Bessere Strahlentherapie für die Dritte Welt

Strahlentherapie - Quelle: Deutsche Krebshilfe
Strahlentherapie - Quelle: Deutsche Krebshilfe

Das Deutsche Krebsforschungszentrum und die Precisis AG stellen gemeinsam den Prototyp einer mechanischen Strahlenblende vor, die erstmalig ermöglicht, mit den in der Dritten Welt verbreiteten Kobalt-Geräten Krebs präzise zu bestrahlen. Die Blende passt das Strahlenfeld exakt an die Tumorform an und sorgt so dafür, dass das umgebende gesunde Gewebe geschont wird.

In Deutschland wie in anderen entwickelten Industrieländern ist Strahlentherapie Hightech: Die Strahlen werden von einem Linearbeschleuniger erzeugt, der sich mit höchster Präzision um den Patienten bewegt. Spezielle Software sorgt für die richtige Strahlendosis und computergesteuerte Blendensysteme passen das Strahlenfeld automatisch der Tumorkontur an.

Die teuren Linearbeschleuniger benötigen jedoch zuverlässige Stromversorgung und tolerieren keine Spannungsschwankungen. Daher können sie in der Dritten Welt oft nicht betrieben werden. Stattdessen behandeln dort viele Kliniken Krebspatienten mit einer so genannten „Kobaltkanone“, wobei das radioaktive Element 60Kobalt die Strahlung abgibt. Diese Geräte generieren Strahlenfelder mit verhältnismäßig großem, unvariablem Querschnitt, der bislang nicht der Tumorform angepasst werden konnte.

Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum und der Precisis AG stellten nun auf dem Medizinphysiker-Kongress AAPM in Charlotte, USA, den Prototyp einer mechanischen Strahlenblende vor, die erstmals ermöglicht, auch mit Kobalt-Geräten den Strahl präzise an die Tumorform anzupassen. CobRaLeaf*, so der Name der Blende, besteht aus vielen engstehenden, verschiebbaren Metalllamellen und kann an die vorhandenen Kobalt-Geräte angebracht werden. Die Lamellen formen ein Strahlenfenster, das exakt dem Zielgebiet angepasst ist. Das Ziel jeder Präzisionsbestrahlung von Krebs ist es, eine möglichst hohe Strahlendosis auf den Tumor zu lenken und das umgebende, gesunde Gewebe bestmöglich abzuschirmen.

„Bisher standen solche Strahlenblenden nur für Linearbeschleuniger zur Verfügung“, sagt Prof. Wolfgang Schlegel im Deutschen Krebsforschungszentrum. „Bei CobRaLeaf wird die Form der Lamellen von Hand eingestellt. Aber im Vergleich zu den rechteckigen Strahlenfeldern, mit denen vorher gearbeitet wurde, ist das ein sehr großer Fortschritt.“

„Fortschritt in der Medizin muss nicht zwangsläufig teuer sein. Im Gegenteil, der flächendeckende Einsatz von wirtschaftlich vernünftigen Therapiegeräten könnte mehr Leben retten als die lediglich punktuell verfügbaren High-End-Geräte“, sagt Dr. Angela Liedler, Vorstand der Precisis AG. Etwa 2000 Kliniken in der Dritten Welt arbeiten mit 60Kobalt-Geräten und könnten von CobRaLeaf profitieren. Die Blende soll von 2013 an in Serie gefertigt werden.

*CobRa steht für Cobalt und Radiation; Leaf steht für Lamelle

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Ansätze, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Die Precisis AG versteht sich als innovativer Lösungsanbieter für die stereotaktische Neurochirurgie und Strahlentherapie. Neben der Weiterentwicklung von bereits im Markt etablierten Präzisions-Software-Systemen wie PraezisPlus® und Virtuos® setzt sich die Heidelberger Medizintechnikfirma für den verstärkten Einsatz der kranialen Brachytherapie ein. Das 10-köpfige Mitarbeiterteam wird von Vorstand Dr. med. Angela Liedler geleitet, die u.a. zu den Gründungsmitgliedern des Healthcare-Frauen e.V. gehört und als Mentorin das berufliche Weiterkommen junger Frauen im Gesundheitswesen fördert.

Pressemitteilung vom Deutschen Krebsforschungszentrum


Krebszeitung

--Download Bessere Strahlentherapie für die Dritte Welt als PDF-Datei --


  • Von Links: Dr. Freerk Baumann, Prof. Dr. med. Jürgen Dunst. Prof. Dr. med Nadia Harbeck
    Krebskongress 2008

    Von Links: Dr. Freerk Baumann, Prof. Dr. med. Jürgen Dunst. Prof. Dr. med Nadia Harbeck

    In westlichen Industrieländern erkrankt jede 8.-10. Frau im Laufe ihres Lebens an einem Mammakarzinom. Durch Fortschritte bei Früherkennung und medikamentöser Therapie ist diese Erkrankung heute bei über 70 % der Patientinnen im Frühstadium heilbar. Dennoch ist Brustkrebs in der Altersgruppe der Frauen zwischen 35 und 55 Jahren immer noch die häufigste Todesursache. Weiterentwicklungen bei der Systemtherapie wie Aromataseinhibitoren oder zielgerichtete Therapeutika (z.B. Antikörper), die bereits heute für die adjuvante Therapie zur Verfügung stehen, machen jedoch – neben konsequenter Früherkennung – weitere Verbesserungen der Heilungschancen realistisch.

    […mehr lesen]

  • Mit der Echtzeit - Elastographie werden Tumorareale in der Prostata genauer sichtbar - Quelle: Hitachi Medical
    Prostatakrebs

    Berlin – Patienten mit nicht operablem Prostatakrebs erhielten bisher häufig ausschließlich eine Hormontherapie. Diese soll das Wachstum des Tumors bremsen, indem sie die Freisetzung des männlichen Geschlechtshormons Testosteron hemmt. Eine begleitende Strahlentherapie kann die Überlebenschancen der Patienten jedoch deutlich verbessern. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) anlässlich einer Studie hin, die kürzlich im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlicht wurde.

    […mehr lesen]

Google News – Gesundheit

  • Um den Schlaf gebracht
    am 20. Januar 2018 um 02:21

    Um den Schlaf gebracht  Hamburger AbendblattFull coverag […]

  • Was unser Immunsystem fit hält
    am 20. Januar 2018 um 02:19

    Was unser Immunsystem fit hält  Ostthüringer ZeitungStudie: So halten Omega-3-Fettsäuren das Immunsystem fit  Heilpraxisnet.deFull coverag […]

  • 95 Masern-Fälle in Österreich
    am 19. Januar 2018 um 22:43

    95 Masern-Fälle in Österreich  Vorarlberger NachrichtenMasernfälle stiegen im Vorjahr um das Dreifache  SuperMED.at (Blog)Full coverag […]

  • Vierfach-Impfstoff soll vor Grippe schützen
    am 19. Januar 2018 um 20:39

    Vierfach-Impfstoff soll vor Grippe schützen  TagesspiegelFrühere Infektionen entscheiden über den Grippeschutz  DIE WELTGrippe: Müssen die Kassen den Vierfach-Impfstoff zahlen?  Pharmazeutische Zeitung onlineUnwirksame Grippeimpfung: Wie ist die Lage im Landkreis?  SWPFull coverag […]

  • Die schlimmste Influenza-Pandemie der Geschichte
    am 19. Januar 2018 um 15:47

    Die schlimmste Influenza-Pandemie der Geschichte  Bayerischer RundfunkBlaue Haut, schneller Tod: Die Spanische Grippe wird 100  Hannoversche AllgemeineFull coverag […]