Die Problematik von Studien zum Prostatakrebs

Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg - Quelle: Wahlers PR
Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg - Quelle: Wahlers PR

Prostatakrebs ist der häufigste bösartige Tumor bei Männern, 20% der Betroffenen versterben am Prostatakrebs. Damit ist die Volkskrankheit überhaupt nicht harmlos, auch wenn viele sehr alte Männer auch Prostatakrebs haben und nicht daran versterben.

Die Problematik besteht darin, dass jüngere Männer, die Prostatakrebs haben, ein viel höheres Risiko haben, daran auch zu versterben. Gerade die Tatsache, dass Prostatakrebs mit dem Tumormarker PSA und einer Biopsie recht früh festgestellt werden kann, führt einerseits dazu, dass in frühen Stadien eine wirksame Therapie mit Heilung durch Operation oder Bestrahlung möglich ist, dass aber auch viele Prostatakarzinome entdeckt werden, die eigentlich keiner Therapie bedürfen, weil sie nicht zum Tode führen werden.

Dieses Dilemma wird mit den Stichwörtern „Überdiagnose“ und „Übertherapie“ zusammengefasst. Einerseits ist frühe Diagnose möglich, andererseits kann daraus eine Übertherapie resultieren, die Nebenwirkungen mit sich bringt. Gerade die Behandlung des kleinen, früh entdeckten Prostatakarzinoms ist daher Gegenstand kontroverser Diskussionen, die nicht einfach aufzulösen sind.

Mehrere nationale Studien versuchen gegenwärtig, die Behandlung des frühen Prostatakrebses genauer zu untersuchen und zu klären, was besser sein könnte: Operation oder Bestrahlung oder Beobachtung mit regelmäßigen Verlaufskontrollen und einer Therapie erst dann, wenn der individuelle Prostatakrebs deutliche Anzeichen eines Fortschreitens zeigt.

Die sogenannten PROBASE- und PREFERE-Studien, beide von der Deutschen Krebshilfe geförderte Projekte, sind Beispiele deutscher Studien, die sich mit dieser Frage befassen. Diesem Thema wird in einer eigenen Pressekonferenz Raum für Fragen und Diskussion gegeben. Gerade die PREFERE-Studie ist in erhebliche Kritik geraten, weil trotz großer Anstrengungen der Einschluss von Patienten bislang sehr schleppend verläuft.

Die PREFERE-Studie basiert darauf, dass Patienten sich einer von vier „Behandlungsgruppen“ nach Losverfahren (Randomisierung) zuteilen lassen: entweder Operation oder Bestrahlung oder Brachytherapie (eine spezielle Form der Bestrahlung) oder kontrolliertem Abwarten. Zwar können Patienten statt dieser 4er Randomisierung durch Ausschluss einzelner Optionen dies auf eine 3er oder 2er Randomisierung reduzieren, aber eine zufällige Zuteilung muss bleiben, weil sonst keine aussagekräftigen Ergebnisse erzielt werden können. Gerade diese Zufallszuteilung ist für viele Männer, die heute als mündige Patienten selbst entscheiden, problematisch.

Auch ist eine Anzahl von Urologen nicht davon überzeugt, dass diese vier Optionen wirklich gleichwertig sind, obwohl die wissenschaftliche Datenbasis dies bislang so zeigt. Das Problem der PREFERE Studie, in die erstmalig auch die Krankenkassen als Kostenträger investieren, wird es sein, die Patientenrekrutierung erheblich zu steigern, wenn dieses größte deutsche Studienprojekt zu einem Erfolg gebracht werden soll.

Statement von Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V.
Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie, Universitätsklinikum Rostock, anlässlich der Pressekonferenz des 67. Urologenkongress

Prostatakrebs-Studie PREFERE wird nicht fortgeführt


Krebszeitung

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  • Das entnommene Gewebe von zwei Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs zeigt braun gefärbt die Biomarkerproteine an. In der linken Probe lassen sich deutlich mehr dieser spezifischen Proteine nachweisen als und rechts, was auf einen aggressiveren Krebs schließen lässt. ©UKD, Vera Hentrich
    Forschung

    Das entnommene Gewebe von zwei Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs zeigt braun gefärbt die Biomarkerproteine an. In der linken Probe lassen sich deutlich mehr dieser spezifischen Proteine nachweisen als und rechts, was auf einen aggressiveren Krebs schließen lässt. ©UKD, Vera HentrichDresden. Google liefert gute Suchergebnisse, weil es nicht nur Webseiten, sondern auch die Hyperlinks zwischen ihnen berücksichtigt. Eine ähnliche Strategie kommt zum Einsatz, um zu entscheiden, welche Proteine im Tumor eines Patienten relevant für den Krankheitsverlauf sind. Forscher des Biotechnologischen Zentrums der Universität Dresden (BIOTEC) haben gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe des Dresdner Universitätsklinikums Carl Gustav Carus (UKD) eine modifizierte Version von Googles PageRank- Algorithmus benutzt, um 20.000 Proteine nach ihrem Einfluss auf das Voranschreiten von Bauchspeicheldrüsenkrebs zu untersuchen. In der Studie, die in dem amerikanischen Fachjournal „PLoS Computational Biology“ veröffentlicht wurde, haben die Forscher sieben Proteine gefunden, die dabei helfen können, die Aggressivität eines diagnostizierten Tumors anhand des Tumorgewebes zu bestimmen. Diese Information kann dem behandelnden Arzt helfen zu entscheiden, ob der Patient eine Chemotherapie erhalten sollte oder nicht. (DOI: 10.1371/journal.pcbi.1002511)

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  • Schmerz - pixabay
    Prostatakrebs

    Die MONITOR-Journalistin, Sonia Mikich, traf einen Nerv: Sie schilderte in dem Buch „Enteignet“ ihr Martyrium als Opfer eines Gesundheitssystems, in dem zu viele unnötige Untersuchungen und Operationen durchgeführt werden. Nicht medizinische Notwendigkeit oder Patientenwohl seien ausschlaggebend für eine Therapieentscheidung, sondern der Profitdruck, unter dem Ärzte und Kliniken in diesem System stünden. Patienten würden oft nicht ausreichend über konservative Heilmethoden aufgeklärt, stattdessen übereilt in die Chirurgie überwiesen – denn mit Operationen ist mehr Geld zu verdienen.

    Dieses Szenario beobachtet die Stiftung Männergesundheit seit geraumer Zeit mit Sorge, denn auch bei Prostatakrebs werden, so die Einschätzung der Experten, unnötige Operationen durchgeführt. „Prostatakrebs trifft in der Regel ältere Männer, schreitet oft nur langsam voran und stellt daher selten eine tödliche Bedrohung für die Betroffenen dar. Abwarten und engmaschig beobachten, ist daher für viele Patienten die bessere Option, zumal Impotenz und Inkontinenz häufige Folgen der OP bzw. Bestrahlung sind – behandelte Patienten also deutlich an Lebensqualität einbüßen“, erklärt Prof. Dr. med. Lothar Weißbach, Wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung Männergesundheit. „Die Vermutung liegt nahe, dass auch hier ökonomische Gründe die Therapieentscheidung beeinflussen“.

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