Bösartigen Nebennieren -Tumoren auf der Spur

Kombination der Daten aus der miRNA-Expression mit weiteren molekularen Analysen ermöglicht dann die Einteilung der Patienten in 5 Gruppen, die jeweils sehr unterschiedliche Überlebenschancen haben. - Grafik: M. Fassnacht

Kombination der Daten aus der miRNA-Expression mit weiteren molekularen Analysen ermöglicht dann die Einteilung der Patienten in 5 Gruppen, die jeweils sehr unterschiedliche Überlebenschancen haben. - Grafik: M. FassnachtDer europäischen Forschergruppe mit starker Würzburger Beteiligung ist es gelungen, Gene und Signalwege in Zusammenhang mit Nebennieren – Tumoren zu finden. Über ihre Arbeit berichten die Wissenschaftler in der aktuellen „Nature Genetics“.

Eine Krebserkrankung im Bereich der Nebenniere stellt für die Betroffenen eine sehr große Bedrohung dar. Sie tritt zwar mit ein bis zwei Fällen pro eine Million Einwohner in Deutschland eher selten auf, dafür zeigt sie jedoch oft einen ungünstigen Verlauf. Mehr als die Hälfte aller Patienten, die einen bösartigen Tumor in der Nebenniere haben, sind nach fünf Jahren nicht mehr am Leben. Zum einen wird die Erkrankung oft spät erkannt, zum anderen ist sie in fortgeschrittenem Stadium schwierig zu therapieren.

Europäischer Erfolg

Ein Schritt zu verbesserten Therapiemöglichkeiten könnten die aktuellen Erkenntnisse der europäischen Forschergruppe ENSAT (European Network for the Study of Adrenal Tumours) sein, wie Professor Martin Fassnacht von der Universität Würzburg berichtet. Er ist, gemeinsam mit den Franzosen Jérôme Bertherat, Guillaume Assié und Eric Letouzé, einer der Hauptautoren der Arbeit mit dem Titel „Integrated genomic characterization of adrenocortical carcinoma“, die in dem wissenschaftlichen Fachmagazin „Nature Genetics“ erschienen ist.

Fassnacht und Kollegen ist es gelungen, die genetischen Veränderungen bei der sehr aggressiven Krebsart ein Stück weit zu entschlüsseln. Dafür werteten die Forscher eine Vielzahl klinischer Daten und Tumorproben – viele davon aus dem Würzburger Uniklinikum – aus und kombinierten sie mit molekularbiologischen Daten. „Durch die Arbeit der verschiedenen Experten aus den einzelnen Bereichen war es uns möglich, das Genom genau zu untersuchen“, sagt Fassnacht.

Ansätze für weitere Untersuchungen

Dadurch kamen zu bereits bekannten Treibern der krankhaften genetischen Veränderungen auch neue hinzu. „Die Veränderung des Gens ZNRF3 beispielsweise fand sich bei einem Fünftel der Erkrankten“, sagt Fassnacht. Trotz dieser Entdeckung bleibt der Forscher jedoch kritisch und wirft den Blick bereits auf zukünftige Arbeiten. „Die genaue Funktionsweise vieler dieser ’neuen Gene‘ ist noch nicht klar. Daher lässt sich aus unseren Ergebnissen derzeit auch leider noch nicht unmittelbar ein neuer Therapieansatz ableiten“, sagt der Mediziner. Dies sei aber die Hoffnung der Forscher für die Zukunft, weswegen hier auch in dem europäischen Verbund weitergeforscht werde.

Die Fortschritte bei der der Erforschung der Tumorerkrankungen der Nebenniere sind untrennbar mit der Gründung des ENSAT-Netzwerks verknüpft. Die Initiative hierzu ging 2002 auch vom Würzburger Professor Bruno Allolio aus. Allolio und Martin Fassnacht leiten aktuell gemeinsam die Bereiche Endokrinologie und Diabetologie des Uniklinikums, bis Bruno Allolio zum Ende des Wintersemesters 2014/15 in Ruhestand geht.

„Integrated genomic characterization of adrenocortical carcinoma“ Guillaume Assié, Eric Letouzé, Martin Fassnacht, Aurélien de Reyniès & Jérôme Bertherat et al.

Nature Genetics, published online 20.04.2014; doi:10.1038/ng.2953

Kontakt:
Professor Martin Fassnacht, Medizinische Klinik und Poliklinik I, Universitätsklinikum Würzburg, E-Mail: fassnacht_m@ukw.de, T. (0931) 201-39021

 


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