Bauchspeicheldrüsenkrebs: neue Substanz im Test

Immunzellen (T-Zellen) im Bauchspeicheldrüsenkrebs, die ihre Entzündungsstoffe (Zytokine) über den alternativen p38-Signalweg bilden und dadurch das Tumorwachstum fördern. Pathologisches Institut, Universitätsklinikum Heidelberg
Immunzellen (T-Zellen) im Bauchspeicheldrüsenkrebs, die ihre Entzündungsstoffe (Zytokine) über den alternativen p38-Signalweg bilden und dadurch das Tumorwachstum fördern. Pathologisches Institut, Universitätsklinikum Heidelberg

Wissenschaftler der Chirurgischen Uniklinik Heidelberg untersuchen eine neue biochemische Substanz zur möglichen Therapie von Bauchspeicheldrüsenkrebs. Bauchspeicheldrüsenkrebs stellt mit einer Neuerkrankung mit etwa zehn von 100.000 Einwohnern bei Männern die dritt-, bei Frauen die zweithäufigste Krebs-Todesursache unter den Tumoren des Verdauungstraktes dar. Der Grund hierfür liegt im Fehlen von wirksamen Therapien, die greifen könnten, wenn eine alleinige chirurgische Operation nicht mehr möglich ist.

Als neue Strategien für die Therapie einiger Tumorarten haben sich kleine chemische Substanzen, so genannte „small molecules“, überraschend gut bewährt. Bei der Bekämpfung des Bauchspeicheldrüsenkrebses sind solche Substanzen jedoch noch nicht erforscht, obwohl ihr Nutzen bei dieser schlecht therapierbaren Krebsform ausgesprochen hoch wäre.

Die Arbeitsgruppe von PD Dr. Alexandr V. Bazhin will diese Lücke schließen:
„Generell eignen sich ‚small molecules’, die Proteine hemmen, deren Aktivität für Versorgung und Wachstum des Tumors von großer Bedeutung sind.“ Der Biochemiker konnte mit seinem Team bereits zeigen, dass die Proteinkinase G, ein Enzym, welches einige Proteine in der Zelle phosphoriliert und somit die Aktivität dieser Proteine erhöht, für das Überleben von Bauchspeicheldrüsenkrebszellen essentiell ist. Die Heidelberger Wissenschaftler gehen nun den nächsten Schritt, indem sie nach Substanzen suchen, die die Funktion der Proteinkinase G in den Tumorzellen hemmt.

„Die sorgfältige Auswahl dieser hemmenden Substanzen ist deshalb wichtig, weil die Gefahr besteht, dass ein wirksamer Stoff auch andere Enzyme, die mit der Proteinkinase G verwandt sind, blockieren. In diesem Falle könnten solche Substanzen auch gesunde Zellen angreifen und dadurch beschädigen“, erläutert Bazhin das anspruchsvolle Unterfangen. Eine vielversprechendes Molekül hat das Team bereits im Blick: DT-3. Bei diesem spezifischen Hemmstoff der Proteinkinase G haben die Heidelberger bereits eine tödliche Wirkung auf die Bauchspeicheldrüsenkrebszelle festgestellt.

In einem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projekt untersuchen die Wissenschaftler nun die für Krebszellen tödliche Wirkung von DT-3 im Detail. Insbesondere steht die Frage im Vordergrund, inwieweit der Wirkstoff tatsächlich für eine Therapie von Bauchspeicheldrüsenkrebs geeignet ist. Dabei kommt den Wissenschaftlern ihre enge Anbindung an das Chirurgischen Universitätsklinikum Heidelberg zugute. Sollte sich DT-3 als grundsätzlich geeignet erweisen, könnten die Wissenschaftler im Falle positiver Ergebnisse eine neue klinische Studie initiieren – mit dem Ziel, DT-3 als eine mögliche therapeutische Substanz für die Therapie des Bauchspeicheldrüsenkrebses anwenden zu können.

Das tiefergehende Verständnis der molekularen Signalübertragung von Proteinkinase G zu dessen Zielproteinen ist darüber hinaus für die Heidelberger von großem Interesse – insbesondere um die krebshemmenden Effekte von DT-3 weiter zu optimieren beziehungsweise zu verbessern.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 80.000 Euro.
Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Weitere Informationen zur Stiftung: http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Kontakt (Projektleitung):
PD Dr. Alexandr V. Bazhin
Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg
Leiter der AG Immuntherapie des Pankreaskarzinom
Tel: +49 6221 56 36932
E-Mail: alexandr.bazhin@med.uni-heidelberg.de

Pressemitteilung Wilhelm Sander-Stiftung, Sylvia Kloberdanz


Krebszeitung

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  • Schematische Darstellung des Oktaeders in zwei verschiedenen Ansichten mit Indizierung der zwölf Oktaederkanten
    Radiologie

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    Bonn (sts) – Ab dem 1. August 2012 dürfen Solariengeräte eine maximale Bestrahlungsstärke von 0,3 Watt pro Quadratmeter Haut nicht mehr überschreiten. Die Geräte müssen entsprechend gekennzeichnet sein. „Die neue Bestrahlungsstärke entspricht allerdings immer noch der höchsten UV-Dosis, die auf der Erde gemessen werden kann: mittags bei wolkenlosem Himmel am Äquator“, erklärt Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. „Bisher wurde diese Bestrahlungsstärke von alten Geräten zum Teil um das Dreifache überschritten.“ Die neue Vorschrift basiert auf der UV-Schutzverordnung (UVSV) für Solarien, die seit dem 1. Januar 2012 rechtskräftig ist.

    Solarien müssen ab 1. August maximale Bestrahlungsstärke einhalten!

    Der Grund für die Einführung der UVSV sind die Gesundheitsgefahren, die von künstlichen UV-Strahlen ausgehen. Sie gelten neben den natürlichen Strahlen der Sonne als Hauptrisikofaktor für das Entstehen von Hautkrebs: „Wer vor dem 35. Lebensjahr regelmäßig Solarien nutzt, verdoppelt sein Risiko, am gefährlichsten Hautkrebs, dem malignen Melanom, zu erkranken“, betont Professor Dr. Eckhard Breitbart, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP). Rund 224.000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich neu an Hautkrebs, 26.000 davon am malignen Melanom. Zunehmend sind auch jüngere Menschen davon betroffen, insbesondere dann, wenn sie sich jahrelang regelmäßig künstlich gebräunt haben. Etwa 3,5 Millionen der unter 36-Jährigen nutzen derzeit Solarien. Besonders gefährdet sind Frauen im Alter von 18 bis 25 Jahren,denn sie gehen etwa doppelt so häufig auf die Sonnenbank wie Männer. Erschreckend: Rund 167.000 der derzeitigen Solariennutzer sind minderjährig. Jugendlichen ist der Zugang zu Solarien gesetzlich untersagt. Seit März 2010 sind die Betreiber verpflichtet, ihnen den Zugang zu Solariengeräten zu verbieten.

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