Ernährungstherapie bei Krebs

Ein guter Ernährungsstatus ist bei Krebs besonders wichtig. - Quelle: Berliner Krebsgesellschaft
Ernährung bei Krebs

In der entsprechenden Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) steht es schwarz auf weiß: Studien belegen, dass eine Trink- oder Sondennahrung im Vergleich zu normaler Ernährung den Gewichtsverlust signifikant reduzieren kann. Dadurch können im weiteren Verlauf die Lebensqualität der Patienten erhalten, Therapieunterbrechungen vermieden und die Häufigkeit von Krankenhausaufenthalten verringert werden. Leider wird diese Erkenntnis in der täglichen Praxis noch viel zu wenig umgesetzt. Dies war u.a. Thema beim Patientensymposium „Ernährungstherapie bei Krebserkrankungen“, das im Rahmen der 2. Offenen Krebskonferenz im Düsseldorfer Congress Center stattfand.

Für Dr. Gudrun Zürcher ist Mangelernährung bis hin zur Kachexie (pathologischer Gewichtsverlust) bei Tumorpatienten ein häufig anzutreffendes Phänomen. Die Ernährungsmedizinerin aus Freiburg weist darauf hin, dass Tumorpatienten sowohl Körperfett als auch Magermasse verlieren, wobei es durchaus passieren kann, dass eine kompensatorische Zunahme der extrazellulären Flüssigkeit das tatsächliche Ausmaß der Gewichtsabnahme verschleiert. „Dabei kann die verminderte Nahrungsaufnahme“, so Dr. Zürcher, „entweder auf eine direkte Beeinträchtigung durch Obstruktionen im Mund- und Halsbereich sowie im oberen Gastrointestinaltrakt zurückzuführen sein, oder auch eine Wirkung des Tumors auf den Appetit und Stoffwechsel sein“. Insbesondere Patienten mit chronischem Nikotin- und Alkoholkonsum sind gefährdet.

Als Folgen der Mangelernährung treten Komplikationen wie Wundheilungsstörungen, Infektionen und Sepsis auf. Außerdem sprechen Tumorpatienten mit Gewichtsverlust wesentlich schwächer auf die Chemotherapie an und weisen häufigere chemotherapiebedingte toxische Ereignisse und Komplikationen auf. Mangelernährung hat für Tumorpatienten häufig verlängerte Krankenhausaufenthalte, Depressionen und eine erhöhten Mortalität zur Folge. Nicht nur der Betroffene selbst, sondern seine gesamte Familie kann hierdurch psychisch in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Erhaltung der Lebensqualität des Patienten und seiner Angehörigen ist hier oberstes Gebot. Diese ist bereits bei einem Gewichtsverlust von nur 5 Prozent bei gleichzeitig unzureichender Energie- und Eiweißaufnahme gefährdet.

Für Monika Emich, Ernährungsberaterin im Klinikum Saarbrücken, ergibt sich eine individuelle Therapie der tumorbedingten Mangelernährung aus dem beiderseitigen Blickwinkel des Arztes wie des Patienten. Für den Arzt gilt es zunächst abzuklären, ob der Patient unter Übelkeit bzw. Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung, Mukositis, Schluckstörung, Geschmacksverlust, Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme leidet.

Wichtig ist die Einnahme mehrerer kleiner Mahlzeiten, möglichst über den Tag verteilt. Dabei kommt es darauf an, zu essen, sobald der Appetit sich einstellt. Da bekanntermaßen auch das Auge „mitisst“, sollten Speisen optisch ansprechend und in einer angenehmen Atmosphäre serviert werden. Sofern bereits Untergewicht vorliegt, empfiehlt es sich, Lebensmittel mit hoher energetischer Dichte wie z.B. fettreiche Milch und Milchprodukte, Obst, Gemüse, Salat, Kartoffeln, Vollkornprodukte, Fleisch, Fisch und Eier zu bevorzugen. Ergänzend können auch vollbilanzierte Trinknahrungen verabreicht werden, die es mittlerweile in einer Vielzahl von leckeren Geschmacksrichtungen gibt.

Für den Patienten und seine Angehörigen sind einige Grundregeln zu beherzigen: Tumorpatienten
sollten frühzeitig gemeinsam mit dem Arzt oder einer Ernährungsberaterin einen individuellen Ernährungsplan aufstellen. Auch darf Essen nicht als Zwang betrachtet, sondern sollte als Ausdruck der Lebensfreude gesehen werden. Mit ein wenig Abwechslung auf dem Speiseplan beginnt der Genuss bereits beim Einkauf. Wenn auf herkömmlichen Weg keine ausreichende Nährstoffversorgung sicherzustellen ist, sollte man sich vom behandelnden Arzt geeignete Zusatznahrung verordnen lassen. Monika Emich warnt vor zu langem Zögern: „Leider wird vollbilanzierte Trinknahrung häufig erst bei einem signifikanten Gewichtsverlust gegeben. Dann dauert es umso länger, bis der Ernährungszustand des Patienten wiederhergestellt ist.“

Die 2. Offene Krebskonferenz hat sich den Dialog zwischen Patienten und Ärzten auf ihre Fahnen geschrieben. Sie bietet ein Forum, auf dem Patienten und Fachleute sich austauschen, wie eine optimale und zukunftsweisende Versorgung von Krebspatienten hergestellt werden kann. Bei der Premiere vor zwei Jahren in Berlin hatten etwa 7.000 Menschen an der Konferenz teilgenommen. In Düsseldorf rechnen die Veranstalter dieses Jahr mit 8.000 -10.000 Besuchern.

Pressemitteilung, Steffen Fritzsche und Sunbul Dubuni


Krebszeitung

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