Brustkrebs: Gentest soll Therapie erleichtern

molekular-genetische Untersuchung

Mönchengladbach (jt) – Etwa 57.000 Frauen erkranken jährlich in Deutschland an Brustkrebs. Damit ist dies die häufigste Krebsart bei Frauen. Um eventuell noch im Körper vorhandene Tumorzellen zu zerstören, bekommen viele Patientinnen nach der Operation eine Chemotherapie. Eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe vom Brustzentrum Niederrhein in Mönchengladbach prüft nun, ob man Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium diese belastende Therapie durch einen Gentest ersparen kann, ohne die Heilungschancen der Patientinnen zu verringern. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt diese so genannte MINDACT-Studie, die auf zehn Jahre angelegt ist, mit über einer Million Euro.

Deutsche Krebshilfe fördert Studie mit über einer Million Euro

Ärzte beurteilen das Risiko einer Brustkrebs-Patientin, dass der Krebs nach der Operation wieder auftreten könnte, anhand von verschiedenen Faktoren: Dazu zählen unter anderem das Alter der Patientin, die Tumorgröße und ob sich bereits Krebszellen in den Lymphknoten angesiedelt haben. Wenn das Wiedererkrankungsrisiko hoch ist, bekommen Brustkrebs-Patientinnen eine Chemotherapie. Ein neuer Gentest soll zukünftig zuverlässigere Aussagen darüber liefern, wie wahrscheinlich das Auftreten eines Rückfalls ist. Dadurch könnte bei einigen Frauen möglicherweise auf die belastende Therapie verzichtet werden.

„Im Rahmen der MINDACT-Studie bestimmen wir bei den Patientinnen das genetische Profil ihres Tumors“, erklärt Professor Dr. Ulrike Nitz, Leiterin des Brustzentrums Niederrhein. Sie koordiniert diese internationale Studie in Deutschland. „Denn jeder Tumor hat seinen eigenen charakteristischen ‘molekularen Fingerabdruck’, anhand dessen man das Risiko für eine Wiedererkrankung abschätzen kann.“ Die Forscher ermitteln das genetische Profil mit der so genannten Microarray-Technologie. Mit dieser Technik lassen sich viele tausend Gene gleichzeitig analysieren. Frauen, bei denen das Risiko eines Rückfalls hoch ist, können an der MINDACT-Studie teilnehmen.

Ein Zufallsgenerator entscheidet dann über die Durchführung einer Chemotherapie. Diese so genannte Randomisation ist ein wichtiges Kriterium für die Aussagefähigkeit einer Studie. So soll festgestellt werden, ob der neue Gentest das Wiedererkrankungsrisiko einer Brustkrebs-Patientin tatsächlich zuverlässig voraussagt. „Wir nehmen an, dass wir etwa 20 Prozent der Frauen eine belastende Chemotherapie ersparen können, ohne eine Verschlechterung der Überlebensraten in Kauf nehmen zu müssen“, so Nitz.

Die MINDACT-Studie richtet sich an Betroffene mit Brustkrebs im Frühstadium, deren Tumoren noch nicht gestreut haben. Alle Patientinnen werden, unabhängig davon, ob sie eine Chemotherapie erhalten, engmaschig überwacht. Die Teilnahme ist freiwillig. Das klinische Forschungsprojekt steht unter der Aufsicht der Europäischen Organisation für Forschung und Behandlung von Krebs in Belgien und wird in Kooperation mit mehreren europäischen Organisationen durchgeführt. Europaweit sollen im Rahmen der Studie 6.000 Patientinnen untersucht werden. Weitere Informationen zu dem Projekt stehen im Internet unter www.wsg-online.com.

Infokasten: Brustkrebs

Jährlich erkranken über 57.000 Frauen in Deutschland neu an Brustkrebs, knapp 18.000 sterben daran. Auf der Liste der krebsbedingten Todesursachen in Deutschland rangiert das Mammakarzinom bei Frauen an erster Stelle. Steht die Diagnose Brustkrebs fest, so ist in den meisten Fällen ein chirurgischer Eingriff notwendig. Auch Strahlen-, Chemo- und Hormontherapie gehören zu den Therapie-Möglichkeiten. Wird ein Tumor im Frühstadium erkannt, so liegt die Heilungschance bei über 90 Prozent. Die Deutsche Krebshilfe gibt den allgemeinverständlichen Ratgeber „Brustkrebs“ heraus, der kostenlos bestellt werden kann bei: Deutsche Krebshilfe, Postfach 1467, 53004 Bonn, und im Internet unter www.krebshilfe.de als PDF-Dokument heruntergeladen werden kann.

Pressemitteilung Deutsche Krebshilfe e. V.


Krebszeitung

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  • Struktur des Mikrophthalmie-assoziierten Transkriptionsfaktors MITF. Deutlich erkennbar ist der neu entdeckte Knick. Strukturelle Veränderungen durch Mutationen bei Menschen (Tietz- oder Waardenburg-Syndrom) sind rot markiert, solche bei der Maus in Orange. - Bild: Vivian Pogenberg, EMBL Hamburg
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    Struktur des Mikrophthalmie-assoziierten Transkriptionsfaktors MITF. Deutlich erkennbar ist der neu entdeckte Knick. Strukturelle Veränderungen durch Mutationen bei Menschen (Tietz- oder Waardenburg-Syndrom) sind rot markiert, solche bei der Maus in Orange. - Bild: Vivian Pogenberg, EMBL HamburgMit dem Röntgenblick von DESYs Forschungslichtquelle DORIS haben Forscher aus Hamburg und Island die Struktur eines zentralen molekularen Schalters entschlüsselt, der eine wichtige Rolle bei der gefährlichsten Form von Hautkrebs spielt, dem Melanom. Die Ergebnisse, die in der Dezemberausgabe des Fachjournals „Genes & Development“ erscheinen, werfen ein neues Licht auf die Funktion des sogenannten Mikrophthalmie-assoziierten Transkriptionsfaktors MITF.

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