Die individualisierte Krebsmedizin – Im Mittelpunkt steht der Patient

Kongress - pixabay
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Auch im Namen der Deutschen Krebshilfe begrüße ich Sie sehr herzlich zu unserer heutigen Auftakt- Pressekonferenz zum Deutschen Krebskongress 2014.

Mit diesem Kongress gehen wir neue Wege: Zum ersten Mal wird die Veranstaltung gemeinsam von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe ausgerichtet. Das Fundament hierzu haben wir bereits im Juni 2012 gelegt, als die enge Kooperation zwischen den beiden Organisationen offiziell vereinbart wurde. Ein logischer und lange überfälliger Schritt. Denn seit vielen Jahrzehnten engagieren sich beide Organisationen für Krebspatienten: die Deutsche Krebsgesellschaft als Medizinische Fachgesellschaft und die Deutsche Krebshilfe als Förderorganisation und Bürgerbewegung im Kampf gegen den Krebs.

In den vergangenen Jahren ist immer deutlicher geworden, wie komplex die Krebsbekämpfung, die Krebsmedizin und -forschung sind. Und auch auf dem Hintergrund der steigenden Neuerkrankungszahlen erschien uns eine verstärkte Zusammenarbeit notwendig und zwingend. Bereits vor dem offiziellen Bündnis gab es wichtige gemeinsame Initiativen, wie das „Leitlinienprogramm Onkologie“ oder die Mit-Initiierung des Nationalen Krebsplans.

Die besiegelte Partnerschaft wird seit fast 2 Jahren nun verstärkt und eindrucksvoll unter dem Motto „Gemeinsam wirken, Synergismen nutzen, Expertise bündeln“ gelebt – beispielsweise auf dem wichtigen Gebiet der Krebsinformation. Denn die vorhandenen Angebote reichen in Deutschland nicht aus, um allen Ratsuchenden qualitätsgesicherte Informationen zum Thema Krebs an die Hand zu geben. So sind wir derzeit dabei, eine zentrale und qualitätsgesicherte Informationsplattform für Ratsuchende zu schaffen. Dieses neue und wichtige Projekt werden wir im Herbst der Öffentlichkeit vorstellen.

 Ein Video über diese Pressekonferenz finden Sie hier :

Der heute beginnende Deutsche Krebskongress 2014 ist ebenfalls ein Ergebnis dieser aktiv gelebten Partnerschaft. Die schon angesprochene gemeinsame Kongressdurchführung ist eine großartige Entwicklung. Denn dies hat auch eine weitere historische Neuerung mit sich gebracht. Zum ersten Mal erreichen Sie die Vortragssäle, ohne in die Industrieausstellung zu geraten. Ich denke, die klare Trennung zwischen wissenschaftlichem Teil und Industrieausstellung ist ein zeitgemäßer Schritt, der im Sinne der Deutschen Krebshilfe ist.

Meine Damen und Herren, Krebs ist derzeit Thema in allen Medien. Der Grund dafür sind die erschreckenden Zahlen, die die WHO zum Weltkrebstag veröffentlich hat. Weltweit erkranken jährlich 14 Millionen Menschen neu an Krebs. Laut WHO wird es im Jahr 2030 etwa 21 Millionen Neuerkrankungen geben. Dagegen müssen wir ankämpfen! Dafür brauchen wir weitere Fortschritte in der Krebsforschung und –medizin, wenngleich, insbesondere in den letzten Jahren, auch schon erhebliche Fortschritte erzielt wurden.

Vor 40 Jahren als Dr. Mildred Scheel die Deutsche Krebshilfe gründete, kam die Diagnose Krebs in den meisten Fällen noch einem Todesurteil gleich. Heute sieht es glücklicherweise anders aus: Die Heilungsraten sind gestiegen und Krebs verläuft mittlerweile oft als chronische Erkrankung mit guter Lebensqualität für die Betroffenen.

Dennoch gibt es einige Krebserkrankungen, bei denen die Heilungschancen immer noch schlecht sind, beispielsweise beim Bauchspeicheldrüsenkrebs oder bei Hirntumoren. Hier besteht nach wie vor großer Forschungsbedarf. Aber auch in der Organisation der Krebsmedizin sind noch Verbesserungen erforderlich. Dies gilt unter anderem für die interdisziplinäre Zusammenarbeit, die Versorgungsabläufe sowie für die Einbindung der psychoonkologischen Behandlung und Palliativmedizin als Selbstverständlichkeiten.

Zudem wissen wir heute, dass es über 200 Krebserkrankungen gibt und die individuellen Verläufe jeder einzelnen ganz unterschiedlich sein können. Jedem Patienten wiederum eine auf ihn zugeschnittene Behandlungsweise zukommen lassen zu können, ist heute noch eine Vision, die aber durch verstärkte Forschung – Ursachenforschung und gezielte Medikamentenentwicklung – Schritt für Schritt Wirklichkeit werden könnte.

Zu einer individualisierten Krebstherapie gehört aber auch der menschliche Aspekt. Eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Arzt und Patient ist die Basis für eine erfolgreiche Therapie. Der Patient darf dabei nicht nur medizinisch im Mittelpunkt stehen, auch seine individuellen seelischen Bedürfnisse spielen eine wichtige Rolle für den Behandlungserfolg.

Viele Wissenslücken sind gefüllt, aber noch längst nicht alle geschlossen. Einige der vor uns stehenden Herausforderungen habe ich skizziert. Es wird wichtig sein, auch in Zukunft weiter in die Krebsforschung und andere Maßnahmen der Krebsbekämpfung zu investieren. Eine Aufgabe, der sich die Deutsche Krebshilfe auch künftig gemeinsam mit der Deutschen Krebsgesellschaft stellen wird, vor allem im Sinne der wichtigsten Personen: den Patienten.

Sie, liebe Medienvertreter, sind dabei wichtige und starke Partner in unserem Kampf. Bringen Sie das Thema Krebs in die Bevölkerung, helfen Sie uns, über vermeidbare Risiken aufzuklären und berichten Sie über unsere wichtige Arbeit!

Statement von Dr. Fritz Pleitgen, Präsident der Deutschen Krebshilfe e.V., Bonn


Krebszeitung

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  • In Leukämiezellen (hier lila) wird durch das neue Medikament der Signalweg zum natürlichen Absterben wieder freigemacht. Foto: Universitätsklinikum Ulm
    Forschung

    Welche Rolle spielt die Umgebung der blutbildenden Stammzellen bei Leukämie und Lymphom?

    Eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Forschergruppe wird künftig die Untersuchung der Umgebung von blutbildenden Stammzellen vorantreiben. Sprecher der Gruppe ist Privatdozent Dr. Robert Oostendorp von der III. Medizinischen Klinik für Hämatologie/Onkologie des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München. Ziel ist es, die unmittelbare Umgebung der Blutstammzellen im Knochenmark besser zu verstehen, um mit diesem Wissen Krankheiten des Blut- und Lymphsystems besser behandeln zu können. Die DFG fördert die Gruppe mit 2,5 Millionen Euro zunächst für drei Jahre.

    Dass Stammzellen, die für die Blutbildung verantwortlich sind, im Knochenmark vorkommen, ist bekannt. Wie wichtig auch ihre unmittelbare Umgebung, die so genannte hämatopoetische Nische, ist, wird jedoch erst seit kurzem genauer untersucht. Die Forscher vermuten, dass die Nische zwei wichtige Funktionen erfüllt: Zum einen gehen sie davon aus, dass die Blutstammzellen in der Nische ruhig gehalten werden und in Stresssituationen, wie bei Wunden oder Infektionen, aber auch bei Bestrahlungen oder Chemotherapie, vom Körper freigesetzt werden, um neues Blut zu bilden. Zum anderen nehmen sie an, dass eine kontinuierliche Freisetzung von Blutstammzellen Krebs verursachen könnte. Neue Blutzellen entstehen durch Zellteilung, bei jeder Teilung entstehen bis zu 1.000 Mutationen, von denen jedoch nur ein Teil repariert werden kann. Unreparierte Mutationen könnten langfristig Krebserkrankungen wie Leukämie oder Lymphome auslösen.

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    Gesundheitspolitik

    Landesregierung beschließt Streichung von Fördergeldern für die nordrhein-westfälische Krebsgesellschaft. 

    Berlin, 16. September 2013. In Nordrhein-Westfalen (NRW) werden künftig viele Angebote zur Krebsprävention und -beratung wegfallen. Dies ist die Konsequenz eines Beschlusses der Landesregierung NRW, der die Streichung der Fördermittel für die Krebsgesellschaft Nordrhein-Westfalen e.V. vorsieht. Durch den Wegfall der Landesmittel schrumpft der Etat, der der Gesellschaft jährlich für ihre Aufgaben zur Verfügung steht, um fast 50 %; annähernd 400.000 Euro akquiriert sie jährlich über Spenden.
     
    Landeskrebsgesellschaften wie die in Nordrhein-Westfalen erfüllen eine wichtige Aufgabe in der Krebsvorsorge. Darüber hinaus übernehmen sie eine Lotsenfunktion für Krebspatienten vor Ort; sie bieten kompetente Krebsberatung durch eigens ausgebildete Mitarbeiter, geben Informationsmaterial für Patienten heraus und arbeiten dabei eng mit einem Netzwerk von Tumorzentren, Forschungseinrichtungen, niedergelassenen Ärzten, Psychologen und Selbsthilfegruppen zusammen, um Krebspatienten und ihre Angehörigen zu unterstützen. Allein im Jahr 2012 verzeichneten die Landeskrebsgesellschaften bundesweit annähernd 60.000 Beratungsgespräche mit Patienten oder Angehörigen.

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