DKK und ASCO

Pressekonferenz über Palliativmedizin beim DKK 2012
Pressekonferenz über Palliativmedizin beim DKK 2012

Erstmals in seiner Geschichte führt der Deutschen Krebskongress eine Veranstaltung gemeinsam mit der American Society of Clinical Oncology (ASCO) durch. Es geht um das Thema Versorgungsqualität in der Onkologie und wir freuen uns sehr, dass es gelungen ist, den ASCO-Präsidenten 2009/2010 dafür zu gewinnen.

Synergien für einen höheren Qualitätsstandard in Deutschland

Die Zusammenarbeit mit der ASCO haben wir begonnen, weil die Qualitätssicherung in der Krebsmedizin immer wichtiger wird; das gilt für USA und Deutschland gleichermaßen. Dabei stehen drei Aspekte im Vordergrund: Zum einen geht es um den Umgang mit Leitlinien, zweitens um ihre Umsetzung in der täglichen Versorgungspraxis, und drittens um die Rolle der klinischen und epidemiologischen Krebsregister für die Qualitätssicherung. Beide Länder kämpfen mit diesen Punkten, deshalb suchen wir die Diskussion und versuchen, Parallelen aufzuzeigen.

Evidenzbasierte Leitlinien sind die Basis einer jeden Qualitätssicherung – sie bündeln das aktuelle Wissen auf der Basis der besten verfügbaren wissenschaftlichen Belege. Die Entwicklung einer Leitlinie setzt den von äußeren Einflüssen unabhängigen Konsens verschiedener Fachdisziplinen auch unter Berücksichtigung von Patientengruppen voraus – das ist ein aufwändiger Prozess, der Ressourcen bindet. Die Finanzierung der Leitlinien muss unabhängig von Interessengruppen im Gesundheitswesen ermöglicht werden. Dazu kommt: Mit der einmaligen Erstellung ist es nicht getan, Leitlinien brauchen eine regelmäßige Aktualisierung. Wir müssen uns überlegen, wie wir Synergien nutzen können, um diesen Aufwand kontinuierlich zu leisten. Das geht nur, wenn wir bei der Erstellung und Pflege international kooperieren.

In Deutschland beschreiten wir seit etwa 2003 den Weg der Zentrenbildung in der onkologischen Versorgung. Das heißt, die Primärbetreuung unserer Patienten findet an so genannten Organkrebszentren und auch inzwischen onkologischen Zentren statt. Diese Häuser können ein Qualitätssiegel der Deutschen Krebsgesellschaft erwerben; dafür werden in regelmäßigen Audits so genannte Qualitätsindikatoren überprüft, die an konkret überprüfbare Sachverhalte anknüpfen. Da geht es zum Beispiel um die Frage, wie häufig Fälle für die Planung des therapeutischen Vorgehens in der interdisziplinären Tumorkonferenz besprochen werden, oder wie oft eine bestimmte Behandlung leitliniengemäß erfolgt ist. Die Qualitätsindikatoren helfen den Zentren, ihre eigene Qualität im Vergleich zu anderen einzuordnen und gegebenenfalls zu verbessern. Die Ergebnisberichte etwa der Brustkrebszentren in Deutschland zeigen, dass die Leitlinientreue in der Behandlung mit dieser Art der Qualitätssicherung kontinuierlich zunimmt. Ob sich dies längerfristig auch in einer Verbesserung der Behandlungsergebnisse niederschlägt, muss aber noch sicher bewiesen werden.

Nachholbedarf besteht hierzulande z. B. in der Qualitätssicherung der ambulanten onkologischen Versorgung. Dabei nimmt die Bedeutung dieses Sektors immer mehr zu, weil stationäre Liegezeiten aus Kostengründen reduziert werden. Außerdem steigt der Bedarf nach ambulanter Nachsorge mit der wachsenden Zahl der Patienten, die länger mit ihrem Krebs leben, inzwischen etwa 1.7 Millionen Bürger. Das amerikanische QOPI-System könnte hier Orientierung bieten. QOPI weist durchaus Analogien zum deutschen System auf: Es arbeitet ebenfalls mit leitliniengestützten Indikatoren, um die Qualität der ambulanten onkologischen Versorgung zu überprüfen. Wie in Deutschland geht es bislang hauptsächlich um die Qualität der Behandlungsprozesse und die Zertifizierung erfolgt auf freiwilliger Basis.

Das bringt mich zu einem grundsätzlichen Problem beider Systeme: bislang optimieren wir die Prozess-, aber nicht die Ergebnisqualität. Ob unsere Versorgungsstrukturen und leitlinientreuen Behandlungsmethoden tatsächlich dazu beitragen, dass Patienten mit einer bestimmten Krebsdiagnose länger oder besser leben, lässt sich so nicht eindeutig beantworten. Sicher, es gibt regional begrenzte Studien aus dem In- und Ausland, die nahelegen, dass das Befolgen von Leitlinien die Überlebensraten bei Krebs erhöht. Aber wir kommen nicht umhin, den Einfluss bestimmter Versorgungsmaßnahmen auf das Behandlungsergebnis kontinuierlich, flächendeckend und sektorenüber-greifend nachzuverfolgen, wenn wir besser werden wollen.

Vor diesem Hintergrund besteht schon seit einigen Jahren die Forderung, über die Nation hinweg Krebsregister zu etablieren, bei denen epidemiologische und klinische Daten zusammenlaufen. Ohne diese Register werden wir nie beurteilen können, ob sich eine leitlinienkonforme Behandlung langfristig auszahlt. Dazu kommt, dass die Durchführung dieser Qualitätssicherung für die beteiligten Zentren ziemlich aufwändig ist und bislang freiwillig betrieben wurde. Nur wenn wir die klinischen Krebsregister langfristig ausbauen, werden wir eine wirkliche Begründung dafür zu finden, warum die beschriebenen Qualitätssicherungsmaßnahmen tatsächlich weiter verfolgt werden sollten. Vor diesem Hintergrund fordern die gesetzlichen Krankenkassen zu Recht, dass eine höhere Vergütung für die Behandlung von Patienten in Krebszentren nur dann möglich ist, wenn auf der anderen Seite eine nachweislich mangelhafte Qualität nicht in gleichem Maße honoriert wird. Und hier schließt sich der Kreis: Ohne langfristige Nachsorgedaten in den klinischen Krebsregistern wird eine vernünftige Steuerung der Vergütung nicht begründbar sein.

Video zur Pressekonferenz:


Krebszeitung

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