Krebskongress 2014

Artikelserie über den Deutschen Krebskongress 2014

Berlin, 23.2.2014 – Der Deutsche Krebskongress 2014 wurde gestern mit dem Krebsaktionstag in der Messe Süd Berlin beendet. Um den Teilnehmern des Kongresses und interessierten eine Übersicht über die wichtigsten Pressemitteilungen und den Pressekonferenzen des Kongresses der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe e.V. zu geben, finden Sie diese unter…

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Grossstudien für den Kampf gegen Prostatakrebs

PSA-Test und Therapien auf dem Prüfstand

Referenten der Pressekonferenz beim Deutschen Krebskongress 2014Berlin, 22. Februar 2014 (gb) – Etwa 70.000 Männer in Deutschland werden im Jahr 2014 die Diagnose Prostatakrebs erhalten – rund 2.400 mehr als noch 2013. „Innovative und wissenschaftlich gesicherte Früherkennungsmethoden und Therapien sind unabdingbar, um dieser Entwicklung zu begegnen“, sagte Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, anlässlich einer Pressekonferenz heute am Samstag, den 22. Februar 2014, auf dem Deutschen Krebskongress 2014. Die gemeinnützige Organisation finanziert derzeit gleich zwei urologische Großprojekte: Im Rahmen der PREFERE-Studie soll die Frage nach der individuell besten Therapie beantwortet werden. Die PROBASE-Studie untersucht den Stellenwert des PSA-Screenings bei der Prostatakrebsfrüherkennung. „Mit diesen Studien widmen wir uns den am meisten diskutierten Themen der urologischen Onkologie“, so Nettekoven weiter.

Derzeit müssen sich Betroffene, bei denen Prostatakrebs im frühen Stadium diagnostiziert wurde, noch zwischen den vier gängigen Behandlungsoptionen entscheiden: das operative Entfernen der Prostata, eine Strahlenbehandlung, die sogenannte Brachytherapie – hier werden winzig kleine Kapseln dauerhaft in die Prostata implantiert und bestrahlen den Tumor von innen – und die Aktive Überwachung.


Sport unterstützt Krebstherapie

Wissenschaftlich untersucht: körperliche Aktivität regt Tumorabwehr an

Pressekonferenz des Deutschen Krebskongress 2012 - Sport unterstuetzt KrebstherapieBerlin, 19. Februar 2014 (ws) – Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln und der Uniklinik Köln im Centrum für Integrierte Onkologie CIO Köln/Bonn haben neue wichtige Hinweise zum Effekt von körperlich anstrengender Aktivität auf das Immunsystem von Krebspatienten gewonnen. Im Rahmen einer Studie bereiteten sie 15 Krebspatienten in der Nachsorge auf einen Halbmarathon vor und untersuchten vor und nach dem Lauf deren Immunstatus. Das Ergebnis: Intensive Ausdauerbelastung wirkt sich bei Krebspatienten positiv auf die körpereigene Tumorabwehr aus. Die Studienergebnisse wurden am 21. Februar 2014 erstmals im Rahmen des 31. Deutschen Krebskongresses der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Krebsgesellschaft vorgestellt.

Während der präventive Einfluss von körperlicher Aktivität auf die Krebsentstehung bei einigen Tumorerkrankungen unter Forschern vielfach akzeptiert ist, hielten sie die Kombination von Bewegung und Sport bei Krebs lange für risikoreich. Inzwischen zeigen Studien, dass Bewegung den Patienten nicht schadet, sondern hilft und sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirkt. Weitgehend ungeklärt ist jedoch die notwendige Höhe der Bewegungsdosis. „Aus wissenschaftlicher Sicht liegen uns noch zu wenig Kenntnisse zur optimalen Trainingssteuerung und -intensität vor“, erläutert Dr. Freerk T. Baumann vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln, einer der Studienleiter. „Daher sind Erkenntnisse sehr wichtig, die uns zeigen, wie das Immunsystem krebskranker Menschen auf körperliche Aktivität reagiert“. An der Studie nahmen insgesamt 30 Probanden im Alter zwischen 40 und 67 Jahren teil: 15 Patienten mit Brust-, Darm- oder Prostatakrebs, deren Therapie mindestens ein Jahr zurück lag, und 15 gesunde Kontrollpersonen.


Psychoonkologie – Bedarfsgerechte Strukturen und Finanzierung

Immer mehr Menschen erkranken an Krebs. Alleine im Jahr 2014 werden in Deutschland mehr als 500.000 Menschen diese Diagnose erhalten. Der rasante medizinische Fortschritt, besonders in den letzten Jahren, hat Krebs in vielen Fällen zu einer chronischen Erkrankung gemacht. Jeder zweite Krebspatient kann heute geheilt werden.

Doch Krebs ist für jeden Betroffenen zunächst einmal eine lebensbedrohliche Erkrankung, die ihn tief erschüttert. Die Diagnose trifft die meisten Menschen plötzlich und völlig unerwartet, und das Leben verändert sich mit einem Schlag. Nicht nur das körperliche Wohlbefinden ist beeinträchtigt. Auch das seelische Gleichgewicht gerät ins Wanken: Ängste, Hilflosigkeit, Kontrollverlust treten an die Stelle von Sicherheit und Vertrauen. In dieser Situation benötigen viele krebskranke Menschen nicht nur die bestmögliche medizinische Therapie, sondern auch seelische Begleitung. Diese Unterstützung zu leisten, ist Aufgabe der Psychoonkologie.


Qualität der Betreuung von Krebspatienten

Krebspatienten sind im Verlauf ihrer Krankheit mit einer Bandbreite unterschiedlicher körperlicher, psychischer, sozialer und spiritueller Probleme konfrontiert, die sich auf alle Lebensbereiche auswirken und die Lebensqualität einschränken können. Dabei ist es wichtig, dass der Unterstützungsbedarf dieser Patienten richtig erkannt wird, damit sie eine Beratung erhalten und bedarfsgerecht betreut werden können.

Dazu müssen die entsprechenden Ressourcen vorhanden sein. Im stationären Bereich hat sich vieles auf diesem Gebiet inzwischen verbessert. Die Zentren, die von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert sind, verpflichten sich nicht nur zur Einhaltung leitliniengestützter diagnostischen und therapeutischen Qualitätskriterien, sie halten auch einen Sozialdienst vor und integrieren psychoonkologisch geschulte Experten in ihre interdisziplinäre Behandlungsteams. In der Tat ist der Anteil an psychoonkologisch betreuten Patienten an den zertifizierten Zentren deutlich höher als an nicht zertifizierten. Das zeigt eine Untersuchung aus dem letzten Jahr [1].


Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung – Die neue S3-Leitlinie

Krebserkrankungen sind für die Betroffenen und ihre Angehörigen fast immer seelisch sehr belastend. Studien zeigen, dass etwa die Hälfte der Patienten vor allem zu Beginn der Erkrankung psychisch stark belastet ist, ein Drittel leidet unter so starken Ängsten und Depressionen, dass man von einer psychischen Begleiterkrankung sprechen muss. Aber auch im weiteren Verlauf der Krebserkrankung, das heißt während der Rehabilitation und Nachsorge, brauchen viele Patienten professionelle psychoonkologische Unterstützung. Und auch Menschen, deren Erkrankung schon länger zurückliegt, erleben psychische Krisen, die sie allein nicht bewältigen können.


Dyadische Kommunikation und Belastungen bei Patienten mit Krebs und deren Angehörigen

Krebserkrankungen betreffen meist nicht nur den Patienten alleine, sondern auch Partner, Familie und Freunde. Angehörige machen sich ebenfalls Sorgen und sind verunsichert, sie müssen sich mit einer möglicherweise veränderten Zukunftsperspektive auseinandersetzen und praktische Aufgaben zusätzlich übernehmen. Zudem sind sie Berater und Begleiter über den oft langen Behandlungsprozess. Neben der zeitlichen Belastung spielt auch der emotionale Austausch eine wichtige Rolle. Obwohl die Versorgung von Angehörigen eine zentrale Aufgabe psychoonkologischer Tätigkeit darstellt, fehlt es in Deutschland noch an konkreten Zahlen zum Versorgungsbedarf und Versorgungsangeboten speziell für diese Personengruppe.

Auch Angehörige von Krebspatienten leiden

Man weiß inzwischen, dass Angehörige von Krebspatienten ähnlich stark belastet sind wie die Patienten selbst. Eine große Übersichtsarbeit kommt zu dem Ergebnis, dass mehr als 40% der Partner erhöhte Angstwerte aufweisen und dass Angst das vorherrschende Gefühl bei Angehörigen ist, mehr noch als eine depressive Stimmung. In einer Studie der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik am Universitätsklinikum Heidelberg wurde nun neben Belastungen auch die krankheitsbezogene Kommunikation zwischen den Paaren untersucht. An der Studie nahmen insgesamt 189 an Krebs Erkrankte unterschiedlicher Tumorentitäten mit deren Angehörigen (83% Ehepartner, ansonsten erwachsene Kinder mit einem erkrankten Elternteil) teil. Rekrutiert wurden die Angehörigen über die Patienten, die sich zum Zeitpunkt der Befragung zur Behandlung oder Nachsorge in einer ambulanten oder stationären Abteilung des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) des Universitätsklinikums Heidelberg befanden. Auch hier fand sich zunächst ein hoher Prozentsatz erhöhter Angstwerte bei Angehörigen (36%).


Warum wir psychoonkologische Unterstützung heute brauchen – Hintergründe und Ausblicke

Das Krankheitsbild Krebs hat sich in den letzten Jahren aufgrund des medizinischen Fortschrittes stark gewandelt. Akute und rasch tödliche Verläufe sind seltener geworden. Erkrankungen nehmen eher einen chronischen Verlauf, allerdings häufig um den Preis von dauerhaften Beeinträchtigungen und um die Einbuße von Lebensqualität. Hier sind spezifische psychosoziale Maßnahmen gefordert, um die Auswirkungen von Erkrankung und Therapie zu lindern und eine patientengerechte Krebsmedizin zu betreiben.

Tatsache ist, dass Krebs nach wie vor als lebensbedrohlich und unkontrollierbar wahrgenommen wird. Persönliche Ressourcen von Patienten und Angehörigen reichen oftmals nicht aus, um einen Umgang mit dieser Ausnahmesituation finden zu können. Das professionelle System ist dabei, dem Bedarf Rechnung zu tragen und adäquate Antworten zu geben. Vor zwei Wochen ist die S3-Leilinie ‚Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung von Krebspatienten‘ veröffentlich worden. Ein Wegweiser mit evidenzbasierten Behandlungsempfehlungen, der mehr bedarfsgerechte, psychoonkologische Behandlungsleistungen erwarten lässt.


Krebs – Auch die Seele leidet mit

Deutsche Krebshilfe und Deutsche Krebsgesellschaft fordern flächendeckende psychoonkologische Versorgung

Berlin, 20. Februar 2014 (gb) – Immer mehr Menschen erhalten die Diagnose Krebs. Etwa ein Drittel der Betroffenen leidet so sehr unter der Erkrankung, dass sie psychologische Hilfe benötigen. Doch bundesweit werden noch nicht alle Patienten adäquat und nach den gleichen Qualitätsstandards versorgt. „Die Deutsche Krebshilfe appelliert an die Gesundheitspolitik und die Kostenträger, sich dem Thema verstärkt zu widmen und die notwendigen Versorgungs-Strukturen in den Krebszentren sowie deren adäquate Finanzierung sicherzustellen“, forderte Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, heute auf einer Pressekonferenz auf dem Deutschen Krebskongress 2014 in Berlin.

Professionelle Hilfe ist immer dann erforderlich, wenn die eigenen Ressourcen für die Krankheitsbewältigung nicht ausreichen. Betroffene, die unter Depressionen leiden, brauchen dringend Unterstützung. Und auch sozialer Rückzug, Schlafstörungen, Ängste oder andere psychische Störungen sind Hinweise dafür, dass psychoonkologische Hilfe notwendig sein könnte. Eine umfassende pychoonkologische Betreuung hat das Ziel, dem Betroffenen zu helfen, seine Krankheit aktiv zu bewältigen und zu lernen, mit den Symptomen und den Therapienebenwirkungen besser umzugehen. Eine adäquate psychoonkologische Hilfe umfasst die enge Zusammenarbeit eines Teams von Fachkräften: Ärzte, Psychologen, Pflegende, Sozialarber, Seelsorger und Physiotherapeuten sind notwendig. Selbsthilfegruppen können die Leistungen des professionellen Versorgungssystems sinnvoll ergänzen.


Aktuelle epidemiologische Daten zu Krebs in Deutschland

Es ist schon fast zur Gewohnheit geworden, dass Vertreter des Robert Koch-Instituts an dieser Stelle alle zwei Jahre über kontinuierlich steigende Erkrankungszahlen an Krebs berichten, zusammen mit der Erklärung, dass diese Entwicklungen durch die demografischen Veränderungen in unserer Bevölkerung und durch das steigende Erkrankungsrisiko mit zunehmendem Alter praktisch unausweichlich sind und sich über die nächsten Jahrzehnte weiter fortsetzen werden.

Ich möchte daher einmal die Gelegenheit nutzen, auf einige positive Entwicklungen und Ergebnisse hinzuweisen: Nach aktuellen, noch vorläufigen Auswertungen von Daten der epidemiologischen Krebsregister bis zum Jahr 2011 verstärkt sich der Eindruck, dass sich für die vergangenen drei bis vier Jahre eher eine Stagnation der Erkrankungszahlen abzeichnet. Dieser Trend zeigt sich trotz der weiteren Zunahme des Anteils älterer Menschen in unserer Bevölkerung.