Darmkrebsmonat März: DGVS warnt vor Risikofaktor Übergewicht

Postkarte für die Darmkrebs-Vorsorge - Quelle: Dr. Thomas Block

Berlin – Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 26 000 Menschen an Tumoren des Dickdarms. Darmkrebs belegt damit den zweiten Platz der tödlichen Krebsarten. Dabei gilt die Krankheit in vielen Fällen als vermeidbar: Durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen ließe sich der Krebs häufig im Frühstadium erkennen und behandeln. Zudem gilt Übergewicht als ein wichtiger vermeidbarer Risikofaktor. Wie eine aktuelle Metaanalyse zeigt, erhöht starkes Übergewicht das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken etwa um ein Drittel.

Anlässlich des Darmkrebsmonats März weist die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) besonders auf den Risikofaktor Übergewicht hin und gibt Tipps zur Vorsorge.

„Übergewicht ist einer der konstantesten Risikofaktoren für Darmkrebs – in fast allen Studien zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang mit dem Erkrankungsrisiko“, sagt Professor Dr. med. Wolff Schmiegel, Leiter der Medizinischen Universitätsklinik am Knappschaftskrankenhaus an der Ruhr- Universität Bochum und Sprecher der Steuergruppe Kolonkarzinom der DGVS. Schmiegel verweist auf eine aktuelle Übersichtsarbeit, die kürzlich im Wissenschaftsmagazin PLOS One erschienen ist. Wissenschaftler aus Shanghai werteten aus 54 Studien mit rund neun Millionen Teilnehmern den Einfluss des Körpergewichts auf das Darmkrebsrisiko aus. Danach haben Übergewichtige im Vergleich zu Personen mit Normalgewicht ein um rund ein Drittel erhöhtes Darmkrebsrisiko. Konzentriert sich das überschüssige Fett hauptsächlich in der Bauchregion – salopp als Apfelfigur bezeichnet – liegt das Erkrankungsrisiko sogar etwa um die Hälfte über dem schlanker Probanden.

Auf welchen Stoffwechselwegen Übergewicht und Darmkrebs miteinander in Verbindung stehen, ist bislang noch nicht geklärt. Vermutlich spielen dabei Störungen des Insulin-Haushalts eine Rolle. Auch Sexual-, Fettgewebshormone und Entzündungsvorgänge stehen im Verdacht. „Wenn wir verstehen, wie das Körpergewicht das Darmkrebsrisiko beeinflusst, gibt uns das womöglich wichtige Hinweise darauf, wie die Erkrankung verhindert oder behandelt werden kann“, sagt Schmiegel.

Das Übergewicht selbst sei zudem ein wichtiger Ansatzpunkt bei der Vorbeugung von Darmkrebs, meinen die Experten der DGVS. „Denn Übergewicht zählt – etwa im Gegensatz zu einer familiären Veranlagung – zu den beeinflussbaren Risikofaktoren“, sagt DGVS-Pressesprecher Professor Dr. med. Peter R. Galle, Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik an der Universität Mainz. Da sehr viele Menschen übergewichtig sind, würde durch diese Art der Prävention ein großer Personenkreis erreicht. Jeder habe es also zumindest bedingt in der Hand, hier etwas für sich zu tun, so Galle – auch um anderen Gesundheitsrisiken wie etwa für Diabetes Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.

„Die wichtigste Vorsorge gegen Darmkrebs sind jedoch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen“, betont Professor Galle bezugnehmend auf den Darmkrebsmonat März. Auf diese Weise lasse sich der Darmkrebs oft in einem frühen Stadium erkennen, behandeln und heilen. Für Menschen zwischen 50 und 55 Jahren übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland die Kosten für einen jährlichen Stuhltest. Menschen ab 55 Jahren können zudem eine Darmspiegelung machen lassen und – wenn alles in Ordnung ist – diese nach zehn Jahren wiederholen.

Die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie mehr als 5000 Ärzte und Wissenschaftler aus der Gastroenterologie unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane – zum Wohle des Patienten.

Literatur:
Obesity and risk of colorectal cancer: a systematic review of prospective studies. Ma Y, Yang Y, Wang F, Zhang P, Shi C, Zou Y, Qin H.; PLoS One. 2013;8(1):e53916.

Kontakt für Rückfragen:
DGVS Pressestelle
Anna Julia Voormann
Irina Lorenz-Meyer
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart

Berliner Büro im Langenbeck Virchow-Haus:
Luisenstraße 59
10117 Berlin
Tel: 0711 8931-552/-642
Fax: 0711 8931-167
lorenz-meyer@medizinkommunikation.org

Pressemitteilung Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, Medizin – Kommunikation


Krebszeitung

--Download Darmkrebsmonat März: DGVS warnt vor Risikofaktor Übergewicht als PDF-Datei --


  • Abb. a: Symptomatische Pneumonitis vier Wochen nach Strahlentherapie eines Lungenkarzinoms mit 60 Gy. Abb. b: Fibrotische Residuen sechs Monate nach Strahlentherapie.
    dkfz

    Physiker, Informatiker, Ärzte und Ingenieure aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum stellen beim Weltkongress für Medizinphysik insgesamt 37 Projekte aus den Bereichen Bildgebung und Strahlentherapie vor. Präsident der Tagung, die am 7. September in München startet, ist Professor Dr. Wolfgang Schlegel aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum.

    […mehr lesen]

  • Auf weißen Blutkörperchen von Patienten mit Chronischer Lymphatischer Leukämie docken zwei Rezeptoren an der Außenseite der Zelle aneinander (oben, blau dargestellt) und lösen über Bausteine an der Innenseite der Zelle (unten) eine Signalkaskade aus. Diese ist ein wichtiger Bestandteil der Umwandlung der Immunzelle in eine sich unkontrolliert vermehrende Krebszelle. Gafik: Dühren-von Minden
    Forschung

    Auf weißen Blutkörperchen von Patienten mit Chronischer Lymphatischer Leukämie docken zwei Rezeptoren an der Außenseite der Zelle aneinander (oben, blau dargestellt) und lösen über Bausteine an der Innenseite der Zelle (unten) eine Signalkaskade aus. Diese ist ein wichtiger Bestandteil der Umwandlung der Immunzelle in eine sich unkontrolliert vermehrende Krebszelle. Gafik: Dühren-von MindenWissenschaftlerinnen und Wissenschafter um Prof. Dr. Hassan Jumaa vom Zentrum für biologische Signalstudien (BIOSS) der Universität Freiburg, Lehrstuhl für Molekulare Immunologie, haben einen neuen Mechanismus entdeckt, der bewirkt, dass hilfreiche Immunzellen in bösartige Krebszellen umgewandelt werden. Bei der Chronischen Lymphatischen Leukämie (CLL), eine der häufigsten Blutkrebserkrankung in der westlichen Welt, tragen die Zellen den Schlüssel für die krankhaften Veränderungen in sich selbst, wie die Forscherinnen und Forscher in der Zeitschrift „Nature“ berichten. Das Verständnis dieser zugrunde liegenden Mechanismen könnte neue Therapien mit geringeren Nebenwirkungen ermöglichen.

    Bei einem gesunden Menschen haben B-Lymphozyten, eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, die Aufgabe, Antikörper zur Abwehr von Infektionen zu produzieren. Spezielle Rezeptormoleküle der B-Lymphozyten erkennen Krankheitserreger über das Schlüssel-Schloss-Prinzip und schalten daraufhin die Produktion von Antikörpern ein. Bei der CLL hingegen führen ungewöhnliche Formen dieser Rezeptoren dazu, dass sich die krankhaften B-Lymphozyten unkontrolliert vermehren und dadurch die gesunden Zellen des Immunsystems verdrängen.

    Freiburger Forscher decken auf, wie krankhafte Zellen sich bei der Chronischen Lymphatischen Leukämie selbst aktivieren

    „Bisher wurde vermutet, dass körpereigene Substanzen an diese Rezeptoren andocken und so die CLL-Lymphozyten aktivieren“, sagt Jumaa. „Wir konnten nun zeigen, dass interne Bausteine der Rezeptoren für die Entstehung von CLL verantwortlich sind.“ Bei B-Lymphozyten von CLL- 2

     

    […mehr lesen]

Google News – Gesundheit