Drei Themen: PSA, Inkontinenz und neue OP-Techniken

Kongress - pixabay
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Der diesjährige 57. Kongress der Deutschen Urologen beschäftigt sich vom 21.-24. September 2005  unter anderen mit den großen Themen der Urologie: Harninkontinenz, PSA-Testung zur Früherkennung des Prostatakrebs beim Mann, neue Operationstechniken in der Urologie und der zukünftigen Gesundheitspolitik.

Zur Prostata-Früherkennung mittels PSA-Test, sagte Prof. Dr. Detlef Frohneberg, zum Auftakt des Kongresses:
„Der PSA-Test ist in Deutschland hochumstritten, obwohl eine rechtzeitige Erkennung des Prostatakrebs ohne Ihn nicht möglich ist. Eindeutige Zahlen über seine Wirksamkeit wird es leider erst ab 2008 geben. Es ist trotzdem ein Unding, dass er bisher als einzig sinnvolle Früherkennungs- Maßnahme von den Krankenkassen ignoriert wird.“

Mit jährlich 40.000 neuen Fällen in Deutschland ist der Prostatakrebs die zweithäufigste Todesursache des Mannes. Dies liegt auch daran, dass Prostatatumoren bereits früh Metastasen bilden. Obwohl in einem frühen Stadium erkannt, der Prostatakrebs gute Heilungschancen hat, sterben etwa 50% der Patienten daran, weil er zu spät erkannt wird.

Frohneberg weiter:“ Während in Deutschland etwa 30% der Patienten bereits mit einem fortgeschrittenen Prostatakrebs in die Kliniken kommen, sind es in den USA lediglich 3%. Dieser eklatante Unterschied kommt dadurch Zustande, dass seit 13 Jahren in den Vereinigten Staaten ein PSA-Screening bei Männern durchgeführt wird.“

Hier in Deutschland herrscht aber die Angst vor einer Über-Diagnostik und Über-Therapierung vor, vor der auch der Vorsitzende der Bundesorganisation Prostata Selbsthilfe e.V., Herr Petter, warnte. Diese Angst ist jedoch aus Sicht der Urologen unbegrüdet, da ein erhöhter PSA-Wert nur weitere diagnostische Maßnahmen, wie z.B. eine Biopsie, nach sich zieht, bei denen die diagnostische Sicherheit erst gewährleistet wird. In diesem Zusammenhang könnten Uro-Pathologen gesicherte Diagnosen der einzelnen Tumorentitäten geben.

Was sollte der Mann vor der PSA-Bestimmung wissen?

Ursache für das vermehrte Auftreten von Prostatakrebs sind unter anderem die steigende Lebenserwartung, denn mit dem Alter wächst auch das Risiko für diese Krebsart. Das Fehlen jeglicher Frühsymptome führt dazu, dass der Betroffene lange nichts von dieser Erkrankung merkt, die aber die Lebenserwartung verkürzen kann. Je früher also ein Prostatakrebs erkannt wird, desto besser kann er geheilt werden.

Männer sind heute schon weitgehenst darüber informiert, dass neben der rektalen Untersuchung der Prostata auch ein PSA-Test für die Früherkennung von Prostatakrebs durchgeführt werden kann. Der PSA-Test ist ein Bluttest, mit dessen Hilfe die Höhe des PSA-Wertes im Blut nachgewiesen wird. Denn PSA ist ein Eiweisstoff, der nur in der Prostata gebildet wird. Ein hoher PSA-Wert kann also auf das Vorliegen eines Prostatakrebs hinweisen.

Jedoch auch gutartige Erkrankungen (z.B. Prostatavergrößerungen, Prostataentzündungen) können einen erhöhten PSA-Wert anzeigen. Daher können nur nachfolgende diagnostische Maßnahmen eine eindeutige Aussage treffen, ob ein Prostatakarzinom vorliegt oder nicht.

Die Vorteile des PSA-Tests sind unter anderem:

  • Der PSA-Test ist die genaueste Methode, um einen Verdacht auf das Vorliegen eines Prostatakarzinoms anzunehmen.

  • Ein normales Ergebnis wirkt beruhigend für den Mann

  • Ein Prostatakarzinom kann frühzeitig entdeckt werden, bevor Beschwerden auftreten und damit die Heilungschancen deutlich verbessern.
    Durch eine frühzeitige Behandlung kann ein fortgeschrittenes Stadium vermieden werden.

Die Nachteile des PSA-Tests:

  • Auch bei normalen Werten des PSA-Wert, kann ein Prostatakarzinom vorliegen, dass unbehandelt später durchaus bösartig werden kann.

  • Ein sehr kleiner und langsam wachsender Tumor

Wegen der Vorteile und Abwägung der Nachteile wird, nachdem ein erhöhter PSA-Wert festgestellt wird, eine engmaschige Verlaufskontrolle des PSA-Wertes von den Urologen empfohlen, insbesondere beim gesicherten Vorhandensein eines Prostatakarzinoms.

Prof. Dr. Paolo Fornara warnte in diesem Zusammenhang aber vor PSA-Schnelltests, die ab und an in Apotheken angeboten werden und dort auch „ausgewertet“ werden:
„Die Schnelltests sind äußerst ungenau und bieten nur Aussagen, ob ein erhöhter PSA-Wert vorliegt, oder nicht. Die Männer werden dadurch in Sicherheit gewiegt und davon abgehalten, einen Urologen wegen Ihrer Prostatabeschwerden aufzusuchen. Nur dieser kann jedoch einen PSA-Test mit seinen Werten und der Verlaufskontrolle diagnostisch auswerten. Wir können damit nur von diesen Schnelltests abraten.“

Harninkontinenz
Die Harninkontinenz ist Heutzutage eines der größten Gesundheitsprobleme in unserer Gesellschaft. Denn Inkontinenz kann Menschen jeden Alters und jeden Geschlechts betreffen.

Trotz der starken Beeinträchtigung der Lebensqualität, suchen nur etwa 40% der Betroffenen wegen ihrer Beschwerden einen Arzt auf. Dabei kann meist (in 90% der Fälle) eine Heilung oder zumindest eine erhebliche Verbesserung der Beschwerden erzielt werden. Vorraussetzung dafür ist jedoch die Bestimmung des Inkontinenttyps zu ermitteln, da die beiden Haupttypen (Drang- und Belastungsinkontinenz) vollkommen unterschiedlich zu behandeln sind.

Auf dem diesjährigen Urologenkongress stehen deshalb drei aktuelle Aspekte der Harninkontinenz im Vordergrund:

  1. Das Syndrom der überaktiven Blase (OAB-Syndrom)

    Wenn sich das Leben nur noch im Umkreis einer Toilette abspielt, sind die Symptome einer hyperaktiven Blase gegeben, bei der eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität für die Betroffenen besteht. Man kann davon ausgehen, das etwa 15-20% der Menschen in den Industrieländern unter dieser Blasenstörung leiden. Medikamente, sogenannte Anticholinergika, können die Beschwerden in bis zu 2/3 der Fälle heilen oder zumindest verbessern. Leider führen die Nebenwirkungen oft dazu, dass die Medikamente von den Patienten nach einiger Zeit abgesetzt werden. Hier sollen neue Darreichungsformen, wie z.B. Wirkstoffpflaster helfen, die Nebenwirkungsrate erheblich zu verringern.

    Bei therapieresistenten Fällen oder Unverträglichkeiten gegenüber den Medikamenten, können verschiedene Formen neuerer Therapieansätze, wie Elektrotherapie, Magnetfeldtherapie oder neue pharmakologische Ansätze wie Botulinim-A-Toxin-Injektionen in den Detrusor zum Einsatz kommen.

    Die Belastungsinkontinenz der Frau

    50% der inkontinenten Frauen leiden unter einer Belastungsinkontinenz (Urinverlust beim Husten, Niesen, Heben, Sport, Lachen oder anderen körperlichen Anstrengungen). Leichtere Formen können dabei durch physiotherapeutische Maßnahmen (z.B.Beckenbodentraining) behandelt werden. Seit einem Jahr steht aber auch eine medikamentöse Behandlung mittels Duloxetin zur Verfügung. Die Erfolgsaussichten einer Heilung liegen bei bis zu 60% der Fälle.

    Bei den nicht zu therapierenden Fällen stehen heute minimal-invasive Operationstechniken zur Verfügung, bei denen spannungsfreie Bänder verpflanzt werden. Allerdings sind Folge-OP’s bei zusätzlichen Senkungsproblemen oftmals nötig. Bei der richtigen Wahl des Operationsverfahrens können aber Behandlungserfolge bis zu 98% erzielt werden.

  2. Die Harninkontinenz des Mannes nach Radikaloperation der Prostata oder der HarnblaseBei Männern tritt eine Belastungsinkontinenz fast immer nur nach operativen Eingriffen im Bereich der Prostata auf. Insbesondere führt eine radikale Entfernung der Prostata, sowie die radikale Entfernung der Harnblase (bei der die Prostata ebenfalls mit entfernt wird), in etwa 30% der Fälle zu einer nächtlichen Harninkontinenz und in etwa 10% der Fälle zu einer Harninkontinenz am Tage. Postoperativ sollte deshalb zunächst ein Schließmuskel- und Beckenbodentraining, begleitet von einem Biofeedback-Training, Elektro-oder Magnetfeldtherapie, erfolgen. Auch der Einsatz von Duloxetin kann die Kontinenz verbessern. In den Fällen von Inkontinenzen am Tag können operative Interventionen eine Besserung bringen.

Harninkontinenz ist eine Krankheit, gegen die Urologen ein großes Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten haben. Das diese von den Betroffenen angenommen werden, muss das öffentliche Bewustsein über die Krankheit und deren Heilungschancen gestärkt werden. Denn jeder von uns kann von Harninkontinenz betroffen werden.

Neue Operationstechniken in der Urologie

Die laproskopische Tumornephrektomie (Nierenentfernung bei tumorösen Befall) ist eine minimal-invasive Variante der bisherigen offenen Operationsstrategien durch Bauch- oder Flankenschnitt. Die Belastung durch operationsbedingte Traumata soll damit vermieden oder zumindest verringert werden.

Außer des Operationstraumas sind die Vorteile in weniger Schmerzen, eine verkürzte Liegedauer und Rekonvaleszenzzeit ud damit auch verbunden einer schnelleren Wiederaufnahme der Arbeit zu sehen. Gerade in den letzten Jahren wurden immer mehr urologische Tumorarten laparoskopisch operiert. Bezüglich der Tumornephrektomie und der radikalen Prostatektomie kann mittlerweile auf eine langjährige positive Erfahrung zurückgegriffen werden.

„Derzeit ist Deutschland weltweit führend, in der Häufigkeit der laparoskopisch durchgeführten Operationen, die an 18 Zentren zu den Standard-OP-Verfahren gehören. Es muss jedoch gesagt werden, dass beide Verfahren, die offene- wie die laparoskopische Operationstechnik den gleichen Stellenwert besitzen,“ so Prof. Dr. Paolo Fornara.


Krebszeitung

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  • Gliom (rote Pfeile; obere Reihe), das bereits zum Zeitpunkt der ersten Operation begonnen hatte zu entarten. Untere Reihe: Nachgewachsener, jetzt sehr bösartiger Tumor (gelber Pfeil). © Foto: M. Simon/Neurochirurgie/UKB
    Hirntumoren

    Ein Enzym, das den Abbau bestimmter Aminosäuren ermöglicht, macht Hirntumoren besonders aggressiv. Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum entdeckten damit eine neue Zielstruktur für Therapien gegen die gefährliche Erkrankung. Die Ergebnisse sind in der Zeitschrift Nature Medicine veröffentlicht.
     
    Tumoren, insbesondere die sehr schnell wachsenden, aggressiven, haben einen erhöhten Bedarf an Energie und an Bausteinen für neue Zellbestandteile. Krebszellen verbrauchen daher viel Zucker (Glukose). Einige Tumoren sind außerdem in der Lage, die Aminosäure Glutamin, einen wichtigen Baustein der Proteine, zu verwerten. Eine zentrale Rolle beim Aminosäureabbau spielt das Enzym Isocitrat-Dehydrogenase (IDH). Bei zahlreichen Hirntumoren wurden vor einigen Jahren Mutationen im Gen für die IDH entdeckt. Die sehr bösartigen Hirntumoren – die sogenannten primären Glioblastome – sind mit einem intakten IDH-Gen ausgestattet. Bei den langsamer wachsenden dagegen liegt meist ein Defekt dieses-Gens vor.
     

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  • Plakatmotiv Ich bin dabei - Kooperationsgemeinschaft Mammographie | Urs Kuckertz Photography
    Brustkrebs

    Brustkrebsmonat Oktober: Einfach mehr wissen!

    Plakatmotiv Ich bin dabei -  Kooperationsgemeinschaft Mammographie | Urs Kuckertz PhotographyWissen Frauen genug über das Mammographie-Screening-Programm? Die Antwort lautet nein. Nach einer aktuellen, vom Bundesgesundheitsministerium geförderten Studie* der Woman´s Health Coalition zeigen sich noch Wissenslücken, obwohl das Screening bereits seit 2009 flächendeckend rund 10,5 Millionen Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren alle zwei Jahre in Deutschland angeboten wird. Ein Teil der Frauen kennt beispielsweise nicht den Zusammenhang zwischen fortschreitendem Alter und steigendem Brustkrebsrisiko, kann das Screening nur schwer von anderen Brustkrebs- Früherkennungsmaßnahmen unterscheiden und setzt Früherkennung mit „Vorsorge“ gleich.

    Die Kooperationsgemeinschaft Mammographie startet deshalb im Oktober mit einem neuen Informationsangebot für Frauen unter http://www.mammo-ich-bin- dabei.de/. In Zusammenarbeit mit dem Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums wird auch eine kostenlose, telefonische Beratung durch den KID unter 0800-4203040 angeboten. Die bundesweite Aktion wird begleitet durch Plakatierung, TV-Spot und Infoblatt, das im Oktober an rund 500.000 anspruchsberechtigte Frauen versendet wird.

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