Fortschritt in der Krebsmedizin – Durch Erbgutanalysen Tumoren gezielt behandeln

Asco-Brunnen - pixabay
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Wiesbaden – Krebs ist die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Alleine in der Bundesrepublik erkranken jedes Jahr etwa 500 000 Menschen neu an der Krankheit. Das Gefährliche: Krebszellen teilen sich unkontrolliert, können in benachbartes Gewebe eindringen und sich im Körper ausbreiten. Dadurch entstehen Tochtergeschwulste, sogenannte Metastasen – für den Patienten besteht Lebensgefahr. Doch dank jüngster Fortschritte in der Krebsmedizin haben Betroffene bessere Aussichten auf Heilung beziehungsweise auf ein längeres Leben mit der Krankheit. Erbgutanalysen ermöglichen eine differenzierte Diagnose und gezielte Therapie: Im Rahmen des 120. Internistenkongresses Ende April in Wiesbaden spricht Professor Dr. med. Dr. h.c. Otmar D. Wiestler aus Heidelberg deshalb über einen „Paradigmenwechsel in der Behandlung von Krebserkrankungen“.

Die Behandlung von bösartigen Tumoren erforderte bisher viel Geduld und Durchhaltevermögen. Denn eine Therapie, die bei einem Patienten anschlägt, muss nicht zwangsläufig bei einem anderen Betroffenen mit derselben Krebsdiagnose wirken. „Es gibt erhebliche individuelle Unterschiede bezüglich der genetischen Auslöser, die auch dafür verantwortlich sind, dass die Krankheit oft von Patient zu Patient unterschiedlich verläuft“, sagt Professor Wiestler, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg. Deutlich wird dies am Beispiel von Brustkrebs-Patientinnen. Der Wirkstoff Herceptin wirkt bei jeder vierten Betroffenen und stoppt das Wuchern der entarteten Zellen – bei den anderen Frauen zeigt die Therapie mit diesem „Antikörper“ jedoch keine Wirkung.

Personalisierte Krebsmedizin bietet Patienten exakt die Therapien, die an der Ursache ihrer Erkrankung angreifen und dort wirken. Möglich machen können das Genomsequenzierungen, die eine Analyse des kompletten Erbguts erlauben. Denn: Bei Krebs handelt es sich aufgrund fehlerhafter Erbinformationen in den entarteten Zellen um eine Krankheit, die sich immer auch in den Genen abbildet. Sei es, dass diese erblich bedingt, spontan erworben oder durch Lebensumstände wie etwa Rauchen oder Übergewicht ausgelöst sind. Diese genetischen Defekte und Veränderungen lassen sich durch Genomsequenzierung finden: „Mit dieser Methode können wir erkennen, ob eine bestimmte Behandlung anschlägt oder nicht. Denn Tumorzellen sind sehr anpassungsfähig und entziehen sich auf diese Weise auch Therapien,“ erklärt Wiestler, der auch Sprecher des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung ist. Das gezielte medikamentöse Vorgehen verschont Patienten vor starken Nebenwirkungen und nicht wirksamen und damit überflüssigen Behandlungen.

Das größte Zukunftspotential liege in der intelligenten Kombination herkömmlicher und neuer Therapieverfahren. „Dieser Ansatz könnte es ermöglichen, bösartige und erst in einem späten Tumorstadium diagnostizierte Krebserkrankungen über längere Phasen zu kontrollieren und in ein chronisches, beherrschbares Stadium der Erkrankung zu überführen“, sagt Wiestler. Eine Genomsequenzierung ist derzeit noch mit Kosten von etwa 5 000 Euro verbunden – Experten rechnen jedoch damit, dass diese zukünftig deutlich sinken werden. Aktuelle Erkenntnisse der personalisierten Krebsmedizin stellt Professor Wiestler im Rahmen des 120. Internistenkongresses in Wiesbaden vor.

Terminhinweise:

120. Internistenkongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)
Termin:
26. bis 29. April 2014

Ort: Rhein-Main-Hallen Wiesbaden

Plenarsitzung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V.:
Termin:
Montag, 28. April 2014, 11.45 bis 12.15 Uhr
Thema:
„Krebsforschung und Onkologie auf dem Weg zur individualisierten Krebsmedizin“

Mittags-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V.:
Termin:
Montag, 28. April 2014, 12.30 bis 13.30 Uhr
Thema:
„Individualisierte Krebsmedizin – was ist heute schon möglich?“

Pressekontakt für Rückfragen:
Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)
Pressestelle
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-552
Fax: 0711 8931-167

voormann@medizinkommunikation.org
www.dgim2014.de

www.dgim.de

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