Dyadische Kommunikation und Belastungen bei Patienten mit Krebs und deren Angehörigen

Kongress - pixabay
Kongress - pixabay

Krebserkrankungen betreffen meist nicht nur den Patienten alleine, sondern auch Partner, Familie und Freunde. Angehörige machen sich ebenfalls Sorgen und sind verunsichert, sie müssen sich mit einer möglicherweise veränderten Zukunftsperspektive auseinandersetzen und praktische Aufgaben zusätzlich übernehmen. Zudem sind sie Berater und Begleiter über den oft langen Behandlungsprozess. Neben der zeitlichen Belastung spielt auch der emotionale Austausch eine wichtige Rolle. Obwohl die Versorgung von Angehörigen eine zentrale Aufgabe psychoonkologischer Tätigkeit darstellt, fehlt es in Deutschland noch an konkreten Zahlen zum Versorgungsbedarf und Versorgungsangeboten speziell für diese Personengruppe.

Auch Angehörige von Krebspatienten leiden

Man weiß inzwischen, dass Angehörige von Krebspatienten ähnlich stark belastet sind wie die Patienten selbst. Eine große Übersichtsarbeit kommt zu dem Ergebnis, dass mehr als 40% der Partner erhöhte Angstwerte aufweisen und dass Angst das vorherrschende Gefühl bei Angehörigen ist, mehr noch als eine depressive Stimmung. In einer Studie der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik am Universitätsklinikum Heidelberg wurde nun neben Belastungen auch die krankheitsbezogene Kommunikation zwischen den Paaren untersucht. An der Studie nahmen insgesamt 189 an Krebs Erkrankte unterschiedlicher Tumorentitäten mit deren Angehörigen (83% Ehepartner, ansonsten erwachsene Kinder mit einem erkrankten Elternteil) teil. Rekrutiert wurden die Angehörigen über die Patienten, die sich zum Zeitpunkt der Befragung zur Behandlung oder Nachsorge in einer ambulanten oder stationären Abteilung des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) des Universitätsklinikums Heidelberg befanden. Auch hier fand sich zunächst ein hoher Prozentsatz erhöhter Angstwerte bei Angehörigen (36%).

Offene Kommunikation über die Erkrankung tut vor allem dem Angehörigen gut

Bei 16%, also bei jedem sechsten Paar, gaben Angehörige an, dass der Patient nicht über die Krankheit oder Nebenwirkungen der Behandlung sprechen will. Ein offenes Gespräch über die Erkrankung und die Beschwerden ist für Angehörige jedoch wichtig, denn Unausgesprochenes lässt Ängste und Fantasien aufkommen, die in der Regel wesentlich belastender sind als das konkrete Wissen um die Situation des Erkrankten. So zeigt die Studie, dass Angehörige umso mehr unter Ängsten leiden, je weniger der Patient von sich preisgibt. Demgegenüber stellt es für den Patienten selbst keine besondere Belastung dar, er meint, durch das Nicht-Sprechen die Angehörigen sogar zu entlasten. Zudem befürchtet er überfürsorglich behandelt zu werden; diese Patienten wollen also nicht nur als Kranke gesehen werden.

Psychoonkologie kann helfen, einander zu verstehen

Aus diesem Forschungsprojekt ziehen wir das Fazit, dass das In-Gang-Bringen einer offenen Kommunikation  über die Krebserkrankung ein möglicher Ansatzpunkt zur Reduktion von Belastungen bei Angehörigen ist. Manchmal bedarf es dazu eines unbeteiligten Dritten, der mit der speziellen Situation vertraut ist und ein solches Gespräch unparteiisch initiiert und begleitet, damit eine Entlastung möglich wird. So sind bei etwa 30% der Gespräche in unserer psychoonkologischen Ambulanz am Nationalen Tumorzentrum in Heidelberg Angehörige mit dabei und werden ebenfalls bei der Bewältigung der Krankheit unterstützt. Zusätzlich besteht auch individuell für Angehörige die Möglichkeit, in Einzelgesprächen über ihre Ängste und Sorgen zu sprechen, besonders wenn dies mit dem Patienten nicht möglich ist, weil es für diesen eine Überforderung bedeuten würde. Es bleibt aber eine Herausforderung, den Belastungen der breiten Masse von Angehörigen Krebskranker gerecht zu werden.

Vortrag:

H. Sklenarova, M.W. Haun, A. Brechtel, J. Huber, M. Thomas, E.C. Winkler, W. Herzog, M. Hartmann:
Dyadic communication and distress in cancer patients and their caregivers. Symposium: Psychoonkologische Versorgung – State of the Art

Statement von Dipl. Psych. Mechthild Hartmann, Universitätsklinikum Heidelberg

Seltene Tumore effektiv behandeln


Krebszeitung

--Download Dyadische Kommunikation und Belastungen bei Patienten mit Krebs und deren Angehörigen als PDF-Datei --


  • Großes Glück: Liron Nabor (untere Reihe, 2.v.r.) trifft zum ersten Mal Heike (1.v.r.), die ihm mit einer Stammzellspende das Leben gerettet hat. Beide Familien stehen seither in herzlichem Kontakt - Quelle: DKMS
    Krebsthemen

    Großes Glück: Liron Nabor (untere Reihe, 2.v.r.) trifft zum ersten Mal Heike (1.v.r.), die ihm mit einer Stammzellspende das Leben gerettet hat. Beide Familien stehen seither in herzlichem Kontakt - Quelle: DKMSTübingen, 28. Dezember 2012 – Überwältigende Hilfsbereitschaft der DKMS-Spender 2012: Noch nie zuvor haben sich so viele Menschen innerhalb eines Jahres als potenzielle Stammzellspender in die DKMS aufnehmen lassen. Im Jahr 2012 verzeichnet die DKMS global 526.512 Neuregistrierungen (Stand 27.12.2012), 319.249 davon haben sich in Deutschland bei der DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei als potenzielle Stammzellspender registrieren lassen. 2011 waren es im gleichen Zeitraum 293.541. DKMS Americas freut sich über 107.159 und DKMS Polska über 100.104 neue Spender. Aktuell sind mehr als 3,4 Millionen Menschen in der weltweit größten Stammzellspenderdatei registriert, 2,8 Millionen davon in Deutschland.

    Insgesamt 34.326 DKMS-Spender schenkten bislang Patienten auf der ganzen Welt mit einer Stammzellspende eine Lebenschance, davon exakt 5100 in diesem Jahr (4567 in Deutschland, 324 in den USA und 209 in Polen – Stand 27.12.2012). „Bereits jetzt ermöglichen wir über 30 Prozent aller vermittelten Stammzellspenden weltweit. Wir sehen uns als Anwälte unserer Patienten und nehmen diesen lebensrettenden Auftrag sehr ernst“, sagt Claudia Rutt, Geschäftsführerin der DKMS. „Deshalb werden wir weiterhin alles tun, um noch mehr Blutkrebspatienten Hoffnung auf Heilung zu geben.“

    […mehr lesen]

  • Lungenkrebszelle bei der Teilung Quelle: Dr. Felix Bestvater, Deutsches Krebsforschungszentrum
    Lungenkrebs

    Lungenkrebszelle bei der Teilung Quelle: Dr. Felix Bestvater, Deutsches KrebsforschungszentrumMit einer großen Studie untersuchen Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum, wie gut die Mehrschicht-Computertomographie geeignet ist, Lungenkrebs in einem sehr frühen und damit noch gut behandelbaren Stadium zu erkennen. Nun liegen erste Zahlen der gemeinschaftlich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und von der Dietmar Hopp Stiftung finanzierten Untersuchung vor: 80 Prozent der Krebsfälle wurden in einem frühen klinischen Stadium entdeckt, Aussagen über eine verringerte Sterblichkeit sind jedoch noch nicht möglich.

    Rund 290.000 Menschen aus Heidelberg, Mannheim, Ludwighafen, dem Rhein-Neckar- sowie dem Neckar-Odenwald-Kreis erhielten zwischen 2007 und 2011 Post vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Die Angeschriebenen wurden nach ihren Rauchgewohnheiten befragt. Das Ziel war es, 4.000 Personen im Alter von 50 bis 69 Jahren als Teilnehmer für „LUSI“ zu gewinnen. Hinter der Abkürzung verbirgt sich die German Lung Cancer Screening Intervention-Studie.

    […mehr lesen]

Google News – Gesundheit