Gefahr für Speicheldrüsen durch gleichzeitige Radiochemotherapie

Chemotherapie - pixabay
Chemotherapie - pixabay

Eine Gefahr für die Speicheldrüsen onkologischer Patienten durch eine gleichzeitige Radiochemotherapie erkannten Forscher der Martin-Luther- Universität Halle-Wittenberg. Für ihre Erkenntnisse wurden sie mit dem Wrigley Prophylaxe Preis (2. Platz) ausgzeichnet.Die Arbeitsgruppe der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther- Universität war interdisziplinär besetzt. Jeremias Hey (Universitätspoliklinik für Zahnärztliche Prothetik), Dr. Reinhard Gerlach (Universitätsklinik und Poliklinik für Strahlentherapie), Dr. Christian Gernhardt (Universitätspoliklinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie) und PD Dr. Thomas Kuhnt (ebenfalls Universitätsklinik und Poliklinik für Strahlentherapie) führten klinische Untersuchungen zur Auswirkung einer simultanen Radiochemotherapie im Vergleich zur alleinigen Radiotherapie (Bestrahlung) auf den Funktionsverlust der großen Kopfspeicheldrüsen, den Glandulae parotideae, durch.

Eine moderne Radiochemotherapie im Kopf-Hals-Bereich steigert im Vergleich zu einer alleinigen Radiotherapie die Tumorzellvernichtung und damit die lokale Tumorfreiheit, erbringt jedoch leider auch erhöhte unerwünschte akute Nebenwirkungen im umliegenden Normalgewebe.
Ob und in welcher Stärke diese gesteigerten Wirkungen auch die im Strahlenfeld liegenden Speicheldrüsen betreffen, wurde bisher nicht systematisch untersucht. Gegenstand der ausgezeichneten Untersuchung war es, die zusätzliche Auswirkung der simultanen Radiochemotherapie mit dem Chemotherapeutikum Cisplatin im Vergleich zu einer alleinigen Radiotherapie auf den Funktionsverlust der großen Ohrspeicheldrüsen zu quantifizieren. Angesichts der Ergebnisse muss davon ausgegangen werden, dass bei Patienten, die mit einer simultanen Radiochemotherapie behandelt wurden, die Schadenswahrscheinlichkeit der Speicheldrüsen wesentlich erhöht wird und diese mit zunehmender Strahlendosis auch exponentiell ansteigt.

Damit bei den betroffenen Patienten auch die sich daran anschließenden Folgestörungen, wie Schluckbeschwerden und bestrahlungsbedingte Karies mit Zahnausfall reduziert werden können, sollten die Ergebnisse der Arbeit zukünftig bereits bei der Bestrahlungsplanung Beachtung finden.
Auch die zahnärztliche Supportivtherapie sollte diesen Sachverhalt durch eine weitere Intensivierung der Prophylaxemaßnahmen berücksichtigen.

Bei Patienten, die mit einer simultanen Radiochemotherapie (Bestrahlung und Chemotherapie) behandelt wurden, ist die Schadenswahrscheinlichkeit der Speicheldrüsen im Mundbereich wesentlich erhöht. Diese Wahrscheinlichkeit nimmt mit zunehmender Strahlendosis deutlich zu. Patienten mit kombinierter Radiochemotherapie unterliegen somit einem höheren Risiko, infolge der onkologischen Behandlung unter einer sehr unangenehmen Mundtrockenheit zu leiden. Dies ist das Ergebnis eines halleschen Forschungsprojektes, welches gerade auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltungskunde (DGZ) mit dem Wrigley Prophylaxe Preis (2. Platz) ausgezeichnet worden ist.

Pressemitteilung Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Jens Möller M.A.


Krebszeitung

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  • Postkarte für die Darmkrebs-Vorsorge - Quelle: Dr. Thomas Block
    Darmkrebs

    Postkarte für die Darmkrebs-Vorsorge - Quelle: Dr. Thomas Block

    (12.03.2012) Darmkrebs kann durch eine vorbeugende Darmspiegelung verhindert werden und ein rechtzeitig erkannter Darmkrebs ist heilbar. „Dennoch sterben jährlich bundesweit rund 26.000 Menschen an dieser Tumorform“, erklärt der Leverkusener Gastroenterologe Dr. Thomas Eisenbach. Gemeinsam mit seinen Kollegen Dr. Gabriela Schwarz, Dr. Karl-Georg Simon und Dr. Thomas Block hat er deshalb anlässlich des diesjährigen Darmkrebsmonats eine Aktion initiiert, mit der die Menschen motiviert werden sollen, die Möglichkeit der Vorsorgeuntersuchung zu nutzen.

     

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    Krebserkrankungen sind schwer zu behandeln, weil sich Tumore in jedem Patienten anders verhalten und im Laufe der Zeit verändern. Mehr Erfolg ist daher von Therapien zu erwarten, bei denen mehrere Medikamente miteinander kombiniert werden. Dafür müssen die molekularen Besonderheiten des jeweiligen Tumors bestimmt werden.

    Diesen Ansatz verfolgt Thomas Lengauer, Direktor am Max-Planck-Institut für Informatik, seit langem erfolgreich für die HIV-Therapie. Gemeinsam mit seinem früheren Mitarbeiter Christoph Bock hat er jetzt einen Artikel in der renommierten Zeitschrift Nature Reviews Cancer veröffentlicht. Darin zeigen die Autoren Perspektiven auf, wie eine personalisierte Krebsbehandlung in Zukunft aussehen könnte.

    Eine HIV-Infektion ist unheilbar, auch wenn sie sich von einer ursprünglich unweigerlich tödlichen Krankheit heute bei richtiger Behandlung zu einer lebenslangen chronischen Krankheit gewandelt hat. HIV- infizierte Patienten müssen sich im Laufe Ihres Lebens mehrfach einem Therapiewechsel unterziehen, da einzelne Therapien nach einer gewissen Zeit unwirksam werden. „Das liegt daran, dass sich das Virus im Patienten laufend verändert und gegen einzelne Medikamente Resistenzen entwickelt. Ein ähnliches Muster ist bei Krebs zu beobachten“, sagt Bioinformatiker Christoph Bock, der am CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien arbeitet. In den vergangenen Jahren wuchs das Wirkstoffarsenal gegen HIV. Ärzte sammelten Erfahrung, wie man Kombinationen solcher Medikamente verabreichen kann. Auf der Basis der Analyse des viralen Genoms kann man mithilfe des Computers Resistenzen erkennen und vielversprechende Therapien vorschlagen.

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