Erhöhte Neuerkrankungsrate bei Prostatakrebs

Histologischer Schnitt durch eine Prostata mit normaler Drüsenstruktur (links) und Tumorzellherden (rechts). Farblich unterscheidbar sind Zellkerne (braun), Bindegewebe (blau) und Drüsenlumen (weiße Bereiche). Maßstab/ Vergrößerung: 200-fach Quelle: NGFN

Seit rund fünfzig Jahren erkranken in den westlichen Industrienationen immer mehr Männer an Prostatakrebs – und die Patienten werden immer jünger. Dass diese Steigerung zumindest teilweise auf die Einführung von Früherkennungsuntersuchungen zurückzuführen ist, zeigt eine neue Studie* aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum.

Eine Frage der Früherkennung?

Basierend auf den Daten des schwedischen Familienkrebsregisters errechneten die Epidemiologen Professor Dr. Kari Hemminki und Dr. Justo Lorenzo Bermejo, dass sich die Anzahl von Prostatakrebsfällen in Schweden zwischen 1960 und 2002 in etwa verdreifacht hat. Die Steigerung verlief in zwei Phasen: Bis 1995 erhöhte sich hauptsächlich die Erkrankungsrate älterer Männer über siebzig Jahre. Der steile Anstieg der Kurve nach 1995 betraf vor allem jüngere Männer in den Sechzigern. Während der ersten Phase bis 1995 wurden zur Frühdiagnose von Prostatakarzinomen in der Regel Gewebebiopsien durchgeführt. Zeitgleich mit der zweiten Phase des Anstiegs fiel jedoch die Verbreitung des Tests auf prostataspezifisches Antigen (PSA). Es liegt daher nahe, dass diese einfache Blutuntersuchung auch von jüngeren Männern wahrgenommen wurde, die noch keine Symptome einer Krebserkrankung zeigen. Dass dabei sehr frühe Karzinome entdeckt werden, könnte den Anstieg zumindest teilweise erklären.

Eine ähnliche Steigerung der Erkrankungsraten wurde z. B. bei Brustkrebs nach Einführung des Mammographie-Screenings und bei Gebärmutterhalskrebs nach Beginn der Früherkennung durch den PAP-Abstrich beobachtet. Auch das familiäre Krebsrisiko wird durch die Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen beeinflusst. Hemminki und Lorenzo Bermejo analysierten die Daten von Brüderpaaren, die jeweils beide von Prostatakrebs betroffen waren. Erkrankt einer der Brüder, so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich der andere aus Sorge um die eigene Gesundheit einer Früherkennungsuntersuchung unterzieht. Dabei werden möglicherweise Karzinome entdeckt, die sich noch durch keinerlei Symptome bemerkbar machen und unter anderen familiären Umständen erst Jahre später erkannt worden wären.

Wegen dieses Effekts, so geben die Wissenschaftler zu bedenken, ist auch bei der Analyse von Daten zum genetischen Krebsrisiko Vorsicht geboten: Das menschliche Verhalten unterliegt vielen Einflüssen, die sich in der Krebsstatistik niederschlagen und auf den ersten Blick fälschlicherweise als Einfluss der Gene gedeutet werden könnten.

* Kari Hemminki, Rajesh Rawal und Justo Lorenzo Bermejo: Prostate Cancer Screening, Changing Age-specific Incidence Trends and Implications o­n Familial Risk. International Journal of Cancer 113, 312; 2005

Pressemitteilung, Deutsches Krebsforschungszentrum, Dr. Julia Rautenstrauch


Krebszeitung

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  • Brustkrebszellen - Quelle: Dr. Lutz Langbein, Deutsches Krebsforschungszentrum
    Brustkrebs

    Die Suche nach neuen Medikamenten gegen Krebserkrankungen steht nach wie vor ganz oben auf der To-do-Liste der Pharmaforscher. Eine noch junge Variante sind polymere Chemotherapeutika, Wirkstoffe, die an ein „Rückgrat“ aus langen Kettenmolekülen geknüpft werden. Ein britisches Team geht nun noch einen Schritt weiter und pfropft zwei verschiedene Pharmaka auf ein gemeinsames Rückgrat. Auf diese Weise zu einer Art molekularer Tandemfahrer vereint, sollen ein Cytostatikum und ein Hormontherapeutikum synergistisch den Kampf gegen den östrogenabhängigen Brustkrebs aufnehmen.

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  • Ein künstlich erzeugter Antikörper trägt eine inhibitorische RNA gezielt zu einer Tumorzelle. Mit der Aufnahme der RNA verändern sich die Eigenschaften der Zelle. Gene, die die Metastasierung voran treiben, werden stillgelegt. Quelle: Universitätsklinikum Münster, Abt. C. Müller-Tidow und Grafikbüro remote-controlled.de
    Lungenkrebs

    Ein künstlich erzeugter Antikörper trägt eine inhibitorische RNA gezielt zu einer Tumorzelle. Mit der Aufnahme der RNA verändern sich die Eigenschaften der Zelle. Gene, die die Metastasierung voran treiben, werden stillgelegt. Quelle: Universitätsklinikum Münster, Abt. C. Müller-Tidow und Grafikbüro remote-controlled.deDie Übertragung von Erkenntnissen der Genomforschung in neue Therapien beim Lungenkrebs ist Ziel eines Forschungsvorhabens am Universitätsklinikum Münster. Lungenkrebs ist eine der häufigsten Tumorerkrankungen und noch immer schwierig zu behandeln. Insbesondere das Auftreten von Metastasen bedeutet für die Patienten ein hohes Risiko. Chemotherapien können diesen Prozess heutzutage nur zum Teil verhindern. Prof. Dr. Carsten Müller-Tidow und Dr. Sebastian Bäumer suchen daher nach einem Weg, mithilfe von Antikörpern in den Tumorzellen diejenigen Gene stillzulegen, die für die Metastasierung verantwortlich sind. Erste Forschungsergebnisse lassen hoffen.

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