DGU gründet ein Zentrum für evidenzbasierte Medizin in der Urologie

Prof. Dr. med. Bernd Wullich - Quelle: Wahlers-PR
Prof. Dr. med. Bernd Wullich - Quelle: Wahlers-PR

Verfügbares Wissen erfassen, analysieren und zugänglich machen:

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. hat jetzt den Grundstein für den Aufbau eines Zentrums zur Verbesserung des Wissenstransfers aus der klinischen Forschung in die tägliche Praxis gelegt. Der Prozess des Wissenstransfers vom Wissenschaftler zum klinisch tätigen Arzt wird im englischen Schrifttum als „knowledge translation“ bezeichnet und ist ein wichtiger Bestandteil der evidenzbasierten Medizin.

Durch den Namen UroEvidence signalisiert die DGU, dass medizinische Interventionen und Diagnostiken auf dem Boden gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse basieren sollten und unterstützt als eine der ersten medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland die konsequente wissenschaftliche Arbeit im Bereich der evidenzbasierten Medizin. Nach dem Aufbau des nationalen urologischen Studienregisters führt sie damit folgerichtig ihre Aktivitäten mit dem Ziel fort, das Wissen in der Urologie auf der Grundlage aktuellster klinischer Studien und medizinischer Veröffentlichungen zusammenzutragen und strukturiert aufzuarbeiten.

Mit UroEvidence reagiert die Fachgesellschaft auf die aktuellen Probleme, die im ärztlichen Alltag auftreten. Es ist bekannt, dass neues medizinisches Wissen aus klinischen Studien ca. 10 – 15 Jahre benötigt, bis es in die praktische Routine zur Versorgung von Patienten eingeht.

Zudem werden neue Therapieverfahren zum Teil überstürzt und ohne vorhergehende Nutzen-Risiko-Prüfung eingeführt und bereits ausreichend erforschte Themengebiete geraten in Vergessenheit. Dies kann unter Umständen zur Wiederholung von klinischen Studien führen, die aus ethischer Sicht nicht zu rechtfertigen sind. Um der Flut von wissenschaftlichen Informationen zu begegnen, werden sogenannte systematische Übersichtsarbeiten erstellt. Hierbei erfolgt anhand einer konkreten klinischen Fragestellung eine systematische Literatursuche nach der qualitativ hochwertigsten wissenschaftlichen Evidenz. Die in der Literatur vorhandenen Erkenntnisse werden zusammengefasst und ermöglichen einen schnellen und umfassenden Überblick über einen klinischen Teilbereich. Die wissenschaftlichen Ergebnisse werden zudem kritisch bezüglich der klinischen Relevanz und Validität bewertet. Dies alles erfolgt anhand einer vorher festgelegten Methodik nach den Empfehlungen der Cochrane Collaboration. Zu diesem Zweck erfolgt auch eine enge Kooperation mit dem Deutschen Cochrane Zentrum in Freiburg.

Der Leiter des Deutschen Cochrane Zentrums in Freiburg, Prof. Dr. rer. nat. Gerd Antes, hat durch seine große Erfahrung geholfen, UroEvidence mit zu entwickeln und aufzubauen. Um die Arbeit wissenschaftlich fundiert durchführen zu können, besteht die Arbeitsgruppe aus einer Informationswissenschaftlerin, die im DGU-Hauptstadtbüro ihren Arbeitsplatz innehat, und einem Board von zehn urologischen Reviewern, die bereits über Erfahrungen mit wissenschaftlichen Arbeiten verfügen und vom Deutschen Cochrane Zentrum für diese Arbeiten qualifiziert werden. Die Arbeitsgruppe wird statistisch vom Institut für Medizinische Biometrie und Informatik der Universität Heidelberg unterstützt. Die Basis allen medizinischen Handelns ist es, klinische Entscheidungen durch eine Integration wissenschaftlicher Erkenntnisse zu belegen, kritisch zu hinterfragen und sie damit abzusichern.

Das neu gegründete Zentrum soll helfen, den aktuellen Stand der Wissenschaft mittels systematischer Übersichtsarbeiten für die klinische Arbeit der Urologen routinemäßig nutzbar zu machen. Dabei darf aber die Rolle des behandelnden Arztes nicht übersehen werden, da seine Erfahrung und sein Können nicht durch aktuellste Forschungsergebnisse ersetzt werden können. Erst das Urteilsvermögen und der Sachverstand der Ärzte/innen entscheiden darüber, ob Ergebnisse aus systematischen Übersichtsarbeiten und Metaanalysen auf den individuellen Patienten anwendbar sind. Das alleinige Präsentieren von wissenschaftlichen Erkenntnissen reicht aber nicht aus. Um den Wissenstransfer aus der klinischen Forschung in die Praxis zu verbessern, müssen aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen Handlungsempfehlungen in Form von Leitlinien resultieren.

Hierfür soll eine enge Verzahnung von UroEvidence mit Leitliniengruppen, an denen die Urologie zentral beteiligt ist, erreicht werden. Damit kann UroEvidence die Arbeit von Leitliniengruppen unterstützen und hilft, Leitlinien auf ein evidenzbasiertes Fundament zu stellen. Darüber hinaus verfolgt UroEvidence aber auch ein eigenständiges wissenschaftliches Interesse. Zusammen mit dem Deutschen Cochrane Zentrum soll UroEvidence mithilfe einer neu entwickelten Untersuchungssystematik aufzeigen, zu welchen Themenbereichen in der Urologie derzeit keine brauchbaren Studien vorliegen, wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse fehlen und somit noch Forschungsbedarf besteht. Diese Erkenntnisse sollen wiederum die Basis für die Planung und Durchführung neuer Studien bilden.

UroEvidence stellt somit einen weiteren Schritt in der konsequenten Weiterentwicklung und Festigung bereits bestehender Strukturen in der Urologie dar und ermöglicht die Verknüpfung und Zusammenarbeit der verschiedenen Tätigkeitsbereiche und Arbeitsgruppen innerhalb der DGU.

Referent: Prof. Dr. med. Bernd Wullich
Mitglied des Vorstandes der DGU

Aus der Pressekonferenz des DGU-Kongress 2013

Pressemitteilung der DGU-Kongresspressestelle, Bettina-C. Wahlers,Sabine M. Glimm

Schneller zum richtigen Krebsmedikament


Krebszeitung

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  • Unter dem Rasterelektronenmikroskop: Hydrogel mit hoher Porendichte als mögliche Basis eines Prostata-Modells (Aufnahme: Dr. Friederike J. Gruhl, KIT)
    Prostatakrebs

    Dresden, 27. September 2013 – Ziel der PROBASE-Studie (Risk-adapted prostate cancer early detection study based on a “baseline” PSA value in young men – a prospective multicenter randomized trial) ist eine Optimierung des Prostatakrebs-Screenings mithilfe des PSA-Werts. Sie untersucht die Hypothese, ob in Abhängigkeit von der Höhe eines einmalig bestimmten PSA-Werts im Alter von 45 Jahren ein risikoadaptiertes Vorgehen bei der Prostatakrebs-Vorsorge möglich ist. Sie wurde als Nachfolgestudie der bereits publizierten großen europäischen Screening-Studie entwickelt und stellt aktuell die weltweit größte Studie ihrer Art dar.1,2 Das Gesamtprojekt steht unter der Schirmherrschaft von Wolfgang Bosbach, MdB, und wird von der Deutschen Krebshilfe (DKH) gefördert.

    Unter Leitung von Prof. Dr. Peter Albers vom Universitätsklinikum Düsseldorf und Prof. Dr. Nikolaus Becker aus der Abteilung für Krebsepidemiologie am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg prüfen drei weitere deutsche Zentren (Prof. Dr. Jürgen E. Gschwend, TU München-Klinikum rechts der Isar; Prof. Dr. Markus Hohenfellner, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg; Prof. Dr. Markus Kuczyk, Medizinische Hochschule Hannover) diesen Ansatz zur Optimierung des PSA-Screenings, der bisher noch in keiner Studie weltweit systematisch und prospektiv untersucht wurde. Der Stellenwert des PSA-Screenings in regelmäßigen Abständen bei allen Männern ab einem bestimmten Alter wird international diskutiert.

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  • Prof. D. med. Dr. h.c. Stefan E. Müller Müller - Quelle: Wahlers PR
    DGU-Kongress 2012

    Präventions-Initiative zu urologischen Folgeerkrankungen mit Patientenratgeber und innovativen Konzepten

    Prof. D. med. Dr. h.c. Stefan E. Müller Müller - Quelle: Wahlers PR In Deutschland sind bereits 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig (BMI> 25) und mehr als sechs Prozent sogar adipös (BMI> 30). Die World Health Organization (WHO) spricht von etwa 1,6 Milliarden Übergewichtigen und ca. 400 Millionen adipösen Erwachsenen weltweit. Schätzungen zufolge wird diese Zahl auf 700 Millionen ansteigen. Deutsche Männer sind in 66 Prozent, Frauen in knapp 51 Prozent übergewichtig, und etwa 21 Prozent beider Geschlechter sind adipös.

    Zunehmender Bauchumfang, und weniger der BMI, ist ein eindeutiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes mellitus, aber auch für zahlreiche Malignome. Gerade dieser Zusammenhang ist noch zu wenig bekannt. Eine Gewichtsreduktion von zehn Kilogramm kann z.B. das Risiko an einem Mamma-, Endometrium- oder kolorektalen Karzinom zu erkranken, um bis zu 40 Prozent reduzieren. Besonders hormonabhängige Tumore wie auch das Prostatakarzinom sind mit Übergewicht assoziiert. Der mit Übergewicht und dem Metabolischen Syndrom assoziierte Diabetes mellitus reduziert die Lebenserwartung drastisch. Ist das persönliche Risiko einen Diabetes mellitus zu entwickeln höher als 10 Prozent, verkürzt sich die Lebenserwartung um 13 Jahre.

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