Hirntumoren

Neue Studie zu OP-Technik bei Hirntumorpatienten

Blick in den hochmodernen OP-Saal der Neurochirurgie.  Universitätsklinikum ErlangenPatienten, die einen Hirntumor zum Beispiel in der Nähe des Sprach-, Seh- oder Hörzentrums haben, können computerassistiert mit größerem Erfolg operiert werden. Das ergab jetzt eine internationale Vergleichsstudie der Neurochirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Michael Buchfelder) des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU).

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Magdeburger Forscher sind einem Hemmstoff für Hirnhautkrebs auf der Spur – der microRNA-145

Hirnhautkrebs, das sogenannte Meningeom, verläuft in den meisten Fällen gutartig. Patienten sind nach einer Operation jedoch einem erheblichen Wiedererkrankungs-Risiko ausgesetzt. Außerdem besteht bei seltenen bösartiger Formen die Gefahr, dass Sie in das Hirngewebe einwachsen, was für den Patienten eine schlechte Heilungschance bedeutet. Die Entwicklung zu solch einem aggressiven atypischen Tumor könnte durch das kleine Molekül miRNA-145 unterdrückt werden. Prof. Dr. Christian Mawrin und sein Team am Universitätsklinikum Magdeburg untersuchen die Rolle der miRNA-145 daher in einem aktuellen Forschungsprojekt und können bereits erste Ergebnisse vorweisen.

MicroRNAs (miRNAs) sind besonders kleine Nukleinsäure-Moleküle, deren Bedeutung erst in den vergangenen zehn Jahren erkannt wurde. Die bis dahin bekannten RNA-Klassen waren entweder direkt für die Bildung spezifischer Eiweiße der Zelle verantwortlich oder ganz allgemein für die Eiweißsynthese notwendig. Im Gegensatz dazu fungieren die miRNAs als Regulatoren. So hemmt jede Sorte miRNA die Bildung einer bestimmten Serie zellulärer Eiweiße. In deren Genen sind entsprechende Andockstellen für die jeweilige miRNA ausgeprägt. Zwar können solche Zielstrukturen im Erbgut durch eine Computeranalyse identifiziert werden, eine gute Vorhersage der tatsächlichen Hemmwirkung in lebenden Zellen ist dennoch nicht möglich. Diese muss experimentell aufgeklärt werden. In den vergangenen Jahren wurde zunehmend erkannt, dass manche miRNAs als krebsfördernd wirken, andere jedoch einer Entartung entgegenwirken. Von der miRNA-145 nehmen Forscher an, dass sie bei verschiedenen Tumoren eine hemmende Funktion ausübt.


Bösartige Hirntumoren neu klassifiziert

Anhand einer Kombination von molekularbiologischen Daten mit klinischen Parametern können Glioblastome, die bösartigsten aller Hirntumoren, in sechs Gruppen unterteilt werden. Ein internationales Forscherteam unter der Federführung von Molekularbiologen aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum konnte dies nun in einer Studie zeigen, die erstmals Tumoren von Patienten aller Altersgruppen einschloss. Der molekulare Fingerabdruck der einzelnen Tumorgruppen könnte bei der Entwicklung differenzierter Therapien helfen und dazu beitragen, klinische Studien gezielter zu planen.

Glioblastome wachsen äußerst aggressiv in gesundes Hirngewebe ein und sind darüber hinaus hochgradig resistent gegenüber Strahlen- und Chemotherapie. Daher gelten sie als die bösartigsten aller Hirntumoren. Die heute verfügbaren Behandlungsverfahren können oft nur wenig gegen die Erkrankung ausrichten. An einem Glioblastom können Menschen jeden Alters erkranken, Kinder sind seltener betroffen als Erwachsene. In Deutschland erkranken jährlich etwa 6000 Menschen an diesem Tumor.


UKJ-Neurochirurgie: Neue Operationsmethode bei Hirntumoren

Tumoren „leuchten“ während des Eingriffs unter UV-Licht / Mehr Präzision

Während der Operation durch die Neurochirurgen des UKJ kann unter speziellem UV-Licht des Operationsmikroskops der zu entfernende Hirntumor deutlich sichtbar vom gesunden Hirngewebe unterschieden werden. Foto: UKJ/MedienzentrumJena (ukj/dre). Eine neue Operationsmethode bei Hirntumoren ergänzt nun das Behandlungsspektrum der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Jena (UKJ): Dabei werden Hirntumoren durch den Einsatz einer körpereigenen Substanz und speziellem UV-Licht während der Operation sichtbar gemacht. Das ermöglicht eine präzisere Entfernung des Tumors.

Privat-Dozent Dr. Christian Ewald, Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie am Thüringer Universitätsklinikum: „Vor einem Eingriff trinken die Patienten die körpereigene Substanz, eine Vorstufe des Blutfarbstoffes Hämoglobin. Diese reichert sich im Hirntumor an und wird dort zu einem fluoreszierenden Farbstoff umgewandelt.“ Das Ergebnis: Während der Operation kann unter speziellem UV-Licht des Operationsmikroskops der zu entfernende Hirntumor deutlich sichtbar vom gesunden Hirngewebe unterschieden werden. Der Hirntumor leuchtet rosa, während das umgebende, tumorfreie Gewebe dunkelblau strahlt. Eine Herausforderung bei neuro- onkologischen Eingriffen besteht darin, dass hirneigene Tumoren in der Regel weit in das eigentliche Hirngewebe einwachsen und somit als Tumor nur schwer zu erkennen sind. „Gleichzeitig ist das Ziel solcher Operationen, eine nahezu vollständige Tumorentfernung zu erzielen, ohne dabei jedoch relevante Hirnregionen zu gefährden. Das fluoreszenzgestützte Operieren ist ein wichtiger Schritt zu noch mehr Präzision und damit für bessere Ergebnisse der Operationen“, erklärt Klinikdirektor Prof. Dr. Rolf Kalff.


Bundesweit erstes zertifiziertes Hirntumorzentrum am UKM

Münster (ukm/cccm). Im Kampf gegen Krebs kommt es auch auf die Geschwindigkeit an: Je schneller und besser die Abstimmung der einzelnen Fachdisziplinen funktioniert, desto größer sind die Erfolgschancen. Deswegen wurde 2010 das Hirntumorzentrum am UKM (Universitätsklinikum Münster) gegründet, das die Zusammenarbeit koordiniert. Jetzt ist es von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) bundesweit als erstes Zentrum für Hirntumoren zertifiziert worden.

Die Patienten profitieren von den neuesten Operationstechniken, innovativen bildgebenden Verfahren und aktuellen Konzepten der Strahlen- und Chemotherapie. Daher freuen wir uns sehr, dass wir dafür nun auch offiziell zertifiziert wurden“, sagt Prof. Dr. Walter Stummer, Direktor der Klinik für Neurochirurgie und Sprecher des Hirntumorzentrums. Er lobt den Einsatz und die gute Zusammenarbeit der Kollegen, die erheblich zur erfolgreich bestandenen Prüfung beigetragen haben.

Während zahlreicher Besuche hatten unabhängige Gutachter sich vor Ort ein Bild davon gemacht, ob das Zentrum den hohen, in bundesweiten Expertengremien entwickelten Qualitätskriterien der DKG gerecht wird. „So können sich die Patientinnen und Patienten trotz ihrer schweren Erkrankung sicher aufgehoben und bestens versorgt fühlen“, unterstreicht Prof. Dr. Jörg Haier, koordinierender Direktor des Zentrums für Krebsmedizin, zu dem das Hirntumorzentrum am UKM gehört.


Gehirntumoren in den Tod treiben

Stammzellen im Gehirn können entarten und Krebs auslösen. Das junge Gehirn scheinen sie aber vor bestimmten Tumorarten zu bewahren, indem sie die Krebszellen abtöten. Dies könnte therapeutisch genutzt werden – auch bei älteren Patienten. Bei einer durchschnittlichen Überlebenszeit von wenigen Monaten nach der Diagnose ist das Glioblastoma multiforme eine der bösartigsten Krebserkrankungen des Menschen.

Es ist ein Vertreter von Gehirntumoren,die wohl aus genetisch mutierten Stammzellen des Gehirns hervorgehen – und bislang auch durch eine operative Entfernung, eine Strahlenbehandlung,eine Chemotherapie oder eine Kombination dieser Maßnahmen kaum geheilt werden können.


Neuronale Stammzellen zerstören Hirntumore

Stammzellen des Gehirns bekämpfen in jungen Jahren Hirntumore wie zum Beispiel Glioblastome, die zu den häufigsten und bösartigsten Tumoren gehören. Jetzt haben Forscherinnen und Forscher vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin einen neuen Mechanismus entschlüsselt, mit dem Stammzellen das junge Gehirn vor diesen Tumoren schützen. Danach setzen die Stammzellen Substanzen frei, die bei den Tumorzellen einen Ionenkanal aktivieren, der eigentlich als Geschmacksrezeptor für Chilipfeffer bekannt ist. Diese Aktivierung löst bei der Tumorzelle Stress und damit ihren Zelltod aus (Nature Medicine, http://dx.doi.org/10.1038/nm.2827)*.

Glioblastome können trotz Operation, Strahlen- oder Chemotherapie oder einer Kombination dieser drei Behandlungsmaßnahmen, nicht geheilt werden. Vor einigen Jahren hatte die Forschergruppe von Prof. Helmut Kettenmann vom MDC gezeigt, dass neuronale Stammzellen zu Glioblastomen wandern und sie angreifen. Die neuronalen Stammzellen schütten ein Protein aus (BMP- Protein – bone morphogenetic protein), das direkt die Tumorstammzellen angreift. Tumorstammzellen sind nach heutigen Erkenntnissen der Forschung die eigentliche Ursache dafür, dass ein Tumor immer wieder ausbricht.


Neue Angriffspunkte für Impfung gegen Hirntumor

Krebsforscher aus Heidelberg, Genf und Tübingen sind in der Erforschung eines äußerst aggressiven Hirntumors, des Glioblastoms, einen großen Schritt weitergekommen: Sie erfassten erstmals systematisch sämtliche Eiweiße auf der Oberfläche der Glioblastomzellen und identifizierten zehn Marker, die besonders charakteristisch für diese Tumorart sind. Die Forschungsergebnisse, veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Brain“, fanden bereits Eingang in die klinische Anwendung: Ein Krebsimpfstoff gegen die Tumormarker kommt in zwei klinischen Studien zum Einsatz, eine weitere ist am Universitätsklinikum Heidelberg geplant.

So funktioniert die Impfung:

Charakteristische Oberflächenstrukturen der Tumorzellen, z.B. Eiweiße oder Teile davon, werden gemeinsam mit Substanzen, die das Immunsystem anregen, in die Haut injiziert. „Wir lösen quasi eine Entzündung aus: Die Immunzellen werden angelockt und auf die Tumoreiweiße geprägt“, erklärt die Biologin. In Folge entstehen deutlich mehr Lymphozyten, die auf die Bekämpfung des Tumors spezialisiert sind, als ohne die zusätzliche Aktivierung. Entdecken sie im Körper Zellen mit den Eiweißen aus dem Impfstoff, zerstören sie diese.


Neues Medikament lässt Gehirntumore bei Melanompatienten schrumpfen

Australische Wissenschaftler berichten über viel versprechende Wirkungen eines neuen Medikaments, das Gehirntumore bei Melanompatienten schrumpfen lässt. Die Untersuchungsergebnisse des Forscherteams wurden diesen Monat in der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht.

Laut Forschern der University of Sydney, des Melonama Intitute Australia, des Sydney´s Westmead Hospital und des Westmead Millennium Institute kann das neue Medikament, das getestet wurde, um bösartigen schwarzen Hautkrebs zu behandeln, auch Metastasen (Tochtergeschwülste) im Gehirn von Patienten mit fortgeschrittenem Krankheitsstadium schrumpfen lassen. Sie gehen davon aus, dass das neue Medikament die Lebenserwartung von Patienten, deren Melanom bereits in das Gehirn gestreut hat, um einige Monate verlängern kann. Die meisten Patienten mit Hirnmetastasen sterben innerhalb von vier Monaten. Die Studie zeigte jedoch, dass die Gehirntumore bei neun von zehn Patienten innerhalb der ersten sechs Wochen schrumpften. Die Lebenserwartung erhöhte sich bei allen zehn Patienten auf mehr als fünf Monate, zwei Patienten überlebten mehr als 12 Monate, ein weiterer Patient ist nach 19 Monaten noch am Leben.


Am 8. Juni ist Welthirntumortag

Leipzig, 29. Mai 2012 – Der Welthirntumortag am 8. Juni macht auf die Situation von Hirntumorpatienten aufmerksam. In Deutschland erkranken jährlich etwa 7.000 Menschen an einem bösartigen Hirntumor. Weitere 50.000 sind von Hirnmetastasen betroffen, die infolge von Lungenkrebs, Brustkrebs oder anderen Krebsleiden entstehen. Der von der Deutschen Hirntumorhilfe e.V. initiierte Welthirntumortag ist Anlass, Solidarität und Mitgefühl mit Betroffenen und Angehörigen auszudrücken. Ein Zeichen kann jeder setzen, sei es durch das Tragen der grauen Schleife als Symbol der Verbundenheit, durch Spenden oder durch den Besuch einer der zahlreichen Veranstaltungen im Rahmen des Aktionstages.