Elektroschocks für Krebszellen

Die Stachelzellkrebszellen (grün) dringen in die Haut ein. - Quelle: Venugopal Rao Mittapalli
Die Stachelzellkrebszellen (grün) dringen in die Haut ein. - Quelle: Venugopal Rao Mittapalli

Regensburg, Hamburg im Mai 2013. Eine neue Methode zur lokalen Behandlung von Krebs stellt der Radiologe Professor Dr. Christian Stroszczynski (Regensburg) auf dem diesjährigen Deutschen Röntgenkongress vor. Mit der irreversiblen Elektroporation (IRE) wird der Tumor einer sehr kurzen und intensiven elektrischen Spannung ausgesetzt, die zum Tod der Krebszellen führt. Vorteil gegenüber anderen lokal-therapeutischen Behandlungsverfahren ist die Schonung des umliegenden, gesunden Gewebes.

Weitere Systematische Studien gibt es bislang für die IRE noch nicht, das Verfahren ist noch sehr jung und wird bislang nur an wenigen Zentren klinisch erprobt. Der Regensburger Spezialist für Interventionelle Radiologie ist aber zuversichtlich, dass die IRE sich etablieren wird.

Anwendung findet die Elektroporation aktuell bei der Behandlung von Lebertumoren. Das hat vornehmlich zwei Gründe. Zum einen ist die Leber ein häufig betroffenes Organ sowohl von primären Tumoren (Hepatozelluläres Karzinom) als auch von Metastasten, Tochtergeschwülsten streuender Tumoren. Zum anderen eignet sich die Leber gut für lokale, minimalinvasive Therapien, wie sie die Interventionelle Radiologie seit einigen Jahren und mit wachsendem Erfolg anwendet. „Die Leber lässt sich gut mit unserem Arbeitsgerät, den durch die Haut (perkutan) eingeführten Sonden erreichen, zudem ist das Gewebe relativ robust und anatomisch übersichtlich“, erklärt Professor Christian Stroszczynski.

Zwei bis sechs Sonden führt der Radiologe an den Krebsherd heran. Die Navigation der Sonden erfolgt unter Bildkontrolle, meistens mithilfe der Computertomografie (CT). Am Ort des Geschehens angekommen wird das Tumorgewebe einer sehr hohen, mehrere tausend Volt betragende Spannung ausgesetzt – und zwar für den Bruchteil einer Sekunde. Der heftige Stromstoß führt dazu, dass die Membranen sich öffnen und die Zellen platzen. „Dieser Vorgang entspricht einem induzierten natürlichen Zelltod, der Apoptose“, so Professor Stroszczynski.

Der herausragende Vorteil dieser neuartigen Therapieform ist die Schonung des Nachbargewebes. „Während etwa bei thermischen Ablationsverfahren auch das Nachbargewebe durch die Hitzeeinwirkung in Mitleidenschaft gezogen ist, wird die sogenannte ‚extrazelluläre Matrix‘, das stabilere Rahmengewebe, um die Zellen weit weniger angegriffen, es erholt sich meist vollständig. Das betrifft vor allem Blutgefäße, Lymph- und Nervenbahnen. Gewebenekrosen, wie wir sie bei den Hitzeverfahren in Kauf nehmen müssen, verursacht die IRE nicht“, skizziert der Interventionelle Radiologe die Vorteile. Die Patienten können in aller Regel am Folgetag die Klinik verlassen.

Die bisherigen Behandlungserfolge stimmen Stroszczynski zuversichtlich, dass sich das Verfahren auch in weiteren Zentren etabliert und die Methode sich auch auf andere Organe und Krebsentitäten ausweiten lässt – besonderes Augenmerk wird dabei auf die Behandlung des Prostatakarzinoms zu legen sein, wo die Schonung des Nachbargewebes unabdingbar sei.


Krebszeitung

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  • Moderne Strahlentherapie mittels OnkoRay
    Brustkrebs

    Die Empfehlung des Oncotype DX Brustkrebstests durch NICE (National Institute for Health and Clinical Excellence) ist ein wichtiger Meilenstein, um mehr Patientinnen in Großbritannien Zugang zur personalisierten Medizin zu ermöglichen

    München, 01. Oktober 2013. Das britische „National Institute for Health and Care Excellence (NICE)“ empfiehlt in ihrer veröffentlichten Leitlinie den Oncotype DX Brustkrebstest als einzigen Multigen-Test zur Anwendung in der klinischen Praxis für Chemotherapieentscheidungen bei Patientinnen mit hormonrezeptorpositivem invasiven Brustkrebs im Frühstadium. In Übereinstimmung mit den führenden internationalen Leitlinien für die Brustkrebsbehandlung von ASCO®, NCCN®, ESMO® und St. Gallen erkennt NICE den klinischen Zusatznutzen für den Oncotype DX Test an. Dies erlaubt Ärzten und ihren Patientinnen, fundiertere individuelle Therapieentscheidungen zu treffen.

    „Es ist ermutigend, dass die Wertschätzung der genomischen Analysen stetig zunimmt. Sie verbessern weltweit die Behandlung von Brustkrebspatientinnen und können nun auch in Großbritannien eingesetzt werden“, erklärt Dr. David Miles, medizinischer Onkologe im Mount Vernon Krebszentrum, Northwood, Middlesex, Großbritannien. „Die Empfehlung für die Verwendung des Oncotype DX Tests durch NICE in Großbritannien ist ein wichtiger Fortschritt, der es Ärzten und Patientinnen ermöglicht, fundiertere Therapieentscheidungen auf Grundlage der Biologie des Brustkrebs der einzelnen Patientin zu treffen.“ Bis heute haben über 1.500 Frauen in Großbritannien den Oncotype DX Test erhalten. Brustkrebs ist dort mit fast 50.000 Neuerkrankungen jährlich die am häufigsten diagnostizierte Krebsart bei Frauen. Die Mehrzahl dieser Patientinnen erhält die Diagnose des invasiven Brustkrebs im Frühstadium. Eine Vielzahl der Patientinnen kann nach der Empfehlung von NICE von dem Test profitieren.

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  • Professor Thomas Hellweg injiziert eine Probe mit Mikrogelen in die bisherige Röntgenanlageder Fakultät für Chemie. Im Vordergrund ist eine Flasche mit Mikrogelen zu sehen, die in Wassergelöst sind. - Quelle: Universität Bielefeld
    Forschung

    Deutsche Forschungsgemeinschaft und Land Nordrhein-Westfalen fördern Röntgenanlage für Universität Bielefeld

    Professor Thomas Hellweg injiziert eine Probe mit Mikrogelen in die bisherige Röntgenanlageder Fakultät für Chemie. Im Vordergrund ist eine Flasche mit Mikrogelen zu sehen, die in Wassergelöst sind.  - Quelle: Universität BielefeldMit mehr als 600.000 Euro unterstützen die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und das Wissenschaftsministerium Nordrhein-Westfalen die Anschaffung einer neuen Röntgenanlage für die naturwissenschaftlichen Fakultäten der Universität Bielefeld. Die Forscherinnen und Forscher analysieren mit dem Gerät künftig Materialien, die tausend Mal kleiner sind als ein typisches Bakterium. Präzise heißt das Gerät Röntgenkleinwinkeldiffraktometer. Mit seiner Hilfe wollen die Wissenschaftler Nano-Materialien entwickelten, um beispielsweise Medikamente treffsicherer zu machen und Giftstoffe zu neutralisieren.

    „Röntgentechniken spielen eine große Rolle in der Erforschung von Nano- Materialien – zum Beispiel bei der Entwicklung intelligenter Trägermaterialien für Medikamente“, sagt Professor Dr. Thomas Hellweg von der Fakultät für Chemie. Er war federführend für den DFG-Antrag zuständig, den er erfolgreich zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus den Fakultäten für Physik, Biologie und Chemie gestellt hat. „Wir wollen das Gerät unter anderem für die Untersuchung von intelligenten Mikrogelen einsetzen. Mit ihnen lassen sich Medikamente in den Körper transportieren, um genau dort freigesetzt zu werden, wo sie wirken sollen.“

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