Australische Forscherin weiß Krebszellen zu überlisten

Prof. Uta Dirksen mit ihrem Kollegen Dr. Konstantin Agelopoulos aus der Medizinischen Klinik A bei der Arbeit im Labor Foto: WWU/DU

„Krebszellen sind Meister der Manipulation und für ihr eigenes Überleben programmiert,“ sagt die Professorin für Pharmazie und Pharmazeutische Wissenschaften an der University of Technology Sydney, Mary Babawy.

Bebawy ist Krebsexpertin – seit 18 Jahren erforscht sie die Mehrfachresistenz von Krebszellen gegen Arzneimittel. Gefördert durch den Cancer Council New South Wales und dem National Health and Medical Research Council verleiht ihre Forschung dem Kampf gegen Krebs neue Impulse.

Anstatt auf Heilung der Patienten allein durch Medikamente zu setzen, entschlüsseln Babawy und ihr Team aus sieben Postgraduierten und zwei Doktoranden den Code, der Krebszellen daran hindert, ihr gefährliches Resistenzwissen an andere Zellen weiter zu geben.

Bebawy und ihr Projektpartner Professor Georges Grau, Lehrstuhlinhaber der Gefäßimmunologie an der Sydney University Medical School, entdeckten, dass Krebstumore spontan winzige Mikrobläschen (Vesikel) ausschütten, auch Mikropartikel genannt, welche Resistenzproteine in sich tragen.

„Diese Vesikel dienen als Überträger, die Proteine mit sich führen und diese Proteine dann an einer wirkstoffempfänglichen Zelle abladen. Innerhalb von Stunden wird diese Zelle folglich multiresistent und reagiert nicht mehr auf pharmazeutische Behandlung,“ sagt Bebawy.

Diese Vesikel tragen zudem genetische Informationen in sich, die sie an andere Zellen weitergeben, sodass deren genetisches Material verändert wird und die Zellen zu einem Wust multiresistenter Zellen mutieren.

„Die ursprüngliche Zelle verändert sich derart, dass sie wie eine resistente Zelle aussieht. Wir haben das durch wirklich verrückte Experimente bestätigt, in denen wir Vesikel aus der Brust entnommen haben und mit Leukämiezellen zusammengeführt haben und vice versa Leukämievesikel mit Brustzellen zusammenführten. Das Ergebnis war eine vollständige Kopie des transkriptionalen Plans. Das hat ernsthafte Konsequenzen für die Übertragung schädlicher Merkmale in Krebszellenpopulationen.“

Krebs ist eine der meisten Todesursachen in Australien. Aktuelle Statistiken besagen, dass bei jedem zweiten Australier bis zum 85. Lebensjahr Krebs diagnostiziert werden wird. Krebszellen verhielten sich, laut Bebawy, in gewisser Weise wie Ameisen: wenn ein Weg versperrt sei, fänden sie eine alternative Route: „Multiresistenz ist ein großes Problem für Krebspatienten, weil Tumore die Wirkung von Chemotherapie umgehen können und somit den Erfolg der Behandlung beeinflussen.“

„Es wird viel im Bereich der Arzneimittelentwicklung geforscht und es gibt tausende von Molekülen, die Anti-Krebs-Eigenschaften in sich tragen. Das Problem bei diesen Molekülen ist, dass sie nur kurzzeitig wirken und der Patient danach einen Rückfall erleidet. Das ist einer von vielen Gründen, weshalb wir Krebs nicht besiegen können.“

Bebawy ist der Ansicht, dass ein neuer Ansatz in der Krebsbehandlung gefunden werden muss und dass ihre Forschung diesen liefert.

„Man muss dem Krebs einen Schritt voraus sein, was sehr schwierig ist. Ich bin dem Cancer Council überaus dankbar, der die Wichtigkeit dieser Forschungsrichtung anerkannt hat. Ich habe dort diese verrückte Idee präsentiert, dass Krebszellen Vesikel ausschütten und dass diese Vesikel als schädliche Überträger der Krebsinformationen dienen. Was anfangs schwer zu veröffentlichen war, hat sich nun als ein völlig neues Forschungsfeld entpuppt.“

„Es ist ein wesentliches Forschungsfeld, denn es ist sinnlos, Medikamente gegen Krebs zu entwickeln, wenn der Krebs diese einfach verändert und sich an deren Wirkweisen anpasst. Wir müssen die Wirkwege der Medikamente besser verstehen und diese Aufgabe habe ich mir gestellt. Ich wäre glücklich, wenn wir Wissenschaftler einen kleinen Teil dazutun könnten, das auf dieses Wissen in Zukunft aufgebaut werden kann.“

Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund Pressestelle
Friedrichstr. 95
10117 Berlin
Email: berlin@ranke-heinemann.de
Tel.: 030-20 96 29 593

oder

Associate Professor Mary Bebawy
University of Technology Sydney, Pharmacy
Email: Mary.Bebawy@uts.edu.au
Phone: +61 2 9514 8305

Das Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund ist das gemeinnützige Studierendensekretariat aller australischen und neuseeländischen Universitäten in Europa, zuständig für Wissens- und Forschungstransfer, Forschungsförderung sowie Studenten- und Wissenschaftleraustausch und für die Betreuung von Studierenden und Schülern, die ein Studium Down Under vorbereiten.

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.ranke-heinemann.de
http://www.ranke-heinemann.at
http://www.ranke-heinemann.tv

PRESSEMITTEILUNG AUSTRALISCH-NEUSEELÄNDISCHER HOCHSCHULVERBUND / INSTITUT RANKEHEINEMANN,
SABINE RANKE-HEINEMANN

Aus Tumor-Hemmer entsteht Krebsauslöser


Krebszeitung

--Download Australische Forscherin weiß Krebszellen zu überlisten als PDF-Datei --


  • Referenten der Pressekonferenz beim Deutschen Krebskongress 2014
    Prostatakrebs

    Berlin, 18. März 2014 – “Wir freuen uns sehr, dass wir – wie geplant – im Februar des Jahres mit der PROBASE-Studie beginnen konnten und die ersten Männer bereits in den Studienzentren untersucht wurden”, sagt Studienleiter Prof. Dr. Peter Albers, Direktor der Urologischen Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf. Ziel der PROBASE-Studie ist eine Optimierung des Prostatakrebs-Screenings mithilfe eines so genannten Basis-PSA-Werts. „Wir untersuchen, ob in Abhängigkeit von der Höhe eines einmalig bestimmten PSA-Werts ein risikoadaptiertes Vorgehen bei der Prostatakrebs-Vorsorge möglich ist“, erläutert Prof. Dr. Albers.

    Um diese Hypothese zu überprüfen, schließen vier Studienzentren bundesweit (Universitätsklinikum Düsseldorf, Universitätsklinikum Heidelberg, Klinikum rechts der Isar der TU München, Medizinische Hochschule Hannover) über einen Zeitraum von fünf Jahren insgesamt 50.000 gesunde, 45-jährigen Männer ein. Die Teilnehmer werden über die Einwohnermeldeämter nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und von den Studienzentren eingeladen. Eine selbstständige Teilnahme ist nicht möglich, da dies die Studienergebnisse verfälschen könnte. Inzwischen wurden aus allen Zentren die Probanden zur Teilnahme eingeladen. „Wir sind mit dem Rücklauf bislang zufrieden und hoffen, dass sich viele der von uns angeschriebenen Männer zur Teilnahme an der Studie bereit erklären. Denn hiervon profitieren nicht nur die Studienteilnehmer selbst, sondern viele Männer weltweit“, hob Prof. Dr. Albers hervor.

    […mehr lesen]

  • Über die Oberschenkelarterie (Arteria femoralis) führt der Radiologe den Katheter bis an die Gefäße heran, die das Myom mit Blut versorgen. D. Klemm 1998
    Gebärmutterkrebs

    Berlin im Juli 2008. Etwa jede dritte Frau in Deutschland leidet – meist unbemerkt – unter harmlosen Wucherungen an der Gebärmutter, den Myomen. Bei circa 20 Prozent der Betroffenen führen sie jedoch aufgrund ihrer Größe oder Anzahl zu Beschwerden. Die Folgen sind schmerzhafte, verstärkte und verlängerte Menstruation bis hin zu Sturzblutungen, Druck auf Blase oder Darm sowie Unfruchtbarkeit. Neben monatelangen Hormontherapien und komplizierten operativen Eingriffen galt bisher die komplette Entfernung der Gebärmutter, die Hysterektomie, als erfolgreichstes Verfahren zur Behandlung von Myomen.

    […mehr lesen]

Google News – Gesundheit