Frühere Erkennung und bessere Therapie

Atlas der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister - Quelle: GEKID
Atlas der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister - Quelle: GEKID

In Deutschland erkranken jährlich mehr als 100.000 Menschen an einem bösartigen Krebsleiden der Verdauungsorgane. Hierzu zählen Tumoren der Speiseröhre, des Magens, des Dünn- und Dickdarms, der Leber, der Bauchspeicheldrüse sowie der Gallenblase und Gallenwege – fast ein Drittel aller neu festgestellten Krebsleiden. Immer noch ist die Diagnose einer Tumorerkrankung in vielen Fällen mit einer schlechten Prognose verbunden, da vor allem in fortgeschritteneren Erkrankungsstadien wirkungsvolle Therapieverfahren meist fehlen.

Klinische Forschergruppe für Gastrointestinale Tumorforschung

Insgesamt versterben daher fast zwei Drittel aller Betroffenen an dem Krebsleiden. Um die Häufigkeit und die Sterblichkeit an bösartigen Tumoren der Verdauungsorgane zu senken, müssen die Erkrankungen zum einen früher erkannt, zum anderen müssen die Behandlungsmöglichkeiten verbessert werden. Grundlagen für neue kausale Therapieansätze können geschaffen werden, wenn die molekularen Ursachen der Tumorerkrankungen identifiziert und erforscht werden. In Tumorzellen findet sich ein komplexes Nebeneinander von verschiedenen Veränderungen, die sich zum Teil gegenseitig bedingen. Hierzu zählen unter anderem die Aktivierung von Krebsgenen, sogenannten o­nkogenen, die Ausschaltung von Tumorsuppressorgenen, die Unterdrückung des programmierten Zelltodes, überschiessendes und organüberschreitendes Wachstum sowie die Aktivierung der Tumorgefässneubildung.

In der Betreuung von Patienten mit Tumoren des Gastrointestinaltraktes ist die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachdisziplinen wie Innerer Medizin, Chirurgie und Radiologie heute meist fest etabliert. Nur durch diese Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg lässt sich eine optimale Behandlung der Patienten erreichen. So wie in der klinischen Betreuung müssen auch in der Erforschung dieser Tumoren verschiedene Spezialisten zusammenarbeiten. Jeder für sich ist nur in der Lage, einen kleinen Ausschnitt des Ganzen zu untersuchen. Aus diesem Grunde haben sich unter der Leitung der Medizinischen Klinik II Ärzte und Wisenschaftler des Klinikums der Universität München zusammengefunden, um gemeinsam zentrale Aspekte der Entstehung von bösartigen Tumoren der Verdauungsorgane zu erforschen. Nach einem deutschlandweiten und sehr kompetitiven Auswahlverfahren wird diese Initiative nun durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft durch die Einrichtung einer Klinischen Forschergruppe für Gastrointestinale Tumorforschung am Klinikum der Universität München unterstützt.
Sechs Arbeitsgruppen des Klinikums und des Genzentrums der Universität München bilden die Klinische Forschergruppe für Gastrointestinale Tumorforschung. Jede der Arbeitsgruppen der Klinischen Forschergruppe ist auf ihrem Forschungsgebiet international ausgewiesen.

DICKDARM
Die Arbeitsgruppe um Dr. Kolligs (Medizinische Klinik II) beschäftigt sich mit Veränderungen der Expression von Genen und Proteinen im Dickdarmkrebs. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Untersuchung des ersten Schrittes der Entartung von normalem zu bösartigem Darmgewebe. Die Arbeitsgruppe um Privatdozent Dr. Höflich (Institut für Molekulare Tierzucht und Biotechnologie) beschäftigt sich ebenfalls mit der Entstehung von Dickdarmkrebs, sein besonderes Interesse gilt Faktoren, die das Tumorwachstum anregen.

LEBER
Die Arbeitsgruppe um Dr. Eichhorst und Dr. De Toni (Medizinische Klinik II) arbeitet an der Untersuchung der Mechanismen, mittels derer sich Leberkrebszellen der normalen Regulation entziehen und unsterblich werden. Dies ist ein wichtiger Schritt in der Entstehung von Leberkrebs.

BAUCHSPEICHELDRÜSE
Die Forschung von Privatdozentin Christiane Dr. Bruns (Chirurgische Klinik) konzentriert sich auf die Fähigkeit von Krebszellen, die Neubildung von Blutgefässen anzuregen. Diese Eigenschaft von Tumoren ist eine zentrale Voraussetzung zur Versorgung mit Nährstoffen und zum weiteren Tumorwachstum. Der Schwerpunkt ihrer Forschung liegt dabei auf dem Bauchspeicheldrüsenkrebs.

GENEXPRESSION UND EIWEIßE

Dr. Blum (Leiter der Abteilung Genomics) hat mit seiner Arbeitsgruppe spezielle Verfahren zur differenziellen Untersuchung von Veränderungen der Genexpression entwickelt. Mit hoher Empfindlichkeit lassen sich so Unterschiede zwischen normalen und Krebszellen detektieren. Dr. Arnold (Leiter der Abteilung Proteomics) und seine Gruppe verfügen über spezielle Erfahrungen und Expertisen in der Untersuchung von Eiweißen. Darüber hinaus haben sie ein einzigartiges Verfahren zur Generierung von Antikörpern gegen neu entdeckte Eiweiße entwickelt.
Ziel der Klinischen Forschergruppe ist es, zentrale Mechanismen der Entstehung von Dickdarm-, Leberzell- und Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erforschen. Durch moderne Methoden der Genom- und Proteomforschung sollen wichtige Charakteristika von Krebszellen im Vergleich zu ihren gesunden Vorläuferzellen identifiziert werden. Molekular- und zellbiologische Forschung soll dann die Bedeutung dieser tumorspezifischen Veränderungen für die Krebszelle erarbeiten. Durch die intensive Zusammenarbeit und enge Vernetzung der unterschiedlich spezialisierten wissenschaftlichen Arbeitsgruppen lassen sich Fragestellungen bearbeiten, die keine der Gruppen hätte alleine bearbeiten können. Diese gemeinsame Bearbeitung verschiedener Aspekte der Entstehung und Ausbreitung von bösartigen Tumoren des Verdauungstraktes wird so nicht nur die Erforschung komplexerer Zusammenhänge ermöglichen. Durch die enge Verknüpfung von wissenschaftlich tätigen Ärzten und Grundlagenforschern in der Forschergruppe können die gewonnenen Ergebnisse auch rascher in klinischen Forschungsprojekten und klinischen Studien umgesetzt werden. In dieser neu eingerichteten Klinischen Forschergruppe am Klinikum der Universität München werden so klinische Fragestellungen in interdisziplinären Projekten bearbeitet. Die Früchte dieser Arbeit werden später hoffentlich zu neuen therapeutischen Ansätzen führen.
Bei Rückfragen steht Ihnen zur Verfügung:
Dr. Frank Kolligs, Telefon 089-7095- 3130
Pressemitteilung, Klinikum der Universität München, S. Nicole Bongard

Krebszeitung

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  • Themenfoto Darmkrebs - Foto: Bayer Vital gmbH
    Darmkrebs

    Wirkstoff-Kombination bei Radiochemotherapie vielversprechend getestet

    Berlin – Bei Patienten mit fortgeschrittenem Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom) setzen Ärzte vor der Operation des Karzinoms oft eine Radiochemotherapie ein, um den Tumor zu verkleinern. Wie ein deutsches Forscherteam nun herausfand, reagiert der Tumor dabei eher auf eine Wirkstoff-Kombination als auf die bisher übliche Gabe eines einzelnen Medikaments. Über die Ergebnisse ihrer Studie mit mehr als 1200 Patienten berichten die Wissenschaftler aktuell in einer Online-Vorabveröffentlichung des Fachmagazins „The Lancet Oncology“. Der Einsatz der Wirkstoff-Kombination plus Radiotherapie vor der Operation könnte in Kombination mit der anschließenden Chemotherapie zum Goldstandard in der Behandlung von Mastdarmkrebs werden, betont die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO).

    Bei lokal fortgeschrittenem Mastdarmkrebs ist der Tumor schon in das umliegende Fettgewebe oder in die Lymphknoten vorgedrungen, hat aber noch keine Fernmetastasen gebildet. Der wichtigste Therapieschritt ist die Entfernung des Tumors durch eine Operation. „Aber noch vor diesem Eingriff behandeln wir die meisten Patienten mit einer Strahlenchemotherapie, die die Tumorzellen abtöten und zur Verkleinerung des Tumors führen soll“, erklärt DEGRO-Präsident Professor Dr. med. Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universität Lübeck. Nach der Operation folge dann eine weitere Chemotherapie.

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  • Während der Operation durch die Neurochirurgen des UKJ kann unter speziellem UV-Licht des Operationsmikroskops der zu entfernende Hirntumor deutlich sichtbar vom gesunden Hirngewebe unterschieden werden. Foto: UKJ/Medienzentrum
    Hirntumoren

    Tumoren „leuchten“ während des Eingriffs unter UV-Licht / Mehr Präzision

    Während der Operation durch die Neurochirurgen des UKJ kann unter speziellem UV-Licht des Operationsmikroskops der zu entfernende Hirntumor deutlich sichtbar vom gesunden Hirngewebe unterschieden werden. Foto: UKJ/MedienzentrumJena (ukj/dre). Eine neue Operationsmethode bei Hirntumoren ergänzt nun das Behandlungsspektrum der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Jena (UKJ): Dabei werden Hirntumoren durch den Einsatz einer körpereigenen Substanz und speziellem UV-Licht während der Operation sichtbar gemacht. Das ermöglicht eine präzisere Entfernung des Tumors.

    Privat-Dozent Dr. Christian Ewald, Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie am Thüringer Universitätsklinikum: „Vor einem Eingriff trinken die Patienten die körpereigene Substanz, eine Vorstufe des Blutfarbstoffes Hämoglobin. Diese reichert sich im Hirntumor an und wird dort zu einem fluoreszierenden Farbstoff umgewandelt.“ Das Ergebnis: Während der Operation kann unter speziellem UV-Licht des Operationsmikroskops der zu entfernende Hirntumor deutlich sichtbar vom gesunden Hirngewebe unterschieden werden. Der Hirntumor leuchtet rosa, während das umgebende, tumorfreie Gewebe dunkelblau strahlt. Eine Herausforderung bei neuro- onkologischen Eingriffen besteht darin, dass hirneigene Tumoren in der Regel weit in das eigentliche Hirngewebe einwachsen und somit als Tumor nur schwer zu erkennen sind. „Gleichzeitig ist das Ziel solcher Operationen, eine nahezu vollständige Tumorentfernung zu erzielen, ohne dabei jedoch relevante Hirnregionen zu gefährden. Das fluoreszenzgestützte Operieren ist ein wichtiger Schritt zu noch mehr Präzision und damit für bessere Ergebnisse der Operationen“, erklärt Klinikdirektor Prof. Dr. Rolf Kalff.

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