Die Neoblase

Dünndarm-ausgeschaltet und w-förmig längs aufgeschnitten und zu einem Beutel zusammengenäht, od ass eine Neoblase entsteht. - Bild: Detlef Höwing

Im letzten Artikel haben wir die Behandlung (Therapie) der bereits infiltrierten (in die Harnblase eingedrungenen) Harnblasentumoren und deren Harnableitungen nach der Harnblasenentfernung erläutert. Da dieses Thema noch nicht gänzlich ausgeschöpft ist, setzten wir in dieser Ausgabe diesen Artikel mit weiteren operativen und nichtoperativen Behandlungsformen des infiltrierten Harnblasenkrebs fort.

Zunächst wurde die Neoblase, die mittels ausgeschalteten Dünndarmschlingen ein Reservoir für den Urin bildet und auf natürlichem Weg über die Harnröhre entleert wird, nur für Männer entwickelt. Vor 1980 gab es im Hinblick auf die Anästhesie, der Intensivmedizin und der Infektionsprofilaxe keine Möglichkeit, in einem OP-Vorgang die Harnblase zu entfernen und gleichzeitig eine Neoblase aus Dünndarm als Harnableitungssystem zu fertigen, ohne das Risiko einzugehen, den Patienten während der Operation zu verlieren. Erst danach gab es durch neue Verfahren die Möglichkeit eine orthotope Neoblase (Harnblasenersatz) aus Dünndarmschlingen herzustellen und 1986 gab es weltweit die ersten Erfahrungsberichte über diese Methode, die seitdem immer öfter als Standard- Harnableitungssystem Verwendung findet. Die Gefahren der Operation sind heutzutage als gering anzusehen.

Die Dünndarmersatzblase (Neoblase) kommt wegen ihres Sitz im Becken und dem Anschluss an die vorhandene Harnröhre der natürlichen Harnableitung am nähesten. Die Entleerung erfolgt mittels Bauchpresse auf natürlichen Weg.

Um nach der OP jedoch eine zufriedenstellende Kontinenz wieder zu erlangen, bedarf es einer kompetenten Nachsorge, wo nicht nur die vollständige Entleerung der Neoblase, sondern auch das Halten des Urins mit Hilfe des verbliebenen unteren Schließmuskels und des Beckenboden erlernt werden muss. Die individuelle Anleitung und das konsequente Training der betroffenen Muskelgruppen bildet hierbei die Grundlage für eine rasche Rehabilitation.

Seit einigen Jahren hat die Neoblase aber auch für Frauen deutliche Vorteile gebracht, nachdem neue Operationstechniken entwickelt wurden und die Komplikationsrate wesentlich gesenkt werden konnte. So werden heute z.B. stützende Gewebeabschnitte oder auch titanbeschichtetes Netzimplantat benutzt, die das Absacken der Neoblase in den hinteren Beckenbereich und somit ein Abknicken und den daraus resultierenden Verschluss der Harnröhre verhindern sollen.


Krebszeitung

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