Bösartige Hirntumoren: Neue Strategien zur Überwindung der Therapieresistenz

A) Hirntumorzellen mit induzierter Resistenz gegenüber Chemotherapie (untere Plattenhälfte) weisen gegenüber ursprünglichen Hirntumorzellen (obere Plattenhälfte) ein deutlich höheres Resistenzniveau gegenüber Temozolomid (von links nach rechts in aufsteigenden Konzentrationen) auf und dienen als Modell für die Erforschung von Resistenzmechanismen im Patienten. B) Tumorstammzellen (ZH-161) in Zellkulturmedium. - Quelle: Caroline Happold; Nina Stojceva; Zürich

Wissenschaftler des Instituts für Neuropathologie in Düsseldorf und der Klinik für Neurologie in Zürich untersuchen die Mechanismen der Resistenz bösartiger Hirntumoren (Glioblastome) gegenüber Strahlentherapie und Chemotherapie. Sie konzentrieren sich hier speziell auf eine erst vor wenigen Jahren als bedeutsam erkannte Gruppe von kleinen Nukleinsäuremolekülen (microRNA), die als wesentliche Regulatoren genetischer Prozesse erkannt wurden. Durch Beeinflussung der relativen Mengen dieser Signalmoleküle soll das Ansprechen bösartiger Hirntumoren auf die klassischen Tumortherapien deutlich verbessert werden.

Die mittlere Überlebenszeit für Patienten mit Glioblastomen, einer besonders aggressiven und häufigen Hirntumorform, beträgt immer noch weniger als ein Jahr. Das Ansprechen auf die weitere Therapie nach der Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie, ist sehr unterschiedlich: Manche Tumoren zeigen sich primär resistent und wachsen trotz dieser Therapie weiter. Andere Tumoren bleiben über Monate inaktiv, entwickeln aber dann im Verlauf Resistenzmechanismen.

Die Resistenz von Glioblastomzellen gegenüber Chemotherapie und Strahlentherapie wird unter anderem durch das Repertoire an Genen beeinflusst, die in den Tumorzellen aktiv sind. Viele dieser Gene sorgen dafür, dass die Erbinformation (DNA) in den Tumorzellen unbeschadet bleibt. Das Aktivitätsniveau der Gene wiederum wird durch ein komplexes Netzwerk von microRNA-Molekülen reguliert. Die Wissenschaftler in Düsseldorf und Zürich haben solche microRNA-Moleküle identifiziert, die vermehrt von therapieresistenten Tumorzellen gebildet werden.

A) Hirntumorzellen mit induzierter Resistenz gegenüber Chemotherapie (untere Plattenhälfte) weisen gegenüber ursprünglichen Hirntumorzellen (obere Plattenhälfte) ein deutlich höheres Resistenzniveau gegenüber Temozolomid (von links nach rechts in aufsteigenden Konzentrationen) auf und dienen als Modell für die Erforschung von Resistenzmechanismen im Patienten. B) Tumorstammzellen (ZH-161) in Zellkulturmedium. - Quelle: Caroline Happold; Nina Stojceva; Zürich
A) Hirntumorzellen mit induzierter Resistenz gegenüber Chemotherapie (untere Plattenhälfte) weisen gegenüber ursprünglichen Hirntumorzellen (obere Plattenhälfte) ein deutlich höheres Resistenzniveau gegenüber Temozolomid (von links nach rechts in aufsteigenden Konzentrationen) auf und dienen als Modell für die Erforschung von Resistenzmechanismen im Patienten. B) Tumorstammzellen (ZH-161) in Zellkulturmedium.- Quelle: Caroline Happold; Nina Stojceva; Zürich

Ziel eines von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projektes ist es nun zu untersuchen, warum diese Moleküle verstärkt gebildet werden und wie man der vermehrten Bildung dieser Moleküle entgegen wirken könnte. Außerdem wollen die Teams um Prof. Dr. Michael Weller und Prof. Dr. Guido Reifenberger klären, ob eine therapeutische Beeinflussung dieser Moleküle geeignet ist, resistente Tumoren für Chemotherapie und Strahlentherapie empfindlich zu machen. Bei diesem Vorhaben kommen modernste Verfahren der Hochdurchsatztechnologie zum Einsatz. Das therapeutische Potenzial dieses Therapieansatzes soll anschließend in relevanten Mausmodellen bösartiger Hirntumoren überprüft werden.

Konkret werden im Rahmen des geförderten Projektes Gliomstammzellen mittels wiederholter Behandlung mit Temozolomid, dem Chemotherapeutikum, das als Standard in der Hirntumortherapie eingesetzt wird, resistent gemacht, um so ein Abbild der Abläufe im Patienten in die Zellkultur zu übertragen. Die so generierten resistenten Stammzelllinien werden mittels „Mikroarray“-Analysen auf die Aktivität von mehr als 1000 verschiedenen microRNA hin analysiert, um diejenigen microRNA zu identifizieren, die sich im Rahmen einer Resistenzentwicklung im Vergleich zu den nicht- resistenten Zellen unterschiedlich reguliert zeigen.

Die so identifizierten Moleküle werden im Rahmen weiterer Analysen untersucht und ihre Rolle für die Aktivität spezifischer Zielgene validiert. In einem parallelen Ansatz wird das Expressionsprofil von microRNA im Tumorgewebe von Patienten mit unbehandelten Glioblastomen zum Zeitpunkt der ersten Operation und im Verlauf zum Zeitpunkt der Operation eines Rezidivtumors nach Strahlen- und Chemotherapie analysiert. Die entsprechenden Ergebnisse werden mit den Untersuchungen in der Zellkultur abgeglichen. Abschliessend werden die Ergebnisse der Zellkultur- und Gewebeuntersuchungen in einem Mausmodell überprüft. Die Kandidatenmoleküle, die als Therapieresistenz-fördernd identifiziert werden, sollen dann auf ihre Rolle als neue Marker für das Ansprechen von Glioblastompatienten auf eine Chemotherapie hin analysiert werden. Desweiteren wird die Möglichkeit ihrer spezifischen Hemmung oder Aktivierung geprüft, um erste Hinweise auf mögliche neue Behandlungsansätze zu erzielen.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 230.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Weitere Informationen zur Stiftung: http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Pressemitteilung Wilhelm Sander-Stiftung, Sylvia Kloberdanz


Krebszeitung

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  • S3-Leitlinie Harnblasenkarzinom
    Harnblasenkrebs

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    Da in etwa 80% der Fälle ein gutartiger oder oberflächlicher Krebs vorliegt, sollte man sich nach der ersten Diagnose, die meist der Hausarzt oder Urologe stellt, keine schwer belastenden Gedanken machen, wenn man gesagt bekommt, dass man Blasenkrebs hat. Denn dann macht man sich nicht nur selber verrückt, sondern wird dies auch in die Partnerschaft und Familie transportieren. Selbst wenn man die Familie nicht darüber informieren will, werden die Angehörigen es sehr schnell merken, dass etwas nicht stimmt und werden Fragen stellen, warum man plötzlich so anders ist. Man kann noch so ein guter Schauspieler sein, sie werden es merken.

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  • Magenkrebs

    In einer der weltweit größten Patientenstudien, die bei fortgeschrittenem Magenkrebs je durchgeführt wurde, zeigte eine zunächst viel versprechende Antikörpertherapie keine zufriedenstellende Wirksamkeit. Der bei anderen Krebsarten aktive Wirkstoff „Cetuximab“ ist deshalb kein Hoffnungsträger für die kombinierten Chemo- und Antikörperbehandlung bei Magenkarzinomen.

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