Arztassistent in der Urologie

DGU- und Kongresspräsident Prof. Dr. Stephan Roth
DGU- und Kongresspräsident Prof. Dr. Stephan Roth

DGU ist an der Weiterentwicklung eines Bachelor-Studiengangs für Pflegekräfte beteiligt

Mit einer Hochschulkooperation zur Weiterbildung für examinierte Pflegekräfte geht das Fach Urologie neue Wege: Ab Oktober 2013 bietet das Fachgebiet gemeinsam mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Karlsruhe eine akademische Ausbildung an, deren Absolventinnen und Absolventen im Arbeitsfeld zwischen Arzt/Ärztin und Pflegepersonal zahlreiche Aufgaben übernehmen. Das dreijährige Studium zum „Physician Assistant (PA)“, zu Deutsch Arztassistent, schließt mit dem Hochschulgrad Bachelor of Science (B.Sc.) ab. Das spezielle Curriculum an der DHBW wurde in enger Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) weiterentwickelt und auf die speziellen Erfordernisse im Bereich der Urologie abgestimmt.

Akademisierung der Pflege („Dr. Schwester“ lt. Dt. Ärzteblatt, 109: (49), 07. Dez. 2012) – allgemeine Hintergründe

Der Wissenschaftsrat (WR), der die Bundesregierung und Länderregierungen in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklungen der Hochschulen, der Wissenschaft und der Forschung seit 1957 berät, schlägt in seinen „Empfehlungen zu hochschulpolitischen Qualifikationen für das Gesundheitswesen“ (Juli 2012) vor, dass zukünftig Gesundheitsfachberufe vermehrt an Hochschulen ausgebildet werden sollen. Hierbei sollten 10 – 20% eines Ausbildungsjahrganges weiter mit einem Bachelor oder einem Masterabschluss qualifiziert werden. Und dieser Vorschlag bezieht sich auch ausdrücklich auf Pflegekräfte (neben Physiotherapeuten, Logopäden, u.a.).

Demographische Entwicklung

Die Erbringung bislang (hier in Deutschland) als ärztlich definierter Aufgaben durch qualifizierte Pflegekräfte im Auftrag und unter der „Hoheit“ ärztlicher Aufsicht stellt eine Chance dar. Ursache hierfür sind die demographische Entwicklung, der Mangel an Ärzten insbesondere in ländlichen Gebieten und sicher auch die erforderliche bessere Nutzung der begrenzten (auch finanziellen) Ressourcen. 80% der Ausgaben entstehen durch 20% chronische Erkrankungen – diese können Ärzte zukünftig alleine nicht versorgen, hier ist Multidisziplinarität gefragt.

Juristische Aspekte:
Weiterbildungsverordnung Arztassistenz des Landes Baden-Würtemberg

Mit dem Gesetzesblatt für Baden-Würtemberg (Ausgabe 2013, Nr. 9, S. 158 – 162) wird im Rahmen des Länderechtes die Ausbildung zum Arztassistent als Bachelor-Studiengang staatlich anerkannt. Die Prüfungen werden gemeinsam mit der Ärztekammer abgenommen, der Titel des Arztassistenten darf dann bundesweit geführt werden. Die Kooperation der Deutschen Gesellschaft für Urologie mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Karlsruhe ist somit in einem rechtlich gesicherten Korridor.

Akademisierung der Pflege – Position der Dt. Gesellschaft für Chirurgie

Prof. Dr. Bauer, ehem. Generalsekretär DGCH konstatiert, es sei „sinnvoll .., auch in der Pflege Führungskräfte auszubilden, neue Teamformen auszubauen und eine vernünftigere Arbeitsteilung anzustreben. Dazu könnte die Akademisierung sicherlich etwas beitragen.“ Viele chirurgische Teilgebiete (Unfallchirurgie & Orthopädie, Gefäßchirurgie, Viszeralchirurgie) haben wie die Deutsche Gesellschaft für Urologie die Sinnhaftigkeit der Weiterqualifikation von Pflegekräften erkannt und unterstützen diesen Weg.

Akademisierung der Pflege – Position der Deutschen Gesellschaft für Urologie

Delegation bislang ärztlich zugeordneter Tätigkeiten an qualifiziertes medizinisches Fachpersonal (in Praxen) bzw. entsprechende Mitarbeiter aus der Pflege (in Krankenhäusern) ist schon lange medizinischer Alltag – aber noch ein Graubereich, der strukturiert werden muss. Bei nachgewiesener Qualifikation sollte eine Delegation bestimmter Tätigkeiten oder im Sinne einer Neubewertung die primäre Zuständigkeit durch eine qualifizierte Pflegekraft legitimiert werden. Urologen sehen eine Vielzahl von Tätigkeiten, in denen eine mindestens gleichgute Qualität sichergestellt werden kann – bei der Frage der Delegation ärztlicher Tätigkeiten sollte es mehr um das „Wie“, nicht um das „Ob“ gehen.

Klar ist aber auch, dass sowohl die Diagnose- als auch die Indikationsstellung einzig beim Arzt bleiben muss. Ein PA (physician assistant, PA = Arztassistent) kann zum Beispiel Anamnesen erheben, Patienten untersuchen, diagnostische Vorschläge unterbreiten, Behandlungspläne erstellen, kleinere Eingriffe durchführen, Überweisungen und Verlegungen organisieren, Behandlungen dokumentieren und Arztbriefe vorbereiten sowie Aufgaben im Qualitätsmanagement und in der DRG-Administration übernehmen.

Im Studium werden ab Oktober 2013 nun unter anderem Themen wie urologische Krankheitslehre, Notfälle, Untersuchungsverfahren, medikamentöse Therapie, Ernährungstherapie, Operationsassistenz von der Patientenlagerung bis zum Wundverschluss, Schmerz- und Wundmanagement, sowie prä- und poststationäres Management intensiv behandelt. Für eine Zulassung zu dem naturwissenschaftlich- medizinisch ausgerichteten Studium sind neben den üblichen Hochschulzugangsvoraussetzungen eine abgeschlossene Pflegeausbildung (Gesundheits-, Krankenoder Altenpflege) sowie ein Ausbildungsvertrag mit einer Partnerklinik der DHBW erforderlich. Kern des bewährten Dualen Studienkonzepts ist der Wechsel zwischen Vorlesungsphasen an der Hochschule und Praxisphasen in der ausbildenden Klinik.

Die Weiterbildung der Ärzte wird durch das neue „Berufskonzept“ nicht eingeschränkt. Es gibt eine Vielzahl von Tätigkeiten, die nach hundertfacher Ausübung durch einen Arzt in Weiterbildung oder Facharzt nicht mehr erlernt werden müssen und deren Delegation Raum gibt für die Erbringung von Leistungen im Rahmen der Zunahme hochkomplexer Fragen und Aufgaben.

Darüber hinaus ist ein weiterer Aspekt bedeutsam: Es geht bei der Akademisierung der Pflege nicht nur nicht um Abgrenzung vom ärztlichen Bereich – ohne dass die Mediziner Angst haben müssten, Kompetenzen einzubüßen – es geht auch darum, dass Fortschritt in der Medizin nicht nur in der Detektion neuer molekularer Strukturen besteht, sondern auch in der Reflektion, was evidenzbasiert in der Pflege für den Patienten wichtig ist. Damit wird das Patientenwohl im Sinne einer ganzheit-lichen Betrachtung weiter aufgewertet. Und es gibt urologische Volkskrankeiten wie zum Beispiel die Harninkontinenz des älteren Patienten, bei dem im Sinne einer Versorgungsforschung optimale Betreuungsund Therapiekonzepte dringend evaluiert werden müssten.

Details zum Studiengang „Arztassistent in der Urologie“

Prof. Dr. med. Marcus Hoffmann, Geschäftsführer des Fachgremiums Gesundheitswissenschaften der DHBW und Leiter des Studiengangs: „Neben der intensiven Wissensvermittlung an der Hochschule steht die praktische Ausbildung an den Partnerkliniken (akademische Lehrkrankenhäuser) im Mittelpunkt. Bereits in den Praxisphasen sind unsere Studierenden aufgrund ihrer fachlichen und sozialen Kompetenz bei Mitarbeitern und Patienten als Ansprechpartner begehrt und beliebt. Der Studiengang eröffnet eine attraktive Perspektive für motivierte Pflegekräfte, sich patientennah weiter zu qualifizieren. Die weiteren beruflichen Aussichten sind laut der Rückmeldung unserer Partnerkliniken exzellent.“ Von Bedeutung ist, dass die Ausbildung an der Dualen Hochschule kostenfrei ist, da das Projekt vom Land Baden-Württemberg gefördert wird. Die zukünftigen Physician Assistents müssen lediglich vom Arbeitgeber bei fortlaufenden Bezügen frei gestellt werden und sollten auch Zuschüsse für Reise- und Unterkunftskosten erhalten.

In den USA und Großbritannien, aber auch in den Niederlanden sind der Studiengang und der Beruf des PA bereits seit Längerem flächendeckend etabliert und ein wichtiger Teil einer hochqualifizierten, patientennahen Gesundheitsversorgung. Die Übertragung ärztlicher Routinetätigkeiten und Assistenzaufgaben auf speziell ausgebildetes nicht-ärztliches Personal hat sich dort in der Praxis vielfach bewährt. Nach Einschätzung von Prof. Dr. Hoffmann und vieler Experten im Gesundheitswesen wird sich auch in Deutschland die Entwicklung fortsetzen, hochqualifizierten Fachkräften basisärztliche und administrative Aufgaben zu übertragen.

Weitere Details zum Studium und den Bewerbungsmodalitäten finden sich im Internet unter: www.dhbw-karlsruhe.de/allgemein/studiengang-arztassistent/

Referent: Prof. Dr. med. Stephan Roth
2. Vize-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V.

Aus der Pressekonferenz des DGU-Kongress 2013

Pressemitteilung der DGU-Kongresspressestelle, Bettina-C. Wahlers, Sabine M. Glimm

 


Krebszeitung

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