DGU-Kongress 2013

Quantitativer Blasenkrebs-Schnelltest liefert exakte Ergebnisse

Dresden, 26. September 2013 – Der weltweit erste quantitative Schnelltest für die Früherkennung des Harnblasenkarzinoms, UBC® Rapid, erreicht eine mit dem viel aufwendigeren ELISA vergleichbare diagnostische Genauigkeit. Damit steht jetzt jedem Arzt ein einfacher Schnelltest zur Verfügung, der durch eine genaue Konzentrationsmessung nicht nur die Früherkennung von Blasenkrebs, sondern auch eine bessere Risikobeurteilung ermöglicht.

Herkömmliche Schnelltests für den Nachweis von Blasenkrebs sind auf einfache positive oder negative Ergebnisse limitiert. Für eine genauere Risikoabschätzung waren bisher aufwendigere zellbasierte Testsysteme notwendig. Auf dem 65. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie in Dresden stellte Dr. René Ritter von der Universitätsklinik für Urologie, Tübingen, jetzt überzeugende Daten für den weltweit ersten quantitativen Schnelltest zur Früherkennung von Blasenkrebs vor.

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65. Urologen-Kongress endete heute mit Appell zum differenzierten Einsatz des PSA-Testes

Deutschlands Urologen und die europäischen urologischen Grundlagenforscher der EAU Section of Urological Research (ESUR) beendeten heute ihre gemeinsame Jahrestagung. Rund 7300 Teilnehmer aus aller Welt besuchten den 65. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) unter der Leitung von DGU-Präsident Prof. Dr. Michael Stöckle vom 25. bis 28. September 2013 in der Messe Dresden.

Wissenschaftsaustausch in allen Gebieten der Urologie stand in mehr als 100 Einzelveranstaltungen auf der Agenda. Dazu zählen Volkskrankheiten wie Harnsteinerkrankungen und die gutartige Vergrößerung der Prostata sowie urologische Krebserkrankungen der Prostata, der Blase, der Nieren und der Hoden. Letztere machen zusammen rund ein Viertel aller Krebserkrankungen in Deutschland aus.


Vom Pädiater zum Urologen

Jungensprechstunde – Begleitung bei Problemen in der Pubertät

Mädchen erhalten durch die traditionell meist enge Bindung an ihre Mutter und den frühen Kontakt zum Gynäkologen hinsichtlich der Beratung zur Kontrazeption überwiegend eine gute Ansprache für ihre Probleme in der Übergangszeit vom Mädchen zur Frau. Männlichen Jugendlichen fehlt dagegen oft ein akzeptierter Partner für ihre psychischen wie somatischen Konflikte, da die Väter ihnen aus verschiedenen Gründen eher selten als Gegenüber zur Verfügung stehen – das sollte ein Anlass sein, ihnen analog der Gynäkologen den Urologen als Ansprechpartner anzubieten.

Die seelische wie körperliche Umstellung während der Pubertät, insbesondere in der Phase, wenn die Entwicklung der geistigen Vernunft nicht Schritt hält, führt zu zahlreichen Fragen und Konflikten bei männlichen Jugendlichen, die sie aus Schamgefühl oder wegen beginnender Lösung von den Eltern gerade zuhause nicht besprechen möchten. Leider bieten die aktuellen Medien im Print- ,TV- oder Internet- Bereich keine geeigneten Alternativen, da sie keinerlei Qualitätskontrollen unterliegen und sogar eher kontraproduktiv Informationen vermitteln, die die Unsicherheit eher verstärken als reduzieren.


DGU gründet ein Zentrum für evidenzbasierte Medizin in der Urologie

Verfügbares Wissen erfassen, analysieren und zugänglich machen:

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. hat jetzt den Grundstein für den Aufbau eines Zentrums zur Verbesserung des Wissenstransfers aus der klinischen Forschung in die tägliche Praxis gelegt. Der Prozess des Wissenstransfers vom Wissenschaftler zum klinisch tätigen Arzt wird im englischen Schrifttum als „knowledge translation“ bezeichnet und ist ein wichtiger Bestandteil der evidenzbasierten Medizin.

Durch den Namen UroEvidence signalisiert die DGU, dass medizinische Interventionen und Diagnostiken auf dem Boden gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse basieren sollten und unterstützt als eine der ersten medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland die konsequente wissenschaftliche Arbeit im Bereich der evidenzbasierten Medizin. Nach dem Aufbau des nationalen urologischen Studienregisters führt sie damit folgerichtig ihre Aktivitäten mit dem Ziel fort, das Wissen in der Urologie auf der Grundlage aktuellster klinischer Studien und medizinischer Veröffentlichungen zusammenzutragen und strukturiert aufzuarbeiten.


Vaterschaft trotz Krankheit

Fertilitätsprotektion erhält Lebensqualität

Für Patienten im reproduktionsfähigen Alter, die sich krankheitsbedingt einer onkologischen oder systemischen Therapie mit der potentiellen Folge einer irreversiblen Schädigung der Gonadenfunktion unterziehen müssen, stellt sich die Frage nach den Möglichkeiten der Fertilitätsprotektion. Die einzige Möglichkeit zur Schaffung einer Fertilitätsreserve besteht für den männlichen postpubertären Patienten in der Kryokonservierung von ejakulierten oder testikulären Spermien vor Beginn der Therapie. Diese Spermien können später in der Kinderwunschbehandlung mittels assistierter Reproduktion Verwendung finden. Eine Begrenzung der Lagerungsdauer gibt es nicht, (epi-)genetische Schäden der Spermien durch die Kryokonservierung ergeben sich nicht.

Die Schwangerschaftsraten der assistierten Befruchtung mittels intrazypotplasmatischer Spermieninjektion mit kryokonservierten Samenproben sind vergleichbar mit der „normalen“ künstlichen Befruchtung. Zur Einschätzung der Samenqualität ist heutzutage die standardisierte Beurteilung der Samenprobe nach den Kriterien der WHO (2010) zu empfehlen. Diese etablierte präventive Massnahme kann nicht bei kindlichen Patienten vor oder zu Beginn der Pubertät angeboten werden. Die Transplantation von testikulären Stammzellen bzw. die aus ihnen generierten Samenzellen stellen bislang die einzige, allerdings noch rein experimentelle Option für präpubertär onkologisch erkrankte Jungen dar, um deren Fertilitätspotential zu erhalten.


Arztassistent in der Urologie

DGU ist an der Weiterentwicklung eines Bachelor-Studiengangs für Pflegekräfte beteiligt

Mit einer Hochschulkooperation zur Weiterbildung für examinierte Pflegekräfte geht das Fach Urologie neue Wege: Ab Oktober 2013 bietet das Fachgebiet gemeinsam mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Karlsruhe eine akademische Ausbildung an, deren Absolventinnen und Absolventen im Arbeitsfeld zwischen Arzt/Ärztin und Pflegepersonal zahlreiche Aufgaben übernehmen. Das dreijährige Studium zum „Physician Assistant (PA)“, zu Deutsch Arztassistent, schließt mit dem Hochschulgrad Bachelor of Science (B.Sc.) ab. Das spezielle Curriculum an der DHBW wurde in enger Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) weiterentwickelt und auf die speziellen Erfordernisse im Bereich der Urologie abgestimmt.


Fakten statt PSA-Bashing: Aktuelles zur PSA-Kontroverse

Seit Jahren wird unter Urologen, mehr aber noch in den Publikumsmedien über den Stellenwert bzw. das Nutzen- Schaden-Verhältnis der PSA-gestützten Früherkennung des Prostatakarzinoms kontrovers diskutiert. Es ist eine unvermeidliche Nebenwirkung eines jeden Früherkennungsprogramms, dass Auffälligkeiten, Befunde und Krankheitsstadien entdeckt und oft auch behandelt werden, deren Nichtentdeckung und Nichtbehandlung den Betroffenen nicht geschadet hätten. Diese Schattenseiten eines jeden Früherkennungsprogramms werden unter den Stichworten Überdiagnostik und Übertherapie zusammengefasst. Das ist bei der PSA-gestützten Früherkennung des Prostatakarzinoms nicht anders als bei anderen Früherkennungsprogrammen, beispielsweise dem Mammographie-Screening.

Das Ausmaß von Überdiagnostik und Übertherapie lässt sich noch nicht abschließend quantifizieren, hierzu bräuchte man die Endergebnisse der europäischen PSA-Screening-Studie (ERSPC). Die ERSPC-Studie ist die einzige Studie weltweit, die in einigen Jahren zumindest annäherungsweise eine Quantifizierung des Nutzen-Schaden-Verhältnisses und des Problems von Überdiagnostik und Übertherapie erlauben wird. Von der ERSPC-Studie sind derzeit die Elf-Jahresdaten publiziert. Das bedeutet, dass die Studienteilnehmer, denen die PSA-gestützte Früherkennung entweder empfohlen oder nicht empfohlen war, seit elf Jahren unter Beobachtung stehen. Dies bedeutet andererseits aber nicht, dass die im Rahmen dieser Früherkennungsstudie nachgewiesenen Prostatakarzinome auch schon allesamt elf Jahre nachbeobachtet sind, weil viele Prostatakarzinome ja erst im Verlauf der Studie auffallen.


Organspende in Deutschland nach dem Skandal

Die Organspende ist in Deutschland seit dem Organspendeskandal drastisch zurückgegangen. Waren es 2010 insgesamt 754 postmortale Organspenden gewesen, sank diese Zahl 2011 auf 685, dann 2012 auf 648 und wird 2013 nach Hochrechnungen aufgrund der Zahlen im ersten Halbjahr nur 548 betragen (Angaben der Deutschen Stiftung Organspende, DSO).

Der Rückgang gegenüber dem letzten Jahr vor dem Organspendeskandal war 2012 bereits beträchtlich. In diesem Jahr beträgt der Rückgang gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2010 – 2012 somit -21%. Allein in diesem Jahr 2013 kommt es gegenüber dem Vorjahr zu einem weiteren Rückgang von -15%.



Urologen starten 65. DGU-Kongress mit klaren Botschaften

Das Prostatakarzinom und die PSA-gestützte Früherkennung dominierten den Start des 65. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) in Dresden. Darüber hinaus wendeten sich die deutschen Urologen in der Eröffnungs-Pressekonferenz mit klaren Botschaften an die Öffentlichkeit.

Anstoß für eine neue, sachliche Diskussion gab das heutige Öffentlichkeitsforum zum PSA-Screening. Prominente Fürsprecher und Gegner der umstrittenen PSA-gestützten Früherkennung von Prostatakrebs kamen zu Wort. Die DGU sprach sich zum jetzigen Zeitpunkt gegen ein Massenscreening und für einen differenzierten Einsatz des PSA-Testes auf der Grundlage des jeweils aktuellsten Wissens aus und setzt dabei auf die umfassende Aufklärung früherkennungsinteressierter Männer. Mit der prospektiv- randomisiereten Studie PROBASE stellte die Fachgesellschaft einen zukunftsweisenden Weg im Umgang mit dem PSA-Test vor: das risikoadaptierte PSA-Screening.