere Therapieergebnisse könnten erreicht werden, wenn die genetische Beschaffenheit von Vorläuferzellen späterer Metastasen ebenfalls untersucht würde.

In der Mai-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift „Cancer Cell“ berichteten die Forscher über die Ergebnisse ihrer Studie, in der das Erbgut von Vorläuferzellen späterer Metastasen bei Patienten mit Speiseröhrenkrebs analysiert wurde. Der allgemeinen Annahme nach sollten sich die Vorläuferzellen der Metastasen und ihre Primärtumore genetisch ähneln, da die Metastasierung als spätes Ereignis in der Krebsentwicklung verstanden wird. Auf diese Annahme verlassen sich auch die diagnostischen Tests an Primärtumoren, um bestimmen zu können, ob und welche Therapien zur Unterdrückung der Metastasenentstehung für die Patienten geeignet sind. Jedoch zeigen nun die Daten der neuen Studie, dass sich die Vorläuferzellen der Metastasen genetisch von ihren Primärtumoren wesentlich unterscheiden.

Dieser Befund weist auf eine im Krankheitsverlauf sehr frühe Tumorzellstreuung hin, mit erhebliche Folgen für die Therapie.

So konnten die Wissenschaftler nur auf Grund der genauen Analyse der bereits gestreuten metastatischen Vorläuferzellen eine für Ösophaguskarzinome neue therapeutische Angriffsmöglichkeit entdecken. Diese wäre durch die alleinige Analyse von Primärtumorgewebe nicht aufgefallen.

Die Daten der Studie legen nahe, dass bei bestimmten Formen des sehr aggressiven Speiseröhrenkrebses beispielsweise das Medikament Trastuzumab, unter dem Namen Herceptin bekannt und seit 2006 in Europa für die Brustkrebstherapie zugelassen, eine sinnvolle Behandlungsoption für einige der betroffenen Patienten sein könnte.

Angriffspunkt für den Wirkstoff ist das Onko-Gen HER2 in der Tumorzelle, das bei vielen Krebsarten durch bestimmte Veränderungen zu einem wichtigen krebsfördernden Gen werden kann.

Zusammenfassend zeigt die Studie, dass Marker zur Prognose des Erkrankungsverlaufs und Angriffspunkte einer zielgerichteten Therapie direkt an den Vorläuferzellen der Metastasen in Lymphknoten oder Knochenmark identifiziert werden können. Die Leiter der Studie, Nikolas Stoecklein und Christoph Klein, stellen nicht die Bedeutung des Primärtumors zur Abschätzung von Therapie und Krankheitsverlauf in Frage, betonen aber, dass Patienten von der direkten Analyse der metastatischen Vorlauferzellen profitieren können. Da diese Zellen das eigentliche Ziel der gegen die Metastasen gerichteten medikamentösen Therapien sind, dürfte deren Analyse letztlich zu therapeutisch bedeutsamen Entscheidungen führen. Weiterhin sprechen sich die Autoren dafür aus, die evolutionäre Dynamik der Tumorzellstreuung in weiteren klinischen Studien zu untersuchen, um mehr Informationen über die Prävention tödlicher Metastasenbildung zu erhalten.

Kontakt:

Dr. Nikolas Stoecklein,
Chirurgische Forschung, Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie,
Universitätsklinikum Düsseldorf,
E-mail: nikolas.stoecklein@uni-duesseldorf.de ,

Prof. Christoph Klein,
Institut für Pathologie, Abteilung für Onkogenomik,
Universität Regensburg,
E-mail: christoph.klein@klinik.uni-regensburg.de

Pressemitteilung Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Susanne Dopheide


Krebszeitung

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  • Leukämiezelle mit einem intakten und einem gebrochenen BRWD3-Gen (drei rote Fluoreszenzsignale) - Quelle: Dr. Claudia Kalla und DKFZ
    Leukämie

    defektes Regulatorgen – möglicher Angriffspunkt für Medikamente 

    Was genau die genetischen Ursachen für Blutkrebs sind, will Prof. Claudia Baldus, Oberärztin an der Charité in Berlin, jetzt klären. „Wenn wir die Ursache für die Erkrankung kennen, haben wir die Möglichkeit, Patienten mit maßgeschneiderten Therapien zu versorgen und die Heilungschancen realistisch abzuschätzen“, erläutert die Hämatologin.

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  • T-Lymphozyten sind Zellen des Immunsystems, die Krebszellen zerstören können. Ihre Aktivität spiegelt sich in der Grafik wider, die im rechten Teil den vermehrten Tod der Tumorzellen anzeigt. (Bild Matthias Wölfl)
    Therapie

    T-Lymphozyten sind Zellen des Immunsystems, die Krebszellen zerstören können. Ihre Aktivität spiegelt sich in der Grafik wider, die im rechten Teil den vermehrten Tod der Tumorzellen anzeigt. (Bild Matthias Wölfl)Manche T-Zellen des Immunsystems sind natürliche Feinde von Krebszellen. Ihre Wirksamkeit in der Therapie hängt offenbar ganz entscheidend davon ab, wie sie auf ihren Einsatz im Organismus vorbereitet werden.

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    Matthias Wölfl, Oberarzt an der Universitätskinderklinik, ist einer der Würzburger T-Zell-Experten. Als Postdoc in den USA war er bis 2007 an einem Projekt beteiligt, bei dem es um den Einsatz von T-Zellen gegen Leukämie ging. Jetzt sind die viel versprechenden Ergebnisse des Projekts im renommierten Journal „Science Translational Medicine“ veröffentlicht.

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