Chronische Schmerzen nach Operationen vermeiden

Schmerz - pixabay

Nach bestimmten Operationen, etwa am Herzen, bei Brustkrebs, der nicht organerhaltend operiert werden kann, oder Kniegelenk-Ersatz, entwickeln sich bei bis zu zehn Prozent der Patienten chronische Schmerzen. Dr. Reinhard Sittl vom Interdisziplinären Schmerzzentrum des Universitätsklinikums Erlangen, der Träger des Deutschen Schmerzpreises 2013, konnte mit seiner klinischen Forschergruppe Faktoren identifizieren, die das Risiko für postoperative chronische Schmerzen erhöhen und daraus Empfehlungen ableiten, wie diesen Schmerzen vorgebeugt werden kann.

In Deutschland griffen Chirurgen im Jahr 2011 bei 15 Millionen Operationen zum Skalpell. „Bei vier Prozent der Patienten klingt der Schmerz nach der Operation nicht mehr ab, wenn die Wunde heilt, sondern wird chronisch“, weiß der Erlanger Schmerzforscher Dr. Reinhard Sittl. Wenn es gelänge, die Häufigkeit dieser Schmerzen nur um ein Prozent zu reduzieren, ließe sich nicht nur 150000 Menschen viel Leid ersparen, sondern dem Gesundheitswesen grob geschätzt über 100 Millionen Euro, rechnet Sittl vor.

Das Risiko für postoperative chronische Schmerzen ist von OP zu OP unterschiedlich. Patienten, die am Brustkorb operiert werden und Frauen, denen die Brust amputiert werden muss, entwickeln meistens Nervenschmerzen. Sie sind die Folge einer direkten Verletzung von Nervenbahnen und sind besonders schwer zu behandeln. Patienten, denen ein Knie- oder Hüftgelenk eingepflanzt wird, entwickeln demgegenüber meistens sogenannte nozizeptive Schmerzen. Bei diesen werden die Schmerzfühler im Gewebe etwa durch Entzündungsboten-stoffe aktiviert.

Wenn Patienten chronische Schmerzen nach einem Eingriff entwickeln, können viele Faktoren die Ursache sein. Allerdings ist nicht bei allen klar, wie stark ihr Einfluss tatsächlich ist. Dies gilt beispielsweise für die Operationstechnik. „Hier fehlen prospektive Studien“, sagt Sittl. Starke Schmerzen vor und vor allem nach der Operation spielen eine Rolle, ebenso genetische Faktoren. Auch Schmerzpatienten, die lange Zeit mit Opiaten behandelt werden, könnten ein erhöhtes Risiko für postoperativen chronischen Schmerz haben, da Opiate die Schmerzempfindlichkeit erhöhen und so Schmerz verstärken können.

REDUZIERTE KÖRPEREIGENE SCHMERZHEMMUNG

Untersuchungen von Sittl belegen, dass eine reduzierte körpereigene Schmerzhemmung ein messbarer Risikofaktor für chronischen postoperativen Schmerz ist. Auch psychosoziale Faktoren, beispielsweise eine erhöhte Aufmerksamkeit für Schmerzreize, sind nachweisbare Risikofaktoren, wie Sittl mit seiner klinischen Forschergruppe herausgefunden hat. Kommen dann starke postoperative Akutschmerzen hinzu, beeinflussen diese ihrerseits die psychologischen Faktoren – ein Teufelskreis aus Schmerz und Psychologie kommt in Gang.

KLINISCHE STUDIE

Bei Patienten, die aufgrund einer Trichterbrust operiert wurden und Patientinnen, denen die Gebärmutter entfernt werden musste, setzt die klinische Forschergruppe von Sittl, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird, verschiedene Testmethoden ein, um jene Patienten zu identifizieren, die schmerzbezogenen Reizen besondere Aufmerksamkeit schenken. Im Rahmen einer klinischen Studie wurde die Vorhersagekraft dieser Methoden untersucht. „Präoperative Aufmerksamkeitverzerrungen sind Prädiktoren starker akuter und chronischer Beeinträchtigungen durch postoperative Schmerzen, die Wochen und Monate nach der OP anhalten können“, resümiert Sittl seine Forschungsergebnisse. Trotz optimaler Akuttherapie und dem Ausschluss anderer präoperativer Risikofaktoren entwickelten 13 Prozent der untersuchten Patienten binnen eines Jahres therapiebedürftige chronische Schmerzen.

PATIENTEN MIT STARKEN SCHMERZEN NACH EINER OP BRAUCHEN SPEZIALISTEN

„Patienten mit starken Schmerzen nach einer Operation brauchen daher eine gute Akutschmerzbehandlung“, fordert Sittl. Lassen die Schmerzen nach drei Tagen nicht nach, sollte dies ein Warnsignal sein. Sittl: „Dann sind Spezialisten gefordert.“ Noch wirksamer wäre es nach Meinung des Experten, wenn Risiko-Patienten bereits vor einem Eingriff identifiziert und das Risiko für chronische Schmerzen nach dem Eingriff durch vorbeugende Strategien und eine optimale Therapie rund um die Operation gemindert würde.

Pressestelle Deutscher Schmerztag 2013
Barbara Ritzert · ProScience Communications GmbH
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Pressemitteilung Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie e.V., Barbara Ritzert


Krebszeitung

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  • Ganglioside beeinflussen das Körpergewicht: Links eine Maus, die keine Ganglioside in ihrem Hypothalamus produzieren kann und deshalb mehr zunimmt als ihr Artgenosse gleichen Alters (rechts). | © Viola Nordström, Deutsches Krebsforschungszentrum
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     Ganglioside beeinflussen das Körpergewicht: Links eine Maus, die keine Ganglioside in ihrem Hypothalamus produzieren kann und deshalb mehr zunimmt als ihr Artgenosse gleichen Alters (rechts). | © Viola Nordström, Deutsches KrebsforschungszentrumDer Hypothalamus ist ein Bereich im Gehirn, der neben anderen lebenswichtigen Funktionen die Nahrungsaufnahme steuert und sie an den Energiebedarf anpasst. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums haben nun in Nervenzellen dieses Hirnareals einen bisher unbekannten Mechanismus entdeckt, der das Körpergewicht von Mäusen kontrolliert.

    Weltweit besitzen über eine halbe Milliarde Menschen einen Body-Mass-Index von über 30, sie gelten als fettleibig. Starkes Übergewicht gilt als erheblicher Risikofaktor für Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verschiedene Krebsleiden. Schon seit Längerem ist bekannt, dass das Hormon Leptin eine wichtige Rolle im Fetthaushalt spielt. Leptin wird hauptsächlich von Zellen des Fettgewebes abgegeben. Es überträgt ein Sättigungssignal an die Nervenzellen im Hypothalamus und reguliert so die Nahrungsaufnahme. Darüber hinaus veranlasst es den Körper dazu, Körperfett zu verbrauchen und dadurch Wärme zu produzieren.

    Dr. Viola Nordström und ihre Kollegen vom Deutschen Krebsforschungszentrum fanden nun an Mäusen heraus, dass sogenannte Ganglioside für die Übertragung des Leptin-Signals verantwortlich sind. Ganglioside sind vorwiegend in den Zellmembranen von Nervenzellen zu finden. „Mäuse, bei denen wir die Gangliosid-Produktion im Hypothalamus ausgeschaltet haben, fraßen mehr als ihre normalen Artgenossen, häuften viel mehr Fettgewebe an und nahmen deutlich mehr an Gewicht zu“, erklärt Viola Nordström. „Ihr Gehirn konnte ohne Ganglioside kein Sättigungssignal empfangen.“

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  • Pressekonferenz des Deutschen Krebskongress 2012 - Sport unterstuetzt Krebstherapie
    Krebskongress 2014

    Wissenschaftlich untersucht: körperliche Aktivität regt Tumorabwehr an

    Pressekonferenz des Deutschen Krebskongress 2012 - Sport unterstuetzt KrebstherapieBerlin, 19. Februar 2014 (ws) – Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln und der Uniklinik Köln im Centrum für Integrierte Onkologie CIO Köln/Bonn haben neue wichtige Hinweise zum Effekt von körperlich anstrengender Aktivität auf das Immunsystem von Krebspatienten gewonnen. Im Rahmen einer Studie bereiteten sie 15 Krebspatienten in der Nachsorge auf einen Halbmarathon vor und untersuchten vor und nach dem Lauf deren Immunstatus. Das Ergebnis: Intensive Ausdauerbelastung wirkt sich bei Krebspatienten positiv auf die körpereigene Tumorabwehr aus. Die Studienergebnisse wurden am 21. Februar 2014 erstmals im Rahmen des 31. Deutschen Krebskongresses der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Krebsgesellschaft vorgestellt.

    Während der präventive Einfluss von körperlicher Aktivität auf die Krebsentstehung bei einigen Tumorerkrankungen unter Forschern vielfach akzeptiert ist, hielten sie die Kombination von Bewegung und Sport bei Krebs lange für risikoreich. Inzwischen zeigen Studien, dass Bewegung den Patienten nicht schadet, sondern hilft und sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirkt. Weitgehend ungeklärt ist jedoch die notwendige Höhe der Bewegungsdosis. „Aus wissenschaftlicher Sicht liegen uns noch zu wenig Kenntnisse zur optimalen Trainingssteuerung und -intensität vor“, erläutert Dr. Freerk T. Baumann vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln, einer der Studienleiter. „Daher sind Erkenntnisse sehr wichtig, die uns zeigen, wie das Immunsystem krebskranker Menschen auf körperliche Aktivität reagiert“. An der Studie nahmen insgesamt 30 Probanden im Alter zwischen 40 und 67 Jahren teil: 15 Patienten mit Brust-, Darm- oder Prostatakrebs, deren Therapie mindestens ein Jahr zurück lag, und 15 gesunde Kontrollpersonen.

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