digital-rektale Untersuchung

Kongress - pixabay
Kongress - pixabay

22.03.2005 – ISTANBUL (MedCon) – Derzeit wird nach einem interdisziplinären Konsens eine jährliche Früherkennungsuntersuchung mit Hilfe der digital-rektalen Untersuchung (DRU) und der Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) bei allen Männern ab dem 50. Lebensjahr empfohlen. Welchen Stellenwert die beiden Untersuchungsverfahren in der Praxis haben, wurde von Dr. med. Pia Bader und Kollegen aus der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Detlef Frohneberg vom Städtischen Klinikum Karlsruhe evaluiert. Dabei sollte auch die Frage angesprochen werden, ob ein Prostatakarzinom mit einem niedrigen PSA-Wert wirklich ein „harmloser Tumor“ ist.

Die digital-rektale Untersuchung hat ihre Bedeutung als Screeningmethode noch nicht verloren

Die DRU der Prostata ist ein Verfahren, das deutlich untersucherabhängig ist und eine maximale Sensitivität von 70 Prozent besitzt. In höchstens 10 bis 15 Prozent der Fälle kann ein Prostatakarzinom – ohne auffälligen PSA-Wert – durch die DRU entdeckt werden.

Die routinemäßige Einführung der tPSA-Bestimmung (Gesamt-PSA) zur Früherkennung eines Prostatakarzinoms hat die Frühdiagnose verbessert, sodass 90 Prozent aller Karzinome entdeckt werden können. Kontrovers diskutiert wird jedoch der Grenzwert (2 bis 10 ng/dl), bei dem die Rate der falsch-positiven bzw. falsch-negativen Befunde möglichst gering ist.

Um herauszufinden, bei welchem Befund eine radikale Prostatektomie indiziert und wann ein Zuwarten („watchful waiting“) angezeigt ist, wurden bei verschiedenen Prostatatumoren mit einem PSA-Wert ≤ 8 ng/ml retrospektiv das Tumorstadium, das Tumorgrading und der Lymphknotenbefall analysiert (Abbildung).

Von 1989 bis 2004 wurde im Städtischen Klinikum Karlsruhe bei 2.286 Männern (Durchschnittsalter 66 Jahre) eine radikale Prostatektomie durchgeführt. Bei 2.228 von ihnen ist auch präoperative PSA-Wert bekannt. Der mediane präoperative PSA-Wert betrug 9,6 ng/dl. Der präoperative Gleason-Score wurde bei 842 Männern bestimmt.

Ein PSA-Wert ≤ 2 ng/dl lag bei 4,9 Prozent,
ein Wert zwischen 2 und 4 ng/dl bei 6,1 Prozent,
ein PSA-Wert zwischen 4 und 6 ng/dl bei 13,5 Prozent,
ein PSA-Wert zwischen 6 und 8 ng/dl bei 14,5 Prozent und
ein Wert ≥ 8 ng/dl bei 63,4 Prozent der prostatektomierten Männern vor.

Bei 34 Prozent der Männer mit einem PSA-Wert zwischen 2 und 4 ng/dl, bei 35 Prozent mit einem PSA-Wert zwischen 4 und 6 ng/dl und bei 40 Prozent mit einem PSA-Wert zwischen 6 und 8 ng/dl wurde histologisch ein pT3-Tumor diagnostiziert. Bei den Männern, deren PSA-Wert unter 2 ng/dl lag, wurde dieses lokal fortgeschrittene Tumorstadium (Kapseldurchbruch) nur bei 21 Prozent gefunden.

Die Karlsruher Urologen kommen zu dem Schluss, dass es sich bei den Prostatakarzinomen mit niedrigen PSA-Werten (≤ 8 ng/dl) keinesfalls um einen „harmlosen“ Tumor handelt. Denn bei etwas mehr als einem Drittel der Patienten wächst der Tumor bereits organüberschreitend. Bei 6 Prozent der Männer konnten sogar regionale Lymphknotenmetastasen nachgewiesen werden.

Trotz der hohen Sensitivität der PSA-Bestimmung erscheint aufgrund dieser Daten die digital-rektale Untersuchung nach wie vor wichtig zu sein beim Tumorscreening von Männern mit einem niedrigen PSA-Wert. (rr)

Quelle: www.uro.de

Pressemitteilung von Uro.de


Krebszeitung

--Download digital-rektale Untersuchung als PDF-Datei --


  • Prof. Uta Dirksen mit ihrem Kollegen Dr. Konstantin Agelopoulos aus der Medizinischen Klinik A bei der Arbeit im Labor Foto: WWU/DU
    Forschung

    Erforschung des seltenen und bösartigen Ewing-Sarkoms / Internationales Projekt unter münsterscher Leitung erhält Millionenförderung von europäischen Forschungsministerien

    Prof. Uta Dirksen mit ihrem Kollegen Dr. Konstantin Agelopoulos aus der Medizinischen Klinik A bei der Arbeit im Labor Foto: WWU/DUMünster (mfm/mk) – Das Ewing-Sarkom – eine Form von Knochenkrebs – ist eine seltene und sehr bösartige Tumorerkrankung, die besonders häufig bei Kindern und Jugendlichen auftritt und schwer heilbar ist. Um den oftmals jungen Patienten bessere Therapiemöglichkeiten zu eröffnen, haben sich Wissenschaftler aus fünf europäischen Ländern unter der Leitung der münsterschen Medizin-Professorin Dr. Uta Dirksen vernetzt und erhalten für ihr PROVABES-Projekt etwa 1,6 Millionen Euro Förderung.

    PROVABES steht für „Prospektive Validierung von Biomarkern bei Patienten mit Ewing-Sarkom“. Dirksen und ihre Kollegen werden spezifische Merkmale auf molekularer und Proteinebene an den Tumoren und im Blut der Patienten untersuchen, anhand derer die Patienten ihrer individuellen Risikogruppe zugeordnet werden können. „Da nach der Risikogruppe die Prognose und die Behandlungsform – ob Chemotherapie, Operation, Bestrahlung oder eine Kombination daraus – bestimmt werden, ist eine korrekte Einstufung so wichtig“, erläutert Prof. Dirksen, die als Oberärztin an der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie des Universitätsklinikums Münsters arbeitet.

    […mehr lesen]

  • Werden die myxoiden Liposarkomzellen (MLS 402) mit steigenden Mengen eines Wirkstoffes behandelt, der die FGFR-Signale hemmt, wachsen sie langsamer und sterben schließlich ab. Quelle: AG PD Dr. Merkelbach-Bruse: Helen Künstlinger
    Seltene Tumorarten

    Bindegewebstumoren, sog. Sarkome, können prinzipiell überall im Körper entstehen und sich von dort ausbreiten. Erschwerend kommt hinzu, dass sie selten sind und in jedem Lebensalter vom Säugling bis zum Greis auftreten. Über hundert verschiedene Sonderformen sind bekannt, die sehr unterschiedliche Verläufe nehmen können.

    […mehr lesen]

Google News – Gesundheit