Genetische Programmierung lässt Immunzellen zu wirksamen „Krebs-Killern“ werden

Immunzellen (T-Zellen) im Bauchspeicheldrüsenkrebs, die ihre Entzündungsstoffe (Zytokine) über den alternativen p38-Signalweg bilden und dadurch das Tumorwachstum fördern. Pathologisches Institut, Universitätsklinikum Heidelberg
Immunzellen (T-Zellen) im Bauchspeicheldrüsenkrebs, die ihre Entzündungsstoffe (Zytokine) über den alternativen p38-Signalweg bilden und dadurch das Tumorwachstum fördern. Pathologisches Institut, Universitätsklinikum Heidelberg

Mainzer Wissenschaftler schaffen die Grundlage für die Entwicklung einer neuartigen Immuntherapie bösartiger Tumorerkrankungen beim Menschen. Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeiten hat jetzt das international hoch-renommierte Wissenschaftsjournal „Immunity“ in seiner Januarausgabe (Vol. 22, Nr. 1, S. 117-129) veröffentlicht.

Immuntherapie bösartiger Tumorerkrankungen

Ärzte und Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz schaffen die Grundlage für die Entwicklung einer neuen, weit reichenden Immuntherapie bösartiger Tumorerkrankungen beim Menschen: Univ.-Prof. Dr. med. Matthias Theobald, Stiftungsprofessor der Carreras-Stiftung an der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik, Schwerpunkt Hämatolo-gie/Onkologie, und sein Team erzielten einen maßgeblichen Fortschritt darin, wie das Immunsystem effizient und zielgerichtet gegen Krebszellen eingesetzt werden kann. Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeiten hat jetzt das international hoch-renommierte Wissenschaftsjournal „Immunity“ in seiner Januarausgabe (Vol. 22, Nr.1, S. 117-129) veröffentlicht.

Gesunde Zellen, die sich in Krebszellen umbilden, erzeugen bzw. präsentieren sich mit großen Mengen an Eiweißstoffen (Proteinen) sogenannte „Tumor- und Leukämie-assoziierte Antigene“ (TAA). Obwohl die Immunzellen diese TAAs erkennen und identifizieren, war es bislang schwierig, auf der Basis dieses Prozesses Immuntherapien für Krebspatienten zu entwickeln. Denn viele gesunde Zellen und das Zellgewebe produzieren ebenfalls kleine Mengen von TAAs, die der menschliche Körper zu einem gewissen Maß toleriert, was ihn insgesamt von einer heftigen Immunabwehr abhält.

Ziel der Mainzer Wissenschaftler war es daher, die Immuntoleranz der TAAs im menschlichen Körper zu umgehen, indem die hauptsächlichen Immunzellen (CD4 T-Helferzellen und CD8 T-Killerzellen) im Wesentlichen neu ausgerichtet werden. Dabei konzentrierten sich die Mainzer Forscher insbesondere auf das „p53 tumor suppressor protein“, das in den meisten Fällen menschlicher Tumorerkrankungen verändert ist, aber im menschlichen Körper toleriert wird, da auch normale Zellen geringe Mengen von natürlichem p53 erzeugen.

Professor Theobald und sein Team bedienten sich nun eines ausgeklügelten gentechnischen Verfahrens. Sie arbeiteten mit Mäusen, die genetisch so verändert waren, dass deren gewöhnlichen CD8 T-Killerzellen die Fähigkeit zur Entwicklung einer Immuntoleranz gegenüber dem p53-Protein fehlte. Gleichzeitig erzeugten sie einen “ Immunzell-Rezeptor (T-Zellrezeptor)“, der speziell das „p53 tumor suppressor protein“ mit ungewöhnlich hoher Effizienz identifiziert. Die Gene für diesen Rezeptor wurden dann auf die menschlichen Immunzellen übertragen und führten zu neu ausgerichteten Immunzellen (CD4 T-Helferzellen und CD8 T-Killerzellen), die die Tumorzellen aggressiv angriffen.

„Unsere Forschungsergebnisse legen den Grundstein für die Entwicklung einer neuartigen und umfassenden Immuntherapie bösartiger Tumorerkrankungen“, so Univ.-Prof. Dr. med. Matthias Theobald.

Weitere Informationen:
Univ.-Prof. Dr. med. Matthias Theobald
III. Medizinische Klinik und Poliklinik
Schwerpunkt Hämatologie/Onkologie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
55101 Mainz
E-Mail: theobald@3-med.klinik

Pressemitteilung, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Petra Giegerich


Krebszeitung

--Download Genetische Programmierung lässt Immunzellen zu wirksamen "Krebs-Killern" werden als PDF-Datei --


  • Zeichnung der Anlage der AMS 700 und AMS 800 als AMS 1500. - Grafik Detlef Höwing
    Allgemein
    Bei etwa 30% aller zystektomierten Menschen tritt in der Folge eine Harninkontinenz auf, die sich nicht mit Beckenbodentraining beherrschen lässt, da der natürliche innere Sphinkter (Blasenschließmuskel) bei der Entfernung der Blase mit entfernt wurde. Außerdem [...mehr lesen]
  • Links die normale Lage der Nebennieren (gelbe Pfeile) im Körper, rechts ein Nebennieren-karzinom in einer kernspintomographischen Darstellung. Bild: Medizinische Klinik
    Nierenkrebs

    Der beste Parameter zur Bestimmung der Nierenfunktion ist die glomeruläre Filtrationsrate (GFR), die jedoch nicht direkt gemessen, sondern nur über indirekte Clearance-Verfahren bestimmt werden kann. Das übliche Vorgehen zur Bestimmung der GFR war bisher die Berechnung der Kreatinin-Clearance aus dem 24-Stunden-Sammelurin – eine recht aufwändige Messmethode. Daher wurde in der Praxis statt dessen oft nur die einfache Bestimmung des Serumkreatinin vorgenommen, welches allerdings wenig sensibel ist und eine große diagnostische Lücke offen lässt.

    […mehr lesen]

Google News – Gesundheit