DGGG-Kongress 2008

Frauen in der Frauenheilkunde

Der Anteil von Frauen in der Medizin insgesamt und ganz besonders in der Gynäkologie und Geburtshilfe nimmt zu. Allerdings betrifft dies noch nicht Führungspositionen. Insgesamt ist die Entwicklung erfreulich, jedoch gibt es für Ärztinnen immer noch erhebliche Probleme, Beruf und Familie zu vereinbaren. Dies zu verbessern muss gerade die Frauenheilkunde als wichtige Aufgabe ansehen.

< >

Blasenschwäche: Längst kein unheilbares Leiden mehr

Viele der millionen Frauen, die unter Harninkontinenz leiden, ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück oder lassen sich ihren Alltag von ihrer Krankheit diktieren, nicht wenige unter ihnen leiden an Depressionen. Dies ist nicht nur eine erhebliche Belastung der Lebensqualität – es ist auch meist unnötig, denn in rund 90 Prozent der Fälle ist eine Heilung oder zumindest deutliche Besserung durch Training, verbesserte Medikamente und nötigenfalls Operationen möglich. Allerdings sollte die Behandlung durch spezialisierte Ärztinnen und Ärzte erfolgen.


Deutscher Kongress für Gynäkologie und Geburtshilfe eröffnet

Hamburg, gestern ist im Congress Centrum Hamburg der 57. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) eröffnet worden. „Die Frauenheilkunde ist weiblich geworden“, erklärte dabei Prof. Walter Jonat, Präsident des Kongresses und der DGGG. Die Tatsache, dass der überwiegende Teil der Frauenärzte inzwischen Frauen sind, sei „eine absolut wünschenswerte Entwicklung“. Allerdings gelte dies noch nicht für führende Positionen. Deshalb müssten bessere Bedingungen geschaffen werden, damit Gynäkologinnen Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren können.


Operative Gynäkologie

Operationen werden in der Gynäkologie zur Einstufung und Behandlung von gutartigen und bösartigen Erkrankungen durchgeführt. Die Gynäkologie hat im Bereich der operativen Fächer vor allem für die Entwicklung endoskopischer Verfahren Pionierarbeit geleistet. Vor allem der Einsatz der Bauchspiegelung (Laparaskopie) zur Einstufung und Behandlung von gutartigen und bösartigen Erkrankungen des weiblichen Genitale wurde in den letzten Jahren weiterentwickelt und ist fester Bestandteil der jeweiligen Leitlinie, durch die die Behandlung der verschiedenen Erkrankungen der Frau definiert wird. Verschiedene Arbeitsgruppen der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe haben durch multizentrische Studien die Wertigkeit laparoskopischer Verfahren zeigen können.


Schwierige Rahmenbedingungen bei Operationen in der Gynäkologie

Prof. Dr. med. Jürgen Hucke, WuppertalMinimalinvasive Operationen sind in der Frauenheilkunde längst Standard. Die Gynäkologie ist hier Vorreiter. Für die Patientinnen bringen Eingriffe über das Endoskop (Bauchhöhlenspiegelung) meist große Vorteile. Problematisch sind derzeit jedoch die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen. Sowohl die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe mit ihrer Weiterbildungsakademie (DAGG) als auch das „Forum Operative Gynäkologie“ (FOG) bieten entsprechende Bildungsmaßnahmen.


Kompetenz bündeln gegen Krebserkrankungen der Frau

Verleihung der Zertifizierungsurkunden an die ersten 10 Gynäkologischen KrebszentrenIm Rahmen des 57. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe erhalten die ersten zehn Zentren das Gütesiegel „Gynäkologisches Krebszentrum“. Die Deutsche Krebsgesellschaft hat mit der Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie (AGO) und weiteren kooperierenden Arbeitsgemeinschaften sowie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe einen interdisziplinär getragenen Kriterienkatalog für die Behandlung von Frauen mit gynäkologischen Krebserkrankungen erarbeitet.


Erfolge und Lücken des Brustkrebsscreenings

Hamburg – Fast flächendeckend gibt es nun in Deutschland ein Mammographie-Screening durch besonders qualifizierte Zentren. Ebenso wie in vergleichbaren europäischen Ländern mit so einem Früherkennungsprogramm für Brustkrebs, ist auch in Deutschland der Erfolg dieses Programms sichtbar.


Zentren in der Frauenheilkunde nutzen den Patientinnen

In bestimmten Bereichen der Medizin ist besonders viel Erfahrung der behandelnden Ärztinnen und Ärzte ebenso notwendig wie modernste apparative Ausstattung, um Patienten eine umfassende Betreuung von höchster Qualität zukommen lassen zu können. Dies gilt gerade auch für die gynäkologische Spezialversorgung. Für verschiedene Krankheiten, beispielsweise Brustkrebs, sind solche Zentren ebenso erfolgreich eingerichtet worden wie etwa für Risikogeburten. Allerdings gibt es noch Probleme, etwa bei der Qualifizierung und Finanzierung.


FRAUENHEILKUNDE IM 21. JAHRHUNDERT

Der (alle zwei Jahre stattfindende) Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe steht diesmal unter dem Motto: „Durch Gemeinsames Gestalten Gewinnen“. Diese an die Abkürzung der Fachgesellschaft (DGGG) angelehnte Selbstverpflichtung bezieht sich laut Prof. Walter Jonat (Kiel), Präsident der Gesellschaft und des Kongresses, „zu allererst auf unsere partnerschaftliche Verantwortung für unsere Patientinnen“. Zudem gehe es aber auch darum, die Frauenheilkunde mit allen Spezialdisziplinen im Zeichen gesellschaftlicher Veränderungen und gesundheitspolitischer Schwierigkeiten „für die Zukunft fit zu machen“. An die 3.000 deutsche und internationale Kongressteilnehmer werden in Hamburg erwartet.


Gebärmutterhalskrebs vermeiden und schonend therapieren

Unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe wurde die S-2 Leitlinie zur „Prävention, Diagnostik und Therapie der HPV-Infektion und präinvasiver Läsionen des weiblichen Genitale“ fertiggestellt. In Deutschland wurden nach Angaben der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister e. V. (GEKID) und des Robert-Koch-Instituts im Jahr 2004 ca. 6.200 neue Zervixkarzinome registriert und ca. 1.660 Frauen verstarben an dieser Erkrankung. Noch in den 70-ger Jahren war der Gebärmutterhalskrebs die häufigste Krebserkrankung der Frauen. Nun besteht durch Primär- und Sekundärprävention die Möglichkeit, den Gebärmutterhalskrebs fast vollständig zu bekämpfen.