Gewinnorientierung der Krankenhäuser: Zu viele OPs auch bei Prostatakrebs?

Schmerz - pixabay

Die MONITOR-Journalistin, Sonia Mikich, traf einen Nerv: Sie schilderte in dem Buch „Enteignet“ ihr Martyrium als Opfer eines Gesundheitssystems, in dem zu viele unnötige Untersuchungen und Operationen durchgeführt werden. Nicht medizinische Notwendigkeit oder Patientenwohl seien ausschlaggebend für eine Therapieentscheidung, sondern der Profitdruck, unter dem Ärzte und Kliniken in diesem System stünden. Patienten würden oft nicht ausreichend über konservative Heilmethoden aufgeklärt, stattdessen übereilt in die Chirurgie überwiesen – denn mit Operationen ist mehr Geld zu verdienen.

Dieses Szenario beobachtet die Stiftung Männergesundheit seit geraumer Zeit mit Sorge, denn auch bei Prostatakrebs werden, so die Einschätzung der Experten, unnötige Operationen durchgeführt. „Prostatakrebs trifft in der Regel ältere Männer, schreitet oft nur langsam voran und stellt daher selten eine tödliche Bedrohung für die Betroffenen dar. Abwarten und engmaschig beobachten, ist daher für viele Patienten die bessere Option, zumal Impotenz und Inkontinenz häufige Folgen der OP bzw. Bestrahlung sind – behandelte Patienten also deutlich an Lebensqualität einbüßen“, erklärt Prof. Dr. med. Lothar Weißbach, Wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung Männergesundheit. „Die Vermutung liegt nahe, dass auch hier ökonomische Gründe die Therapieentscheidung beeinflussen“.

Denn besonders bei den älteren und sehr alten Männern ist die Zahl der Prostataentfernungen bedenklich gestiegen: bei den 70-74-Jähigen von 36,8/10.000 Männer in 2009 auf 40,4/10.000 Männer in 2011 [1]. Bei den 80-84-Jährigen hat sich die Rate in den zwei Jahren zwischen 2009 und 2011 sogar mehr als verdoppelt, von 0,7/10.000 auf 1,6/10.000 Männer [1].

Bereits 2008 initiierte die Stiftung Männergesundheit mit Unterstützung des Unternehmens gazprom Germania die erste große urologische Versorgungsstudie zum Prostatakarzinom im deutschsprachigen Raum (HAROW- Studie). Diese Erhebung erfasst neben der Versorgungssituation auch Parameter der Lebensqualität und der Ökonomie. Die Ergebnisse der Studie, die im Frühjahr 2014 vorliegen werden, erlauben nicht nur, die gewählten Therapiewege quantitativ auszuwerten, sondern sie auch qualitativ zu beurteilen.

„Die Studie wird viele Fragen beantworten und Licht in das Dunkel der Versorgungspraxis bringen, die immer noch viel zu weit von den Empfehlungen der Leitlinie entfernt ist“, so Weißbach.

[1] http://de.statista.com/statistik/daten/studie/238279/umfrage/anzahl- der-prostataektomien-bei-barmer-gek-versicherten-nach-alter/

Für Rückfragen:
Pressestelle Stiftung Männergesundheit; Dr. Bettina Albers
Telefon 03643 776423, Telefax 03643 776452
E-Mail albers@albersconcept.de

Weitere Informationen finden Sie unter
http://wwww.stiftung-maennergesundheit.de


Krebszeitung

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  • Dr. Hans-Joachim Gebest, Dr. Stefanie Seltmann, Prof. Annette Schavan, Prof. Otmar D. Wiestler (v.l.n.r.) bei der Pressekonferenz zur Erweiterung des KID zum Nationalen Referenzzentrum für Krebsinformation - Quelle: dkfz
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    Dr. Hans-Joachim Gebest, Dr. Stefanie Seltmann, Prof. Annette Schavan, Prof. Otmar D. Wiestler (v.l.n.r.) bei der Pressekonferenz zur Erweiterung des KID zum Nationalen Referenzzentrum für Krebsinformation - Quelle: dkfzDas Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert den Ausbau des Krebsinformationsdienstes (KID) am Deutschen Krebsforschungszentrum zu einem „Nationalen Referenzzentrum für Krebsinformation“. Durch die institutionelle Förderung kann der Dienst adäquat personell an die gestiegenen Anforderungen angepasst werden. Dies schafft die notwendigen Voraussetzungen dafür, um den wachsenden Bedarf an qualitätsgeprüfter Information über Krebs in der Bevölkerung zu decken und vermehrt auch Fachkreisen für Anfragen zur Verfügung zu stehen.

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    Vor mehr als zwanzig Jahren wurde der Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg gegründet. Was damals als Projekt begann und seitdem durch das Bundesministerium für Gesundheit ideell und finanziell unterstützt wird, ist heute eine fest etablierte Einrichtung im Gesundheitssystem mit breiter Akzeptanz in der Bevölkerung und in der Fachwelt. KID stellt kostenlos und neutral per Telefon, Email und im Internet aktuelle, wissenschaftlich fundierte und allgemein verständliche Informationen zum Thema Krebs bereit. Mit diesem Angebot ist der Krebsinformationsdienst in Deutschland einzigartig. Ein großes Problem bestand bislang allerdings in der nur begrenzten Kapazität des KID, der eine bundesweite Verfügbarkeit verhinderte. Dies wird sich nun durch eine dauerhafte Finanzierung durch das Bundesforschungsministerium grundlegend ändern. Für das Jahr 2010 sind hierfür 3,3 Millionen Euro vorgesehen.

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    Erkenntnisse zur Regulation der Immunabwehr bieten neue Therapiemöglichkeiten

    Regulatorische T-Zellen hemmen die Wirkung anderer Lymphozyten und steuern damit die Stärke einer Abwehrreaktion. Ein Überschuss an Effektor-T-Zellen führt bei Mäusen zu Autoimmunerkrankungen, während ein Übermaß an regulatorischen T-Zellen die Entstehung von Krebs begünstigt: Die regulatorischen T-Zellen unterdrücken die Effektor-T-Zellen und unterbinden die körpereigene Bekämpfung von Tumoren.

     

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