Behandlung von Kopf-Halstumoren

Strahlentherapie eines Patienten in der Charité Berlin

Europaweit erkranken jährlich etwa 143.000 Menschen neu an Kopf-Halstumoren. Auch deshalb wurde diese Krankheit auf dem Patiententag der DGHO (Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie) thematisiert und Betroffene durch Frau Dr. Maren Knödler aus Berlin über die Systemtherapie informiert, deren Vortrag die Grundlage dieses Artikels bildet.

Bei der Erstdiagnose beträgt das Alter der Betroffenen durchschnittlich 68 Jahre. Immer mehr jüngere Menschen werden jedoch von dieser Erkrankung betroffen. Der Grund daran liegt an den Risikofaktoren, die die Entstehung von Kopf-Halstumoren begünstigen. Dazu gehören Viren und insbesondere die HPV (Humane Pappiloma Viren), das Rauchen oder übermäßiger regelmäßiger Alkoholkonsum.

Nach der Diagnosestellung ist es wichtig, schnellstmöglich die beste Therapieform für den einzelnen Betroffenen zu finden. Dazu gehört die lokale Behandlung des Tumors, wie die Operations- und Strahlentherapie, wobei hier die Tumorgröße und dessen Ausdehnung maßgeblich ist.

Bei der operativen Entfernung bestehen gute Heilungschancen, wenn der Tumor lokal begrenzt ist und komplett entfernt werden kann. Eine vorgeschaltete Strahlentherapie kann zu einer Verkleinerung des Tumors führen und damit eine eventuell sonst notwendige komplette Entfernung des Kehlkopfes verhindern helfen. Als Folge daraus kann der Erhalt der natürlichen Stimme und damit einer höheren Lebensqualität für den einzelnen angestrebt werden.

Bei weit fortgeschrittenen Tumoren des Kopf-Halsbereiches können aber auch gute Heilungserfolge durch eine Kombinationstherapie erzielt werden. Diese besteht aus einer kombinierten Anwendung einer Chemo- und Strahlentherapie und zeigt ähnlich gute Heilungschancen, wie die alleinige operative Entfernung des Tumors. Der Vorteil der Kombinationstherapie liegt jedoch eindeutig beim Erhalt des Kehlkopfes und damit verbunden dem Erhalt der natürlichen Stimme.

Systemische Therapie

Zu den systemischen Therapieformen gehören zwei Gruppen von Therapiearten. Zum Einen die traditionelle Chemotherapie, die auf die Zellen des gesamten Körper wirken und damit auch gesunde Zellen in Mitleidenschaft ziehen und abtöten und zum Anderen die neuen medikamentösen Therapieformen, zu denen z.B. die Antikörpertherapie zählt, die zu den zielgerichteten Therapiearten gehört.

Chemotherapie

Die Substanzen der systemischen Chemotherapie sind durchweg Zytostatika (Zellgifte). Folgende Substanzen kommen bei der Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren zum Einsatz:

  • Platinhaltige Medikamente: Cisplatin und Karboplatin
  • 5 FU (5 Fluorouracil)
  • Taxane: hier besonders Docetaxel

Studien haben gezeigt, dass eine Indukationstherapie, bestehend aus allen drei Substanzein, eindeutig bessere Ergebnisse zeigt, als die Behandlung mit einer Kombination aus Cisplatin und 5 FU.

Antikörpertherapie

Anders als bei der Chemotherapie werden bei der Antikörpertherapie keine gesunden Zellen des Körpers angegriffen oder zerstört, sondern die Signalwege von krankhaft veränderten Zellen (z.B. Tumorzellen gezielt angesprochen, die Zellteilung verhindert und somit das Wachstum von Tumorzellen gestoppt. Eines dieser Medikamente für die Behandlung von Kopf-Halstumoren ist Cetuximap, das den Wachstumsrezeptor EGF der Zellen anspricht und blockiert.

Die Behandlung weit fortgeschrittener Tumoren und Metastasen

Die Therapie der weiter fortgeschrittenen Kopf-Halstumoren erfolgt zur Zeit durch eine kombinierte Radio-Chemotherapie oder einer Kombination aus Strahlen- und Antikörpertherapie. Diese Therapiearten können auch neoadjuvant (Chemo-oder Antikörpertherapie vor der Stahlentherapie) durchgeführt werden, um die Tumorgröße vor der Bestrahlung zu reduzieren und damit die Größe des schädigenden Strahlenumfeldes zu verringern.

Die Behandlung von Metastasen (Fernabsiedelungen des Tumors in andere Bereiche des Körpers) der Hals-Kopf-Tumoren erfolgt durch eine kombinierte Chemotherapie mittels Docetaxel, Cisplatin und 5 FU, sowie der Antikörpertherapie durch Cetuximap. Im Einzelfall können auch zusätzliche Bestrahlungen zur Tumorentfernung hinzugezogen werden.

Autor: Detlef Höwing

Bildmaterial: Selbsthilfeverein der Kehlkopfoperierten Berlin und Umland, Landesverband Berlin e.V.

Wichtige Adressen und Hilfe für Betroffene

Bundesverband der Kehlkopfoperierten e.V.
Haus der Krebsselbsthilfe, Thomas-Mann-Str. 40, 53111 Bonn
Bürozeiten: Mo. – Fr. 08:30 – 16:30 Uhr
Tel.: 02 28 / 3 38 89 – 300, Fax: 02 28 / 3 38 89 – 310
E-Mail: geschaeftsstelle@kehlkopfoperiert-bv.de
Webseite: www.kehlkopfoperiert-bv.de

Selbsthilfeverein der Kehlkopfoperierten Berlin und Umland, Landesverband Berlin e.V.
Dr. oec. Jens-Uwe Kukla, Marchwitzastraße 2, 12681 Berlin
Tel.: 030-544 09 98
E-Mail: jensuwekukla@arcor.de
Webseite: www.kehlkopfoperierte-berlin.de


Krebszeitung

--Download Behandlung von Kopf-Halstumoren als PDF-Datei --


  • Biopsie-Gerät Quelle: NCT Heidelberg
    dkfz

    Heute, am 11. Mai 2012, startete am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eine Vortragsreihe herausragender Krebsforscherinnen – die „Mildred Scheel Lectureship“. Sie soll an das bemerkenswerte Engagement der Gründerin der Deutschen Krebshilfe Dr. Mildred Scheel erinnern und vor allem junge Wissenschaftlerinnen ermutigen, eine Karriere in der Krebsforschung anzustreben. Prof. Lisa Coussens von der University of Oregon in den USA gab in ihrem spannenden Vortrag einen Einblick in die Zusammenhänge von Immunsystem, Entzündungen und Krebs. Zu den Gästen der Eröffnungsfeier gehörten Theresia Bauer, Wissenschaftsministerin des Landes Baden-Württemberg, Krebshilfe-Präsident Fritz Pleitgen sowie die Vorstände des Deutschen Krebsforschungszentrums und Universitätsklinikums Heidelberg. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen sandte ein Grußwort zur Eröffnung der Reihe.

    „60 Prozent aller Studierenden in der Humanmedizin sind Frauen, doch bei den Professuren besetzen sie nur 19 Prozent, bei den ranghöchsten W3 Professuren gar nur 10 Prozent“, ließ Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, die nicht selbst nach Heidelberg kommen konnte, in ihrem Grußwort ausrichten. „Wir bilden diese Frauen lange und teuer aus. Wo sind sie alle geblieben?“ fragte von der Leyen das ratlose Publikum. Um gleich darauf die Antwort zumindest zu einem Teil der Frauen zu geben: „Der schwedische Botschafter hat mir einmal erzählt, er wäre hoch erfreut über all die deutschen Ärztinnen in den Krankenhäusern in Schweden.“

    […mehr lesen]

  • Nachweis der genetischen Veränderung 17p13-Deletion in Leukämiezellen - Foto: UK Ulm
    Krebsthemen

    Gezielte Behandlungsansätze für Patienten mit Leukämien und Lymphdrüsenkrebs

    Nachweis der genetischen Veränderung 17p13-Deletion in Leukämiezellen  - Foto: UK UlmEin Team von Ärzten des Universitätsklinikums Ulm hat zur Entwicklung einer neuartigen Behandlung bei der häufigsten Leukämieerkrankung (chronische lymphatische Leukämie) und einer besonderen Form des Lymphdrüsenkrebs (Mantelzelllymphom) beigetragen. Sie waren an einer klinischen Studie beteiligt, in der die Wirkung eines neuen Medikaments, Ibrutinib, geprüft wurde, das anders als eine herkömmliche Chemotherapie gezielt an bestimmten biologischen Eigenschaften der Krebszellen ansetzt. Dabei zeigte sich unter anderem, dass Patienten, bei denen eine Chemotherapie nicht wirksam war, erfolgreich behandelt werden konnten. Die chronische lymphatische Leukämie und das Mantelzelllymphom sind lebensbedrohliche Krankheiten, die bis heute bei Erwachsenen nicht heilbar, sondern im besten Falle kontrollierbar sind.

    […mehr lesen]

Google News – Gesundheit