Erkältungsviren sollen Hautkrebszellen zerstören

BU: Computergenerierte Darstellung eines Parvovirus H1, Antonio Marchini, Deutsches Krebsforschungszentrum

Erlangen (nh) – Jedes Jahr erkranken etwa 11.400 Menschen in Deutschland an einem malignen Melanom – dem bösartigen schwarzen Hautkrebs. Seit den 70-er Jahren haben sich die Erkrankungsraten annährend versechsfacht. Dieser Tumor ist besonders gefährlich und beim Vorliegen von Metastasen nur selten heilbar. Wissenschaftler der Dermatologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen arbeiten jetzt an einer neuartigen Therapie-Strategie, bei der harmlose Erkältungsviren die bösartigen Krebszellen zerstören sollen. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt mit 200.400 Euro.

Deutsche Krebshilfe fördert neuen Therapie-Ansatz

„Eine Erfolg versprechende Therapieform gegen Krebs ist die gezielte Zerstörung der Tumorzellen durch eine Virus-Infektion“, erklärt Dr. Dirk Nettelbeck, Projektleiter an der Dermatologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen. Diese Strategie basiert darauf, dass Viren in Zellen eindringen, sich darin stark vermehren und die Zellen dadurch zum Platzen bringen. Tausende neuer Erreger schwärmen aus und befallen weitere Zellen. So lösen Viren verschiedene Krankheiten aus. Die Winzlinge erkennen ihr Zielobjekt mit Hilfe von Antennen, mit denen sie an passende Oberflächenmoleküle der jeweiligen Zelle andocken, um dann einzudringen.

In dem von der Deutschen Krebshilfe geförderten Projekt sollen genetisch veränderte Viren – so genannte o­nkolytische Viren – ganz gezielt Hautkrebszellen befallen, diese zerstören und sich ausschließlich im Tumor ausbreiten. „Im Tiermodell konnte das Prinzip der viralen o­nkolyse bereits erfolgreich angewandt werden, erste klinischen Studien in den USA verliefen vielversprechend“, so Dr. Nettelbeck. Die Erlanger Wissenschaftler setzen Adenoviren ein, die sehr gut untersucht sind und beim Menschen eher harmlose Erkältungskrankheiten erzeugen.

Von alleine infizieren Adenoviren die Krebszellen nur unzureichend. Damit die kleinen Helfer in der Krebs-Therapie zielgenau treffen, arbeitet das Erlanger Forscherteam an zwei Strategien zur Entwicklung effektiver o­nkolytischer Adenoviren: „Bei der einen Methode verändern wir die Antennen der Viren, damit sie effizient – im Idealfall sogar ausschließlich – an Hautkrebszellen andocken und nur in diese eindringen“, erklärt Dr. Nettelbeck. Bei der anderen Strategie wollen die Wissenschaftler die Viren so manipulieren, dass ihr Vermehrungsprogramm nur in Tumorzellen gestartet wird – gesundes Gewebe also verschont bleibt. „So ausgerüstet, sollen die Viren auch Tumorzellen in Tochtergeschwülsten zuverlässig aufspüren und diese zerstören“, beschreibt Dr. Nettelbeck einen großen Vorteil dieser Therapie-Strategie.

Die Virus-Therapie wird an der Dermatologischen Klinik in Erlangen, einem Therapiezentrum für das Melanom, zunächst spezifisch für diesen Hautkrebs entwickelt. Sie könne mit konventionellen Methoden wie Operation, Chemo- und Strahlentherapie oder auch mit einer Immuntherapie kombiniert werden. „Wenn wir beim Hautkrebs Erfolg haben, ist es durchaus denkbar, unsere Virus-Strategie auch zur Therapie anderen Krebsarten anzuwenden,“ erklärt Dr. Nettelbeck.

Infokasten: Hautkrebs

Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 120.000 Menschen neu an Hautkrebs, etwa 3.000 sterben daran. Je nach Entstehungsort und zellulärem Aufbau unterscheidet man folgende Hautkrebs-Arten: Basalzellkarzinom, Stachelzellkrebs (Plattenepithelkarzinom) und das besonders gefährliche maligne Melanom (schwarzer Hautkrebs), an dem jährlich etwa 11.400 Menschen in Deutschland neu erkranken. Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Hautkrebs ist die UV-Strahlung – sowohl die natürliche Sonnenstrahlung als auch die künstlicher Besonnungsgeräte. Therapie der Wahl ist die möglichst frühzeitige operative Entfernung des Karzinoms und eventuell auch der zugehörigen Lymphknoten. Haben sich Metastasen in anderen Organen gebildet, muss eine Chemo- und/oder Immuntherapie durchgeführt werden. Früh erkannt, hat Hautkrebs eine hohe Heilungschance.

Projekt-Nr.: 10-2186

Deutsche Krebshilfe, Bonn, 26. Juli 2004


Krebszeitung

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