Fleisch steigert, Fisch senkt das Darmkrebsrisiko

Ein guter Ernährungsstatus ist bei Krebs besonders wichtig. - Quelle: Berliner Krebsgesellschaft
Ernährung bei Krebs

Wer täglich auf Schinken und Bratwurst besteht, erhöht sein Darmkrebsrisiko deutlich. Kommt dagegen häufig Fisch auf den Tisch, ist das Risiko an Darmkrebs zu erkranken abgesenkt. Frühere Untersuchungsergebnisse hatten bereits auf diese Zusammenhänge hingewiesen – die Auswertung einer Studie mit rund einer halben Million Teilnehmern bestätigt nun die Vermutung.

Die Studienteilnehmer aus zehn verschiedenen europäischen Ländern lassen sich seit 1992 im Rahmen von „EPIC“ (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) zu ihren Ernährungsgewohnheiten und Lebensumständen befragen. Diese Daten werden auf ihren Zusammenhang mit dem Auftreten neuer Krebsfälle bei den Teilnehmern untersucht. In Deutschland sind das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg sowie das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke als EPIC-Studienzentren beteiligt.

Epidemiologen aus der EPIC-Koordinationszentrale, dem International Agency for Research o­n Cancer in Lyon, veröffentlichten nun zusammen mit Kollegen aus anderen EPIC-Zentren die Ergebnisse zur Beziehung des Fleisch- und Fischverzehrs zum Darmkrebsrisiko. Die Analyse stützt sich auf 1329 Rektum- und Dickdarmkrebsfälle, die seit Studienbeginn bei den Teilnehmern erstmalig diagnostiziert worden sind.

Studienteilnehmer, die viel so genanntes „rotes“ Fleisch (dazu zählt Schweine-, Rind-, Kalb- oder Lammfleisch) oder Fleischprodukte aßen, erkrankten häufiger an Darmkrebs als Menschen, die nur wenig davon verzehrten. Genau umgekehrt verhält es sich mit Fisch: Wer viel Fisch verzehrte, hatte gegenüber Personen mit geringem Fischkonsum ein deutlich niedrigeres Darmkrebsrisiko. Der Verzehr von Geflügelfleisch spielte für die Erkrankungshäufigkeit keine Rolle.

Nach Schätzungen der Forscher steigt das Darmkrebsrisiko pro 100 Gramm täglich verzehrtem „roten“ Fleisch um 49%. Bei einer Erhöhung des Wurstverzehrs um 100 Gramm am Tag würde es sogar um 70% steigen. Täglich 100 Gramm mehr Fisch halbieren dagegen das Erkrankungsrisiko.
Bei diesen Werten ist der Einfluss verschiedener Faktoren wie Geschlecht, Körpergewicht, Alkoholkonsum, Sport oder Rauchen auf das Erkrankungsrisiko berücksichtigt. Zusätzlich wurden die Daten mit einem Verfahren bearbeitet, das Ungenauigkeiten durch die Angaben der Studienteilnehmer zu ihren Ernährungsgewohnheiten vermindert.

Die Wissenschaftler liefern verschiedene Erklärungen für den Einfluss des Fleisch- und Fleischwarenkonsums auf die Darmkrebsentstehung. Neuere Studien weisen darauf hin, dass mit dem Fleisch aufgenommenes Eisen zur Risikoerhöhung beitragen könnte, da Eisen die Bildung schädlicher Nitroso-Verbindungen im Körper fördern kann. „Rotes“ Fleisch oder Fleischwaren haben im Durchschnitt einen höheren Eisengehalt als Geflügel, weshalb dessen Verzehr das Darmkrebsrisiko in dieser Studie nicht beeinflusst haben könnte. Ursache für die schützende Wirkung des Fischverzehrs könnten bestimmte langkettige, mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren sein.

In Bezug auf Fleisch und Fleischprodukte bestätigen die jetzigen Ergebnisse die Hinweise aus früheren Studien. Ebenso deuten sie erneut auf eine positive Rolle von Fisch in der menschlichen Ernährung, kommentieren Professor Heiner Boeing und Privatdozent Dr. Jakob Linseisen, die EPIC-Studienleiter in Potsdam und Heidelberg, die Resultate. Diese Ergebnisse sollten uns hellhörig werden lassen, meinen die beiden Experten: Deutschland liegt in Europa beim Konsum von Wurstwaren ganz vorn. So würden wir am meisten von einer Einschränkung des Wurstverzehrs profitieren.

Teresa Norat et al.: Meat, Fish and Colorectal Cancer Risk: The European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition. The Journal of the National Cancer Institute, Vol. 97, June15, 2005

Kontakt:Dr. med. Julia Rautenstrauch
Deutsches Krebsforschungszentrum
Tel. 06221 42 2854
presse@dkfz.de
www.dkfz.de

Dr. Gisela Olias
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke
Tel. 033200 88 278
presse@mail.dife.de
www.dife.de

Pressemitteilung Deutsches Krebsforschungszentrum, Dr. Julia Rautenstrauch


Krebszeitung

--Download Fleisch steigert, Fisch senkt das Darmkrebsrisiko als PDF-Datei --


  • Mikroskopische Aufnahme eines Gewebsschnitts durch einen Dickdarmtumor mit Spezialfärbung: Die blau angefärbten Zellen produzieren den Wachstumsfaktor Epiregulin. Es handelt sich zum Großteil um Bindegewebszellen (Tumorfibroblasten). - Foto: Dr. Clemens Neufert
    Forschung

    Die Anti-Angiogenese stellt einen fundamental neuen Ansatz in der Tumortherapie dar. Im Gegensatz zu konventionellen Strategien wie Chemotherapie und Strahlentherapie, die Tumorzellen direkt angreifen, konzentrieren sich anti-angio­gene Wirkstoffe auf die Wechselwirkung zwischen dem Tumor und seinem Gefäßbett.

    […mehr lesen]

  • Leukämiezellen
    Leukämie

    Berlin, 22. August 2012 – Am 14. August 2012 meldete die Europäische Zulassungsbehörde EMA, dass Genzyme, eine Tochterfirma von Sanofi- Aventis, das Krebsmittel Alemtuzumab aus kommerziellen Gründen vom Markt nimmt. Der monoklonale Antikörper Alemtuzumab (Mabcampath®) ist eines der wirksamsten Medikamente für Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL), der häufigsten Leukämieform in Deutschland. Alemtuzumab gehört zum aktuellen Therapiestandard und ist essenziell für Patienten mit einer besonders aggressiven Verlaufsform dieser Leukämie.

    DGHO fordert wirksame gesetzliche Eingriffsmöglichkeiten

    Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e.V. beobachtet mit großer Sorge eine internationale Tendenz zu Versorgungsengpässen mit essenziellen Medikamenten vor allem bei seltenen Krebserkrankungen. Dies war Thema einer eigenen Sitzung des Amerikanischen Onkologenkongresses ASCO im Juni dieses Jahres. Ergebnis war, dass die Engpässe in den meisten Fällen kommerzielle Gründe haben. Die Einstellung der Vermarktung von Alemtuzumab ordnet sich in diese Entwicklung ein. Ein gesetzlicher Regelungsrahmen zur Sicherstellung der Versorgung mit essenziellen Medikamenten für schwere Erkrankungen ist deshalb dringend erforderlich. Eine solche Regelung war im Gesetzentwurf für die jüngste Novelle des Arzneimittelgesetzes enthalten. Eine Ergänzung des § 52b sollte es den Behörden ermöglichen, zur Behebung eines „erheblichen Versorgungsmangels“ bei Medikamenten für schwerwiegende Erkrankungen „die notwendigen Anordnungen treffen, um eine bedarfsgerechte und kontinuierliche Bereitstellung des Arzneimittels sicherzustellen.“

    […mehr lesen]

Google News – Gesundheit

  • Low-Fat-Diät gegen Low-Carb-Diät: Unentschieden
    am 22. Februar 2018 um 17:32

    Low-Fat-Diät gegen Low-Carb-Diät: Unentschieden  Augsburger AllgemeineLow Carb oder Low Fat? Beide Diäten helfen beim Abnehmen  Gesundheitsstadt BerlinDie Vorurteile einer kohlenhydratarmen Ernährung  freundinFull coverag […]

  • Wie gut wirken Antidepressiva?
    am 22. Februar 2018 um 17:25

    Wie gut wirken Antidepressiva?  SPIEGEL ONLINEAntidepressiva: Alle besser als Placebo  Pharmazeutische Zeitung onlineAntidepressiva wirken ohne Ausnahme besser als Placebo  Deutsches ÄrzteblattAntidepressiva sind besser als ihr Ruf  Süddeutsche.deFull coverag […]

  • Schon 136 Influenza-Tote – Die Grippewelle nimmt nicht ab
    am 22. Februar 2018 um 17:22

    Schon 136 Influenza-Tote – Die Grippewelle nimmt nicht ab  Heilpraxisnet.deInfluenza B verursacht viele Grippefälle  Stuttgarter NachrichtenIn Deutschland schon 136 Grippetote und 23.379 Neuerkrankungen  NOZ - Neue Osnabrücker Zeitung24.000 Grippefälle in einer Woche  FAZ - Frankfurter […]

  • Effizientere Herstellung von Malaria-Wirkstoff angekündigt
    am 22. Februar 2018 um 17:20

    Effizientere Herstellung von Malaria-Wirkstoff angekündigt  ZEIT ONLINEGrüne Chemie für Malaria-Medikament  DeutschlandfunkPotsdamer Forscher revolutionieren Malaria-Wirkstoff  Potsdamer Neueste NachrichtenFull coverag […]

  • Im Alter werden die Ohren groß und der Penis winzig
    am 22. Februar 2018 um 17:17

    Im Alter werden die Ohren groß und der Penis winzig  Heilpraxisnet.deFull coverag […]