Berliner Neoblase

Zystektomie-Frau - Bild: Detlef Höwing

Grafik: Standardvorgehen- Zystektomie der FrauWenn eine radikale Entfernung der Blase bevorsteht, sieht die Frau folgendes Bild vor sich:
Sie sieht die Verwüstung ihres eigenen Körpers, kann sich weniger anfreunden mit einem späteren Urostoma und einem Auffangbeutel. Bis Ende der 90er Jahren gab es als „Goldener Standard“ das Conduit bei der Frau. Es wurden auch katheterisierbare Pouches standardmäßig eingesetzt und die Ureterosigmoidestomie (Harnableitung in den Enddarm) wurde als Versuch einer Harnersatzblase durchgeführt. Trotzdem blieben diese Eingriffe gerade bei der Frau „verstümmelnde Eingriffe“ !

Standardoperationen der Frau

Das Ziel war aber die o­nkologisch stadiengerechte Therapie sowie eine kontinenzerhaltende Beckenbodenrekonstruktion  (Berliner Neoblase) ohne Beeinträchtigung der weiblichen Anatomie und sexuellen Sphäre.

Gerade deshalb entwickelte Prof. Dr. Hautmann 1996 die Ileum-Neoblase auch für Frauen. So wie beim Mann, wurde ein Teil des Dünndarms ausgeschaltet und an die Harnröhre angenäht. So war Ende des 20.Jahrhundert auch der Anfang für einen orthotopen Harnblasenersatz bei der Frau gegeben.

Die Patientinnen hatten eine recht hohe Akzeptanz dieser neuen Harnableitungsmethode. Warum war klar: Kein Auffangbeutel, kein Stoma (künstlicher Ausgang), ein gutes Körpergefühl durch die natürliche Miktion mittels der Harnröhre und eine anfänglich gute Kontinenz. Aber es kam später häufig zu Problemen, wie man auch in der ersten Veröffentlichung von Hautmann sehen konnte. Nach anfänglich guten Ergebnissen, traten bereits nach 6 Monaten bei den mit einer Neoblase operierten Frauen in über der Hälfte der Fälle eine Hyperkontinenz (Verschluss der Harnröhre) auf. Diese Frauen mussten sich nun in Folge selber katheterisieren, was immer mit einem schwierigen Handling verbunden ist und spezielle Hilfsmittel und Hygiene erfordert.

Es musste versucht werden, den Ursachen auf die Spur zu kommen und die Probleme zu lösen.

Dabei haben die Urologen und Gynäkologen im Franziskus-Krankenhaus Berlin herausgefunden, dass eine Hyperkontinenz in der Mehrzahl der Fälle durch eine Absenkung der Neoblase in das kleine Becken hervorgerufen wird, weil mit der Blasenentfernung auch der Aufhängeapparat im kleinen Beckens zerstört wurde, wobei damit die Harnröhre abknickt und verschlossen wird (Quetschharn- Phänomen).

Die Zielstellung

Das Vorgehen bei Zystektomien bei Frauen müsste so erfolgen, dass mögliche negative gynäkologische Auswirkungen minimiert werden. Einer Scheidenstumpfsenkung mit der Folge von Blasenentleerungsstörungen und Beckenboden- Fehlfunktionen müsste vorgebeugt werden. Dadurch würden sekundäre Folgeeingriffe vermieden werden. Die Prozedur müsste komplex mit einer Beckenbodenrekonstruktion geplant und in einer Sitzung durchgeführt werden.

Die Lösung

Grafik: Anlage einer kontinenten Neoblase nach Zystektomie mit gleichzeitiger Rekonstruktion des Beckens
Grafik: Anlage einer kontinenten Neoblase nach Zystektomie mit gleichzeitiger Rekonstruktion des Beckens

Die möglichen Risiken einer Blasenentleerungsstörung werden operativ nach der Blasenentfernung durch das Einbringen eines spannungsfreien Interponates (Zwischensetzen eines Gewebes) zwischen dem Scheidenstumpf und dem Ligamentum flavum (Zwischenbogenband des Steißbeins, ca. 1-2 cm unterhalb des Übergangwirbels) ausgeschlossen).

Damit wird der Blasenboden schonend angehoben und ein Abknicken des Blasenhals-Blasenboden- Winkels, also eine Überlauf- und Beckenbodenfehlfunktionssymptomatik verhindert.

TiMesh® als Netzimplantat

Als bevorzugtes Material wird dabei TiMesh ® als Gewebe verwendet, ein Netzimplantat aus prothetischen ultraleichten Gewirke (16 g/m2) aus Polypropylenfäden mit einer umschließenden titanhaltigen Beschichtung. Die Titanschicht (ca. 30 Nanometer) ist so dünn, dass sie sich flexibel wie Kunststoff verhält und ist untrennbar mit dem Kunststoff verbunden. Damit bietet das Material eine gute Bio- und Körperverträglichkeit.

Nach der Anlage des spannungsfreien Mesh- Interponates (TiMesh®) mit einer Beckenbodenrekonstruktion erfolgt die Anlage einer Ileum-Neoblase. Dabei stützt das Interponat die Neoblase vor einem Absenken ins kleine Becken und verhindert ein Abknicken der Harnröhre.

Grafik: Operationsmethode mit TiMesh als Stützgewebe bei der Zystektomie der Frau
Grafik: Operationsmethode mit TiMesh als Stützgewebe bei der Zystektomie der Frau

Bei diesem komplexen Operationsmodus wird die intakte Scheide erhalten, eine Harninkontinenz und Hyperkontinenz vermieden, ein Stumpfvorfall der verbliebenen Scheide ausgeschlossen und mittel- bis langfristig die sexuelle Sphäre bewahrt.

Das zeigen auch die später erhobenen Zahlen durch Untersuchung und Befragung der betroffenen Frauen, von denen 12 von 13 langfristig kontinent waren und keine einzigste über eine Hyperkontinenz klagte, die eine Selbstkatheterisierung erfordert hätte. Eine Frau berichtete über eine Stressinkontinenz Grad I (Harnverlust bei Husten, Pressen, Niesen, schwerem Heben).

Darüber hinaus berichteten alle, dass sie sich nach wie vor als Frau fühlten und bei den meisten war der Geschlechtsverkehr durch die Operation nicht beeinträchtigt und nach wie vor möglich.

Das zukünftige Ziel bei der radikalen Zystektomie der Frau muss die o­nkologisch stadiengerechte Therapie sowie die kontinenzerhaltende Beckenbodenrekonstruktion ohne Beeinträchtigung der weiblichen Anatomie und sexuellen Sphäre sein, die den Erhalt und die Verbesserung der Lebensqualität für die betroffenen Frauen herstellt. Die „Berliner Neoblase“ ist sicher ein guter Weg hierzu.

Nähere Informationen:
Dr. Jörg Neymeyer
Oberarzt, Leiter der Sektion Urogynäkologie Charité Universitätsmedizin Berlin CBF
Benjamin Franklin, Klinik für Urologie

Postadresse:
Hindenburgdamm 30
12200 Berlin

Tel: +49 30 8445 2577
Fax: +49 30 8445 4620

Pressemitteilung
Detlef Höwing, Selbsthilfe Harnblasenkrebs e.V., http://www.selbsthilfe-harnblasenkrebs.de/index.php/9-artikel-blasenkrebs/15-berliner-neoblase


Krebszeitung

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  • Biopsie-Gerät Quelle: NCT Heidelberg
    dkfz

    Dem Stein der Weisen, einer Substanz, die Abfall in Gold verwandeln kann, spürte ein Team von 13 Studierenden der Universität Heidelberg in den letzten Monaten hinterher. Die Suche war Teil eines Projektes, mit dem sich das Team der Ruperto Carola und des Deutschen Krebsforschungszentrums beim international renommierten iGEM-Wettbewerb des Massachusetts Institute of Technology in Boston beteiligt hatte. Vom 1. bis 4. November überzeugte das Team bei der iGEM-Endausscheidung und holte damit den „Weltmeistertitel“ in synthetischer Biologie.

    Peptide sind kurze, aus Aminosäuren bestehende Eiweiße. Sie sind die universellen Bausteine des Lebens, deren Bauplan in der DNA verschlüsselt ist. Weniger bekannt ist jedoch, dass in Mikroorganismen eine weitere Gruppe von Peptiden existiert, deren Bauplan nicht in den Genen steht. Sie erfüllen vielfältige Funktionen, etwa als Antibiotika, Toxine oder Farbstoffe. Diese Peptide werden nicht an den „Eiweißfabriken“, den Ribosomen, gebildet, sondern von speziellen Enzymen synthetisiert. Eine weitere Besonderheit ist, dass die „nicht-ribosomalen Peptide“ (NRPs) aus weitaus mehr verschiedenen Aminosäuren zusammengesetzt sind als die „klassischen“ Peptide.

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  • Kongress - pixabay
    DGU-Kongress 2013

    Dresden. Das Ziel ist hoch gesteckt: Deutschlands Urologen wollen die seit Jahren hitzige öffentliche Debatte um den sogenannten PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs in eine sachliche Diskussion überführen. Zu diesem Zweck veranstaltet die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) anlässlich ihrer 65. Jahrestagung in Dresden eine Expertenrunde auf höchster Ebene. DGU-Pressesprecherin Prof. Dr. Sabine Kliesch lädt die Medienvertreter ausdrücklich zu dem Öffentlichkeitsforum am 26. September 2013, 13.00 bis 14.45 Uhr in der Messe Dresden ein.

    „Wir wollen die aufgeheizte Situation beruhigen und mithilfe hochrangiger Pro- und Contra-Vertreter eine neue Debatte über den adäquaten Umgang mit der PSA-gestützten Früherkennung des Prostatakarzinoms auf der Grundlage aktueller Erkenntnisse initiieren“, sagt DGU- und Kongresspräsident Prof. Dr. Michael Stöckle. Dazu gehöre es auch, jüngste Entwicklungen in den USA zu thematisieren, wo man von einer generellen Screening-Empfehlung für Männer zwischen 50 – 75 Jahren abgerückt ist. Die Dresdener Runde ist prominent besetzt und verspricht einen konstruktiven Diskurs: Vor Ort treffen die PSA-Kritiker Dr. Klaus Koch vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen und Dr. Bernhard Egger aus dem GKV-Spitzenverband auf die PSA-Befürworter Prof. Dr. Peter Albers, Urologe und Vizepräsident der Deutschen Krebsgesellschaft, und Prof. Dr. Franz Recker, Prostatakrebs-Experte aus der Schweiz. Der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS) ist mit seinem stellvertretenden Vorsitzenden, Paul Enders, vertreten. 

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