FRAUENHEILKUNDE IM 21. JAHRHUNDERT

Krebssymbol - pixabay
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Frauenheilkunde: Der (alle zwei Jahre stattfindende) Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe steht diesmal unter dem Motto: „Durch Gemeinsames Gestalten Gewinnen“. Diese an die Abkürzung der Fachgesellschaft (DGGG) angelehnte Selbstverpflichtung bezieht sich laut Prof. Walter Jonat (Kiel), Präsident der Gesellschaft und des Kongresses, „zu allererst auf unsere partnerschaftliche Verantwortung für unsere Patientinnen“. Zudem gehe es aber auch darum, die Frauenheilkunde mit allen Spezialdisziplinen im Zeichen gesellschaftlicher Veränderungen und gesundheitspolitischer Schwierigkeiten „für die Zukunft fit zu machen“. An die 3.000 deutsche und internationale Kongressteilnehmer werden in Hamburg erwartet.

Einleitende Worte von Prof. Jonat

Gynäkologie und Geburtshilfe haben sich zum gesundheitlichen Begleiter der Frauen während ihres gesamten Lebens entwickelt. Die älter werdende Gesellschaft stellt an die Frauenheilkunde große Herausforderungen.

Immer mehr Frauen möchten Kinder in späteren Lebensabschnitten bekommen. Zum Teil wurde dies erst durch die bessere Fortpflanzungsmedizin ermöglicht. Die Perinatalmedizin („um die Geburt herum“) hat zu zahlreichen Verbesserungen für Mutter und Kind geführt. Ein weiteres Diskussionsthema ist die steigende Zahl von Kaiserschnitten. Mitunter entstehen ferner neue ethische Herausforderungen. Eine wichtige Rolle spielt die Gynäkologie auch für Mädchen und junge Frauen, nicht zuletzt bei der Schwangerschaftsverhütung.

Für Frauen im höheren Lebensalter wiederum spielt die Behandlung von Beschwerden in den Wechseljahren eine große Rolle; die Diskussion um die Hormonersatztherapie flammt immer wieder auf. In der darauf folgenden Lebensphase hat die Urogynäkologie erheblich an Bedeutung gewonnen, denn insbesondere Inkontinenz bedeutet eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität. Wichtig sind ferner Erkrankungen wie die Endometriose sowie gynäkologische Infektionen. Vor allem auch bei der Krebsvorsorge und -behandlung macht sich das zunehmende Alter der Frauen bemerkbar. Mit dem Mammographie-Screening wurden Fortschritte erzielt, aber damit sind nicht alle Probleme gelöst. Eine zentrale Rolle wird beim Hamburger Kongress selbstverständlich die Krebstherapie mit modernsten Mitteln und Methoden spielen.

Die Frauenheilkunde ist beileibe kein ausschließlich „medizintechnisches“ Fach. Lebensbegleitung und -beratung gehören ebenso dazu wie die seelische Seite – von der vorgeburtlichen Psychologie bis zu psychosomatischen Erkrankungen. Fachleute für Frauengesundheit müssen sich ferner zu Wort melden, wenn es um die Verteilung von Ressourcen geht. Ein Beispiel: Während es in ärmeren Ländern oft an Geld und Infrastruktur mangelt, um schlimmste „Frauenleiden“ zu behandeln, kommen in reichen Staaten Schönheitsoperationen an den Genitalien „in Mode“. Oder: Sicherheit und Gesundheit von Kindern sind auch Verpflichtung der beteiligten medizinischen Disziplinen; so wird die DGGG beispielsweise in Kürze Anleitungen zur Kennzeichnung von Neugeborenen heraus geben, um – wenn auch seltene – Verwechslungen in Krankenhäusern auszuschließen. Denn zu den Aufgaben der DGGG gehört es, sich in wichtige gesellschaftliche Fragen „einzumischen“, wenn die Gesundheit von Frauen betroffen ist, sowie für die Sicherung der Behandlungsqualität zu sorgen.

Mit der Erarbeitung von mehr als 50 Leitlinien und der Festlegung von Behandlungsstandards zu den unterschiedlichsten gynäkologischen Themen hat die DGGG in den vergangenen Jahren Maßstäbe innerhalb der Medizin gesetzt. Die Zielsetzung einer bestmöglichen Qualität hat zur „Zentrenbildung“ geführt, beispielsweise zu Perinatal- und Brustzentren. Doch hinkt die politische Umsetzung von Institutionen, die auf bestimmten Gebieten besondere Qualifikationen und umfassende Erfahrung bieten können, teilweise immer noch hinter der fachkundigen Einschätzung der DGGG zurück – hier sind noch „dicke Bretter zu bohren“.

Politische Entscheidungen der vergangenen Jahren – wie etwa Fallpauschalen – haben auch zu großen Veränderungen in Klinik und Praxis geführt. Ziel der DGGG ist es, auf diese Herausforderungen mit neuen, vernetzten Lösungen im Sinne der Frauengesundheit zu reagieren. Auf weiteren Gebieten, wie zum Beispiel bei der Regelung von Abtreibungen in der Spätschwangerschaft, arbeitet die Fachgesellschaft zusammen mit der Politik an Lösungen.

„Die qualifizierte Aus-, Fort- und Weiterbildung der jungen Ärztinnen und Ärzte in der Frauenheilkunde ist eines der wichtigsten Anliegen der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe“, sagt Prof. Jonat. Die DGGG hat dies unter anderem mit der Gründung der Deutschen Akademie für Gynäkologie und Geburtshilfe unterstrichen. Und selbstverständlich ist es eines der wichtigsten Ziele der regelmäßigen DGGG-Kongresse, sowohl „alte Hasen“ als auch den „Nachwuchs“ auf dem neuesten Stand der medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisse zu halten.

Pressetteilung Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)


Krebszeitung

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