Dem Blutkrebs auf der Spur

Bei akuter myeloischer Leukämie vermehren sich unreife Blutzellen ungezügelt im Knochenmark. Foto: Andreas Neubauer
Bei akuter myeloischer Leukämie vermehren sich unreife Blutzellen ungezügelt im Knochenmark. Foto: Andreas Neubauer

Die Chronische Lymphatische Leukämie (CLL) ist eine jener Krebserkrankungen, die Menschen meist erst im Alter trifft. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung droht diese Leukämieform künftig weit häufiger als bisher aufzutreten. Kölner Wissenschaftler versuchen daher, die Ursache dieser bislang unheilbaren und individuell äußerst variabel verlaufenden Erkrankung zu verstehen, um wirksame und nebenwirkungsarme Behandlungen zu entwickeln. Derzeit wissen die Forscher nur wenig über die kritischen molekularen Signalwege, die das Überleben der Tumorzellen bei der CLL bewirken sowie das Fortschreiten der Erkrankungen auslösen.

Nachwuchs-Forscherteam an der Uniklinik Köln gegen Leukämie

Genau hier möchte der 34-jährige Dr. Marco Herling und sein ambitioniertes Team an der Klinik I für Innere Medizin ansetzen. In seiner Nachwuchsgruppe will er verschiedene Expertisen bündeln, vom Mediziner, über den Pharmakologen, Molekularbiologen, Immunologen und Proteinstrukturchemiker. „Ich möchte nicht nur einfach ein Labor aufbauen, sondern ein Forschungsprogramm etablieren, bei dem sich die besten Köpfe aus mehreren Disziplinen mit gemeinsamem Ziel in einem Team ergänzen.“

„Die CLL ist eine spezielle Form von Blutkrebs“, erläutert der Mediziner: „Anders als bei vielen anderen Tumoren teilten sich die Mehrzahl der entarteten Krebszellen zunächst nicht häufiger als normale Körperzellen. Sie leben einfach länger, als sie sollen.“

Dieser verhinderte Zelltod ist ein Charakteristikum der CLL und erklärt ihren oft schleichenden und für Patienten zunächst oft symptomlosen Verlauf. So können sich entartete CLL-Zellen allmählich im Blut und Knochenmark ansammeln, bevor erste Lymphknotenschwellungen spürbar werden oder sich das Blutbild verändert. Wenn aber die klinische Diagnose erfolgt, ist die Tumor-Evolution der Krebszellen oft genetisch schon so weit fortgeschritten, dass die treibenden molekularen Kräfte hinter der Erkrankung im Dunkeln bleiben.

In den Frühstadien der CLL, davon ist Herling überzeugt, treibt die Krebszellen häufig schon ein Molekül namens TCL1 an. Ursprünglich entdeckt in T-Zellen der Immunabwehr, spielt das bisher wenig verstandene Protein offenbar auch bei der Entstehung der CLL eine zentrale Rolle, bei der meist B-Zellen der Immunabwehr entarten. So entwickeln Mäuse, in deren B-Zellen TCL1 gezielt überaktiviert werden, nach einigen Monaten alle Anzeichen einer humanen CLL.

„Uns Jüngeren wird immer wieder eingeredet, man müsse sich für einen Weg entscheiden, entweder Arzt oder Laborforscher“, so Herling. Damit würden aber gerade diejenigen, die mit beidseits fundierten Kenntnissen die zwischen Labor und Klinik immer nötiger werdenden Brücken schlagen können, strukturell demotiviert. „In der Vergangenheit wurde diejenigen, die eine klinische Notwendigkeit auf kurzem Wege experimentell angehen können nicht genügend gefördert.

Dabei gingen aber die meisten medizinischen Entwicklungen den Weg vom Patientenbett ins Labor und dann zurück in die Anwendung – nicht umgekehrt.“ Die jetzigen Hilfestellungen für Infrastruktur seitens der medizinischen Fakultät sowie die Entscheidung der Deutschen Krebshilfe eine neue derartig ausgerichtete Nachwuchsforschergruppe an der Kölner Uniklinik zu fördern, sind ein zukunftsweisender Schritt.

Das Max-Eder-Programm der Deutschen Krebshilfe Ziel des Max-Eder-Nachwuchsprogramms der Deutschen Krebshilfe ist es, hochqualifizierte junge Krebsforscher im Anschluss an ihre Ausbildung zu fördern und ihnen bei dem Aufbau einer eigenständigen Arbeitsgruppe zu unterstützen. Mit diesem Projekt versucht die Deutsche Krebshilfe auch dem so genannten „Brain Drain“ entgegenzuwirken, also dem Abwandern von guten ausgebildeten Forschern aus Deutschland. Durch die knappen öffentlichen Förderungen wandern meist junge Forscher aus ab, da sie hier für sich keine Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten sehen. Daher werden vor allem junge Onkologen bis zum 35-Lebensjahr bei der Etablierung einer eigenständigen Arbeitsgruppe unterstützt und erhalten eine vier- bis siebenjährige Förderung für eine Nachwuchsgruppe. Ziel geförderter Projekte ist eine Übertragung grundlegender Forschungsergebnisse in diagnostische oder therapeutische Anwendungen der klinischen Onkologie. Ausdrücklich steht hierbei die patientennahe Forschung im Mittelpunkt. Außerdem soll das Umfeld der Nachwuchsgruppe die erfolgreiche Durchführung eines klinisch ausgerichteten onkologischen Projektes gewährleisten.

Mit rund 700.000 Euro fördert die Deutsche Krebshilfe ab 01.04.2008 eine neue Max-Eder-Nachwuchsgruppe an der Uniklinik Köln. US- Heimkehrer Marco Herling will damit die molekularen Hintergründe des häufigsten Blutkrebses im Erwachsenenalter erforschen.Max Eder war ein Pionier der Deutschen Krebsforschung. 1998 verstarb Professor Eder im Alter von 73 Jahren.

Pressemitteilung Uniklinik Köln, Sina Vogt


Krebszeitung

--Download Dem Blutkrebs auf der Spur als PDF-Datei --


  • Biopsie-Gerät Quelle: NCT Heidelberg
    dkfz

    Biopsie-Gerät Quelle: NCT HeidelbergAls eine der ersten Kliniken weltweit hat die Urologische Universitätsklinik Heidelberg, Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Markus Hohenfellner, seit kurzem ein neues Prostata-Biopsiesystem in Betrieb genommen. Das Verfahren dient der Erkennung von Prostatakrebs und kombiniert die Hochfeld-Magnet-Resonanz-Tomographie (Hochfeld-MRT) als bestes bildgebendes Verfahren für die Prostata mit einer neuen Ultraschall-Technik. So können die Ärzte punktgenau und nachvollziehbar an bestimmten Orten Gewebeproben entnehmen.

    […mehr lesen]

  • Ein 'Labor' kleiner als eine 1-Euromünze: Der Mikrochip, den die Hochschule Hamm-Lippstadt gemeinsam mit der iX-factory GmbH in einem neu gestarteten Forschungsprojekt entwickelt, um Leukämiediagnostik zukünftig in der Praxis zu ermöglichen. - Copyright: Hochschule Hamm-Lippstadt
    Krebsthemen

    Eigentumsrechte klären und Abläufe standardisieren

    Ärzte können heute durch Tests immer häufiger und genauer vorhersagen, ob ein Krebsmedikament bei einem Patienten wirken wird oder nicht. Diese „Companion Diagnostics“ entwickeln sich derzeit zu einem wachsenden neuen Forschungsbereich der Medizin. Die dafür notwendigen Gewebeproben werden zunehmend für klinische Studien genutzt. Welche ethischen, auch eigentumsrechtlichen und technischen Probleme Companion Diagnostics bergen, ist ein Thema des diesjährigen Herbstsymposiums der Korporativen Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM).

    Ein Drittel aller neu zugelassenen Arzneimittel bis zum Jahr 2015 sind Krebsmedikamente. Früher bestimmten Pathologen durch ihre Gewebediagnostik im wesentlichen nur, an welcher Krebsart ein Patient leidet und wie bösartig der Tumor ist. Doch vor allem für Lungen-, Magen-, Dickdarm- und Hautkrebs entwickelten Forscher in den vergangenen drei Jahren neue therapiebegleitende Tests. Sie geben vor Gabe der Medikamente darüber Aufschluss, ob ein Wirkstoff bei einem Patienten überhaupt wirksam sein kann. Mehr als 20 Tests wurden bislang eingeführt, um bei Leukämien und bösartigen Tumoren eine für den Patienten passende Therapie zu finden, berichtet Professor Dr. med. Christoph Röcken, Leiter des Instituts für Pathologie an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel.

    […mehr lesen]

Google News – Gesundheit

  • Behörden hoffen auf experimentelle Ebola-Therapie
    am 14. August 2018 um 16:42

    Behörden hoffen auf experimentelle Ebola-Therapie  SPIEGEL ONLINEEbola im Kampfgebiet  Süddeutsche.deWHO sieht große Gefahr für Ausbreitung von Ebola im Kongo  Deutsches Ärzteblatt«Kongo hat bewiesen, dass es diese Krankheit bekämpfen kann»  Schweizer Radio und […]

  • Mehr als doppelt so viele Zecken wie 2017: So schützen Sie sich vor einer Infektion
    am 14. August 2018 um 15:18

    Mehr als doppelt so viele Zecken wie 2017: So schützen Sie sich vor einer Infektion  kreiszeitung.deRekord-Zahl an Zeckenstichen: «Da muss etwas anderes am Laufen sein»  az Aargauer Zeitung«Meine Begeisterung für Zecken hält seit bald 40 Jahren an»  Schweizer Radio und Fernsehen […]

  • Wird durch Mücken übertragen: Das West-Nil-Virus breitet sich in Europa aus
    am 14. August 2018 um 15:11

    Wird durch Mücken übertragen: Das West-Nil-Virus breitet sich in Europa aus  Berliner ZeitungGefährliches West-Nil-Virus breitet sich in Europa aus  General-AnzeigerRotes Kreuz Vorarlberg testet Blutspenden auf West-Nil-Virus  VOL.AT - Vorarlberg OnlineKKH warnt: Immer mehr Infektionen durch […]

  • Deepmind: Künstliche Intelligenz erkennt Augenkrankheiten
    am 14. August 2018 um 15:11

    Deepmind: Künstliche Intelligenz erkennt Augenkrankheiten  heise onlineDeepmind-System diagnostiziert Augenkrankheiten  Golem.deKünstliche Intelligenz: Google-KI diagnostiziert über 50 Augenkrankheiten  VRODOFull coverag […]

  • Kardiologen warnen vor Doping im Breitensport
    am 14. August 2018 um 14:52

    Kardiologen warnen vor Doping im Breitensport  Deutsches ÄrzteblattFreizeitsportler gefährden immer öfter ihre Herzgesundheit mit Doping  Ärzte ZeitungFull coverag […]