Bei Brustkrebs auch die Lymphknoten behandeln

Kompressionstherapie beim Arm-Lymphödem - Das Positive daran, ich kann damit alt werden - Bildrechte: medi GmbH & Co. KG

Erweiterte Strahlentherapie senkt Rückfallrisiko

Berlin – Etwa 72 000 Frauen erkranken in Deutschland jährlich an Brustkrebs. Die Bestrahlung oder Radiotherapie ist seit langem fester Bestandteil der Brustkrebs-behandlung. Zwei aktuelle Studien zeigen nun, dass viele Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium von einer erweiterten Strahlentherapie profitieren, bei der die Ärzte auch die benachbarten Lymphknoten in das Strahlenfeld einbeziehen. Dies verringert nach Auskunft der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) langfristig die Risiken für eine spätere Wiedererkrankung.

Ein Brustkrebs im Frühstadium wird heute meist brusterhaltend behandelt. Dabei beschränkt sich die Operation auf die Entfernung des Tumors und des umgebenden Gewebes. Wenn ein oder mehrere Lymphknoten betroffen sind, erhalten die Brustkrebspatientinnen neben der Bestrahlung fast immer eine unterstützende Chemotherapie, manchmal auch eine Hormontherapie oder eine Kombination aus beidem. Eine Bestrahlung der Brustdrüse nach der Operation soll verhindern, dass es später erneut zum Krebswachstum kommt. „Die Radiotherapie hat die brusterhaltende Operation erst möglich gemacht“, sagt Professor Dr. med. Wilfried Budach, Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Düsseldorf. „Sind keine Lymphknoten befallen, kann die Bestrahlung auf die Brustdrüse beschränkt werden“, erläutert der DEGRO-Vize-Präsident. Finden die Ärzte jedoch Krebszellen in den Lymphknoten oder besteht ein hohes Risiko hierfür, können sie die Strahlentherapie auf die Bereiche der Lymphknoten erweitern. „Zwei Studien haben nun gezeigt, dass die erweiterte Strahlentherapie oftmals richtig und wichtig ist“, so Budach.

An den beiden Studien haben in Nordamerika und Europa mehr als 5000 Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium teilgenommen, die zum größten Teil brusterhaltend operiert werden konnten. In der europäischen Studie bekam nur ein Teil der Frauen eine adjuvante, also unterstützende Chemotherapie; in der nordamerikanischen Studie jedoch alle Frauen. Ein Teil der Frauen erhielt dann eine konventionelle Radiotherapie, die sich auf die Bestrahlung der Brustdrüse beschränkte. In der anderen Gruppe wurden zusätzlich die Lymphabflusswege bestrahlt. Neben einer Zone in unmittelbarer Umgebung der Brust am Übergang zur Achselhöhle und hinter dem Brustbein gehört auch die Region oberhalb des Schlüsselbeins dazu. An beiden Orten befinden sich Lymphknoten, die zum Ausgangspunkt von erneuten Tumorbildungen werden können.

Die Behandlungen fanden bereits in den 1990er und den 2000er Jahren statt. Nach zehn Jahren zeigten sich klare Vorteile der erweiterten Bestrahlungsstrategie: In beiden Studien stieg hierdurch der Anteil der Patientinnen, die ohne Tumorrückfall und am Leben blieben, um mehrere Prozentpunkte. In beiden Studien zeichnete sich durch die erweiterte Radiotherapie ein Trend zum besseren Überleben ab.

„Von der erweiterten Bestrahlung profitieren auch Frauen, deren Lymphknoten zwar frei von Krebszellen sind, die aber besonders aggressive oder größere Tumoren haben“, erläutert DEGRO-Sprecher Professor Frederik Wenz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Mannheim. Diese Patientinnen haben ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Metastasen. Wenz betont: „Die Bestrahlungsgeräte sind in den letzten beiden Jahrzehnten weiterentwickelt worden, die Bestrahlungen sind zielgenauer und schonender. Zudem werden heute effektivere Medikamente eingesetzt.“ Insgesamt verbessere sich die Situation für Brustkrebspatientinnen kontinuierlich. „Die Überlebenschancen für Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium lagen in beiden Studien bei über 80 Prozent“, so Wenz. „Bei den Frauen, die wir heute behandeln, dürfte sich die Quote der Langzeitüberlebenden noch einmal deutlich erhöhen.“

Literatur:

EORTC Radiation Oncology and Breast Cancer Groups. Internal Mammary and Medial Supraclavicular Irradiation in Breast Cancer. N Engl J Med. 2015 Jul 23;373(4):317-27.

Article

MA.20 Study Investigators. Regional Nodal Irradiation in Early-Stage Breast Cancer. N Engl J Med. 2015 Jul 23;373(4):307-16.

Article

Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Pressemitteilung von Dagmar Arnold, Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e. V.

Brustkrebs: Informationen lindern die Angst


Krebszeitung

--Download Bei Brustkrebs auch die Lymphknoten behandeln als PDF-Datei --


  • Krebssymbol - pixabay
    Prostatakrebs

    Berlin, 18.Juli 2008. Die Ergebnisse einer soeben im Fachjournal Lancet Oncology veröffentlichten Studie scheinen zu belegen, dass die Überlebensrate deutscher Krebspatienten international nur mittelmäßig ist. Es liegt nahe, hierfür auch die deutsche Gesundheitspolitik verantwortlich zu machen. Bevor jedoch solche oder andere Schlüsse gezogen werden, muss eine differenzierte Prüfung der Daten und ihrer Auswertung erfolgen. Prof. Dr. Werner Hohenberger, der Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft, warnt vor vereinfachenden und vorschnellen Interpretationen: „Statistiken sind Teil eines komplexen Ursachenzusammenhanges. Gerade bei Krebserkrankungen spielen viele Einflussgrößen eine Rolle, die sich nur bedingt in Form messbarer Daten abbilden lassen.“

    […mehr lesen]

  • Immunzellen
    dkfz

    Mit Immunbotenstoffen behandelte Killerzellen lassen Tumoren schrumpfen

    Die Natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) des Immunsystems können Krebs wirksam bekämpfen, verlieren aber in der Regel zu schnell ihre Angriffslust, um solide Tumoren zurückzudrängen. Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum entdeckten nun, dass ein Cocktail aus drei verschiedenen Immunbotenstoffen die NK-Zellen langfristig aktiviert. In Mäusen lassen so angeregte NK-Zellen Tumoren schrumpfen. Auch NK-Zellen des Menschen werden durch den Cocktail anhaltend aktiviert.

    Krebs mithilfe des körpereigenen Abwehrsystems zu bekämpfen, ist ein vielversprechender Behandlungsansatz. Bei einigen wenigen Krebserkrankungen, etwa beim schwarzen Hautkrebs oder beim Prostatakarzinom, gehören Immuntherapien bereits zur klinischen Routine. Als besonders geeignete Waffen gegen den Krebs gelten die so genannten „Natürlichen Killerzellen“ (NK-Zellen). Sie sind Bestandteil des angeborenen Immunsystems und haben den Vorteil, dass sie breit gegen Krebszellen verschiedenen Ursprungs reagieren. Außerdem töten NK-Zellen auch solche Tumorzellen, die ein bestimmtes Erkennungsmolekül verloren haben und die daher von anderen Immunzellen nicht mehr wahrgenommen werden können.

    […mehr lesen]

Google News – Gesundheit