Dermatologe des UKSH stellt neues Medikament gegen Schwarzen Hautkrebs vor

Prof. Dr. Axel Hauschild, UKSH, Campus Kiel

Prof. Dr. Axel Hauschild, Leiter der dermato-onkologischen Arbeitsgruppe an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel, und Professor an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), hat am 4. Juni 2012 auf dem Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago ein neues Medikament gegen das maligne Melanom (Schwarzer Hautkrebs) vorgestellt. Das Mittel „Dabrafenib“ (Hersteller: GSK) eignet sich für Patienten, die an bestimmten Veränderungen in den Tumorzellen, sogenannten B-Raf-Mutationen, erkrankt sind. In einer Studie an 250 Patienten, deren globale Leitung der Kieler Dermatologe inne hatte, konnte gezeigt werden, dass das Mittel die Überlebenszeit um 70 Prozent verbessert und mehr als die Hälfte der Patienten einen mehr als 50-prozentigen Rückgang der Tochtergeschwülste (Metastasen) zeigte.

Trotz zahlreicher Studien gab es lange Zeit neben einer herkömmlichen Chemotherapie keine erfolgversprechenden Behandlungsoptionen. Einen ersten Hoffnungsschimmer weckte ein im vergangenen Jahr vorgestelltes Medikament, das die Abwehrzellen des Immunsystems gegen bösartige Melanomzellen anregen soll. Studien zu diesem sogenannten „Immunmodulator“ (Ipilimumab, Yervoy®, Fa. BMS) zeigten erstmals, dass nicht nur die mittlere Überlebenszeit, sondern auch das Langzeitüberleben betroffener Patienten wirkungsvoll beeinflusst werden kann.

Als einen weiteren Erfolg erwies sich das neue Medikament „Vemurafenib“ (Zelboraf®, Fa. Roche). „Etwa die Hälfte aller Melanom-Patienten weist sogenannte B-Raf-Mutationen auf. Diese können seit kurzem mit einem spezifischen, auf molekularer Ebene wirkenden Hemmstoff behandelt werden“, erklärt Prof. Hauschild, der an der Zulassungsstudie des Mittels als europäischer Studienleiter maßgeblich beteiligt war. „Das Medikament wirkt in den meisten Fällen bereits nach ein bis zwei Wochen und kann selbst große Tumoren zu einem schnellen Rückgang bewegen. Dadurch kann sich die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessern“, sagt der Forscher. Für das Medikament, das im Februar dieses Jahres in Deutschland zugelassen wurde, konnte bereits eine erhebliche Lebensverlängerung und ein gutes Langzeitüberleben gezeigt werden. „Die Kehrseite der Medaille sind therapiebedingte Nebenwirkungen wie eine besondere Lichtempfindlichkeit, Hautausschlag oder auch das Auftreten von zumeist gutartigen Hauttumoren, die zum Formenkreis des weit weniger gefährlichen hellen Hautkrebses gehören“, sagt Prof. Hauschild.
Prof. Dr. Axel Hauschild, UKSH, Campus Kiel
Auf dem diesjährigen ASCO-Kongress in Chicago stellte Prof. Hauschild nun die Zulassungsstudie eines neuen Präparates (Dabrafenib, Fa. GSK) vor, das – wie auch Vemurafenib – nur bei Patienten mit einer B-Raf-Mutation wirkt und ebenfalls gute Behandlungserfolge erzielt. „Die guten Ergebnisse für Dabrafenib kommen nicht unerwartet, aber besonders freut uns, dass das neue Medikament offensichtlich weniger Nebenwirkungen aufweist als der bereits zugelassene B-Raf-Hemmer“, sagt Prof. Hauschild. Insbesondere die Lichtempfindlichkeit und das Auftreten von gutartigen Hauttumoren seien bei Dabrafenib nur selten beobachtet worden.

Dass in kurzer Zeit eine ganze Reihe erfolgreicher neuer Therapieansätze gefunden werden konnte, erklärt Prof. Hauschild mit dem wachsenden Verständnis der Erkrankung auf molekularer Ebene: „Heute weiß man, welche molekularen Veränderungen sich im Tumor abspielen und welche ihn wachsen lassen.“ Die Anwendung einer herkömmlichen Chemotherapie sei mit einem Schrotschuss auf den Tumor zu vergleichen: Dieser kann getroffen werden, in jedem Fall getroffen wird aber der gesamte Organismus. „Die neuen Medikamente hingegen stellen eine zielgerichtete oder individualisierte Therapie dar. Sie wirken auf molekularer Ebene in den Krebszellen selbst. Damit Tumore entstehen und wachsen können, sind sie zum Beispiel auf bestimmte Wachstumsfaktoren und bestimmte Signalrouten in der Zelle angewiesen. Wenn es gelingt, diese Signalwege zu stören oder zu unterbrechen, stoppt das Tumorwachstum oder die Tumorzellen sterben sogar ab“, erklärt Prof. Hauschild.

Um die Erforschung neuer Melanomtherapien weiter voranzutreiben, stellt Prof. Hauschild mit seinen Kollegen bereits Überlegungen für Kombinationstherapien aus verschiedenen Präparaten an: „Die Kombination aus dem B-Raf-Medikament und einem sogenannten MEK-Hemmer, also einem Mittel, welches ebenfalls gezielt gegen Krebszellen mobilisieren kann, erscheint sehr vielversprechend. Insbesondere um die Widerstandsfähigkeit von Krebszellen gegen die einzelnen Medikamente und damit einen raschen Tumorrückfall zu durchbrechen. Denn erfreulicherweise haben alle diese neuen Medikamente unterschiedliche Angriffspunkte.“ Üblicherweise sind Kombinationen mit verstärkten Nebenwirkungen gepaart, bei der nun angedachten Kombination scheint dies jedoch nicht der Fall zu sein. Die Zulassungsstudie für einen MEK-Inhibitor mit dem Namen Trametinib (Fa. GSK), die ebenfalls in Chicago vorgestellt wurde, zeige nach Aussage des Wissenschaftlers auch eindrucksvolle Vorteile für diese neue zielgerichtete Therapie und lassen eine baldige Zulassung erwarten. „Die rasche zeitliche Entwicklung von neuen Medikamenten, die gezielt nur bei Patienten eingesetzt werden, die bestimmte Tumormerkmale aufweisen, ist atemberaubend“, resümiert Prof. Hauschild.

Die Studien zur Kombinationstherapie sowohl bei fortgeschrittenen metastasierten Melanompatienten als auch in der vorbeugenden Situation nach Entfernung von Haut- oder Lymphknotenmetastasen laufen in diesen Tagen auch in Deutschland an. Die Leitung der klinischen Prüfung liegt wiederum in den Händen von Prof. Hauschild am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. „Ich bin überzeugt davon, dass dies erst der Anfang einer neuen Ära ist, in der wir in wenigen Jahren auch Patienten mit weit fortgeschrittenen Melanomen nicht nur das Leben unter lebenswerten Umständen verlängern, sondern hoffentlich auch bald heilen können“, sagt der Professor der CAU. „Bis dahin gilt es, sorgfältig durchgeführte Studien zu intensivieren, aber auch weiterhin ein Augenmerk auf die Früherkennung von Melanomen durch das Hautkrebsscreening zu legen. Es gilt das Motto: Besser, es kommt erst gar nicht zur Therapiediskussion eines weit fortgeschrittenen Tumorleidens, sondern der Tumor wird frühzeitig erkannt, entfernt und damit geheilt.“

Mehr als 18.000 Menschen erkranken jedes Jahr neu an einem malignen Melanom (Schwarzer Hautkrebs). Dieser hochgradig bösartige Tumor ist die am häufigsten tödlich verlaufende Hautkrankheit. Obwohl die Gefahr hoher Sonneneinstrahlung auf ungeschützte Haut längst bekannt ist, steigt die Zahl der Neuerkrankungen weltweit stark an. Der bösartige Tumor entsteht in den Pigmentzellen der Haut und neigt dazu, früh Metastasen über Lymph- und Blutbahnen zu streuen. Besonders hellhäutige Menschen sind gefährdet. Seit vielen Jahren stellt die operative und die dermatologische Onkologie einen Arbeits- und Forschungsschwerpunkt der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des UKSH am Campus Kiel dar. Die Klinik unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Schwarz behandelt jährlich rund 350 Patienten mit neu aufgetretenen malignen Melanomen. Darüber hinaus befinden sich etwa 800 Hauttumor-Patienten in der regelmäßigen Nachsorge der Klinik. Die Klinik verfügt über das komplette operative Spektrum zur Versorgung von Hauttumor-Patienten und zählt zu den größten deutschen und europäischen Zentren für die Behandlung von Hautkrebs.

Für Rückfragen steht zur Verfügung:
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein,
Campus Kiel,
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie,
Prof. Dr. Axel Hauschild,
Tel.: 0431 597-1852,
E-Mail: ahauschild@dermatology.uni-kiel.de

Verantwortlich für diese Presseinformation:
Oliver Grieve,
Pressesprecher des Universitätsklinikums Schleswig- Holstein,
Tel.: 0431 597-5544,
Mobil: 0173 4055 000,
E-Mail: oliver.grieve@uksh.de

Pressemitteilung Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Oliver Grieve


Krebszeitung

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  • Das Gen MLH1 wird mit Next-Generation Sequencing komplett analysiert. Nicht nur die vertikalen Balken des Gens (Exons), sondern auch die „Leerzeilen“ des Bauplans (Introns und Promotor) gehören dazu.
    Darmkrebs

    Das Gen MLH1 wird mit Next-Generation Sequencing komplett analysiert. Nicht nur die vertikalen Balken des Gens (Exons), sondern auch die „Leerzeilen“ des Bauplans (Introns und Promotor) gehören dazu.Einige Gene für erblichen Darmkrebs sind bekannt, aber nicht bei allen Patienten mit Hinweis auf diese erbliche Belastung kann die Ursache in den Genen gefunden werden. Eine neue Methode der Sequenzierung soll daher an 30 Patienten mit familiär gehäuftem Darmkrebs im Erbgut angewandt werden. Dabei stehen bei Professor Elke Holinski-Feder und Dr. Monika Morak von der LMU nicht nur die bisher als relevant betrachteten drei Prozent des Gens im Fokus, sondern der gesamte Genbereich, um weitere mögliche Fehlerursachen zu finden. Die Information eines erhöhten Risikos hilft Betroffenen und ihren Angehörigen, da sie in diesem Fall geeignete Vorsorgemaßnahmen treffen können.

    Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung in Deutschland und dessen Erforschung daher von großer Relevanz. Von jährlich rund 73.000 Neuerkrankungen an Dickdarmkrebs sind etwa 3 Prozent erblich. Aufgrund veränderter Erbanlagen haben diese Menschen ein erhöhtes Tumorrisiko, auch schon in jüngeren Jahren. Die Ursache für das erhöhte Dickdarmkrebs-Risiko bei erblichem Darmkrebs („Lynch-Syndrom“) liegt in krankheitsverursachenden Veränderungen von Reparatur-Genen (MLH1, MSH2, MSH6 und PMS2). Im Tumorgewebe zeigen sich Hinweise auf diesen Gendefekt auch mit Färbetechniken. Allerdings konnten in 30 Darmkrebs-Patienten mit Verdacht auf Erblichkeit in den bisher untersuchten Regionen der Gene MLH1 bzw. PMS2 noch keine Veränderungen gefunden werden, obwohl die Ergebnisse der Tumoruntersuchungen auf einen Defekt in diesen Genen hinweisen.

    Bei Genanalysen werden allgemein nur die wichtigen, aussagekräftigen Teile mit Inhalt (Exons) analysiert, die etwa nur drei Prozent der Gensequenz ausmachen. Während den „Leerzeilen“ des Bauplans bisher kaum Bedeutung zugemessen wurde, konnte nun gezeigt werden, dass auch dort Veränderungen zu einem Gendefekt führen können: Veränderte Leerzeilen zu Beginn des Bauplans (Promotor) können das Erstellen des Bauplans durch Stilllegung des Gens blockieren (Regulation), während Veränderungen in dazwischenliegenden Leerzeilen des Bauplans (Introns) das Zusammenschneiden des Bauplans stören und beispielsweise zusätzliche Informationen einfügen oder wichtige Bauplanteile überspringen können (Spleißveränderungen). Da diese Leerzeilen einen Anteil von etwa 97 Prozent am Gen haben, bedeutet eine komplette Genanalyse einen arbeitsintensiven und großen finanziellen Aufwand, der jedoch mit einer neuen Methode des Next-Generation Sequencings machbar wird.

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    Brustrekonstrukion - Quelle: AVISO medDie Arbeitsgemeinschaft für plastische, ästhetische und wiederherstellende Operationsverfahren in der Gynäkologie e.V. (AWOgyn) stellt auf dem Senologiekongress in Stuttgart einen neuen Aufklärungsfilm für Patientinnen vor Fast 70.000 Frauen erkranken in Deutschland jedes Jahr neu an Brustkrebs.

    Rechtzeitig erkannt und dank weit entwickelter Therapiemethoden sind die Heilungschancen bei Brustkrebs sehr gut. In vielen Fällen kann auch bei einer notwendigen Operation die Brust weitgehend erhalten werden. Trotz dieser positiven Entwicklungen in der Brustkrebsbehandlung muss heute jedoch nach wie vor bei circa 20 bis 25 Prozent der Betroffenen die Brust zu großen Teilen oder gar komplett entfernt werden. Zu den Ängsten, die Krankheit eventuell nicht zu überleben und vor einer Chemo- oder Strahlentherapie kommt so noch ein tiefer Einschnitt in die weibliche Identität.

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