Ausreiseverbot für Darmkrebszellen

Studienleiter Dr. Siegfried Shah (links) bei der Bildauswertung: Potenziell befallene Lymphknoten werden während der Operation mit einem Farbstoff und einer Spezialkamera sichtbar gemacht - © V. Daum / Bergmannsheil

Forscher untersuchen, warum Tumorzellen in andere Organe übersiedeln

Heidelberg (gb) – Die Haupttodesursache bei Darmkrebs sind Zweittumoren – ausgelöst von Krebszellen, die den Darm verlassen und sich meist in der Leber ansiedeln. Wie und warum sie das tun, ist noch unklar. Eine Reihe kleiner Moleküle könnte helfen, Licht in das Dunkel zu bringen – die sogenannten Mikro-RNAs. Während sie in gesunden Zellen eine Vielzahl lebenswichtiger Prozesse regeln, unterstützen manche Mikro-RNAs in Krebszellen offenbar das bösartige Wachstum. Wie das im Detail funktioniert, wollen Forscher aus Heidelberg nun aufklären. Ihr Ziel: Ein Ausreiseverbot für bösartige Zellen. Ihre Ausbreitung im Körper soll verhindert werden. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Forschungsvorhaben mit 190.000 Euro.

Kleine Moleküle mit großer Wirkung: Mikro-RNAs spielen in fast allen Lebewesen eine wichtige Rolle. Dies wurde seit ihrer Entdeckung vor knapp 20 Jahren durch US-Forscher in den letzten Jahren immer deutlicher. Sie bestimmen, in welcher Menge ein bestimmtes Eiweiß hergestellt wird. Wie bei einem Kochrezept ist eine zu geringe Menge einer Zutat wirkungslos, eine Prise zu viel kann das Gericht schon ungenießbar machen. Mikro-RNAs ermöglichen sozusagen das Feintuning der Eiweißproduktion und stellen die richtige Balance innerhalb der Zelle sicher. Beim Menschen sind bis heute über 700 verschiedene Mikro-RNAs entdeckt worden.

Doch die kleinen Moleküle tun nicht nur Gutes: „Wir vermuten, dass bestimmte Mikro-RNAs Krebszellen so umprogrammieren können, dass sich diese im Körper verbreiten“, erklärt Professor Dr. Heike Allgayer vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Bei der Untersuchung von Patientengewebe entdeckten sie und ihr Team, dass bestimmte Mikro-RNAs in unterschiedlichen Mengen in gesundem Darmgewebe, Tumorgewebe und umherwandernden Krebszellen vorhanden sind – für die Wissenschaftler ein direkter Hinweis auf deren Einfluss auf das Krebsgeschehen. „Mikro-RNAs könnten beispielsweise die Produktion eines krebshemmenden Stoffes hemmen, der eigentlich das Auswandern in andere Organe verhindert“, so Allgayer weiter.

Die Heidelberger Forscher untersuchen nun, welche Prozesse von den verdächtigen Mikro-RNAs in Darmkrebszellen reguliert werden. In weiteren Versuchen klären sie, ob sie das Ausbreiten der Krebszellen verhindern können, indem sie die Mikro-RNAs blockieren. „Mit unseren Erkenntnissen wollen wir dazu beitragen, Krebszellen zukünftig gezielt von der Ausbreitung im Körper abzuhalten“, hofft Allgayer.

„Eine Krebserkrankung wird lebensbedrohlich, wenn sich die bösartigen Zellen von ihrem Ursprungstumor lösen und über die Blut- oder Lymphbahnen in andere Organe gelangen“, betont Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. „Das Verständnis dieser Prozesse ist eine wichtige Voraussetzung für neue Therapien gegen Krebs.“

Hintergrundinformation: Krebsforschung

Die Fortschritte in der Krebsforschung haben dazu beigetragen, neue und immer wirkungsvollere Therapien gegen Krebs zu entwickeln und bestehende Behandlungsansätze weiter zu optimieren. Diese Erfolge sind auch der Deutschen Krebshilfe zu verdanken – die gemeinnützige Organisation ist der bedeutendste private Förderer der Krebsforschung in Deutschland. Allein im Jahr 2011 investierte die Deutsche Krebshilfe rund 32 Millionen Euro in die onkologische Forschung. Bei der Forschungsförderung gilt es, im Sinne einer optimalen Patientenversorgung vielversprechende Ergebnisse aus der Forschung schnell und effizient in die klinische Prüfung und Anwendung zu bringen um die Überlebenschancen und die Lebensqualität krebskranker Menschen stetig zu verbessern.

Projektnr.: 109558

Pressemitteilung Deutsche Krebshilfe e. V., Christiana Tschoepe


Krebszeitung

--Download Ausreiseverbot für Darmkrebszellen als PDF-Datei --


  • Winter - pixabay
    Deutsche Krebshilfe

    Forscher enträtseln, warum die Wurzel gegen Übelkeit hilft

    Heidelberg (gb) – Viele Krebspatienten leiden unter den Nebenwirkungen einer Chemotherapie: Übelkeit und Erbrechen. Heute gibt es wirkungsvolle Medikamente dagegen, aber viele Betroffene vertrauen zusätzlich auf die magenberuhigende Wirkung der Ingwerwurzel. Bis jetzt war unklar, wie Ingwer eigentlich wirkt. Wissenschaftler aus Heidelberg konnten das Rätsel nun lösen: Die Inhaltsstoffe des Ingwer hemmen bestimmte Botenstoffe des Brechzentrums im Gehirn. Diese Erkenntnisse ermöglichen der Ingwerwurzel den Einsatz in der klinischen Praxis. Die Deutsche Krebshilfe hat das Projekt mit 208.000 Euro unterstützt.

    Wem übel ist, der mag nichts essen. Für Krebspatienten kann das gefährlich werden. Nichts oder wenig zu essen, schwächt die ohnehin schon durch die Erkrankung mitgenommenen Patienten noch zusätzlich. In schweren Fällen muss der behandelnde Arzt sogar die Therapie abbrechen – selbst wenn der Tumor eigentlich auf die Medikamente anspricht. Für die Betroffenen ist dies eine besonders schwerwiegende Situation.

    […mehr lesen]

  • Das Rosemarie-Fuchs-Haus auf Sylt - Quelle: Björn Schulz Stiftung
    Krebs bei Kindern

    Das Rosemarie-Fuchs-Haus auf Sylt - Quelle: Björn Schulz StiftungBerlin, März 2006. Ihre Ostereier suchen Lena und Robert aus Brandenburg in diesem Jahr zum ersten Mal auf der Nordseeinsel Sylt. Beide sind schwerkrank beziehungsweise haben gerade eine kräftezehrende Therapie hinter sich gebracht. Die Geschwister der beiden werden auch mitfahren. Die Björn Schulz STIFTUNG ermöglicht seit vielen Jahren Familien mit einem krebs- oder chronisch kranken Kind den Aufenthalt in einem wunderschönen reetgedeckten Fischerhaus auf Deutschlands berühmtester Nordseeinsel.

    […mehr lesen]

Google News – Gesundheit