Forscher entdecken möglichen Ansatz gegen aggressiven Brustkrebs

Beteiligung von Plexin-B1 an der Bildung von Metastasen: die Lungen von Mäusen ohne Plexin-B1 bleiben weitgehend frei von Metastasen.- MPI f. Herz- und Lungenforschung

Bei besonders aggressiven Brustkrebsformen können sich Krebszellen in andere Organe absiedeln und dort Metastasen bilden. Beteiligung von Plexin-B1 an der Bildung von Metastasen: die Lungen von Mäusen ohne Plexin-B1 bleiben weitgehend frei von Metastasen.- MPI f. Herz- und LungenforschungHaben sich solche Metastasen erst einmal gebildet, sind echte Heilungen nur noch selten. Daher ist es enorm wichtig, die Metastasierung der Brustkrebszellen zu verhindern, was mit den bestehenden Therapieformen allerdings nur teilweise gelingt. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim haben nun entdeckt, dass sie die Bildung von Metastasen verhindern können, wenn sie das Rezeptorprotein Plexin B1 blockieren. Sie hoffen, damit einen neuen Ansatz gefunden zu haben, um die Metastasierung von aggressiven Brustkrebsformen zu unterbinden und damit die Prognose der Patientinnen zu verbessern.

Brustkrebs ist bei Frauen die mit Abstand häufigste Krebserkrankung. Ungefähr jede zehnte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. Etwa ein Viertel aller Patientinnen erkrankt an einer besonders aggressiven Form des Brustkrebses, bei der die Tumorzel-len sehr häufig in andere Organe metastasieren. Diese aggressive Brustkrebsform zeichnet sich dadurch aus, dass die Tumorzellen das Protein ErbB-2 produzieren. Wenn in der bei jeder Brustkrebspatientin routinemäßig entnommenen Gewebeprobe ErbB-2 in den Tumorzellen nachgewiesen werden kann, müssen sich die Patientinnen einer besonderen und aufwändigen Therapie unterziehen. Trotz dieser Therapie kann das Auftreten von Metastasen nicht immer verhindert werden.

Was ausgerechnet ErbB-2-produzierende Tumoren so aggressiv macht, haben nun Wissenschaftler aus der Arbeitsgruppe von Stefan Offermanns, Direktor am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung, herausgefunden. „Durch Untersuchungen im Nervensystem war bekannt, dass ErbB-2 einen Komplex mit dem Rezeptorprotein Plexin-B1 bildet, das die Bewegung und Wanderung von Zellen steuert“, erläutert Thomas Worzfeld, Leiter der Studie. „Wir haben deshalb gezielt in Brustkrebszellen nach einem Zusammenspiel dieser beiden Proteine gesucht.“ Die Bad Nauheimer Forscher wurden fündig. Schalteten sie das Plexin-B1 in Brustkrebszellen ab, verloren die Zellen die Fähigkeit zu wandern.

„Aus dieser Beobachtung haben wir geschlossen, dass es möglich sein sollte, die Bildung von Metastasen durch Ausschalten von Plexin-B1 zu verhindern“, sagte Worzfeld. Um dies zu überprüfen, schalteten sie in Mäusen mit ErbB-2-produzierendem Brustkrebs das Plexin-B1 aus. Der beobachtete Effekt war deutlich: „Wir konnten bei den Tieren ohne Plexin-B1 eine drastische Reduktion der Metastasen in den Lungen feststellen. Das war bereits mit bloßem Auge zu erkennen.“

Die Frage war nun, inwieweit diese Beobachtung auf den Menschen übertragbar ist. Bei der Untersuchung von Gewebematerial von Brustkrebspatientinnen stellten die Max-Planck-Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen dem Gehalt von Plexin-B1 im Tumorgewebe und der Prognose der Patientinnen fest. So hatten Patientinnen mit nur geringem Plexin-B1-Gehalt im Tumorgewebe eine deutlich bessere Überlebenschance. Die Wissenschaftler schöpfen aus diesen Ergebnissen die Hoffnung, einen Ansatz zur Entwicklung einer neuen Therapie gefunden zu haben. „Wir wollen Plexin-B1 mit einem Antikörper gezielt ausschalten und hoffen, dadurch das Auftreten von Metastasen zu unterdrücken“, sagte Worzfeld. Der Antikörper, auf den ein Patent angemeldet ist, wird nun im Tiermodell untersucht. Offermanns ist vorsichtig optimistisch: „Wir glauben, mit Plexin-B1 eine entscheidende Stelle gefunden zu haben, über die die Bildung von Metastasen zu blockieren ist. Bis feststeht, ob unser Antikörper in der Klinik erfolgreich eingesetzt werden kann, ist es allerdings noch ein sehr weiter Weg.“

Kontakt:
Dr. Matthias Heil
Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung, Bad Nauheim
Telefon: +49 6032 996-2822
E-Mail: m.heil@kerckhoff.mpg.de

Originalveröffentlichung:
Thomas Worzfeld, Jakub M. Swiercz, Mario Looso, Beate K. Straub, Kishor K. Sivaraj, Stefan Offermanns
ErbB-2 signals through Plexin-B1 to promote breast cancer metastasis.
J Clin Invest 2012; doi:10.1172/JCI60568

Pressemitteilung Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., Dr Harald Rösch


Krebszeitung

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  • Sonnenbaden
    Hautkrebs

    Sonnenschutz von Anfang an reduziert das Hautkrebsrisiko

    SonnenbadenBonn (sts) – Die Zahl der Hautkrebsfälle in Deutschland hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Derzeit erkranken etwa 234.000 Menschen pro Jahr neu an einem Tumor der Haut: Rund 207.000 an einem weißen Hautkrebs (Basalzellkarzinom: 137.000, Plattenepithelkarzinom: 70.000) und etwa 28.000 am schwarzen Hautkrebs, dem malignen Melanom. Experten machen insbesondere UV-bedingte Hautschäden, die in der Kindheit und Jugend erworben wurden, für diesen Trend verantwortlich. Denn die im Vergleich zu Erwachsenen noch anders strukturierte kindliche Haut ist besonders empfindlich gegen UV-Strahlen. „Sonnenschutz muss daher bereits bei Kindern so selbstverständlich werden wie das tägliche Zähneputzen“, fordert Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe.

    Schon bevor ein Sonnenbrand sichtbar wird, können ultraviolette Strahlen der Sonne das Erbgut der Zellen in der Haut schädigen. In der Regel beseitigt ein körpereigenes Reparatursystem entstandene Schäden. Ist dieses System überlastet, verändert sich das Erbgut und die Zelle kann entarten. Hautkrebs ist die Folge.

    Kinderhaut reagiert ganz besonders empfindlich auf UV-Strahlen. Epidemiologische Studien zeigen: Jugendliche, die in ihrer Kindheit häufig der Sonne ausgesetzt waren und Sonnenbrände erlitten, weisen ein deutlich erhöhtes Risiko auf, später an Hautkrebs, insbesondere am malignen Melanom zu erkranken. Experten machen die spezifische Struktur der Kinderhaut für das erhöhte Hautkrebsrisiko verantwortlich. „Die UV-empfindlichen Stammzellen liegen bei Kindern sehr viel dichter unter der Hautoberfläche als bei Erwachsenen und sind UV-Strahlen somit stärker ausgesetzt“, erklärt Professor Dr. Eckhard Breitbart, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP). Auch bei Sonnenbränden reagiert die kindliche Haut anders als die Erwachsener. Dieses „Alarmsignal“ des Körpers tritt bei Kindern zeitverzögert auf. Die Haut ist dann bereits erheblich geschädigt. „Kinderhaut muss daher ganz besonders vor krebserregenden UV-Strahlen geschützt werden“, betont Dr. Herbert Grundhewer vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.

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  • Links: CT-Aufnahme, rechts: PET, Mitte: Kombination; Patient mit Lungentumor vor (oben) und nach (unten) Hochpräzisionsbestrahlung.Der Tumor hat sich bei erhaltener Lunge komplett zurückgebildet. Universitätsklinikum Freiburg
    Lungenkrebs

    Berlin – Die Positronen-Emissions-Tomographie (PET), eine moderne nuklearmedizinische Untersuchung, erleichtert bei Krebspatienten die Suche nach Metastasen. Das Verfahren hat sich vor allem bei Lungenkrebs bewährt, wie eine neue Studie aus den USA belegt. Demnach kann das PET mindestens ein Drittel der Patienten, die an einem Lungenkrebs erkrankt sind, vor einer unnötigen Operation bewahren. PET sollte daher auch in Deutschland routinemäßig vor einem solchen Eingriff eingesetzt werden, empfiehlt der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner (BDN).

    Das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom ist der häufigste Lungenkrebs, an dem vor allem männliche Raucher erkranken. In einem frühen Stadium ist die Krankheit durch eine Operation heilbar. Ob ein Eingriff in Frage kommt, hängt vor allem von der Ausdehnung des Tumors ab. Sind bereits mehrere Lymphknoten befallen oder haben sich Tochtergeschwüre in anderen Organen gebildet, ist es meist vorteilhafter, eine belastende Operation zu meiden und das Krebswachstum mit Radiotherapie, Chemotherapie und zielgerichteten Therapien zu bekämpfen. „Bei allen Patienten muss deshalb eine Suche nach Metastasen durchgeführt werden“, erläutert Professor Dr. med. Detlef Moka, Vorsitzender des BDN.

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